Guten Morgen {{vorname}}
Die NZZ schwimmt gerne gegen den Strom, nicht nur politisch, sondern auch sprachlich. Zum Beispiel heisst es dort «Wissenschafter» statt Wissenschaftler und Interviews sind gerne mal «fünfviertelstündig». So lange – also eine Stunde und fünfzehn Minuten – sprach die Zeitung kürzlich mit dem ehemaligen SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm. Seinen Kaffee konnte er in dieser Zeit aber nicht austrinken. Zu eifrig war er damit beschäftigt, sich über den «Hypermoralismus» seiner Mutterpartei und ihren Umgang mit der 10-Millionen-Schweiz-Initiative der SVP zu echauffieren. Stimmt er am Ende gar selbst dafür?
Interview 10-Millionen-Initiative
Rudolf Strahm sorgt für Furore

Rudolf Strahm, ehemaliger SP-Nationalrat, ist mit seiner Mutterpartei unzufrieden. (Foto: Wikipedia)
Ehrlich gesagt überrascht mich dieses Interview in der NZZ mit Rudolf Strahm mittlerweile kaum. Wir kennen sie doch schon: Diese Thilo Sarrazins, Sarah Wagenknechts und Frank Urbanioks – alles ehemalige Linke, in unterschiedlichem Grade profilneurotisch, die ihrer alten politischen Heimat heute lieber vom rechten Rand aus die Leviten lesen.
Der Vorwurf ist dabei immer derselbe: Die Linke sei zur blossen «Lifestyle»-Partei verkommen, die die echten Sorgen der Arbeiterklasse nicht mehr ernst nehme. Daraus schlagen dann rechte Parteien Kapital.
Was soll man dagegen tun?
Natürlich frei nach dem homöopathischen Prinzip, Gleiches mit Gleichem bekämpfen: Wenn die Gesellschaft immer rechter wird, dann müssen halt auch Linke zusehends rechte Positionen vertreten, vor allem in Sachen Migrationspolitik.
Das findet nun auch Rudolf Strahm bezüglich des Umgangs der SP mit der 10-Millionen-Schweiz-Initiative der SVP. Dabei bedient er die üblichen rechten talking-points.
Seine Partei habe «kein Konzept» im Umgang mit der Initiative. Statt einen Schritt auf sie zuzugehen und klare Gegenforderungen zu stellen, begegne sie ihr einfach mit einem «blanken Nein».
Im selben Atemzug warnt Strahm vor den Folgen einer ungezügelten «Massenmigration» und wettert gegen die «kosmopolitische Klasse» aus «Konzernchefs, Diplomaten, Beamten, Professoren, linksliberalen Politikern, NGO-Aktivisten», für die Migration «per se etwas Positives» sei.
Ach ja, und für die Wohnungsnot sei natürlich auch vor allem die Migration verantwortlich.
Nach all dem fragst du dich vielleicht: Stimmt Strahm etwa für diese SVP-Initiative?
Strahm gibt sich im Interview duckmäuserisch. Die SVP-Initiative sei zwar «keine kluge Lösung», doch ein Ja würde für einen «heilsamen Druck» auf die SP sorgen.
Nachrichtendienst warnt
Russische Expat-Gruppen besuchen Kernkraftwerke

Der Aargau ist keine Touristendestination, dafür ist das AKW Leibstadt für russische Spionage interessant. (Foto: Wikipedia)
Für Expat-Gruppen bietet die Schweiz zweifelsohne viele Tourismusattraktionen: schöne Berge, malerische Seen oder niedliche Altstadtquartiere. Kritische Infrastrukturen wie Kernkraftwerke gehören in der Regel nicht dazu.
Ausser im Kanton Aargau.
Wie die Aargauer Zeitung berichtet, haben seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine russischsprachige Expat-Gruppen dort wiederholt Anlagen besucht, die für Saboteur:innen von grossem Interesse wären, zum Beispiel Nuklearanlagen, Wasserkraftwerke oder Logistikzentren.
«Im Kontext der intensivierten hybriden Konfliktführung hat die Bedeutung solcher Ausforschung weiter zugenommen.»
Alle diese verdächtigen Besuche werden zwar öffentlich bekannt gegeben und von den Betreibern gar beworben. Doch es bestehe die Gefahr, dass sich unter die Besuchenden auch Spion:innen mischen könnten.
Der NDB beobachtet solche Aktivitäten schon länger. Informationen über kritische Infrastrukturen würden bereits Jahre im Voraus gesammelt, sagt NDB-Sprecher Christoph Gnägi. «Im Kontext der intensivierten hybriden Konfliktführung hat die Bedeutung solcher Ausforschung weiter zugenommen.»
Der Kanton Aargau scheint dabei besonders bedroht zu sein. Wie Polizeikommandant Michael Leupold letzte Woche mitteilte, habe es in den letzten zwei Jahren rund ein Dutzend Vorfälle gegeben, die «ausländischen Diensten» zuzuordnen seien – vermutlich handle es sich vor allem um russische und chinesische Dienste.
Dass der Kanton Aargau Ziel von Spionageaktivitäten ist, dürfte an den beiden Atomkraftwerken Leibstadt und Beznau 1 und 2 liegen. Zudem liegt auch die für Europa äusserst wichtige Stromdrehscheibe «Stern von Laufenburg» in diesem ansonsten nicht unbedingt für seine Touristenattraktionen bekannten Kanton im Schweizer Mittelland.
Trumps Eskalation im Iran
Exiliraner:innen in der Schweiz sind besorgt
US-Präsident Trump hat am Dienstag mit der Auslöschung einer gesamten Zivilisation gedroht. (Foto: Unsplash)
Vor dem aktuellen Krieg im Iran waren viele Exiliraner:innen der Ansicht, dass ein Regimewechsel im Iran nur mithilfe eines äusseren Eingriffs möglich wäre.
