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Neutralität könnte man auch so definieren: Wenn man es allen recht machen will.
Diese Haltung kann einen natürlich dann und wann in unangenehme Situationen führen, wie jetzt zum Beispiel Aussenminister Ignazio Cassis.
Sein diplomatischer Eiertanz in Sachen Spion:innen aus Russland hat ihm einen Rüffel durch die Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments eingebracht.
Schweiz · Geheimdienst
Russen-Spione haben leichtes Spiel in der Schweiz

Sicherheitspolitische Interessen vs. Aussenpolitische Vorsicht. (Foto: Sydney/Wikimedia)
Die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) des Parlaments kritisiert in ihrem neuesten Bericht, dass das Aussendepartement (EDA) unter FDP-Bundesrat Ignazio Cassis zu zögerlich gegen Spionage vorgeht.
So laufe die Schweiz Gefahr, zum globalen «Hotspot» für ausländische Agent:innen zu werden, heisst es im Blick.
Trotz einer drastisch verschlechterten Sicherheitslage folge das EDA den Ablehnungsempfehlungen des Nachrichtendienstes «in einer relevanten Zahl von Fällen nicht».
Während der Nachrichtendienst 2025 eine Rekordzahl von 30 Ablehnungen für Diplomat:innen-Akkreditierungen empfahl, zeigt sich das EDA aus Sorge vor diplomatischen Gegenreaktionen zurückhaltend.
Besonders im Visier der Fahnder steht Russland: Bereits 2022 stufte der Nachrichtendienst ein Drittel des russischen Botschaftspersonals als Geheimdienstler:innen ein. Dennoch zeigt sich das EDA äusserst zurückhaltend, um das Schutzmachtmandat für Georgien in Russland nicht zu gefährden.
Für die Solothurner SP-Ständerätin Franziska Roth ist diese Rücksichtnahme unerträglich: «Angesichts der Bedrohungslage kann ich die ‹Arbeitsverweigerung› durch den Bundesrat und namentlich das EDA nicht nachvollziehen», sagt sie im Tages-Anzeiger.
Die GPDel erwartet, dass sicherheitspolitische Interessen künftig schwerer wiegen als aussenpolitische Vorsicht. Es bestehe «erheblicher Handlungsbedarf».
Schweiz · Jagdbilanz
89 Wölfe präventiv geschossen – was bringts?

Welpen des Beverin-Rudels im Jahr 2019. (Foto: Kora/Hans Gartmann/AJF)
In der Schweiz wurden zwischen September und Ende Januar insgesamt 89 Wölfe präventiv geschossen, wie die Stiftung Kora mitteilt. Damit bleibt die Zahl der Abschüsse im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil. Graubünden und das Wallis führen die Statistik mit 35 beziehungsweise 24 Tieren an.
Es war die dritte Phase der proaktiven Regulierung auf Basis des revidierten Jagdgesetzes, welche die Koexistenz von Mensch und Wolf ermöglichen soll.
Die Kantone ziehen gemäss SRF eine gemischte Bilanz: Laut Adrian Arquint (Amt für Jagd Graubünden) verhalten sich die Wölfe durch den Jagddruck wieder scheuer. Im Wallis sanken die Entschädigungen für Nutztierrisse um 57'000 Franken, während die Waadt einen enormen personellen Aufwand beklagt.
«Dort, wo stabile Rudel sind, nehmen die Risszahlen ab.»
Trotz der Abschüsse wächst die Wolfspopulation weiter an, berichtet der Tages-Anzeiger. Biologe Simon Aeschbacher gibt zu bedenken, dass frei werdende Reviere äusserst schnell neu besetzt werden – wie bei einer freien Wohnung.
Kritik kommt auch von Biologe Andreas Moser. Er warnt, dass die Zerstörung stabiler Rudel eine «Stressreproduktion» auslösen könne, was zu mehr Nachwuchs führe. Zudem seien instabile Jungwölfe unberechenbarer.
Moser bemängelt, das Management sei eher politisch als wissenschaftlich motiviert: «Dort, wo stabile Rudel sind, nehmen die Risszahlen insgesamt ab.»
Schweiz · Abzocke
92-Jährige übertölpelt: Miese Masche im Salt-Store

