Guten Morgen {{vorname}}
Der Mann der Stunde heisst Martin Pfister.
Mit Nerven aus Stahl stellte er sich der Kritik an seinem Departement. Mit eiserner Hand hielt er an der Bundesratslinie fest und mit innerer Ruhe ging Pfister als Sieger aus der gestrigen Rüstungsdebatte hervor.
So das Konzentrat verschiedener Medienberichte zum gestrigen Hauptaufreger im Parlament: den F-35-Fliegern.
Eigentlich ging es um die Armeebotschaft 2026. Die grösste Aufmerksamkeit erhielt aber der Kampfjet-förmige Elefant im Raum.
Pfister nach dem «Fixpreis-Fiasko»
Nationalrat bewilligt F-35 Zusatzkredit

Er vermisse manchmal eine sachliche Diskussion, meinte Pfister gestern. (Screenshot: SRF)
Seit dem Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) zur Causa F-35 und dem verzagten Fixpreis vergangene Woche ist einer auffällig stumm geblieben.
Martin Pfister, der Verteidigungsminister am Kopf des VBS, äusserte sich bis gestern nicht offiziell zu den neuen Erkenntnissen der Kommission. Als er es dann tat, liess er sich potenziellen Frust über das müssige Erbe Amherds kaum anmerken.
Der Bericht sei «differenziert, sachlich und interessant» und «eine gute Diskussionsgrundlage», wird er unter anderem von den Tamedia-, den CH-Media-Zeitungen und vom Blick zitiert. Der Bundesrat werde den Bericht wegen der dringlichen geopolitischen Lage auch nicht erst im Dezember beantworten, sondern «sehr schnell».
Inhalt der Debatte war aber eigentlich die Armeebotschaft 2026, worauf Pfister dann auch verwies. Für verschiedene Projekte sollte die Schweizer Armee insgesamt knapp 3.4 Milliarden Franken erhalten, inklusive 394 Millionen Franken als Zusatzkredit für die Beschaffung der F-35-Kampfjets. So forderte es der Bundesrat und so bewilligte es – nach langer Diskussion – schliesslich auch das Parlament.
Herbstsession
Und sonst in Bundesbern?

Wer mir sein Foto vom Bundeshaus schickt, bekommt morgen an dieser Stelle ein Shoutout. (Bitte, es ist Tag zwei und mir gehen die Bilder aus :)) (Foto: Unsplash/Micael Hintze)
Es ging natürlich auch um andere Themen im Bundeshaus. Hier kommt die Kompakt-Version:
Foie Gras wird nicht verboten, aber verpönt: Die Stopfleber-Initiative erhält einen indirekten Gegenvorschlag von National- und Ständerat. Stopflebern gelten durch die Mastform von Gänsen und Enten vielerorts als Tierquälerei. Anders als die Volksinitiative fordert der Gegenvorschlag kein Einfuhrverbot der Spezialität, sondern zielt mit neuen gesetzlichen Bestimmungen auf geringeren Verzehr.
«Pelz-Initiative»: Auch tierquälerische Pelze sollen eingeschränkt werden. Beide Räte stimmen dem Gegenvorschlag des Bundesrats zu. Dieser will neben Import auch Handel mit den Pelzen verbieten.
Keine Geschlechterquoten im Sport: Der Nationalrat fordert, eine kürzlich geschaffene Regelung zur Vertretung der Geschlechter in Sportverbänden wieder aufzuheben. Verbände könnten Frauen in eigener Verantwortung gezielt fördern, wird argumentiert.
Ohne 50 Franken in die Notaufnahme: Um Spitalnotaufnahmen und das Gesundheitssystem zu entlasten, wollte der Nationalrat, dass Patient:innen ohne ärztliche Überweisung in der Notaufnahme 50 Franken zahlen. Der Ständerat ist dagegen – das Geschäft geht zurück in den Nationalrat.
Ewigkeitschemikalien: Der Ständerat will, dass die Landwirtschaft mehr Zeit bekommt, um die Bundes-Vorgaben bezüglich Ewigkeitschemikalien (PFAS) umzusetzen. Das PFAS-Problem sei über Jahrzehnte entstanden und könne nicht über Nacht gelöst werden, wird Ständerat Benedikt Würth von den Tamedia-Zeitungen zitiert. Auch die Deklarationspflicht der PFAS, etwa bei Bratpfannen, lehnt der Rat ab.
