Guten Morgen {{vorname}}
Es schneit in der Schweiz. Ich vermisse die weisse Pracht. Schnee hat etwas Beruhigendes. Er schluckt die lauten Töne, und plötzlich wird es ganz still. Wenn sich das helle Weiss über alles Dunkle legt, geht es mir sofort besser.
Darum passt das Wetter zum nationalen Trauertag, der heute stattfindet.
Der Komiker Emil Steinberger und seine Frau Niccel schreiben auf Facebook:
«Ein schwerer Schleier von Traurigkeit liegt auf unseren Herzen. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, die ihre jungen Leben lassen mussten, die mit schwersten Brandverletzungen in Spitälern liegen und um ihre Leben kämpfen. Wir denken an die vielen Opfer, aber auch an die Verwandten, die Liebsten, die Freunde und Helfer und Retter und wünschen ihnen allen viel Kraft für alles, was sie jetzt aushalten und bewältigen müssen.»
Schweiz · Nationaler Trauertag
Heute um 14 Uhr steht die Schweiz still

Grosse Anteilnahme: Der heutige Freitag gehört den Opfern, ihren Angehörigen und allen Helfern. (Screenshot: Tages-Anzeiger)
In Martigny VS beginnt heute kurz vor 14 Uhr die Gedenkzeremonie für die Opfer der Katastrophe in Crans-Montana VS. Alles zum nationalen Trauertag findest du etwa beim Tages-Anzeiger.
Lesenswert ist auch das Interview mit dem Berner Polizeikommandanten Christian Benzikofer. Er hat mit seinem Team die 40 Todesopfer identifiziert und sagt: «Eine solche Aufgabe schweisst zusammen.»
In Sachen Aufarbeitung gibt es Neuigkeiten: So regt die Axa Schweiz gemäss Cash einen «Runden Tisch» an, um die Entschädigung der Opfer zu sichern.
Die Versicherung ist nach eigenen Angaben die Grundhaftpflichtversicherung der Gemeinde Crans-Montana und die Betriebshaftpflichtversicherung der Bar, in der es in der Silvesternacht brannte.
Da die Deckungssummen von Gemeinde und Bar nicht ausreichen, sollen Versicherer, Behörden und Betroffene unter Leitung des Bundes unbürokratische Lösungen finden.
Ziel sei eine faire Gleichbehandlung aller Geschädigten, da die Haftungsfrage erst nach Abschluss der Ermittlungen geklärt werden kann.
Derweil haben die Behörden in Adelboden vor den Weltcup-Skirennen am Wochenende das Gelände überprüft und Sicherheitsmängel festgestellt.
Beanstandet wurden gemäss SRF ein unzureichend beleuchteter Fluchtweg sowie eine fehlende Sicherung an einer Tribüne.
Hintergrundinformationen, wie sich die Brandkatastrophe ereignet hat, liefern der Tages-Anzeiger und die NZZ.
Und Watson gibt dir in diesem Artikel einen Überblick, wie die ausländische Presse über das «Versagen von Crans-Montana» berichtet.
Schweiz · Steigende Kosten
Caritas fordert politische Massnahmen gegen die Armut

1,4 Millionen Menschen leben in der Schweiz unter der Armutsgrenze oder knapp darüber. (Screenshot: SRF)
«Leider deutet nichts darauf hin, dass sich die Situation für Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, in diesem Jahr entspannen wird.» Das sagt Peter Lack, Direktor von Caritas. Im Gegenteil sehe man klare Hinweise darauf, dass die Gesellschaft weiter auseinanderdrifte.
Das Hilfswerk fordert nun politische Massnahmen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Im Fokus stehen dabei der Ausbau der Prämienverbilligungen sowie Anpassungen im Steuersystem, berichtet SRF.
Die Verschlechterung der Situation wird auf ökonomische Faktoren zurückgeführt: Neben steigenden Wohnkosten und Krankenkassenprämien belasten die Teuerung und die erhöhte Mehrwertsteuer die Budgets.
Gleichzeitig halten die Löhne in den unteren Segmenten nicht mit den Lebenshaltungskosten Schritt.
Gemäss Bundesamt für Statistik leben über 1,4 Millionen Menschen in der Schweiz unter der Armutsgrenze oder knapp darüber.
Um die Transparenz zu erhöhen, hat Caritas nun eine neue Informationsplattform lanciert, die Daten zur sozialen Lage bündelt.
Die Organisation betont, dass strukturelle Anpassungen notwendig seien, um die Chancengerechtigkeit zu wahren und die soziale Schere nicht weiter aufgehen zu lassen.
International · Kriegsspiele
China probt erneut die Eroberung Taiwans

