Guten Morgen {{vorname}}
Ich fliege in diesen Wochen und Monaten sehr oft. Zu oft, für meinen Geschmack. Es ist unbestritten: Wer fliegt, schadet der Umwelt massiv.
Der wahre Grund, weshalb ich weniger fliegen möchte, ist aber ein anderer: Fliegen ist unsäglich mühsam. Man wartet am Gate, wird dann eingepfercht, friert, bekommt mediokren Kaffee serviert, wartet aufs Gepäck.
Natürlich würde ich mich freuen, wenn dereinst wenigstens das Klima nicht mehr leiden müsste unter der Fliegerei. Aber synthetisches Kerosin hin oder her: Wann immer möglich, werde ich mich fürs würdevollere Reisen im Zug entscheiden.
Schweiz · Nachhaltigkeit
Wissenschaft und Wirtschaft kritisieren Bundesrat

Höher zielen beim Umweltschutz. (Foto: Unsplash/Casey Horner)
Der Bundesrat stuft die 13 UNO-Nachhaltigkeitsziele (SDG) zu einem «pragmatischen Referenzrahmen» herunter. Dagegen wehren sich nun 100 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft in einem offenen Brief, berichtet SRF. Die Forderung: politische Führungsverantwortung.
Carole Küng, Co-Direktorin des Nachhaltigkeitsnetzwerks SDSN, betont etwa die historische Rolle der Schweiz: «Die Ziele sind Teil einer Transformationsagenda, nicht eines Referenzrahmens, also einer Agenda für die Menschen, nach der sie handeln sollen.» Da 85 Prozent der grössten Schweizer Firmen ihre Fortschritte ausweisen, bräuchten diese nun Rückendeckung.
Für Antonio Hautle, Direktor des UN Global Compact, steht fest: «Für viele Firmen, vor allem die grossen Multis, ist Verbindlichkeit vonseiten der Politik wichtig.» Wer nachlasse, gefährde den Wohlstand.
«Wir müssen nicht die Welt retten, aber wir müssen wenigstens unseren Teil beitragen.»
Auch ETH-Klimaforscher Reto Knutti sieht die Schweiz, insbesondere beim Klima- und Artenschutz, im Rückstand: «Wir müssen nicht die Welt retten, aber wir müssen wenigstens unseren Teil beitragen.»
Investitionen in Nachhaltigkeit lohnten sich langfristig, so die Unterzeichnenden des Offenen Briefs. Das zuständige EDA wollte den Brief bisher nicht kommentieren.
Hoffnung macht diese Geschichte im Tages-Anzeiger: Der Ukraine-Krieg hat das weltweite Interesse an nachhaltigen Flugtreibstoffen (SAF) verstärkt. Obwohl SAF derzeit weniger als ein Prozent des globalen Verbrauchs ausmacht, zwingen steigende EU-Beimischquoten die Branche zum Handeln.
Schweizer Start-ups spielen bei dieser Transformation eine Schlüsselrolle: Während Helvoil im Wallis eine Anlage für Treibstoff aus altem Frittieröl plant, setzen Metafuels und die ETH-Ausgliederung Synhelion auf die nächste Generation synthetischer E-Treibstoffe aus Methanol oder Solarstrom.
Die Fluggesellschaft Swiss unterstützt die Projekte als Investorin und Abnehmerin. Für den weltweiten Durchbruch seien nun staatliche Fördergelder entscheidend, heisst es im Artikel.
Schweiz · Vorsorge
Showdown um 13. AHV-Rente

