Guten Morgen {{vorname}}
Wie muss es Wladimir Putin warm ums Herz geworden sein, als er von den Schweizer Trychlern erfuhr, die Ende Januar mit Kuhglocken und Transparenten durch die Strassen Moskaus marschiert sind, um einen «solidarischen Neubeginn» mit Russland zu fordern.
Ob diese Leute zu oft den Sender RT DE geschaut haben, wissen wir nicht. Was wir wissen, ist, dass der russische Staatssender jetzt auch im Abstimmungskampf um die Halbierungsinitiative mitmischt. Mit Fake News.
Um gegen solche Propagandaangriffe besser gewappnet zu sein, benötigen wir ein «digitales Immunsystem». Was das genau ist, erfährst du weiter unten.
Schweiz · Politik
Halbierungsinitiative erhält Schützenhilfe aus Russland

Gefährliche Märchen: Kreml in Moskau. (Foto: Unsplash/Vlad ION)
Wenige Wochen vor der Abstimmung über die Halbierungsinitiative am 8. März greift die deutschsprachige Plattform des russischen Staatssenders RT (ehemals «Russia Today») aktiv in den Schweizer Wahlkampf ein.
«Wie der Schweizer öffentlich-rechtliche Rundfunk die Bevölkerung gezielt manipuliert», lautet der Titel eines Artikels. Darin greife RT DE das SRF sowie dessen Russland-Korrespondenten Calum MacKenzie frontal an, berichtet der Tages-Anzeiger.
Im gleichen Artikel werbe RT für die Annahme der Halbierungsinitiative. Mit einem Screenshot, der den Eindruck einer SRF-Webseite erwecke. Die SRG weist die Vorwürfe und den manipulierten Screenshot als Fälschung zurück.
Expert:innen sehen darin einen Versuch, das Vertrauen in demokratische Institutionen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gezielt zu untergraben.
RT DE ist Teil der Soft-Power-Strategie des Kremls und dient der Verbreitung russischer Interessen im Ausland. Während der Sender in der EU aufgrund systematischer Desinformation verboten ist, bleibt er bei uns zugänglich. Allein im Januar verzeichnete RT DE über 100’000 Zugriffe aus der Schweiz.
Schweiz · Wirtschaft
Schlüsselfigur im Babymilch-Skandal schweigt

Soll gross und stark werden: Baby. (Foto: Unsplash/Rainier Ridao)
Nachdem verunreinigte Babynahrung in Europa zu schweren Erkrankungen und drei Todesfällen in Frankreich führte, rückt der chinesische Zulieferer Cabio Biotech ins Zentrum der Kritik.
Das Unternehmen aus Wuhan produziert das Gehirn-Additiv Arachidonsäure-Öl, das im Verdacht steht, die Verunreinigung verursacht zu haben.
Unternehmen wie Nestlé oder Danone verwenden den Inhaltsstoff, welcher das Wachstum von Gehirn und Nervensystem von Säuglingen beschleunigen soll.
Während Konkurrenten bereits Entwarnung für ihre Produkte gaben, hüllt sich Cabio Biotech gemäss NZZ seit Wochen in Schweigen. Trotz massivem Druck der Schanghaier Börse liefert das Unternehmen unter der Leitung des Gründers und Ex-Geschichtsprofessors Yi Dewei keine Testergebnisse.
Im SonntagsBlick übt derweil Michael Beer, Vizedirektor des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Kritik am Krisenmanagement der Babymilch-Hersteller: «Ich bin nicht damit zufrieden, wie die Konzerne reagiert haben – vor allem so spät.»
Für die Zukunft fordert er eine striktere Sicherheitskultur: «Es darf nicht sein, dass Gift in Nahrung gelangt, aber nicht sofort gehandelt wird.» Er mahnt die Konzerne zur lückenlosen Aufklärung: «Schon bei einem Verdachtsfall erwarten wir, dass Produkte sofort vom Markt genommen werden.»
Schweiz · Waffenexporte
ETH-Spin-off baut Tausende Drohnen in Deutschland

