Guten Morgen {{vorname}}
Wenn die Tage heisser werden, schalten viele Redaktionen in den Sommerlochmodus. Die News haben dann den Gehalt einer Vanilleglace, die auf versiegelten Asphalt tropft. Man geht also böötlen, erklärt, wie es auf Autobahnen in höchst seltenen Fällen zur Spontanbildung einer heimtückischen Schanze kommen kann, interviewt mal wieder eine Mitarbeiterin im Kühllager eines Grossverteilers: «Der coolste Job der Schweiz!»
Der Klassiker im Genre der Hitze-Berichterstattung ist aber die Frage: Wann gibts denn jetzt endlich hitzefrei? Nicht sofort, meinen die Lehrerinnen und Lehrer. Aber auch sie fordern, heuer bereits im Mai, ab 30 Grad den Unterricht in den Wald zu verlegen.
Schweiz · 🥵
Lehrerverband schlägt Alarm

Kluge Köpfe kühlen sich. (Foto: Peter Aeschlimann)
Während sich die Leute vor den Gelaterias die Füsse in den Bauch stehen, purzeln die Rekorde: Früheste Tropennacht im Tessin! Nullgradgrenze auf 4328 Metern! 19 Grad in der Aare – und das im Mai!
Kein Wunder, dass diese Geschichte heuer früher als gewohnt kommt: Der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) fordert angesichts der Hitzewelle Massnahmen gegen die Überhitzung von Klassenzimmern. Weil viele Schulhäuser schlecht gedämmt sind, steigen die Temperaturen im Unterricht oft über 26 Grad. Laut dem Verband ist das «kein reines Komfortproblem», sondern beeinträchtigt die Gesundheit und Lernleistung der Kinder erheblich.
Der Verband schlägt gemäss CH Media ein dreistufiges System vor: Bis 26 Grad läuft der Unterricht normal. Zwischen 26 und 30 Grad müssen Schulen in kühlere Räume ausweichen. Steigen die Temperaturen über 30 Grad, soll der reguläre Unterricht am Nachmittag eingestellt und etwa in den Wald verlegt werden.
Der Gesundheitsschutz dürfe nicht «vom Budget eines Kantons oder einer einzelnen Gemeinde abhängen», so der LCH. Langfristig fordert das am Dienstag veröffentlichte Positionspapier deshalb eine Pflicht zu besserer Beschattung, zur Begrünung von Schulanlagen sowie zu angepassten Bauweisen bei Sanierungen und Neubauten. Reicht das nicht aus, sollen auch Klimaanlagen mit Solarbetrieb installiert werden dürfen.
Wenn du zur Abkühlung heute ins Wasser steigst, sei dir der Gefahren bewusst. Wie Watson berichtet, sind im vergangenen Jahr in der Schweiz 43 Personen in Gewässern ertrunken. Besonders betroffen sind Männer, die 80 Prozent der Opfer ausmachen, sowie ältere Menschen über 65 Jahren. Die meisten Unfälle ereigneten sich in Seen und Flüssen.
Schweiz · Bundesgericht
Aus für E-Zigis mit Zusatztank

Ausgetrickst: Richter:innen verbieten Zusatztanks für E-Zigaretten. (Foto: Unsplash/Nery Zarate)
Das Bundesgericht stoppt die Tricks der Vape-Industrie und verbietet E-Zigaretten mit grossen Zusatztanks. In zwei neuen Urteilen stellen die Lausanner Richter:innen klar, dass die gesetzliche Obergrenze von zwei Millilitern Tankvolumen absolut verbindlich ist. Ansteckbare Kartuschen oder grössere Behälter sind damit illegal.
Händler hatten das seit Oktober 2024 geltende Tabakproduktegesetz zuvor mit einem Trick umgangen, schreibt mein Kollege Thomas Angeli im Beobachter: Sie verkauften Vapes mit minimalem Haupttank, legten aber standardmässig einen grossen Zusatztank bei. Auch das Argument eines Händlers, die Tanks seien zwar gross, enthielten aber anfangs weniger Flüssigkeit, liess das Gericht nicht gelten.
Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention begrüsst den Entscheid. «Wir haben schon immer gesagt, dass Vapes mit Zusatztanks illegal sind. Nun müssen diese Produkte sofort aus dem Handel genommen werden», sagt Mediensprecher Wolfgang Kweitel.
Noch zeigen die Urteile im Handel kaum Wirkung. Eine Stichprobe des Beobachters bei fünf Onlineshops ergab, dass die illegalen Produkte dort vorerst alle weiterhin problemlos erhältlich waren.
Schweiz · Fachkräftemangel
Tierärzt:innen am Limit

