Guten Morgen {{vorname}}
Nächtliche Zugfahrten sind etwas ganz und gar Grossartiges. Das wissen wir nicht erst seit dem Film The Darjeeling Limited, der seit Kurzem auf Netflix zu sehen ist. (Hier kannst du dir den Prolog Hotel Chevalier anschauen.)

Deshalb kann ich Politiker:innen überhaupt nicht verstehen, die nicht mehr Mittel in diese Form des Reisens investieren wollen.

Einen weiteren Dämpfer fürs Nachtzugwesen gibt es leider auch heute zu vermelden: Das französische Unternehmen Newrest stellt sein ganzes Personal aus der Schweiz vor die Tür.

Schweiz · Verkehr

Nachtzug-Betreiber will sparen und schliesst Schweizer Standort

Nicht nur Ethan Hawke und Julie Delpy wissen: Wer in den Nachtzug steigt, der kann was erleben. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Clemens Bilan)

Das französische Unternehmen Newrest entlässt bis zu 30 Angestellte in der Schweiz und ersetzt sie durch günstigeres Personal aus Österreich.

Ab Ende April werde der Betrieb der Nachtzüge ab der Schweiz neu strukturiert, berichtet der Tages-Anzeiger. Grund seien laut einem internen Schreiben des Unternehmens die «aktuellen wirtschaftlichen Anforderungen».

Künftig kommen Mitarbeitende zum Einsatz, die teils in Österreich stationiert sind oder aus Osteuropa stammen, wo das Lohnniveau deutlich tiefer liegt.

«Ein klassisches Managementversagen.»

Barbara Keller, SEV-Vizepräsidentin

Die Gewerkschaft SEV übt scharfe Kritik an diesem Vorgehen. «Was wir hier erleben, ist ein klassisches Managementversagen. Strategische Fehlentscheide des Unternehmens werden nun auf dem Rücken der Mitarbeitenden ausgetragen», sagt Barbara Keller, SEV-Vizepräsidentin.

Für die Betroffenen konnte die Gewerkschaft eine Abgangsentschädigung von anderthalb Monatsgehältern aushandeln.

Newrest bedauert im Brief an die Angestellten diesen «wesentlichen Einschnitt» und verspricht Unterstützung bei der Stellensuche. Wer will, kann nach Innsbruck wechseln – allerdings zu österreichischen Löhnen von knapp über 2000 Euro.

Das Unternehmen selbst liess eine Anfrage des Tages-Anzeigers zur Stellungnahme unbeantwortet.

Schweiz · Politik

So will Sozialministerin Baume-Schneider die IV-Finanzen ins Lot bringen

Will junge Menschen rascher in den Arbeitsmarkt integrieren: Elisabeth Baume-Schneider. (Screenshot: NZZ/Peter Klaunzer/Keystone)

Die Invalidenversicherung steckt in einer tiefen Finanzkrise. Jährlich klafft ein Loch von 300 Millionen Franken in der Kasse. Ohne Gegenmassnahmen drohe dem Sozialwerk in 15 Jahren der Bankrott, schreibt die NZZ.

Gestern präsentierte SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider dem Bundesrat ihre Strategie, um die IV zu retten.

Im Zentrum steht eine neue «Integrationsleistung» für 18- bis 25-Jährige mit psychischen Erkrankungen. Ziel ist es, junge Menschen durch Geldleistungen und individuelle Begleitung rascher in den Arbeitsmarkt zu integrieren, statt sie früh zu verrenten.

Baume-Schneiders Kommunikationschef Christoph Lenz sagt, man wolle damit gezielt das «Phänomen der jungen IV-Neurentner mit psychischen Erkrankungen adressieren».

Sollten diese Massnahmen nicht fruchten, plant der Bundesrat eine Erhöhung der Lohnbeiträge um 0,1 bis 0,2 Prozent.

Bei der FDP kommt das natürlich gar nicht gut an. Die Partei kritisiert eine «regelrechte Serie von Steuererhöhungen» und fordert, Probleme innerhalb der Dossiers zu lösen, statt «reflexartig an der Steuerschraube zu drehen».

