Guten Morgen {{vorname}}
Heute bin ich mit folgenden News aufgewacht: 66 Prozent der SVP-Wählerinnen und -Wähler glauben kein Wort von dem, was ich hier tagtäglich schreibe. Sie gaben in einer neuen Studie an, den Medien ganz allgemein nicht zu vertrauen.
Was tun?
Vielleicht die leicht abgenutzte Weisheit von Samuel Beckett bemühen, die sich auch der grossartige Tennisspieler Stan Wawrinka auf den Unterarm hat tätowieren lassen (natürlich im englischen Original): «Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.»
Schweiz · Gesellschaft
Der «Ukraine-Effekt» verblasst schon wieder

Kalte Schulter: Der Militärdienst verliert an gesellschaftlicher Bedeutung. (Foto: Unsplash/Simon Infanger)
«Der gesellschaftliche Kitt bröckelt», titelt Der Bund heute. Diesen Schluss legt eine neue Studie des Zürcher Forschungszentrums Sotomo nahe. Darin heisst es zum Beispiel, dass nur noch jede fünfte Person den Militärdienst wichtig für das Miteinander findet. Vor einem Jahr sagte das noch jede dritte Person. Dies deute darauf hin, dass der emotionale Effekt des Einmarschs der Russen in der Ukraine bereits wieder abnimmt, heisst es in der Studie.
Für den Bundesrat, der massive Aufrüstung plant, können die Resultate nichts Gutes verheissen. Doch nicht nur bei der Armee bröckelt es: Der allgemeine gesellschaftliche Kitt wird gemäss der Studie instabiler, besonders das Vertrauen in die Konkordanz und die Medien sinke.
Dies sei durchaus besorgniserregend, sagt Sotomo-Chef Michael Hermann im Artikel: «In den meisten Gruppen und in vielen Dimensionen hat der Zusammenhalt in der Schweiz im Vergleich zu vor einem Jahr abgenommen.»
Ein Lichtblick bleibt das Private: In der direkten Nachbarschaft und im engen Umfeld empfinden sechs von zehn Befragten den Zusammenhalt weiterhin als stark. Während Institutionen an Rückhalt verlieren, funktioniert das Miteinander im Kleinen also noch immer erstaunlich gut.
Schweiz · Rassismus
Systemische Missstände bei Lausanner Polizei

Proteste nach dem Tod eines 17-Jährigen im vergangenen Sommer. (Screenshot: NZZ/Cyril Zingaro)
Zwei gestern veröffentlichte Berichte bestätigen gemäss einem Artikel in der NZZ, dass Diskriminierung, Rassismus und Sexismus innerhalb des Korps der Stadtpolizei Lausanne weit verbreitet sind.
Der Bericht der Kanzlei Kellerhals Carrard beschreibt eine «Kultur der Ausgrenzung bei abweichenden Meinungen». Polizistinnen seien regelmässig Sexismus ausgesetzt, der von unangebrachten Bemerkungen bis hin zu Benachteiligungen bei der Aufgabenverteilung reiche. Auch Vetternwirtschaft bei Beförderungen und der Schutz missbräuchlichen Verhaltens durch interne Allianzen werden angeprangert.
André Duvillard, der frühere Kommandant der Neuenburger Kantonspolizei, sieht die Ursache nicht in individuellen Fehlern, sondern in einer «unangemessenen Berufskultur». Während sich die Stadt gesellschaftlich entwickelt habe, sei die Polizei in erstarrten Strukturen verblieben. Auslöser der Untersuchung war unter anderem eine WhatsApp-Gruppe, in der sich etliche Beamte rassistisch ausgetauscht hatten.
Der Lausanner Stadtpräsident Grégoire Junod räumte ein, dass die aktuelle Organisation Diskriminierung nicht wirksam aufdecken könne. Deshalb seien nun tiefgreifende Reformen geplant. Diese sollen das Arbeitsklima und die Ethik stärken, werden laut Junod aber vier bis fünf Jahre beanspruchen. Ein neuer Polizeikommandant soll den Prozess ab dem Sommer begleiten.
International · Menschenrechte
Weltweit herrscht immer mehr das Recht des Stärkeren

