Guten Morgen {{vorname}}
Vieli Lütlis schribe lieber uf Schwizerdütsch, wüu si Angscht hei, sech mit Rächtschribfähler z’blamiere. Bi mir ischs grad umgekehrt: Ig ha ke Ahnig, wie me uf Bärndütsch schribt. Drum antworte ig ou immer uf Hochdütsch, we mir öpper äs SMS oder so schickt.

Und ou we du villech jetzt de grad sofort ufs «Lieber vergässe!»-Chnöpfli drücksch, wüu fingsch, ig sig e kulturpessimistischä Boomer – henu! I finges haut eifach agnähmer. Und ou viu verschtändlecher aus das Chuderwäutsch da.

Nume eis wirdeni ganz sicher erscht denn mache, we sech mini Finger nümm über ne Taschtatur löh la gleite: E Sprachnachricht ufnäh. Das fingeni s’Hingerletschte. Aber item: Cha u söu jedi u jede grad eso mache, wies sie oder ihn am gäbigschte dünkt.

Schweiz · 🍏

Schweizerdeutsch ist die neue Schriftsprache der Jungen

Was ish äs Gräubschi? (Screenshot: Idiotikon)

In der privaten digitalen Kommunikation der Schweiz gibts einen linguistischen Generationengraben. Eine neue Studie des Sprachforschers Adrian Leemann zeigt, dass der Dialekt bei den Jungen zur Standard-Schriftsprache geworden ist: Rund 80 Prozent der 20- bis 40-Jährigen schreiben private Nachrichten auf Schweizerdeutsch. Bei den über 65-Jährigen sind es lediglich 38 Prozent.

Besonders auffällig: Selbst junge Menschen mit Hochschulabschluss bevorzugen zu 75 Prozent die Mundart. Laut Leemann dient der Dialekt als Mittel zur Abgrenzung von der «traditionellen, auf das Hochdeutsche fixierten Schriftlichkeit der Eltern». Ein weiterer Vorteil sei die fehlende Orthografie: «Wer Schweizerdeutsch schreibt, kann sich sprachlich kaum blamieren», sagt er im Tages-Anzeiger.

«Wer Schweizerdeutsch schreibt, kann sich sprachlich kaum blamieren.»

Adrian Leemann, Linguist

Interessante Unterschiede zeigen sich beim Geschlecht und Beruf: Während Männer in technischen Berufen das Hochdeutsche oft als «symbolisches Kapital» für Seriosität nutzen, wählen Frauen in sozialen Berufen häufiger den Dialekt, um «empathische Nähe» zu signalisieren.

Befürchtungen, dass dadurch die Hochdeutsch-Kompetenz leidet, teilt Leemann nicht. Es gebe keine Belege für sinkende Fähigkeiten; vielmehr entwickle die Jugend eine «Registerkompetenz» – die Fähigkeit, flexibel zwischen Sprachebenen zu wechseln.

Ein einheitliches schriftliches Schweizerdeutsch ist laut dem Experten dennoch nicht in Sicht: Dafür seien die Schweizer zu föderalistisch gesinnt.

Schweiz · Steuer-Revolution

Zuger:innen erhalten bei Überschüssen Geld zurück

Blau-Weiss-Schwäche: So stellt sich die KI eine reiche Zugerin vor. (Bild: ChatGPT)

Die Schweizer Kantone weisen trotz pessimistischer Budgets regelmässig Milliardenüberschüsse aus. Nun plant Zug gemäss Blick als erster Kanton eine Steuer-Revolution: Werden zu hohe Einnahmen erzielt, sollen die Bürger:innen einen Steuerrabatt erhalten. Laut Lukas Rühli von der Denkfabrik Avenir Suisse ist dies «eine simple Sache, risikofrei und ohne Bürokratie».

Der Vorschlag des Regierungsrats sieht vor, dass nach einem Selbstbehalt von 50 Millionen Franken maximal die Hälfte des restlichen Überschusses zurückgegeben wird. Dies soll als Rabatt von bis zu acht Steuerfussprozenten erfolgen. Rühli betont den psychologischen Aspekt: «Die Steuerzahler:innen erhalten das Geld zurück, das ihnen gehört.»

Kritik kommt von links: Die Grünen lehnen das Vorhaben ab, da es soziale Ungerechtigkeiten verschärfe. «Multimillionäre profitieren dagegen richtig», warnt Kantonsrat Luzian Franzini. Seine Partei fordert, das Geld lieber gezielt für Familien oder den Wohnungsmarkt einzusetzen. Die Linken streben ein Referendum an, damit das Volk das letzte Wort über die Rückzahlungen hat.

