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Selbst wenn Verteidigungsminister Martin Pfister einen Pamir (Gehörschutz im Militär) tragen würde, wäre für ihn das «NEF!» des Volkes unüberhörbar: nicht erfüllt. Drei von vier Schweizer:innen halten gemäss einer neuen Umfrage gar nichts von einer Steuererhöhung zugunsten der Armee.

Gefragt sind nun alternative Finanzierungsmöglichkeiten. Für den Bundesrat bedeutet das, um im Jargon zu bleiben: «SBG SKA» – suchen bis gefunden, sonst kein Ausgang.

Schweiz · Politik

Schweizer:innen lehnen Pfisters Steuerpläne hochkant ab

Verteidigungsminister Pfister muss wohl alternative Wege aus dem Finanzierungsdilemma finden. (Screenshot: Blick/Keystone)

Der Bundesrat erleidet bei seinen Finanzierungsplänen für die Armee und die 13. AHV-Rente Schiffbruch. Eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag von Blick zeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Schweizer Bevölkerung höhere Steuern ablehnt.

Besonders klar fällt das Urteil bei der Landesverteidigung aus: 76 Prozent der Befragten sprechen sich gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer aus, um der Armee zusätzliche Milliarden zu verschaffen.

Auch die Finanzierung der 13. AHV-Rente über die Mehrwertsteuer stösst auf Widerstand. Hier sagen 66 Prozent Nein.

«Die Bevölkerung macht nicht mehr mit.»

Michael Hermann, Politgeograf

Laut Politgeograf Michael Hermann hat sich die Stimmung im Land grundlegend gewandelt. Steigende Mieten und Krankenkassenprämien führten zu einer strikten Abwehrhaltung gegen neue Steuern: «Die Bevölkerung macht nicht mehr mit.»

Zusätzlich belastet mangelndes Vertrauen die Pläne von Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte). 62 Prozent der Bürger glauben nicht, dass die Armee zusätzliche Mittel sinnvoll einsetzen würde.

Schweiz · Terrorverdacht

Dem «Wegwerf-Agenten» wird der Prozess gemacht

«Autoteile für Hilfseinsatz»: Yevhen B. (Screenshot: Watson/Instagram)

In der Schweiz ist ein mutmasslicher russischer Agent aufgeflogen, der von Kreuzlingen TG aus Anschläge mit Paketbomben vorbereitet haben soll.

Der 30-jährige ukrainische Flüchtling Yevhen B. wurde nach Deutschland ausgeliefert, wo ihm ab dem 17. März der Prozess gemacht wird.

Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft Yevhen B. gemäss Watson Agententätigkeit zu Sabotagezwecken vor. Er soll als sogenannter «Wegwerf-Agent» für russische Geheimdienste agiert und im März 2025 einen Testlauf koordiniert haben. Dabei wurden GPS-Sender in Autoteilen von Konstanz über Köln bis in die Ukraine verschickt, um Versandrouten auszukundschaften.

Laut Ermittlern sollten spätere Sendungen mit Sprengstoff oder Brandvorrichtungen bestückt werden, um sich unterwegs zu entzünden. «Der russische Staat wolle damit das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung schwächen», so die Bundesanwaltschaft.

Yevhen B. bestreitet die Vorwürfe und behauptet, lediglich Autoteile für einen Hilfseinsatz verschickt zu haben.

Der Schweizer Nachrichtendienst warnt derweil in seinem aktuellen Lagebericht: «Russland hat seine hybride Konfliktführung in EU- und Nato-Staaten eskaliert und Sabotageaktivitäten intensiviert.»

Schweiz · Kult-Grill

Der Güggeli-Express ist Geschichte

Hühner freuen sich: Der Grillwagen bleibt in der Garage. (Screenshot: Güggeli-Express)

Ob hier das geänderte Essverhalten der Generation Z eine Rolle gespielt hat? Wer weiss. Auf jeden Fall hat der Güggeli-Express seinen Betrieb eingestellt. Das Zürcher Traditionsunternehmen, das seit 1998 für seine grillierten Poulets bekannt war, befindet sich gemäss 20 Minuten in Liquidation.