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. (Foto: Unsplash/Markus Spiske)
Passend dazu: noch ein Bericht. Dieser stammt von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), die auch einen Sitz in Genf hat. Und er zeichnet ein düsteres Bild.
Die Menschenrechte seien so stark bedroht wie seit Jahrzehnten nicht mehr, heisst es im HRW-Jahresbericht. Grund: Systematische Morde, Folter und Diskriminierung sind weltweit oftmals an der Tagesordnung.
«Die USA, Russland und China sind heute weniger frei als vor 20 Jahren.»
Besonders im Fokus stehen die USA unter Präsident Donald Trump, dem HRW gemäss SRF einen «breit angelegten Angriff auf die globale regelbasierte Ordnung» vorwirft. Autokratische und aggressive Regime in China und Russland profitierten von dieser Schwächung. HRW-Chef Philippe Bolopion: «Die USA, Russland und China sind heute weniger frei als vor 20 Jahren.»
Auch in Europa sieht die Organisation Defizite. Viele westliche Regierungen betrachteten Menschenrechte eher als Hindernis für Wirtschaft und Sicherheit. Zudem dokumentiert der Bericht schwere Verstösse in Konfliktzonen wie Gaza und der Ukraine sowie massive Repressionen im Iran.
Als Gegenmodell fordert HRW eine Allianz aus «mittleren Mächten» wie der EU, Kanada und Japan, um demokratische Werte gemeinsam zu verteidigen. Bolopion betont die historische Dimension der Aufgabe: «Die autoritäre Welle zu brechen und für die Menschenrechte einzutreten, ist eine Herausforderung für eine ganze Generation.»
😇 Kurioses
«Na gut, es war Meloni»