Auch moderne Senior:innen benötigen selten mehr als ein Handy-Abo. (Screenshot: SRF/Kassensturz)
Handy-Läden haben für mich stets etwas von einem Basar. Das kann sehr charmant sein – manchmal ists aber auch ziemlich mühsam.
Was nun aber die 92-jährige Elisabeth Lange im Salt-Store am Berner Bärenplatz erlebt hat, ist einfach nur dreist.
Wie der Kassensturz berichtet, wollte die Seniorin ihr Internet-Abo zu Salt wechseln. Da Salt den bestehenden Vertrag bei der Konkurrenz nicht kündigen konnte, stornierte man Langes Vertrag und verrechnete ihr 500 Franken Stornogebühr.
Doch es kommt noch schlimmer: Bei einem späteren Besuch wegen eines technischen Problems mit ihrem Handy drängte das Personal Lange vier weitere Abos, vier Smartphones und fünf Musikboxen auf. Kosten: 200 Franken monatlich für zwei Jahre.
«Ich hatte nur eine Frage zu meinem Telefon, dann hat er ein paar Formulare hervorgeholt und gesagt, das sei alles das Gleiche und ich müsse einfach unterschreiben», erzählt Elisabeth Lange. Trotz Intervention beharrte Salt auf den Verträgen; eine Auflösung sollte 4200 Franken kosten.
Lange ist offenbar kein Einzelfall: Einem dementen 83-Jährigen wurden in derselben Filiale ebenfalls fünf Abos verkauft.
Sara Stalder vom Konsumentenschutz vermutet, dass das Personal auf Provisionsbasis arbeitet. Und sie kritisiert diese falschen Anreize. Salt bestätigt ein «variables Vergütungssystem», betont aber: «Verkaufsabschlüsse, die nicht am tatsächlichen Bedarf der Kundinnen und Kunden ausgerichtet sind, tolerieren wir nicht.»
🐶 Hund des Tages
Graham verpasst Titel «Best in Show» knapp