Schweiz · ⛩️

Hören ist das neue Feiern

Vinyl und Highballs: Listening Bar in Tokio. (Foto: Peter Aeschlimann)

Zürich wird immer japanischer. Ramen-Lokale spriessen wie Pilze aus dem Boden, und jetzt etablieren sich gemäss Tsüri.ch auch die sogenannten Listening Bars. In diesen Schuppen geht es weniger ums Schütten denn ums bewusste Musikhören. Ein DJ legt Platten auf, man lauscht den Klängen, schweigt. So jedenfalls läuft es in Tokio.

Neuestes Lokal, das den Musikgenuss über den Exzess stellt, ist die Sono-Bar. Präsenz statt Geschwindigkeit, Tiefe statt Ablenkung, lautet das Motto dort. Im Zürcher Langstrassenquartier bleibt Plaudern allerdings immer noch erlaubt.

«Das Sono soll ein diverser und niederschwelliger Ort sein.»

Timmey Cavelti, Sono

«Das klassische Clubkonzept ist tot», sagt Sono-Geschäftsführer Timmey Cavelti. Das Publikum sei sensibler geworden; Atmosphäre und Musik gewännen an Bedeutung. In der Sono-Bar verschmelzen DJ-Pult und Sitzreihen, sodass Publikum und Künstler:innen auf Augenhöhe interagieren können.

Obwohl die Musik im Zentrum steht, bleibt das Konzept ein wirtschaftlicher Spagat im teuren Zürich. Der Eintritt ist zwar frei, doch die Kosten werden über die Gastronomie gedeckt – ein günstiger Cocktail kostet 18 Franken. Trotzdem sagt Cavelti: «Das Sono soll ein diverser und niederschwelliger Ort sein.»

🇺🇸 Zitat des Tages

«Keep your facts, I’m going with the truth»

Vom Sender abserviert: Stephen Colbert. (Foto: Wikipedia)

Als ich das erste Mal in die USA reiste, war gerade George W. Bush Präsident. Während ich in meiner New Yorker Abstellkammer die Einkäufe des Tages (Nike-Sneakers und MTV-T-Shirts) auf der Pritsche ausbreitete, lief im Hintergrund The Colbert Report. Host Stephen Colbert parodierte darin einen konservativen TV-Meinungsmacher. Zusammen mit Jon Stewart von der Daily Show bildete Colbert damals die Speerspitze der politischen Comedy in den USA. Und ich dachte: «Wow, vielleicht kommt ja doch alles gut.»

Kam es bekanntlich nicht. Heute ist Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Und am morgigen Donnerstag flimmert die letzte Late Show mit Stephen Colbert über den Bildschirm. CBS stellt die Sendung trotz Top-Quoten ein – offiziell aus finanziellen Gründen, inoffiziell auf Druck des Republikaners im Weissen Haus.

Was bleibt? Zum Beispiel der Begriff Truthiness (gefühlte Wahrheit), den Colbert schon vor über 20 Jahren etablierte. Colbert entlarvte mit beissender Satire das Konzept, Dinge zu glauben, weil sie sich wahr anfühlen, ungeachtet der harten Fakten. «Keep your facts, I’m going with the truth», sagte er einmal – behaltet eure (alternativen) Fakten, ich halte mich an die Wahrheit.

Gemäss Time machte Colbert die schwierigsten Momente des Lebens massentauglich. Laut der ehemaligen Produzentin Rebecca Soffer besteht sein grösstes Vermächtnis darin, Themen wie Trauer und Verlust einen festen Platz im Mainstream-Fernsehen gegeben zu haben.

Ob im Gespräch mit Keanu Reeves über den Tod oder mit Andrew Garfield über den Verlust seiner Mutter – Colbert wich schmerzhaften Themen nie aus. Diese Momente wurden nicht für die Quote glattgebügelt, sondern durften neben absurden Comedy-Segmenten einfach existieren.

In seiner Emmy-Dankesrede 2025 fasste Colbert es so zusammen: «Wir haben eine Late-Night-Comedy-Show über Verlust gemacht. Und der ist mit der Liebe verwandt, denn manchmal weiss man erst dann wirklich, wie sehr man etwas liebt, wenn man das Gefühl bekommt, dass man es verlieren könnte.»

Das gilt universell – und insbesondere für die USA.

