Guten Morgen {{vorname}}
Immer, wenn ich irgendwo an einer Decke einen schönen Jugendstil-Ventilator kreisen sehe, klingt bei mir sofort ein Lied im Ohr: Summer Dreaming von Kate Yanai. Obwohl in der Bacardi-Werbung gar kein Deckenventilator vorkam.

Während du schliefst, zerbrach ich mir darüber den Kopf. Kurz vor 6 Uhr habe ich es dann rausgefunden: Auf dem Cover der CD-Single ist so ein Fan abgebildet!

Anyway, es wird jetzt tropisch, der Bund warnt vor der Hitze. Also Fenster aufreissen und Venti anwerfen!

Schweiz · 👟

Profit auf Kosten der Näherinnen

Fabrikarbeiterin in Indonesien. (Screenshot: Public Eye/Muhammad Fadli/Panos)

Wie viel hast du für deinen letzten Turnschuh bezahlt? Um die 130 Franken? Das entspräche dann ungefähr dem Monatslohn jener Person, die den Schuh in Indonesien zusammengenäht hat – sofern es sich um ein Modell des Schweizer Herstellers On handelt.

Das reiche nicht zum Leben, sagt Fabrikarbeiterin Tita in einer Recherche von Public Eye. Darin berichtet die NGO über schwere Missstände bei On-Zulieferern: Die Angestellten leiden unter enormem Produktionsdruck, leisten Überstunden, um sich über Wasser zu halten, und werden von Aufsehern angeschrien. Beim Sublieferanten Yihong kam es zu Arbeitszeitverstössen, Belästigungen und unrechtmässigen Kündigungen.

Erst nach der Intervention der NGO reagierte das On-Management in Zürich und verfügte bei Yihong einen vorläufigen Bestellstopp, «bis die Firma nachgewiesen hat, dass sie die festgestellten Verstösse vollständig behoben hat».

Während die Arbeiter:innen in den Fabriken kaum über die Runden kommen, erzielt On Rekordgewinne. Die Bruttomarge, schreibt der Tages-Anzeiger heute, wurde jüngst auf mindestens 64,5 Prozent nach oben geschraubt.

Eine On-Sprecherin räumt gegenüber der Zeitung ein, dass in Indonesien «eine deutliche Lücke zwischen dem aktuellen gesetzlichen Mindestlohn und einem existenzsichernden Lohn» existiere.

Aber es ist kompliziert: Lokale Lohnerhöhungen, heisst es im Artikel, könnten zu Verlagerungen der Produktion in günstigere Regionen führen. Lehrer:innen oder Krankenpfleger:innen würden vielleicht ihre Jobs kündigen, um als Näher:innen in der Fabrik zu arbeiten, weil man dort besser verdient.

Entsprechend warnt Gewerkschaftssekretär Suryana vor einem Produktionsstopp: «Die Industrie verdrängt die Landwirtschaft und die Fischerei, von der die Menschen hier bisher gelebt haben. Ziehen die Firmen weiter, haben wir kaum mehr etwas, wovon wir leben können.»

Schweiz · Handel

Nationalrat lehnt Mercosur-Abkommen ab

Soll weiter abgeholzt werden: Regenwald. (Screenshot: NZZ/Bruno Kelly)

«Krachende Niederlage für Bundesrat Parmelin», schreibt die NZZ: Der Nationalrat hat das Freihandelsabkommen mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten in der Gesamtabstimmung überraschend abgelehnt. Eine unheilige Allianz aus SVP, SP und Grünen brachte die Vorlage zu Fall.

Vorausgegangen war ein Streit um finanzielle Entschädigungen für die Landwirtschaft. Bauernverbandspräsident Markus Ritter (Mitte) forderte zusätzliche Subventionen in der Höhe von 880 Millionen Franken als Kompensation für zollfreie Importe, was Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) ablehnte.

Nachdem der Nationalrat den Bauern die Millionen knapp verwehrt hatte, wandte sich die SVP gegen ihren eigenen Bundesrat. Das links-grüne Lager wiederum stimmte gegen die Vorlage, weil Anträge für einen besseren Schutz des Regenwaldes scheiterten. «Die Zerstörung des Amazonasgebiets darf nicht durch Produkte, die wir importieren, vorangetrieben werden», sagte SP-Nationalrat Jon Pult.