Fido mit Bobo. (Foto: Unsplash/Bucography)
Tierärzt:innen in Randregionen beklagen einen Fachkräftemangel. Viele Praxen würden kein Personal mehr finden, berichtet die SRF-Rundschau. «Wir haben alle Universitäten der deutschsprachigen Länder angeschrieben. Es kommt: nichts», sagt Fadri Vincenz, der in Ilanz GR eine Praxis betreibt und Zwölfstundentage leistet. «Wenn eine Geburt kommt, muss man halt los.»
Gründe für den Engpass sind steigende Haustierzahlen, Pensionierungen und ein hoher Teilzeitanteil. Der Beruf gilt als physisch und psychisch extrem fordernd. Die Tierärztin Sarah Lopez arbeitet bewusst nur 80 Prozent, um sich zu erholen: «Die Ansprüche der Kunden sind hoch – und trotzdem wollen sie oft nicht viel Geld ausgeben.»
Bisher füllen Fachkräfte aus dem Ausland die Lücken; jede dritte Praxis setzt auf ausländische Diplome. Nun prüft die Vetsuisse-Fakultät der Universitäten Zürich und Bern eine Erhöhung der jährlichen Studienplätze von 172 auf 272. Dekan Roger Stephan warnt jedoch: «Allein die Studienplätze zu erhöhen, löst das Problem nicht.» Rund ein Viertel der Abgänger:innen steige in den ersten drei Jahren wieder aus. Die Politik müsse deshalb zwingend bei den Arbeitsbedingungen ansetzen.
🟩⬜ Zitat des Tages
«Ich stehe ziemlich doof da»