Man sitzt da, wartet, und denkt plötzlich: Dieser Angelo erinnert mich irgendwie an Meloni. (Screenshot: SRF)
Wer erinnert sich noch an die Geschichte mit der spanischen Rentnerin, die zwar in guter Absicht, doch halt leider auch auf eigene Faust ein Jesus-Bild restaurierte?
Um es kurz zu machen: Jesus sah danach aus wie ein Monchhichi oder, wie man heute sagen würde, wie ein Labubu-Figürchen. Ich habe immer noch Freude, wenn mir die Bilder im Netz begegnen.
Es ist ein Glück, dass sich auch lustige Geschichten stets wiederholen. So zum Beispiel kürzlich in Rom. Dort hatte der Restaurator Bruno Valentinetti in der Basilika San Lorenzo in Lucina all sein Können in ein Fresko eines Engels gesteckt, das kurz darauf für einigen politischen Wirbel in der italienischen Hauptstadt sorgte.
Was Valentinettis Engel so besonders machte: Er glich aufs Haar der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Tausende Leute strömten in die Kirche, um das Werk zu sehen; die Denkmalbehörde und sogar der Vatikan schalteten sich ein. Die Opposition forderte natürlich sofort eine Untersuchung. Und Meloni meinte auf Instagram trocken, sie sehe «sicherlich nicht aus wie ein Engel».
Nachdem er die Vorwürfe tagelang bestritten hatte, gab Valentinetti nun zu: «Na gut, es war Meloni, aber in Anlehnung an das Gemälde, das vorher dort war.»
Auf Anweisung des Vatikans, berichtet SRF, habe Valentinetti das Engelsgesicht sodann persönlich mit Farbe überdeckt. Und nun soll das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederhergestellt werden.
Für Meloni ist es vielleicht besser so, heisst es doch in der Bibel: «Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.»
Kurz-News
Seco unter Druck · Trotz Versprechen des Seco warten viele Arbeitslose in der Schweiz weiter auf ihre Taggelder. Gewerkschaften werfen dem Amt gemäss Tages-Anzeiger Beschönigung vor: «Die Zahlen stimmen schlicht nicht.» In Kantonen wie Bern oder Genf wurden im Januar teils nur 60 bis 70 Prozent der Gelder überwiesen. Grund: massive IT-Probleme. Die Politik fordert nun Entschädigungen für Betroffene und eine parlamentarische Untersuchung.
Gefängnisaufstand · Im Freiburger Gefängnis Bellechasse ist es am Montag zu einem gewaltsamen Aufstand gekommen, berichtet Watson. Dutzende Häftlinge verweigerten den Einschluss, bauten Barrikaden und verwüsteten Teile des Gebäudes. Grund für den Vorfall waren Proteste gegen Haftbedingungen sowie Preise für Telefonate und Lebensmittel. Die Polizei musste anrücken, um die Lage nach drei Stunden unter Kontrolle zu bringen.
SBB erleidet Schlappe · Nichts als Ärger mit dem Dosto: Die Betriebsbewilligung für die Doppelstockzüge muss neu geprüft werden. Das Bundesverwaltungsgericht gab einer Beschwerde von Inclusion Handicap recht. Ein Gutachten zur Barrierefreiheit sei mangelhaft, da Tests nur mit Standardrollstühlen und gesunden Personen durchgeführt wurden. Nun muss gemäss SRF geklärt werden, ob Ein- und Ausstiege für alle behinderten Menschen technisch zumutbar angepasst werden können.
International
ICE zieht sich etwas zurück · Nach massiver Kritik und zwei mutmasslichen Morden durch Bundesagenten zieht US-Präsident Donald Trump 700 Beamte aus Minnesota ab. Dies berichtet die New York Times. Die Operation gegen illegale Migration solle künftig mit einer «sanfteren Hand» geführt werden. Dennoch bleiben 2000 Einsatzkräfte vor Ort. Gouverneur Tim Walz nannte den Schritt unzureichend und forderte ein Ende der «Vergeltungskampagne» sowie Aufklärung über die getöteten US-Bürger.
Mini-Dino entdeckt · Forschende haben in Nordspanien die Überreste einer winzigen Dinosaurierart namens Foskeia pelendonum ausgegraben. Mit einer Länge von nur einem halben Meter reichten die zweibeinigen Tiere einem Menschen gerade bis zum Knie, schreibt der Spiegel. Die vor 120 Millionen Jahren lebenden Pflanzenfresser waren wohl auf Sprints in dichten Wäldern spezialisiert. Die Funde beweisen laut den Expert:innen, dass die Evolution bei kleinen Körpergrössen genauso radikal experimentierte wie bei Giganten.
🔮 Nützliches des Tages
Sich selbst eine E-Mail schreiben

You’ve got mail. Absender: die Vergangenheit. (Foto: Unsplash/Mizanur Rahman)
Als Kind vergrub ich einmal eine Kiste im Erdboden. Mit Dingen darin, die ich nicht mehr benötigte. Doppelt vorhandene Legofigürchen zum Beispiel oder überschüssige Rivella-Etiketten. Dazu hinterliess ich ein paar Zeilen an die Finderin oder den Finder in ferner Zukunft.
Andere schicken ihre Botschaften ins All, in der Hoffnung, dereinst vielleicht Antwort von E.T. zu bekommen.
Mit der Zukunft in Dialog zu treten geht aber auch einfacher. Auf dieser Seite kannst du eine E-Mail an dich selbst schreiben und bestimmen, an welchem Datum sie dich erreichen soll: in fünf Jahren, in zehn Jahren, in 20 Jahren?
Solche Gedankenspiele machen mich immer ein bisschen melancholisch. Und trotzdem überlege ich mir, den Versuch zu wagen.
Ich würde in meiner E-Mail an mich vielleicht zuerst meine Verwunderung kundtun, dass es Gmail immer noch gibt. Oder die Welt ganz allgemein. Und ganz bestimmt käme darin auch die Aufforderung vor, diesen Song zu hören, der mich schon heute versöhnlich stimmt: Don’t look back in anger.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