Sieger in der Kategorie Hütehunde: Graham. (Screenshot: The Westminster Kennel Club/Getty Images)
Vergangene Nacht ging in New York die 150. Westminster Kennel Club Dog Show zu Ende. Es handelt sich dabei um die prestigeträchtigste Hundeschau der Welt. Den Titel «Best in Show» gewonnen hat gemäss New York Times die Dobermann-Hündin Penny (nicht im Bild).
Im Final knapp geschlagen geben musste sich Graham (im Bild): Der vierjährige Old English Sheepdog mit dem offiziellen Namen «GCHB CH Bugaboo’s Give Me Smore’» sicherte sich den Sieg in der Gruppe der Hütehunde.
Geführt von Colton Johnson, setzte sich der flauschige Champion bereits am Montag gegen 34 andere Hunde seiner Gruppe durch. «Sie sind glücklich, sie sind sozial, sie sind selbstbewusst», sagte Johnson nach dem Erfolg mit seinem Hütehund. «Es macht viel Spass, mit ihnen zusammenzuleben.»
Kurz-News
Es ist nur ein Test · Heute findet in der Schweiz der jährliche Sirenentest statt. Ab 13.30 Uhr wird landesweit der «Allgemeine Alarm» (auf- und absteigender Heulton) geprüft. Ab 14 Uhr folgt in Gebieten unterhalb von Stauanlagen der «Wasseralarm» (zwölf tiefe Dauertöne). Insgesamt werden rund 7’200 Sirenen auf ihre Funktion getestet, heisst es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz. «Die Bevölkerung wird um Verständnis für die mit der Sirenenkontrolle verbundenen Unannehmlichkeiten gebeten.»
Cassis angezeigt · 25 Schweizer Anwält:innen und ehemalige Diplomat:innen haben FDP-Aussenminister Ignazio Cassis beim Internationalen Strafgerichtshof angezeigt. Die Gruppierung «Stop Complicity» wirft ihm Mitschuld an israelischen Kriegsverbrechen vor. Kritikpunkt ist die militärische Zusammenarbeit mit Israel, die Cassis nicht verhindert habe. Das EDA weist die Vorwürfe gemäss NZZ zurück und betont das humanitäre Engagement der Schweiz sowie die Forderung nach einem Waffenstillstand.
Jeder dritte Krebsfall vermeidbar · Zum heutigen Weltkrebstag veröffentlichte das Fachmagazin Nature Medicine eine neue Studie. Darin heisst es etwa, dass in der Schweiz fast jeder dritte Krebsfall vermeidbar wäre. Bei Frauen sind 29 Prozent, bei Männern sogar 37 Prozent der Neuerkrankungen auf beeinflussbare Faktoren zurückzuführen, berichtet Watson. Das Hauptrisiko ist das Rauchen (bis zu 21 Prozent), gefolgt von Infektionen, UV-Strahlung und Alkohol. Laut den Forschenden könnte eine gezielte Prävention die globale Krebslast bis 2040 entscheidend senken.
International
Gaddafi-Sohn getötet · Saif al-Islam al-Gaddafi ist tot. Der Sohn des 2011 gestürzten Diktators wurde laut seinem Büro in der Stadt Sintan von maskierten Männern ermordet. Er galt gemäss Tages-Anzeiger als politischer Rivale der aktuellen Regierung in Tripolis und wollte bei künftigen Wahlen antreten. Gegen den 53-Jährigen lag ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.
Goldene Trump-Statue · Eine 4,5 Meter hohe, vergoldete Statue von US-Präsident Trump soll gemäss New York Times auf einem Golfplatz in Florida enthüllt werden. Das Projekt «Don Colossus» wurde von Krypto-Investoren finanziert, um die Digitalwährung $PATRIOT zu bewerben. Während der Sockel bereits steht, gibt es Streit: Der Künstler fordert unbezahlte Honorare. Und der Trump-Clan distanziert sich öffentlich vom Coin, dessen Wert zuletzt einbrach. Wie ging nochmals die Geschichte vom Goldenen Kalb aus?
🖋️ Nützliches des Tages
Fülli

Und wo ist der Killer, wenn man ihn mal braucht? (Foto: Unsplash/Aaron Burden)
Wer weiss noch, wie man ein grosses X in «Schnürlischrift» schreibt?
Ich habe es mal einigermassen gekonnt; davon zeugen alte Schulhefte, die mit unschmeichelhaften, roten Botschaften des damaligen Lehrpersonals versehen sind: «Schrift!».
Heute bringe ich es kaum mehr zustande. Und das ist schlecht für mein Gehirn, wie Nature berichtet, eine der angesehensten Fachzeitschriften für Naturwissenschaften.
Wissenschaftler:innen betonen, dass das Schreiben von Hand das Gehirn deutlich stärker stimuliert als das Tippen auf einer Tastatur. Während beim Tippen nur simple Fingerbewegungen ausgeführt werden, entstehen beim Handschreiben komplexe motorische Muster.
Die Neurowissenschaftlerin Karin Harman James von der Indiana Uni in den USA konnte mittels MRT-Scans zeigen, dass bei Kindern, die Buchstaben von Hand schreiben, dieselben Hirnareale aktiviert werden wie bei Erwachsenen beim Lesen. Dieser Effekt blieb bei Kindern, die nur tippten, aus. «Es scheint, dass der Akt des Handschreibens den Kindern wirklich hilft, Dinge zu identifizieren.»
Auch Audrey van der Meer von der Uni Trondheim untersuchte die elektrische Hirnaktivität. Sie stellte fest, dass die Gehirne beim Handschreiben in den Lern- und Gedächtniszentren hochgradig aktiv sind.
In Norwegen fordern Forschende nun die Rückkehr zur Stiftpflicht, da Erstklässler:innen teils kaum noch einen Stift halten können. Van der Meer: «Beim Schreiben von Hand bildet man all diese komplizierten motorischen Muster, während es beim Tippen nur sehr einfache Fingerbewegungen sind.»
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter 🔵