«Diese Stimmen verstummen», sagt Saghi Gholipour, Gründerin des Netzwerks «Free Iran Switzerland», im Tages-Anzeiger. Nachdem Trump am Dienstag damit gedroht hatte, dass eine «ganze Zivilisation heute Nacht sterben wird», habe sie ihren ursprünglichen Optimismus gänzlich verloren. «Irgendwann kommt der Patriotismus hervor, egal, wie sehr man die Mullahs hasst», sagt die Exiliranerin.
Mahdi Rezai-Tazik, Iranexperte an der Universität Bern, sieht in Trumps Aussagen Ankündigungen eines Kriegsverbrechens. «Der Westen muss sich fragen, ob er der Doppelmoral weiter nachgehen möchte – und russische Kriegsverbrechen sanktioniert, aber bei den USA akzeptiert», sagt er. Zudem stärke aktuell der Krieg das Regime und schwäche die Opposition.
Von Anfang an gegen den Krieg war Vida Amani, die in Olten aufgewachsen ist. Für Amani, die den Volksmujahedin nahesteht, könne der Wandel nur aus dem Innern kommen. Die Volksmujahedin, eine politisch schwer einzuordnende Bewegung, gehören zu den aktivsten Gegnern des Regimes. Letzte Woche sollen laut Medienberichten sechs ihrer Mitglieder hingerichtet worden sein.
Trotz der aktuellen schlimmen Lage hofft Amani, dass ein Zusammenbruch des Regimes in greifbarer Nähe ist. Auch die Schweiz könnte ihr zufolge den Druck auf das Regime erhöhen, etwa indem sie die iranische Botschaft schliesst und das Botschaftspersonal ausweist.
Visualisierung
3°
Die Temperaturen sind aktuell fast schon sommerlich. Wenn du nicht gerade im Osterstau stehst, ist das vielleicht ganz angenehm. Aber es ist auch besorgniserregend. Wie MeteoSchweiz in einem Blogbeitrag schreibt, ist es in der Schweiz im Jahresmittel bereits ungefähr drei Grad wärmer als in der vorindustriellen Zeit. Während es für das erste Grad über hundert Jahre dauerte, beschleunigte sich die Erderwärmung in der Folge rasant, wie obige Grafik illustriert. Auch wenn natürliche Schwankungen weiterhin eine Rolle spielen, dominiert der menschengemachte Treibhausgaseffekt zunehmend die schnelle Erderwärmung.
Kurz-News
Reform nach Fall Pélicot · Der Bundesrat hat im Nachgang zum Fall Pélicot einen Vorschlag für eine Gesetzesänderung vorgelegt, wonach die gesundheitlichen Folgen eines Übergriffs mit K.-o.-Tropfen neu als Unfall anerkannt werden. Damit müssten sie von der Unfallversicherung gedeckt werden, unabhängig von der Frage, ob das Opfer urteils- oder widerstandsunfähig war, berichtet das SRF.
Arbeitsmarkt sogar für Schreiner:innen schwierig · Eine Auswertung der Jobplattform Indeed zeigt, dass auch die Nachfrage nach Schreiner:innen, Schlosser:innen und Maler:innen sinkt – das waren bislang relativ krisenresistente Berufe. Laut Experten befinde sich die Schweizer Industrie aufgrund hoher Zölle, Investitionsschwäche und geopolitischer Krisen in einer Rezession, schreibt der Tages-Anzeiger.
Viele Helieinsätze über Ostern · Übers Osterwochenende musste die Rega gleich 190 Einsätze fliegen. Das waren 60 Prozent mehr als 2025. Hauptgrund waren das gute Wetter und entsprechend viele Wintersportunfälle, berichtet der Blick.
International
Vance macht Wahlkampf für Orban · Vance ist aktuell in Ungarn, wo für den Präsidenten Viktor Orban die Wahltrommel rührt, heisst es im SRF. Orban ist für den Trumpismus und überhaupt für den globalen Autoritarismus eine Modellfigur. Es gibt nun einige Indizien, dass Orban bei den kommenden Wahlen die Parlamentsmehrheit verliert. In Amerika kämpft Vance seinerseits mit sehr schlechten Umfragewerten. Der Irankrieg kommt unter seinen ethnonationalistischen Unterstützer:innen, denen er sich aus politischem Opportunismus zuwandte, nicht gut an. What goes around, comes around.
✅ To-Do Liste
Dein Kräuterbeet einrichten
Frühling ist Gartenzeit. (Foto: Unsplash/Markus Spiske)
Ob du einen Garten, einen kleinen Balkon oder nur einen sonnigen Sims hast, ist egal – der Frühling ist da und damit ist es Zeit, dein eigenes Kräuterbeet einzurichten.
Dazu einige Tipps:
Gute Erfahrungen hatte ich bisher mit Basilikum, Schnittlauch, Minze, Thymian, Rosmarin und Oregano.
Suche einen Platz, der pro Tag mindestens vier bis sechs Stunden Sonne hat.
Rosmarin, Thymian und Oregano mögen es lieber etwas trockener. Gruppiere sie deswegen zusammen. Umgekehrt brauchen Basilikum und Schnittlauch etwas mehr Wasser.
Vorsicht beim Ernten: Basilikumblätter solltest du zum Beispiel nicht abzupfen, sondern die Triebspitzen knapp über einer Blattverzweigung abschneiden.
Ein passender Topf mit genügend Erde sollte auch nicht fehlen. Das kriegst du alles in fast jedem Supermarkt.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Bis dann!
Jonas
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