Guten Morgen {{vorname}}
Ich kann fast nicht aufhören mit dem Kopfschütteln. Was sich die «Stäcklibuebe» in der Berner Gemeinde Leuzigen da geleistet haben, ist einfach nur beschämend.

Weil eine 16-Jährige aus dem Dorf einem Jungen im letzten Jahr einen Korb gegeben hatte, wird sie nun öffentlich an den Pranger gestellt und aufs Übelste sexistisch gedemütigt.

Ist halt so Brauch, meint der Gemeindepräsident. Ich meine: Wenn diese Puppe heute Abend noch an der Hauptstrasse steht, haben wir ein ernsthaftes Problem in diesem Land.

Schweiz · Armee

4,6 Milliarden für Patriot-Raketen

Immer teurer: Luftabwehr-Rakete aus den USA. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Urs Flüeler)

Man muss wohl patriotisch veranlagt sein, um diese News einfach so zu schlucken: Aufgrund des Irankriegs und der damit verbundenen Knappheit an US-Waffenvorräten steigen die Kosten für das Patriot-System drastisch.

Im Verteidigungsdepartement von Bundesrat Martin Pfister (Mitte) werde inzwischen mit einer Verdoppelung der ursprünglichen Summe auf bis zu 4,6 Milliarden Franken gerechnet, schreibt der Tages-Anzeiger.

Hauptgrund für die Preisexplosion ist der enorme Materialverschleiss der USA: Über 1200 Patriot-Abwehrraketen wurden im Irankrieg bereits verbraucht. Dies hat direkte Folgen für Besteller:innen wie die Schweiz. Rüstungschef Urs Loher warnte bereits im März, dass man mit erheblichen Mehrkosten rechnen müsse. Zudem verzögern sich die Lieferungen. Ursprünglich für 2030 geplant, wird nun mit einer Verspätung von weit mehr als fünf Jahren gerechnet.

Angesichts dieser Lage prüft Bundesrat Pfister Alternativen aus Europa, Asien oder Israel. Auch ein Abbruch des US-Geschäfts ist nicht mehr ausgeschlossen. Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse gibt sich offiziell noch zurückhaltend und sagt, man stehe mit den USA in «intensivem Austausch». Dennoch wächst der Druck, da die Schweiz seit dem Jahr 2000 über keine Langstrecken-Luftabwehrwaffen mehr verfügt.

Schweiz · Altlasten

Eine Milliarde fürs Putzen

Gift auf Wiese: Chemiewerk Lonza in den 80ern. (Screenshot: NZZ/Keystone)

Das Erbe der Industriegeschichte kommt das Wallis teuer zu stehen: Rund eine Milliarde Franken wird die Sanierung belasteter Standorte bis zum Jahr 2045 voraussichtlich kosten. Wie das Departement für Mobilität, Raumentwicklung und Umwelt gestern bekannt gab, sind im kantonalen Kataster inzwischen 1386 belastete Standorte verzeichnet. Neben Quecksilber und Lösungsmitteln stellen vor allem PFAS-Belastungen die Behörden vor Herausforderungen.

Besorgniserregend bleibt die Lage bei der Deponie Gamsenried, berichtet die NZZ. Dort lagern rund drei Millionen Kubikmeter Giftmüll des Lonza-Konzerns, die das Grundwasser gefährden. Obwohl der Kanton die Sanierung als «Generationenprojekt» bezeichnet, verzögern sich die Arbeiten. Der geplante Baustart für eine 1,6 Kilometer lange Dichtwand verschiebt sich auf 2026 oder 2027.

Zusätzlich wurden 187 weitere Standorte lokalisiert, an denen durch den Einsatz von Löschschäumen PFAS-Belastungen vermutet werden. Da diese Stoffe kaum abbaubar sind, seien laut Dienststelle für Umwelt besonders umfangreiche Untersuchungs- und Sanierungsmethoden erforderlich.

Trotz der hohen Kosten betont der Kanton das Verursacherprinzip: Die verantwortlichen Firmen müssen für die Schäden aufkommen.

Schweiz · «Tradition»

Berner Dorf toleriert sexistische Maitannli-Attacke

«Normaler Brauch»: Maitanne in Leuzigen. (Screenshot: Blick/Devin Schürch)

Dieses «Blair-Witch-Project» ist ein schier unglaublicher Skandal: In der Berner Gemeinde Leuzigen haben «Stäcklibuebe» eine verunstaltete Frauenpuppe aufgestellt. Diese trägt den Namen «Larissa» und soll ganz bewusst und für alle wahrnehmbar eine öffentliche Demütigung einer Dorfbewohnerin sein.

Grund: Die 16-Jährige hatte im Vorjahr die Einladung eines Verehrers ignoriert. Laut lokaler Tradition ist die Puppe ein «scherzhaftes Mahnzeichen» für ein verweigertes Date.

Während ältere Dorfbewohner:innen gegenüber dem Blick von einem «normalen Brauch» sprechen, reagieren andere entsetzt. «Das ist nicht zeitgemäss und sexistisch», kritisiert eine Anwohnerin. Die Darstellung wirke «einschüchternd, entwürdigend und gewaltbezogen».

Auch Larissas Vater distanziert sich von der Aktion: «Larissa wollte letztes Jahr gar kein Maitannli. Ihr ist dieser Brauch komplett egal.» Er halte die Tradition für überholt, da es heute bessere Wege gebe, Leute kennenzulernen.