An insgesamt 72 Standorten im Kanton Zürich und angrenzenden Gebieten waren die 14 Grillwagen eine feste Institution. Ob in Affoltern oder Würenlos: Das Familienunternehmen in zweiter Generation prägte mit seinem Angebot das Strassenbild vor Bahnhöfen und Läden.

Nun herrscht Stillstand: Auf der Webseite der Firma sind zwar noch alle Standplätze aufgeführt, jedoch überall mit dem Vermerk «geschlossen» versehen.

Offenbar wurde der Betrieb nach einer Krisensitzung am vergangenen Mittwoch gestoppt. Damit verlieren Zürich und die Schweiz ein Stück Gastro-Kultur, das über Jahrzehnte hinweg Millionenumsätze erzielte und zuletzt 34 Mitarbeitende beschäftigte.

Was können Güggeli-Fans jetzt machen? In die Innerschweiz reisen, natürlich. Dort gibt es das mindestens so berühmte Poulet im Chörbli. Was es damit auf sich hat, habe ich einst in diesem Beobachter-Artikel verbraten. 🍗

🦸‍♀️ Zitat des Tages

«Ich bereue nichts»

Fünf Zoll zu nahe am Tor: Lindsey Vonn auf der Olympia-Abfahrt. (Screenshot: Instagram/lindseyvonn)

Nach ihrem schweren Sturz in der Olympia-Abfahrt von Cortina hat sich US-Skistar Lindsey Vonn vergangene Nacht erstmals zu Wort gemeldet. «Auch wenn der gestrige Tag nicht so endete, wie ich es mir erhofft hatte, bereue ich nichts», schrieb die 41-Jährige in einem Instagram-Post.

Sie sei sich des Risikos bewusst gewesen, so Vonn: «Wir träumen. Wir lieben. Wir springen. Und manchmal fallen wir. Aber das ist auch das Schöne am Leben: Wir können es versuchen.»

Den Sturz führt Vonn auf einen Fahrfehler zurück: «Mein Kreuzbandriss und andere Verletzungen aus der Vergangenheit hatten nichts damit zu tun.»

Zu ihrer Zukunft als Spitzensportlerin äussert sich Vonn in ihrem Post nicht. Dafür gab ihr Vater, Alan Kildow, gemäss SRF zu Protokoll: «Das ist das Ende ihrer Karriere. Es wird keine weiteren Skirennen für Lindsey Vonn geben – solange ich dabei ein Wort mitzureden habe.»

Vonn schliesst ihr Statement mit einer philosophischen Note, die mehr nach «Adieu» statt nach «Auf geht’s» klingt: «Der einzige Fehler im Leben ist es, Dinge nicht zu probieren.»

Kurz-News

Franken auf Rekordhoch · Der Schweizer Franken ist so stark wie nie: Ein Euro kostete am Montag nur noch 91,3 Rappen – ein historisches Tief. Auch der US-Dollar geriet unter Druck und fiel auf 0,7659 Franken. Auslöser für die Dollarschwäche sind gemäss Cash Berichte, wonach China den Kauf von US-Staatsanleihen drosselt. Die Nationalbank beobachtet die Lage skeptisch, bleibt aber vorerst inaktiv.

Konferenz gegen Antisemitismus · Aussenminister Ignazio Cassis (FDP) hat gestern in St. Gallen eine internationale Konferenz zur Bekämpfung von Antisemitismus eröffnet. Es ist das erste von fünf Treffen während des Schweizer OSZE-Vorsitzes 2026, berichtet SRF. Cassis nannte den anhaltenden Hass «zutiefst beunruhigend». Schwerpunkte der zweitägigen Konferenz sind Prävention und die Rolle des Sports. Ziel ist es, Strategien gegen Diskriminierung und Gewalt zu entwickeln.