Während die EU ihr Abkommen bereits provisorisch anwendet, drohen der Schweizer Industrie nun Nachteile, heisst es im Artikel. Als Nächstes ist der Ständerat am Zug, um das Abkommen doch noch zu retten.

International · G7-Gipfel

Honig ums Maul, Bomben auf Köpfe

Der Guy oben links ist Parmelin. (Screenshot: Tages-Anzeiger/AFP)

Der G7-Gipfel im französischen Évian ist vorbei. Und siehe da: Er war erstaunlich erfolgreich. Zu diesem Schluss gelangt der Tages-Anzeiger in einer lesenswerten Analyse: «Tatsächlich ist es der G7 gelungen, sich auf überraschend deutliche Positionen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und zum Ende des Irankriegs zu verständigen.»

Die G7 sicherte der Ukraine «unerschütterliche Unterstützung» sowie verstärkte Waffenlieferungen zu. Gastgeber Emmanuel Macron sprach von einem «strategischen Aufwachen». Der deutsche Kanzler Friedrich Merz lobte, dass man erstmals seit Trumps Amtsantritt eine gemeinsame Sprache zu grossen Sicherheitsfragen gefunden habe.

In der G7-Erklärung wird nun Trumps Abkommen mit dem Iran als «Durchbruch» schöngeredet und von «starker Führung» durch Trump geschwärmt. Was darin stehen soll, liest du beim SRF.

Trotz der Harmonie drohte US-Präsident Donald Trump dem Iran einmal mehr mit militärischer Gewalt: «Wenn sie sich nicht benehmen, werden wir direkt wieder damit beginnen, Bomben mitten auf ihre Köpfe zu werfen.»

Zum Abschluss reiste Trump weiter zu einem Galadinner nach Versailles, wo er das Abkommen bereits elektronisch unterzeichnet hat. Macron, heisst es im Tagi, habe den US-Präsidenten ursprünglich eingeladen, um so sicherzustellen, dass der auch bestimmt bis zum Schluss des Gipfels bleibe.

👕 Zitat des Tages

«S’Leibli»

Dialekt-Fail im Zürcher HB. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Sabine Rock)

Vor ein paar Tagen postete Ringier-Journalist Thomas Benkö auf Linkedin ein Foto eines missglückten Werbeplakats der deutschen Modemarke Mey. Darauf heisst es: «Sprint zum Zug. Leibli sitzt. Alles guet.»

Die Kolleg:innen nahmen den Ball natürlich gerne auf. Für Tamedia griff etwa Sandro Benini in die Tasten. Dialekt in der Werbung ziehe, schreibt er, aber halt nur, wenn er sitze. Im Schweizerdeutschen heisse es korrekt «Liibli».

Das Plakat missachtet eine phonetische Grundeigenschaft der Mundart: Im Schweizer Dialekt wurde die neuhochdeutsche Diphthongierung nie vollzogen. Wir sagen weiterhin «wiit», «Huus» und eben «Liibli».

Gegenüber dem Branchenmagazin Persoenlich rechtfertigte der Manager der verantwortlichen Werbeagentur den Fauxpas. Der Fehler mit dem «Leibli» sei auch deshalb passiert, «weil die sonst verantwortliche Person für Kampagnen im Urlaub war».

Kurz-News

13. AHV-Rente höchstens zur Hälfte finanziert · Der Nationalrat lehnt höhere Lohnabgaben zur Finanzierung der 13. AHV-Rente ab, stimmt aber einer Mehrwertsteuererhöhung um 0,4 Prozentpunkte zu. Damit ist die über vier Milliarden Franken teure Rente ab Dezember nur zur Hälfte gedeckt, schreibt der Tages-Anzeiger. Die fehlenden Milliarden müssen vorerst aus dem AHV-Fonds entnommen werden. Morgen folgen Schlussabstimmungen im Parlament, voraussichtlich im November entscheidet das Volk.