Drohnen für Selenskyj: Auterion-CEO Lorenz Meier (rechts) hat an der ETH studiert. (Screenshot: Tages-Anzeiger)
Die Ukraine hat bei der Firma Auterion Tausende KI-gesteuerte Kampfdrohnen bestellt. Obwohl Auterion 2017 als Spin-off der ETH Zürich gegründet wurde und 2022 den Swiss Economic Award in der Kategorie Hightech gewann, findet die Produktion in Deutschland statt.
In München investiert das Unternehmen gemäss Tages-Anzeiger 40 Millionen Euro und schafft Hunderte Arbeitsplätze. Grund für die Abwanderung sind die restriktiven Schweizer Exportgesetze für Kriegsmaterial.
«Wir sind bis ins Detail kein verlässlicher Partner mehr.»
In der Schweiz befeuert das eine alte Debatte. «Der Fall Auterion zeigt anschaulich, wie weit es der Bundesrat und die Bürgerlichen mit ihrem Neutralitätsfanatismus gebracht haben», sagt etwa SP-Ständerätin Franziska Roth im Artikel. Innovative Firmen hätten keine andere Wahl, als ins Ausland zu ziehen. «Wir sind bis ins Detail kein verlässlicher Partner mehr.»
Während bürgerliche Politiker auf ein neues Kriegsmaterialgesetz hoffen, warnt der Verband Swissmem vor weiteren Abwanderungen technologischer Spitzenreiter. Da Direktexporte in die Ukraine verboten bleiben, wird Schweizer Spitzentechnologie künftig vermehrt im Ausland produziert und von dort aus geliefert.
✊ Zitat des Tages
«Wir, das Volk, sind die Superintelligenz»

Audrey Tang, Tech-Koryphäe. (Foto: Camille McOuat, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)
Eine Lüge umrundet die Welt, ehe die Wahrheit auch nur die Stiefel geschnürt hat. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen: Forschende des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben 2018 in einer Studie herausgefunden, dass sich Fake News schneller verbreiten als Geschichten, die tatsächlich stimmen. Das gefälschte Video geht viral, das Dementi sieht kein Mensch.
Für die Meinungsbildung und die Demokratie ist das ein Problem. Wie man ihm begegnen könnte, weiss Audrey Tang, Taiwans ehemalige Digitalministerin und Tech-Koryphäe: mit Humor! In einem lesenswerten Interview mit dem Tages-Anzeiger sagt sie, dass die Verteidigung der Freiheit kein technisches, sondern ein gesellschaftliches Projekt sei.
«Taiwan ist täglich Millionen Cyberangriffen aus China ausgesetzt. Sie zielen nicht nur auf unsere IT-Systeme, sondern auch auf das Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen», sagt Tang. «Ich nenne das kognitiven Krieg.» Taiwans Gegengift? Ein «digitales Immunsystem».
«Demokratie ist eine gesellschaftliche Technologie, die ständig aktualisiert werden muss.»
Unter dem Motto «humor over rumour» (Humor gegen Gerüchte) kontert der Staat Falschmeldungen innerhalb von zwei Stunden mit witzigen oder gescheiten Memes. Tang: «Wir müssen die Wahrheit so attraktiv machen, dass sie Desinformationen schlägt.»
Um Polarisierung zu verhindern, nutzt Taiwan Plattformen wie Polis, die Konsens statt Konfrontation fördern. Hier gibt es keine Antwort-Funktion, was Trolling unterbindet. «Demokratie ist eine gesellschaftliche Technologie, die ständig aktualisiert werden muss.»
Letztlich liegt die Stärke nicht in Algorithmen, sondern im Miteinander. Taiwans stärkste Firewall sei nicht eine Software, sondern der gesellschaftliche Zusammenhalt. Die Leute können sich digital in Debatten einbringen, Ideen und Meinungen äussern, sich mit Regierungsvertreter:innen austauschen. «Unsere Regierungsphilosophie lautet: Wir, das Volk, sind die Superintelligenz.»
Kurz-News
Kabelbrand nach Fussballspiel · Wegen Kabelbränden im Bahnhof Lausanne ist die Bahnstrecke Genf–Lausanne bis mindestens heute Mittag unterbrochen. Die SBB raten gemäss 20 Minuten dringend von Reisen ab oder empfehlen Homeoffice. Ursache ist laut ersten Ermittlungen Vandalismus: Ein pyrotechnischer Gegenstand aus einem Fanzug soll rund 40 Kabel entzündet haben. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Lausanne und Prilly-Malley.
Viel Schnee in den Bergen · In Teilen der Schweiz fallen bis morgen Abend bis zu einem Meter Neuschnee. Besonders betroffen sind die Alpen oberhalb von 1500 Metern, während die Schneefallgrenze auf 600 Meter sinkt. Begleitet wird der Schneefall von Sturmböen mit bis zu 120 Stundenkilometern. Das SLF warnt gemäss Blick vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) im Wallis, am Alpennordhang und in Graubünden. Im Verkehr ist mit erheblichen Behinderungen zu rechnen.
Kirchturm in Zuoz gerettet · Eine technische Weltneuheit rettet den Kirchturm von Zuoz GR vor dem Einsturz und bringt das volle Geläut zurück. Wegen Schwankungen von bis zu 65 Zentimetern durften die vier Glocken der Kirche San Luzi 30 Jahre lang nicht gemeinsam läuten. Eine Lösung mit Gegengewichten hebt die Kräfte nun auf, ohne den Klang zu verändern, berichtet RTR. Laut Gemeinderat Christian Ferrari klingt das Ergebnis beeindruckend. Der Turm stehe nun so stabil, dass sogar Platz für eine fünfte Glocke wäre.
International
Purzelbaum im All · «Crew 12» ist nach einer 34-stündigen Reise auf der Internationalen Raumstation ISS angekommen und startete ihre Mission symbolisch mit einem Purzelbaum. Geleitet wird das Team von der erfahrenen Astronautin Jessica Meir, berichtet Watson. Mit an Bord sind Sophie Adenot (ESA), Jack Hathaway (NASA) und Andrej Fedjajew (Roskosmos). Die Gruppe wird etwa acht Monate im All forschen, nachdem die Vorgängercrew wegen eines medizinischen Notfalls vorzeitig zur Erde zurückkehren musste.
«Trump ist temporär» · An der Münchner Sicherheitskonferenz versuchten US-Demokraten, europäische Sorgen vor der Trump-Regierung zu lindern. Gouverneur Gavin Newsom betonte: «Donald Trump ist temporär. In drei Jahren wird er weg sein.» Während Aussenminister Rubio versöhnlichere Töne anschlug, warnte Alexandria Ocasio-Cortez gemäss BBC vor den Folgen sozialer Ungleichheit für die Demokratie: «Andernfalls werden wir in eine isoliertere Welt fallen, die von Autokraten regiert wird.»
🗡️ Nützliches des Tages
Spoiler