Röstis riskante Röhre · Der von SVP-Verkehrsminister Albert Rösti geplante Grimseltunnel zwischen dem Haslital und dem Goms steht vor technischen Hürden. Laut einer Machbarkeitsstudie führt die Bündelung von Bahn und Stromleitung zu extremer Abwärme: Im Kabelstollen könnten bis zu 60 Grad entstehen. Dies gefährdet Evakuierungen und könnte den Bahnbetrieb regelmässig lahmlegen, schreibt der Tages-Anzeiger. Das Bundesamt für Verkehr prüfe nun das Sicherheitskonzept für das Prestigeprojekt.

International

Maxwell schweigt · Ghislaine Maxwell hat in einer Befragung des US-Repräsentantenhauses die Aussage verweigert. Die verurteilte Komplizin von Sexualstraftäter Jeffrey Epstein berief sich per Video-Schaltung aus dem Gefängnis auf ihr Schweigerecht. Ihr Anwalt erklärte gemäss BBC, sie sei erst bei einer Begnadigung durch Präsident Trump zu einer «vollständigen und ehrlichen» Aussage bereit.

Bootsunglück im Mittelmeer · Vor der libyschen Küste sind bei einem Bootsunglück 53 Menschen ums Leben gekommen oder werden vermisst. Laut der UN-Migrationsorganisation (IOM) kenterte das völlig überladene Boot bereits am Freitag sechs Stunden nach dem Ablegen. Nur zwei Frauen aus Nigeria konnten gerettet werden, berichtet der Guardian. Beide verloren bei der Tragödie enge Angehörige. Die IOM warnt vor den gefährlichen Methoden krimineller Schleppernetzwerke und fordert sicherere Fluchtwege nach Europa.

🦝 Nützliches des Tages

Geschichten über unglaubliche Haustiere

Nur als Polizeihund untauglich: Jack. (Screenshot: Guardian/Jan Grace)

Im englischen Guardian gibt es eine Rubrik, in der ich mich gerne stundenlang verliere. Sie heisst The pet I'll never forget (Das Haustier, das ich nie vergessen werde). Leser:innen erzählen darin Geschichten über Tiere, die sie geprägt haben.

Diese Geschichten können lustig sein. Wie zum Beispiel jene über Mishka, die mürrische Waschbärin, die Wasser hasste, den Weihnachtsbaum angriff und Tapeten zerstörte – und trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb?) von allen geliebt wurde.

Oft sind diese Geschichten auch tief bewegend. Besonders ans Herz ging mir die Episode mit Jack, dem Cocker Spaniel. Als Drogenspürhund bei der Polizei scheiterte er. Jack interessierte sich mehr für Menschen als für Cannabis.

Ein neues Zuhause fand Jack nach seiner Ausmusterung in der Familie von Jan Grace, einer Ärztin. Sie schreibt: «Er war geschmeidig, glänzend schwarz und lebhaft. Er sprang durch das Haus, stiess Kinder und Topfpflanzen um. Er jagte Kaninchen und Fasane über die Felder. Er frass von den Tellern der Kinder und sammelte Schuhe. Er liebte uns alle gleichermassen und wollte uns gerne in seiner Nähe haben, wo er uns sehen konnte.»

Als Grace an Brustkrebs erkrankte und eine kräftezehrende Chemotherapie absolvierte, war Jack ihr treuester Begleiter. Wenn sie sich zu krank für Freundinnen und Freunde fühlte, war er da: «Er lag bei mir auf dem Badezimmerboden, wenn ich mich übergeben musste. Ich fühlte mich nicht liebenswert. Aber er liebte mich, stetig und bedingungslos.»

Nach ihrer Genesung begleitete Jack die Ärztin manchmal sogar zu Einsätzen. Nur bei einem Besuch in einer Polizeistation verweigerte er den Blickkontakt zu den Beamten.

Jack starb im Alter von zwölf Jahren, schreibt Grace, still und ohne Aufhebens. «Wir verstreuten seine Asche an seinem Lieblingsstrand. Es dauerte ein paar Jahre, bis ich aufhörte, ihm einen Platz auf dem Sofa freizuhalten.»

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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