Dies die wichtigsten Entscheidungen der Räte gestern. Morgen gehts weiter.
Smart Glasses · Gegen heimliches Filmen
Politik gegen KI-Brillen

Spätestens seit Kylie Jenner Smart Glasses als «sytlish» beworben hat, sind die Brillen mit eingebauter Kamera ein kontroverses Thema. (Screenshot: Spiegel)
Die Debatte rund um Smart Glasses ist nun offiziell in der Schweiz angekommen.
Kurz vorweg: Worum gehts?
Durch die Brillen oder wahlweise Sonnenbrillen kann man nicht nur gucken. Sie haben auch eine eingebaute Kamera und ein Mikrophon sowie ein KI-System. Besonders bekannt sind etwa die KI-Brillen von Facebook-Mutterkonzern Meta, deren Kamera kaum auffällt.
Seit ihrem Markteintritt vor einigen Jahren kursieren im Internet immer wieder Videos von Menschen, die mit den KI-Brillen gegen ihr Wissen und Einverständnis gefilmt wurden. Besonders betroffen davon sind Frauen.
Es war also absehbar, dass der Diskurs um Smart Glasses früher oder später auch in der Schweizer Politik Einzug hält.
«Wer Menschen heimlich aufnimmt oder ihre Persönlichkeitsrechte verletzt, muss dafür geradestehen.»
Bis es eine «menschenrechtsorientierte Regulierung» für den Umgang damit gebe, solle der Import verboten sein, fordert eine Petition. Auch in verschiedenen Schweizer Städten sind entsprechende Vorstösse hängig, wie die Tamedia-Zeitungen schreiben.
Mit Smart Glasses kann jedoch nicht nur heimlich gefilmt werden. Sie können auch Lifestyle verändernd für Menschen mit Behinderungen sein, etwa durch ihre Vorlese-Funktion.
Für Jon Fanzun, Geschäftsführer von Swico, dem Wirtschaftsverband der Digitalbranche, ist deshalb nicht die Brille das Problem, sondern der Missbrauch. «Wer Menschen heimlich aufnimmt oder ihre Persönlichkeitsrechte verletzt, muss dafür geradestehen», sagt er.
Schlagzeile des Tages
«Hitzesommer schlägt Bauern auf die Psyche»

Der Präsident des Trägervereins Hans Jörg Rüegsegger erwartet mehr Anrufe im Winter. (Screenshot: CH-Media-Zeitungen)
Das Sorgentelefon 143 für Erwachsene oder 147 für Kinder und Jugendliche dürfte den meisten ein Begriff sein. Weniger bekannt ist das Bäuerliche Sorgentelefon, das sagt sogar der Präsident des Trägervereins und SVP-Nationalrat, Hans Jörg Rüegsegger, im Interview mit den CH-Media Zeitungen. Das Angebot sei noch nicht allen bekannt, denen der Verein helfen möchte.
«Leider kommt es immer wieder vor, dass sich Landwirte erst dann melden, wenn es fünf nach zwölf ist, statt fünf vor zwölf», sagt er. Jährlich nimmt das Sorgentelefon zwischen 85 und 160 Anrufe entgegen, wobei es am häufigsten um familiäre Probleme geht.
«Der Berufsstand ist insofern besonders, als man in den allermeisten Fällen 365 Tage im Jahr dort wohnt, wo man arbeitet, und dort arbeitet, wo man wohnt», sagt Rüegsegger. Dies könne zu Konflikten und Reibereien führen. «Auf einem Bauernbetrieb ist man es gewohnt, anzupacken und Probleme selbst zu lösen, bevor man sich Hilfe von aussen holt.»
Der Verein rechnet darüber hinaus mit mehr Anrufen in den kommenden Quartalen durch den Hitzesommer. «Dann können die trockenheitsbedingten Ernteausfälle, Futterzukäufe oder Tierabgänge zu finanziellen Engpässen führen», sagt Rüegsegger. Extremwetterereignisse wie die Trockenheit könnten dann der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringe.