Jetzt spricht Fast-Präsident Stefan Kölliker. (Screenshot: Blick)
Der Machtkampf beim FC St. Gallen ist entschieden. Verloren hat: Stefan Kölliker. Der Ex-Regierungsrat dachte bis Dienstag, er werde der neue Präsident, da der Vertrag von Matthias Hüppi auslaufe. Gestern verkündete Hüppi jedoch, dass er weitermache, gestützt von zwei Grossaktionären.
«Es ist bedauerlich, wie das Ganze abgelaufen ist. Ich stehe ziemlich doof da», sagt Kölliker im Blick. Die Grossaktionäre hatten ihn nach einem ordentlichen Auswahlverfahren einstimmig nominiert, weil Hüppi mit einer Antwort gezögert habe.
Eigentlich wollte Kölliker dem FCSG «Gutes tun», schliesslich hatte er den Klub als Sportminister fast zwei Jahrzehnte lang eng begleitet. Doch er preschte zu früh vor: Sein TV-Auftritt am Dienstag, in dem er bereits als neuer Boss sprach, wurde tags darauf durch Hüppis überraschende Pressekonferenz Makulatur.
Was bleibt vom Putsch in der Ostschweiz? Vermutlich ein paar Schnitzelbänke nächstes Jahr an der Fasnacht in der Nordwestschweiz.
Kurz-News
Streit um Zweitwohnungen · Ein Bauboom nach dem Bergsturz von Blatten VS sorgt im Lötschental für Streit. SVP-Bundesrat Albert Rösti erwägt gemäss Tages-Anzeiger eine Lockerung des Zweitwohnungsgesetzes. Zerstörte Ferienwohnungen aus Blatten sollen in den Nachbardörfern neu gebaut werden dürfen, obwohl dort die 20-Prozent-Grenze bereits überschritten ist. Während Wiler die Pläne begrüsst, wehren sich Kippel und Ferden gegen die drohende Überbauung.
Weniger Tiktok beim Bund · Der Bund baut in der Öffentlichkeitsarbeit bis 2029 über 60 Vollzeitstellen ab und spart 25 Millionen Franken. Damit setzt der Bundesrat einen Sparauftrag des Parlaments um, berichtet die NZZ. Das Angebot auf Social Media und Webseiten wird reduziert, Informationen werden stärker zentralisiert. Am härtesten trifft es das Verteidigungsdepartement, das mit 6,7 Millionen Franken mehr als ein Viertel der Kürzungen tragen muss.
Metallica covern Polo · Die Rockband Metallica begeisterte gestern Abend fast 50’000 Fans im ausverkauften Zürcher Letzigrund. Mitten im Konzert stimmte Bassist Robert Trujillo den Schweizer Mundart-Klassiker «Alperose» von Polo Hofer an – auf Berndeutsch. Trotz 30 Grad Hitze lieferte die Band eine energiegeladene Show ab, schreibt Nau. Auch vor dem Stadion versammelten sich hunderte Ticketlose, um die Hits der Band lautstark mitzugrölen.
International
Verteidigungsabkommen vereinbart · Norwegen rückt unter den nuklearen Schutzschirm Frankreichs. In Paris vereinbarten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Norwegens Premier Jonas Gahr Støre zudem ein Verteidigungsabkommen mit einer gegenseitigen Beistandsklausel. Der Schritt erfolgt als Reaktion auf die russische Bedrohung und um Europas Unabhängigkeit zu stärken, berichtet der Tages-Anzeiger. Die Abschreckung wird laut Støre aber weiterhin im Wesentlichen durch die Nato gewährleistet.
Trump droht jetzt auch Oman · US-Präsident Donald Trump hat dem Verbündeten Oman mit einem Angriff gedroht, falls das Sultanat bei der Strasse von Hormus mit dem Iran kooperieren sollte. Man werde das Land «in die Luft jagen», sollte sich Oman an der Kontrolle der Meerenge beteiligen, so Trump. Das Weisse Haus liess gemäss Spiegel offen, ob es sich um einen Versprecher handelte.
❤️🔥 Nützliches des Tages
W. Nuss vo Bümpliz

Bockstössigi Himbeerbuebe: Büne Huber, 2019, auf dem Güsche. (Screenshot: Youtube/Patent Ochsner)
Bekannt ist, dass Büne Huber, der Sänger der Berner Band Patent Ochsner, Fussballer nicht so gerne mag. Er habe die Schnauze voll von Fussballern mit tätowierten Unterarmen, die sich im Strafraum wie Fallobst verhalten würden, meinte er einst. «Wenn ich in Italien den kleinen Jungs bei einem Freistoss zugucke, dann stehen sie alle da wie Ronaldo und spucken rum. Und dann fliegt der Ball in die nächste Gelateria.»
Was Büne Huber hingegen mag, ist Eishockey. Deshalb ist er in diesen Tagen auch zum inoffiziellen Maskottchen des Schweizer Teams an dessen Heim-WM geworden. Gewinnt die Schweiz, dröhnt aus den Stadionboxen Patent Ochsners Überhit «W. Nuss vo Bümpliz».
Heute Abend spielt die Schweiz gegen Schweden. Zur Einstimmung empfehle ich dir einen Mitschnitt des Konzerts auf dem Gurten von 2019. Büne und Co. waren damals in absoluter Höchstform. Tritt die Schweizer Nati ähnlich souverän auf, sehen wir uns im Halbfinal.🇨🇭
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Nimms wies chunnt und las la gah!
Peter
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