Was auf diesem Balkon in Verona beginnt, endet nicht gut. Aber wollen wir das jetzt schon wissen? (Foto: Unsplash/Klemens Köpfle)
Ich kenne Leute, die lesen in Büchern nach ein paar Kapiteln flugs die letzte Seite. Sie wollen halt wissen, wie es ausgeht. In Shakespeares «Romeo und Julia» ist es relativ klar. Dort lauten die finalen Zeilen: «For never was a story of more woe (Leid), than this of Juliet and her Romeo.» Kommt also nicht gut.
Verstanden habe ich das nie. Wie kann man einen Krimi geniessen, wenn man schon von Anfang an weiss, wer der Täter oder die Täterin ist? Warum sollte ich mir einen Film ansehen, dessen Ausgang ich vorgängig bei Wikipedia nachgelesen habe?
Im Bund schreibt meine Kollegin Jessica King, weshalb sie Spoiler mag: «Dann kann ich auf die eigentliche Geschichte achten, auf die Entwicklung der Figuren, die Gespräche, die kleinen Details. Ohne zerfressen zu sein von der Anspannung, wie alles ausgehen wird.»
Früher, schreibt King weiter, sei es völlig normal gewesen, das Ende gleich zu Beginn zu offenbaren. Bei den alten Griechen etwa. Und George Lucas habe ein Jahr bevor «Star Wars» in die Kinos kam, die gesamte Geschichte in der «New York Times» ausgebreitet.
«Warum also diese moderne Überzeugung, dass Spoiler des Teufels sind?», fragt King. Sie erkläre es sich damit, dass wir durch die Dauerberieselung mit emotionsgeladenen Kurzvideos den subtileren Genuss von Geschichten zunehmend verlernten. «Und uns immer mehr an Überraschung und Spannung klammern müssen, um überhaupt noch etwas zu fühlen.»
Klingt für mich sehr überzeugend. Ich werde also künftig niemanden mehr schräg anschauen, der oder die ein Buch von hinten aufschlägt.
Spoiler: Die Strategie kann auch schiefgehen. Der Roman «One Day» von David Nicholls endet mit einer Rückblende, dem Anfang einer Liebe. Emma stirbt ein paar Seiten vorher.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