ETH bleibt Spitzenreiterin · Drei Schweizer Hochschulen gehören laut dem neuesten QS-Ranking zu den 100 besten Universitäten der Welt. Spitzenreiterin bleibt die ETH Zürich auf Platz 8, gefolgt von der EPFL auf Rang 22. Die Uni Zürich rückt um zwei Plätze vor und belegt neu den 98. Rang. Insgesamt zeigen die zehn bewerteten Schweizer Institutionen eine gemischte Bilanz: Während sich drei verbesserten, mussten sechs Universitäten gemäss SDA leichte Rangverluste hinnehmen. Nachzulesen bei: Nau.

Schafanhänger auf A1 gekippt · Ein Anhänger mit über 30 Schafen ist gestern Abend auf der Autobahn A1 bei Bern gekippt. Alle Tiere sowie die Fahrzeuginsassen und zwei Hunde blieben unverletzt, berichtet die SDA auf Watson. Der Unfall ereignete sich kurz nach 18.15 Uhr auf der Höhe Kirchberg. Die Schafe wurden mit Hilfe eines Landwirts umgeladen. Wegen der Bergungsarbeiten musste die A1 in Fahrtrichtung Zürich für mehrere Stunden komplett gesperrt werden, was zu massiven Verkehrsbehinderungen führte.

International

USA kürzen Nato-Zusagen · Die USA reduzieren ihre militärischen Zusagen für einen europäischen Kriegsfall. Laut Berichten fehlen der Nato künftig amerikanische Langstreckenbomber, Kampfjets sowie Tomahawk-Marschflugkörper. Fast ein Dutzend europäische Alliierte haben gemäss Tamedia bereits neue eigene Zusagen gemacht, um die Lücken zu schliessen.

Älteres «Stonehenge» entdeckt · Archäolog:innen haben rund fünf Kilometer vom berühmten Stonehenge entfernt eine ältere, einfachere Version des Monuments entdeckt. Die 5000 Jahre alte Stätte in Bulford besteht aus zwei Pfostenlöchern, die exakt auf die Sommer- und Wintersonnenwende ausgerichtet waren. Die Funde, darunter Keramik und Werkzeuge, sind 500 Jahre älter als die Steine von Stonehenge. Sie stammen vermutlich von den Erbauern des späteren Weltwunders, heisst es bei der BBC.

🌬️ Nützliches des Tages

Lüften

Ich bin Fan vom Fan. (Foto: Unsplash/yechan park)

Heute wird es heiss. So heiss, dass der Bund vor einer markanten Hitzewelle warnt. Ab Mittag gilt für grosse Teile der Schweiz eine Hitzewarnung der Stufe 3 von 4. In den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft gilt sogar die höchste Hitzewarnstufe.

Warum Lüften immer eine gute Idee ist, schrieb Jörg Kachelmann bereits 2019 im Tagi – und sorgte mit seinem unterhaltsamen Pamphlet für ziemlich viel Wirbel. Darin bemängelt er etwa, dass Beamte oder Zeitungen «sich nicht mal mehr an das erinnern möchten, was man in jedem Film, der in heissen Ländern spielt, gesehen hat: Es wird immer gefächelt, Deckenpropeller drehen sich, verzweifelt wird Wind erzeugt, damit mans aushält – aus gutem Grund».

Die Behörden und Medien würden aber zum Gegenteil raten: «Nach einer feuchtwarmen Nacht sollen die Fenster geschlossen werden in der Annahme, dass man dann die Hitze ‹aussperrt›».

Dieser Tipp sei vielleicht annehmbar für Wohnungen, in denen tagsüber niemand ist, schreibt Kachelmann. Für Menschen in den Wohnungen, gerade für alte Menschen, die oft in kleineren «Kubaturen» lebten, seien diese Hinweise hingegen Grundlage für unermessliches Leid. Das Problem sei die Luftfeuchtigkeit – nicht die Hitze.

Dann wissen wir ja jetzt, was zu tun ist: Lüften und Ventilatoren aufstellen. Und die Ausflugstipps im Blick befolgen. Es geht, wie immer bei diesen Wetterlagen, in die Berge oder in die Badi.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und nicht vergessen: 🪭

Peter

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