Wer bezahlt ihre 13. AHV-Rente? (Foto: Unsplash/Sven Mieke)
Bis übermorgen Donnerstag haben Nationalrat und Ständerat Zeit, sich bei der Finanzierung der 13. AHV-Rente zu einigen.
Das vom Ständerat bevorzugte Modell von Mitte-Links will die Last auf Lohnbeiträge (plus 0,3 Prozentpunkte) und die Mehrwertsteuer (plus 0,4 Prozentpunkte) verteilen. Dies führt zu einer Umverteilung zu Lasten von Mehrverdiener:innen, entlastet aber Güter des täglichen Bedarfs. FDP und SVP lehnen diese Steuererhöhungen grundsätzlich ab und fordern stattdessen langfristig ein höheres Rentenalter.
Die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat fordert währenddessen eine reine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,5 Prozentpunkte, die bis 2033 befristet sein soll. Dadurch bleiben die Löhne unangetastet, und auch Rentner:innen zahlen über den Konsum mit.
Im Modell des Ständerats zahlt eine Durchschnittsfamilie rund 262 Franken pro Jahr mehr an Mehrwertsteuer. Hinzu kommen die höheren Lohnbeiträge. Für die Erwerbstätigen in der Schweiz bedeutet dies im Schnitt zusätzliche Abzüge von rund 280 Franken pro Jahr, die sich Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in teilen.
Das Modell des Nationalrats würde für dieselbe Durchschnittsfamilie gemäss CH Media jährliche Mehrkosten von 327 Franken bedeuten.
Während Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (SP) die unbefristete Variante des Ständerats unterstützt, wollen die Bürgerlichen im Nationalrat mit der Befristung bewusst den Druck aufrechterhalten. Sie fordern für die anstehende AHV-Reform 2030 tiefgreifende strukturelle Sparmassnahmen, da der AHV-Fonds ab 2030 ohne Reformen Jahr für Jahr schrumpfen wird.
Schweiz · 🥙
Langstrasse soll Unesco-Weltkulturerbe werden

Elena Nierlich von/vor der Olé Olé Bar. (Screenshot: Blick/Alberto Venzago)
«Gehab dich wohl, mein Kreis 4», singt Musu Meyer in Tinguely dä Chnächts Song Bistro Pub. Die legendäre Barchefin und der Zürcher Rapper beschreiben mit melancholischen und messerscharfen Zeilen den Wandel der Langstrasse vom glitzernden Sündenpfuhl zur plumpen Partymeile.
Aber ein Herz, das schlägt, ist ein Herz, das schlägt. Und das Herz der Langstrasse schlägt noch. Damit das so bleibt, hat Elena Nierlich von der Olé Olé Bar eine Petition gestartet, um den Stadtrat zu einer Bewerbung bei der Unesco zu bewegen: Die Langstrasse soll Unesco-Weltkulturerbe werden!
Im Blick sagt die Wirtin: «Wer einmal morgens um 4 Uhr am Strassenrand mit einem Döner in der Hand mit einem Taxifahrer philosophiert hat, weiss, dass es dieses Erlebnis so nur einmal auf der Welt gibt.»
Das grösste Ausgangsviertel der Schweiz sei das «pulsierende Herz Zürichs» und erfülle die Kriterien für einen Ort «von aussergewöhnlichem universellem Wert, dessen Erhalt für die gesamte Menschheit von Bedeutung ist», heisst es in einer Mitteilung der Petitionär:innen.
Die Petition liegt in zahlreichen Zürcher Lokalen aus. Prominente wie der Schriftsteller Martin Suter und die Komikerin Lara Stoll haben bereits unterschrieben.
⚠️ Zitat des Tages
«Keine Sorge, es wird keine Zahlung abgebucht.»