Gemeindepräsident Daniel Baumann erklärt, dass die jungen Männer so auf das Nichteinhalten des Brauchs hinweisen wollten. Kritiker:innen fordern ein Ende der Praxis, da sie Frauen öffentlich herabwürdigt. Die Puppe mit dem Namensschild soll noch den gesamten Mai über im Dorf hängen bleiben.

Zahl des Tages

Ü30

Lazare, mutmasslicher Rekordhund. (Screenshot: Watson)

Der älteste Hund der Welt ist womöglich ein Schmetterling. Der kleine Papillon «Lazare» aus Frankreich soll sich gemäss offiziellen Zuchtpapieren bereits im 31. Lebensjahr befinden. Damit würde er den bisherigen Weltrekord des australischen Cattle Dogs «Bluey» brechen, der 29 Jahre und 5 Monate alt wurde. Eine Einreichung für das Guinnessbuch der Rekorde ist in Planung.

Das Newsportal Watson arbeitet die bewegte Geschichte des Hündchens auf: Nach dem Tod seiner langjährigen Besitzerin landete «Lazare» zunächst im Tierheim. Dort habe er Staunen ausgelöst, da die Mitarbeiter:innen einen so erfahrenen Hund noch nie gesehen hätten. Inzwischen habe der Vierbeiner bei einer neuen Besitzerin ein festes Zuhause gefunden.

Zwar leidet «Lazare» unter typischen Alterserscheinungen wie Arthrose, Hörverlust und einer Sehbehinderung. Trotzdem bescheinigen Tierärzt:innen dem Hund einen «erstaunlich guten Zustand». (W)uff! 🐶

Kurz-News

Schluss mit A- und B-Niveau · Das Tessin will bis 2032 als erster Kanton die Leistungsstufen an Sekundarschulen komplett abschaffen. Ziel ist mehr Chancengerechtigkeit und weniger Stigmatisierung, schreibt der Beobachter. Ein zweijähriger Test mit Teamteaching verlief erfolgreich: Die Motivation stieg, ohne das Niveau zu senken. Bildungsdirektorin Marina Carobbio Guscetti sagt: «Die Schule muss allen die gleichen Bildungschancen garantieren.»

Schlag gegen Kriminalität · In Lausanne hat eine Grossoperation an der Rue de Genève 85 zu über 180 Strafverfolgungen geführt. Bei 28 Einsätzen nahmen Polizei und Staatsanwaltschaft Dealer, Geldwäscher und sogar den Hausbesitzer ins Visier. Neben Drogenhandel flogen Sozialbetrug in Millionenhöhe und Geldwäscherei auf, berichtet das Echo der Zeit auf SRF.

Winti steigt ab · GC schlägt Winterthur nach einem 0:2-Rückstand mit 3:2 und rettet sich in die Barrage. Während die Hoppers gegen Vaduz oder Aarau um den Klassenerhalt kämpfen, steht der FC Winterthur als Absteiger in die Challenge League fest. Trotz früher Führung besiegelten Abels und Lee den Winti-Abstieg, schreibt Blue News: Nach vier Jahren im Oberhaus verabschiedet sich der FCW mit nur fünf Saisonsiegen aus der Super League.

International

Ehrenpalme für Jackson · Bei der Eröffnung der 79. Filmfestspiele in Cannes erhielt Regisseur Peter Jackson die Goldene Ehrenpalme. Überreicht wurde der Preis von Elijah Wood, der unter Jackson als Hobbit Frodo Weltruhm erlangte. Jackson betonte die Bedeutung von Cannes für den Erfolg seiner «Herr der Ringe»-Trilogie. Gemäss Tages-Anzeiger ebenfalls im Fokus: Heidi Klum, die trotz eines Muskelfaserrisses in hohen Schuhen über den roten Teppich schritt.

Eklat bei Abschlussfeier · Dieser Clip ging viral: Student:innen der University of Central Florida haben Rednerin Gloria Caulfield lautstark ausgebuht, als diese KI als «nächste industrielle Revolution» bezeichnete. Die Immobilien-Managerin musste ihre Rede mehrfach unterbrechen, da das Publikum mit Ablehnung auf das Thema reagierte. Der Vorfall verdeutlicht laut Guardian die wachsende Skepsis in der Gesellschaft bezüglich künstlicher Intelligenz.

🕹️ Nützliches des Tages

Spielen

Ein Coci bestellen – oder doch den Iran überfallen? (Screenshot: Epicfurious)

Es soll ja Leute geben, die von Trump die Nase voll haben. Trotzdem sei auch ihnen das wunderbare Browser-Spiel Epic Furious empfohlen. Darin kann man als US-Präsident allerlei Unfug anstellen. Total plemplem, hinreissend komisch.

Programmiert hat den Spass die Künstlergruppe «Secret Handshake». Im Zentrum der Aktion stehen Arcade-Automaten mit dem Game, die direkt am War Memorial in Washington aufgestellt wurden.

Im satirischen Rollenspiel «Operation Epic Furious: Strait to Hell» steuert man Trump durch einen fiktiven Iran-Krieg, sammelt «Öl» und sucht nach Ideen für Truth Social-Posts.

Das Spiel sei bewusst so konzipiert, dass man es nicht gewinnen kann, berichtet Wired. Fragt man etwa Melania Trump, ob man Händchen halten könne, ist «Game Over».

Laut den Entwickler:innen ist das Spiel ein Kommentar zur Kriegspropaganda: «The Trump administration knows that the best way to sell combat is by making it a video game.»

Alles nur ein Spiel also. Es wäre lustig, wenn es nicht zum Heulen wäre.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis Freitag, wenn du magst.

Peter

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