Kurz-News

Skyguide plant Massenentlassung · Die Schweizer Flugsicherung Skyguide will bis Ende 2027 jede siebte Stelle abbauen, berichtet Aerotelegraph. Betroffen vom Sparprogramm sind die Standorte Genf und Dübendorf. Grund für den Kahlschlag sind steigende Kosten und wirtschaftlicher Druck. Ein Konsultationsverfahren wurde eingeleitet. Fluglots:innen sind von den Entlassungen ausgenommen, die Sicherheit des Flugverkehrs bleibe gewährleistet. Das Unternehmen strebt schlankere Strukturen an.

Jacqueline Maurer-Mayor verstorben · Die ehemalige Waadtländer Staatsrätin Jacqueline Maurer-Mayor ist tot. Die FDP-Politikerin verstarb am Montag im Alter von 78 Jahren. 1997 schrieb sie Geschichte als erste Frau in der Waadtländer Kantonsregierung. Während ihrer Amtszeit bis 2007 präsidierte sie die Exekutive zweimal. Der Grosse Rat würdigte sie gemäss Watson als Wegbereiterin, die den Zugang von Frauen zu höchsten politischen Ämtern im Kanton «endlich normalisiert» habe.

Bienen-Initiative lanciert · Ein Komitee aus Imker:innen und Naturschützer:innen hat eine «Bienen-Initiative» gestartet. Ziel ist es, den Schutz von Bienen und anderen bestäubenden Insekten in der Bundesverfassung zu verankern, schreibt SRF. Bund und Kantone sollen verpflichtet werden, die Vielfalt der Bestäuber zu fördern und Lebensräume zu sichern. Für das Zustandekommen der Initiative müssen bis zum 19. November 2027 insgesamt 100'000 gültige Unterschriften gesammelt werden.

International

Thailand kürzt visumfreie Einreise · Thailand verschärft seine Visumregeln für Tourist:innen aus über 90 Ländern, darunter die Schweiz, Deutschland und Österreich. Die erst 2024 eingeführte automatische 60-Tage-Frist wird gemäss Guardian gestrichen. Künftig sind meist nur noch 30 oder 15 Tage visumfrei möglich. Grund sei die zunehmende Kriminalität durch Ausländer:innen. Eine Verlängerung ist nur noch nach persönlicher Prüfung durch die Behörden möglich. Der Tourismus macht über zehn Prozent von Thailands BIP aus.

Aus für Aqua · Die dänisch-norwegische Pop-Gruppe Aqua löst sich nach über 30 Jahren auf. Dies gaben Lene Nystrøm, René Dif und Søren Rasted via Instagram bekannt. Die Band wurde 1997 mit dem Welthit Barbie Girl berühmt, der sich über acht Millionen Mal verkaufte. Insgesamt setzte die Gruppe rund 33 Millionen Tonträger ab. Man wolle das gemeinsam Erschaffene schützen und aufhören, solange die Liebe zur Musik und zueinander noch intakt sei, so das Trio.

❤️ Nützliches des Tages

Organspende-Karte

Rettet Leben: Spendeorgan. (Foto: Swisstransplant)

Wenn wir einen Familienausflug mit dem Auto machten und uns auf der Passstrasse ein Töff-Fahrer mit übersetzter Geschwindigkeit entgegenkam, pflegte mein Vater zu sagen: «Oh, ein Nierenspender.»

Doch vermutlich irrte er sich. In der Schweiz gibt es (immer noch) zu wenig Spender:innen. Und so sterben jährlich Dutzende Menschen auf der Warteliste für ein Organ, weil Angehörige im Ernstfall eine Spende ablehnen. Allein im Jahr 2025 verstarben 67 Schwerkranke, für die keine Hilfe möglich war.

«Die Schweiz hat europaweit eine sehr hohe Ablehnungsrate von Organspenden», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer nun im Interview mit dem Beobachter. Viele Familien fühlten sich in der Akutsituation überfordert und entschieden sich im Zweifel gegen eine Spende, obwohl die generelle Zustimmung in der Bevölkerung bei rund 80 Prozent liege.

Ab Herbst 2027 soll die erweiterte Widerspruchsregelung die Wende bringen: Wer nicht aktiv widerspricht, gilt automatisch als Spender:in. Bis dahin rät das Magazin dazu, den persönlichen Entscheid in einer Spendekarte oder Patientenverfügung festzuhalten: «Wichtig ist, einen für sich getroffenen Entscheid festzuhalten und den Angehörigen mitzuteilen.»

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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