Schweiz · Geheimdienste

Wenn es in der Telefonleitung plötzlich seltsam knackt

Werden unsere Parlamentarier:innen abgehört? (Foto: Unsplash/Luan de Oliveira Silva)

Wenn die Solothurner Ständerätin Franziska Roth (SP) telefoniert, hört sie ab und zu ein Knacken in der Leitung. Nun hegt die Aussenpolitikerin gemäss SRF den Verdacht, dass ausländische Geheimdienste sie überwachen. «Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hat mir gesagt, dass das ein Indiz dafür sein kann, dass man abgehört wird.»

EVP-Nationalrat Nik Gugger berichtet derweil von dubiosen Personen mit Kameras vor seinem Haus. Sind es Russen? Chinesen? Gemäss dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) geht die grösste Bedrohung von diesen beiden Ländern aus. Deren Absichten: Informationen sammeln und Einfluss nehmen. Dennoch agiert der Bund bisher zögerlich.

«Meine Forderung lautet Nulltoleranz.»

Nik Gugger, EVP-Nationalrat

Nik Gugger fordert nun ein Ende dieser Zurückhaltung: «Wir weisen nur zaghaft Spione aus. Andere Länder gehen hier brutal vor. Meine Forderung lautet Nulltoleranz.»

Eine Forderung, der gemäss SRF sowohl Nationalrat als auch Ständerat bereits deutlich zugestimmt hätten und die der Bundesrat nun umsetzen müsse.

Bis dahin bleibt Politiker:innen mit Sicherheitsfragen nur der Anruf beim Fedpol. Hoffentlich ohne Knacken im Hintergrund. 🥸

🏅🏅🏅 Zitat des Tages

«Die Ski-Geschichte ist mir nicht sehr wichtig»

Laut SRF auf dem Götterberg angekommen: FvA. (Screenshot: SRF/Peter Klaunzer/Keystone)

Schon wieder gewinnt der Zimmermann aus Boltigen ein Skirennen. Was kann dieser Mann eigentlich nicht, fragt die Presse. Vielleicht übers Wasser gehen, wie es einem Berufskollegen Franjo von Allmens einst gelang? Aber sind wir da so sicher?

Auf jeden Fall habe der 24-Jährige bei den Olympischen Winterspielen in Italien Geschichte geschrieben, findet SRF. Mit seinem Gold-Hattrick ziehe der Berner Oberländer in einen elitären Kreis um Legenden wie Toni Sailer (Österreich) und Jean-Claude Killy (Frankreich) ein.

«Ich wurde in den Interviews jetzt einige Mal darauf angesprochen, so richtig begreifen kann ich das nicht», sagte der gelernte Büezer kurz nach seinem Erfolg im Super-G gestern. «Die Ski-Geschichte ist mir nicht sehr wichtig, ich möchte vor allem die Momente geniessen. Was auf dem Papier steht, ist nebensächlich für mich.»

Der Weg an die Spitze war für von Allmen geprägt von harter Arbeit und persönlichen Schicksalsschlägen, wie dem frühen Tod seines Vaters. Dass er heute ganz oben steht, verdanke er seinem Umfeld und seiner Freude am Sport. «Ich habe als kleiner Junge mit dem Skifahren begonnen, weil es mir Spass gemacht hat. Diesen Spass möchte ich unbedingt beibehalten.»

Kurz-News

Spuhler umging Steuern · Unternehmer Peter Spuhler hat laut Bundesgericht 865'000 Franken Steuern umgangen. Der Stadler-Patron nutzte für sein Chalet in St. Moritz GR eine Aktiengesellschaft und machte unrechtmässig Vorsteuerabzüge geltend. Das Gericht wertet das Haus als reines Feriendomizil, da keine geschäftliche Nutzung vorlag. Spuhler akzeptiert gemäss 20 Minuten das Urteil, betont aber: «Es ging nicht darum, Steuern zu sparen.» Die gewählte Struktur sei eine Bedingung beim Kauf gewesen.