Kurz-News
Stellenabbau bei Ruag · Die bundeseigene Rüstungsfirma plant eine interne Reorganisation, die bis zu 49 Stellen kosten könnte. Dies teilt die Nachrichtenagentur SDA mit. Grund für die Massnahmen seien ausbleibende Kundenaufträge und die Auslagerung von IT-Funktionen.
Rösti stellt sich EFK-Kritik · Die Finanzkontrolle EFK kritisierte in einem Bericht gestern das Strassenbau-Projekt «Verkehr '45» von Bundesrat Albert Rösti. Zwischenzeitlich forderte die Finanzkontrolle sogar dessen Stoppung. Gegenüber SRF sagt dieser nun, er nehme die Kritik ernst. Er merkt aber an, dass es sich um einen politischen Prozess handle, den der Gesamtbundesrat verabschiedet habe.
Match-Abstimmung in Luzern · Der Innerschweizer Kanton werde zum Testfeld für den Schweizer Sport, schreibt die NZZ. In Luzern wird Ende September über die Volksinitiative «gegen Fangewalt» abgestimmt, die eine ID-Kontrolle am Eingang von Fussball- und Eishockeyspielen sowie strengere Regelungen für die An- und Rückreise von Fans fordert.
Stinkender russischer Airbus am Flughafen · Seit 2022 steht ein Airbus einer russischen Fluggesellschaft am Genfer Flughafen. Eigentlich hätte er wohl nur dort zwischenlanden sollen, doch durch die russische Ukraine-Invasion sei er dort gestrandet, berichtet Blick. In den beinahe 1700 Tagen seien die Essensreste, die wohl noch im Jet waren, dort vergammelt. Und nicht nur das: Die Parkgebühren dürften sich mittlerweile auf 1.6 Millionen Franken belaufen, schreibt die Zeitung. Ob sie bezahlt würden, sei unklar.
International
Intergalaktische Verteidigung · Die USA können uns nun gegen Aliens verteidigen – sollten diese angreifen. Die Staaten haben erstmals bestätigt, Waffen im Weltall stationiert zu haben, berichtet SRF. Mit den Waffen könnten die Staaten aber auch «feindliche Satelliten zerstören», wie ein anonymisierter Verteidigungsvertreter der Regierung gegenüber der Washington Post sagt.
Doku über israelische Kriegsführung · Der Dokumentarfilm «Naza» zeigt die Kriegsführung des israelischen Militärs im Gazastreifen. Im Film kommen Mitglieder des israelischen Geheimdienstes zu Wort und geben Einblicke darüber, wie Ziele im Gazastreifen ausgewählt werden. Dabei sprechen sie auch über zivile Opfer. Während der Film am Filmfestival in Venedig gefeiert wird, droht die israelische Regierung den beiden israelischen Filmemacher:innen, das Bürgerrecht zu entziehen, wie SRF berichtet.
🔧 Nützliches des Tages
Wie war das, mit den KI-Brillen?
Die KI-Brillen sehen aus wie klassische (Sonnen-)Brillen, haben aber eine versteckte Kamera integriert. (Foto: Unsplash/Giorgio Trovato)
«Bei Pick-Up Artists beliebt!»
Mit diesem Slogan könnte man wohl die KI-Brillen wie oben beschrieben bewerben. Tatsächlich schwirren im Internet unzählige Videos von Männern, die Frauen auf der Strasse ansprechen und sie dabei gegen ihr Wissen filmen, umher. Wie die Smart Glasses zu einer neuen Form von digitaler Gewalt werden, hat die ARD dabei in einer Dokumentation aufgezeigt.
Tatsächlich sollte bei den Brillen eine kleine Lampe leuchten, um das Filmen anzuzeigen. Wie einfach sich diese allerdings entfernen lässt, um noch heimlicheres Filmen möglich zu machen, hat die Tech-Journalistin Joanna Stern nachgewiesen.
«Aber- !»
Die KI-Brillen bieten auch vielerlei weiterer Funktionen. Und diese sind nicht nur für Internet-Creeps interessant. Im Gegenteil können sie vielen Menschen das Leben erleichtern. Einen guten Überblick haben die Journalist:innen hinter dem YouTube-Kanal «Good Work» geschaffen, wie ich finde.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Bis morgen!
Sofie
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