Sieht so eine Lobby im Boutique-Hotel aus? (Foto: Unsplash/Arian Darvishi)
«Vielen Dank für Ihre Buchung», heisst es in der Whatsapp-Nachricht. Die Adresse des Hotels stimmt, das Datum des Aufenthalts und die Buchungsnummer von Booking ebenfalls. «Könnten Sie bitte Ihre Buchungsdetails bestätigen und Ihre Reservierung verifizieren? Keine Sorge, es wird keine Zahlung abgebucht. Bitte klicken Sie auf diesen Link, um den Vorgang abzuschliessen.»
Ich habe natürlich nicht geklickt. Aber fast. Was dafür folgte, war eine längere Diskussion mit Baidyanath Nagpur, in der der vermeintliche Hotel-Angestellte zunehmend ungehaltener wurde – bis ich ihn schliesslich blockte.
Ganz offensichtlich wurde ich Opfer eines grossen Datendiebstahls bei der Buchungsplattform Booking im April. Betrüger:innen nutzen die gestohlenen echten Buchungsdetails, um Kund:innen gezielt über Whatsapp zu kontaktieren.
Die Masche ist besonders gefährlich, da die Kriminellen über präzise Informationen wie Hotelnamen, Buchungsnummern, Reisedaten und fast exakte Rechnungsbeträge verfügen, schreibt SRF.
Das Buchungsportal Booking warnt eindringlich vor diesen Nachrichten und betont, dass das Unternehmen niemals Zahlungen oder Kreditkartendaten via Whatsapp, SMS oder E-Mail einfordert. Betroffene sollten verdächtige Nachrichten ignorieren und direkt den rund um die Uhr erreichbaren Kundendienst kontaktieren.
Kurz-News
Import von Stopfleber weiterhin erlaubt · Die Einfuhr von Stopfleber in die Schweiz wird vorerst nicht verboten, heisst es bei Watson. Die eidgenössischen Räte setzen stattdessen auf einen indirekten Gegenvorschlag zur entsprechenden Volksinitiative. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat dem Entwurf zugestimmt. Das Modell sieht vor, die bestehende Deklarationspflicht für unter Schmerz erzeugte Produkte gesetzlich zu verankern. Sinkt die Importmenge nicht, muss der Bund Massnahmen ergreifen.
Erneute IT-Panne bei Arbeitslosenkasse · Bei der Arbeitsvermittlung von Bund und Kantonen sind im Mai erneut die IT-Systeme tagelang ausgefallen. Dies berichtet die SDA, nachzulesen bei Nau. Wie der Bundesrat bekannt gab, waren kantonale Stellen blockiert und konnten nicht arbeiten. Grund für die Störung war der Ausfall des Authentifizierungssystems der Bundesverwaltung, nicht das neue Auszahlungssystem Asal 2.0. Laut Bundesrat gibt es seit März keine Zahlungsrückstände mehr, die jüngsten Pannen seien behoben.
Städte bei Bildung im Hintertreffen · In der Schweiz schliessen rund 92 Prozent der Jugendlichen die Sekundarstufe II ab. Grosse Städte wie Zürich (88 %), Basel (86 %) und Genf (82 %) liegen gemäss dem Bundesamt für Statistik jedoch deutlich unter dem Schnitt, während ländliche Regionen das Bundesziel von 95 Prozent fast erreichen. Grund für den Stadt-Land-Graben seien komplexe soziale Strukturen, schreibt der Tages-Anzeiger. Selbst innerhalb der städtischen Quartiere zeigten sich massive Unterschiede.
International
Iran und Israel stoppen Angriffe · Iran und Israel haben gemäss BBC ihre gegenseitigen Angriffe vorerst gestoppt, drohen aber mit Vergeltung, falls die Waffenruhe erneut gebrochen wird. Zuvor hatten sich die Länder heftige Gefechte geliefert. Israels Premier Netanjahu betonte, der Kampf sei nicht vorbei. Die Einstellung der Angriffe erfolgte laut Berichten auf Druck von US-Präsident Trump, der mit beiden Seiten über ein Friedensabkommen verhandelt.
Karim Khan suspendiert · Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, ist suspendiert worden. Dies entschied das Kontrollorgan des Gerichts nach einer Untersuchung wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs. Ein Gremium stufte Khans Verhalten als schweres Fehlverhalten ein, berichtet der Guardian. Die 125 Mitgliedstaaten müssen nun über seine Entlassung entscheiden. Der britische Jurist bestreitet die Vorwürfe einer Mitarbeiterin aus den Jahren 2023 und 2024 vehement.
🧑🎨 Nützliches des Tages
Linien und Farben

Der Verstand verwirre die Intuition, sagte Piet Mondrian einst. (Screenshot: Mondrianandme)
Raucht dir nach diesen AHV-Planspielen ganz konkret der Kopf? Dann wäre es vielleicht Zeit, auf abstrakte Gedanken zu kommen. Das geht spielerisch leicht, zum Beispiel mit der hübschen Web-Anwendung MondrianAndMe. Damit kannst du mit einfachen Klicks deinen persönlichen Piet Mondrian auf den Bildschirm zaubern.
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter
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