Bündner gegen Luchse · Das Bündner Parlament stoppt vorerst die Wiederansiedlung von zwei (ZWEI) Luchsen in der Surselva. Die Tiere sollten drei Luchse ersetzen, die ein Wildhüter versehentlich erschossen hatte, berichtet Watson. Regierungsrätin Carmelia Maissen bestätigte den Stopp aufgrund politischer Vorstösse. Während sich die SVP-Fraktion Sorgen um die Landwirtschaft macht, hagelt es Kritik von den Grünen: «Die Tiere müssen ersetzt werden.» Der Grosse Rat entscheidet dann im April.

Bund will Entschädigungen zahlen · Der Bundesrat leistet nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS erstmals direkte Finanzhilfe an Opfer und Angehörige. Da das System aus Versicherungen und kantonaler Opferhilfe bei 41 Toten und 115 Verletzten an Grenzen stosse, plant der Bund gemäss Tages-Anzeiger einen «Solidaritätsbeitrag». Ein dringliches Gesetz soll im März verabschiedet werden. Zudem ist ein runder Tisch geplant, um langwierige Prozesse zu vermeiden und schnelle Lösungen zu finden.

International

James Van Der Beek ist gestorben · US-Schauspieler James Van Der Beek, bekannt als Star der Kultserie «Dawson’s Creek» (1998-2003), ist im Alter von 48 Jahren verstorben. Dies teilte seine Familie mit, schreibt der Guardian. Van Der Beek hatte 2024 seine Darmkrebserkrankung öffentlich gemacht. «James war ein Gigant. Seine Worte, seine Kunst und seine Menschlichkeit haben uns alle inspiriert», würdigte ihn «Dawson’s Creek»-Weggefährte Chad Michael Murray. Van Der Beek hinterlässt seine Frau Kimberly und sechs Kinder.

Bondi rastet aus · US-Justizministerin Pam Bondi sorgte gestern mit einem aggressiven Auftritt vor dem Justizausschuss für Empörung. Statt sich bei den anwesenden Opfern des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein für den Umgang mit Ermittlungsakten zu entschuldigen, attackierte sie gemäss New York Times die Demokraten. Gegenüber dem Abgeordneten Jamie Raskin, einem in Harvard ausgebildeten Anwalt, pöbelte sie: «Sie erzählen mir gar nichts, Sie abgehalfterter Versager von einem Anwalt. Sie sind nicht einmal Anwalt.»

💥 Nützliches des Tages

Toleranz (Ohropax)

Auf diesen Moment haben alle Luzerner:innen gewartet: Urknall! (Screenshot: Livestream Tele 1)

Wenn du das liest, hat es über dem Vierwaldstättersee bereits geurknallt. Um Punkt 5 Uhr ging in Luzern die Fasnacht los. Konfetti wirbelte durch die Luft, Guggenmusiken setzten ein, die Stadt verwandelte sich in ein Reich der Närrinnen und Narren.

Für Leute wie mich, die dem bunten Treiben nicht mehr so viel abgewinnen können, hat die NZZ ein spannendes Erklärstück geschrieben. Darin heisst es etwa, dass die Fasnacht als anthropologische Konstante gelte, die das jahrhundertealte menschliche Bedürfnis nach Rollentausch stille. Im Schutz der Masken würden Hierarchien ausser Kraft gesetzt.

Dabei diene das Fest als gesellschaftliches Ventil: Für kurze Zeit herrsche ein utopischer Raum der Freiheit, in dem auch die Obrigkeit verspottet wird.

Mit Anarchie hat das trotzdem recht wenig zu tun. Gemäss NZZ würden sich in Luzern selbst Polizistinnen und Polizisten verkleiden (als Sheriff?), um bei Bedarf rasch eingreifen zu können.

Es sei jenes Spannungsverhältnis, das das Volksfest seit je herausfordere, schreibt die Zeitung: Feiern ist erlaubt – aber nur bis Aschermittwoch. Das utopische Reich dürfe betreten werden, doch man müsse es wieder verlassen. «Das Ventil soll offen sein, aber das Gefäss bitte nicht bersten.»

Wenn du in einer Fasnachtshochburg lebst und dich das alles trotzdem nicht überzeugt, hilft in den nächsten Tagen und Wochen nur eins: sich in Toleranz üben – und stets eine Packung Ohropax dabeihaben. 🥳

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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