Machtdemonstration auf hoher See: Chinesisches Kriegsschiff. (Screenshot: Tages-Anzeiger)
China intensiviert seine Militärübungen rund um Taiwan. Damit normalisiere das Land eine gefährliche Präsenz in der Taiwanstrasse, schreibt der Tages-Anzeiger.
So führte Peking kurz vor Neujahr seine sechste grössere Übung seit 2022 durch. 28 Kriegsschiffe sowie 130 Kampfflugzeuge und Drohnen simulierten eine Blockade der Insel.
Ziel der Manöver laut Experten: die Vorbereitung auf eine mögliche Invasion, die Abschreckung vor allem der USA sowie die gezielte Zermürbung der taiwanischen Bevölkerung.
Chinas Führung verbindet ihre militärischen Drohgebärden zudem mit Desinformation und Cyberattacken. Taiwan spricht derweil von einem hybriden Krieg, nachdem Attacken auf Energieversorgung, Spitäler und Banken deutlich zunahmen. 2025 wurden täglich durchschnittlich 2,63 Millionen Cyberangriffe registriert.
Peking kalkuliert internationale Proteste ein: Die Welt soll sich an diese neue Normalität gewöhnen. Die USA warnen zwar vor einseitigen Änderungen des Status quo. In der Tainwanstrasse verfolge Washington indes eine Politik der «strategischen Zweideutigkeit», so die Zeitung. Die USA hielten bewusst offen, ob sie bei einer Eskalation militärische Gewalt einsetzen würden.
Kurioses
Gibt es ein Recht auf Speck?

Ein Häftling verlor den Kampf um seine Lieblingsspeise. (Foto: Unsplash/Mikey Frost)
Ein Häftling im Kanton Bern zog bis vor das Obergericht, weil ihm beim Wechsel der Anstalt sein geliebter Speck konfisziert wurde. Was wie eine Lappalie klingt, mündete gemäss Berner Zeitung in eine Grundsatzdebatte über Eigentumsrechte, Hygiene und die Menschenwürde hinter Gittern.
Der Mann weigerte sich, das vakuumverpackte Räucherfleisch an der Gefängnispforte abzugeben. Während er auf den Warenwert von 135 Franken pochte und die Unverhältnismässigkeit des Eingriffs anprangerte, blieben die Vollzugsdienste hart: Ohne Kontrolle der Kühlkette und Herkunft sei die Lebensmittelhygiene in der Anstalt nicht zu garantieren. Zudem stehe es dem Insassen frei, Speck im internen Kiosk zu erwerben – eine Alternative, die der Speckliebhaber jedoch als qualitativ unzureichend ablehnte.
Das Obergericht zeigte für die kulinarische Hartnäckigkeit wenig Verständnis. Da der Häftling den Speck einem Besucher übergeben konnte, sei sein Eigentum nicht verletzt worden.
Das kostspielige Ende des Prozesses: Der Beschwerdeführer bleibt auf Verfahrenskosten von 2000 Franken sitzen.
Kurz-News
Stellenabbau bei Sunrise · Der Telekomkonzern Sunrise erwägt den Abbau von bis zu 190 Stellen und hat dazu ein Konsultationsverfahren eröffnet. Dies berichtet die NZZ. Rund sieben Prozent der 2850 Mitarbeitenden wären betroffen. Das Unternehmen begründet die Massnahme mit organisatorischer Weiterentwicklung. Arbeitnehmervertretung und Gewerkschaft seien eingebunden, für mögliche Kündigungen greife ein Sozialplan.
Gegen Foodwaste · Die Foodsave-Organisation «Tischlein deck dich» rettete 2025 rund 9000 Tonnen Lebensmittel und verteilte sie an armutsbetroffene Menschen. Die Spenden erreichten über zwei Millionen Personen an 168 Abgabestellen, schreibt SRF. Heuer will die Organisation noch mehr Lebensmittel retten und Menschen unterstützen. Laut «Tischlein deck dich» geschieht rund ein Drittel der Lebensmittelverschwendung in den Haushalten.
Gegen Steuern · Die Zürcher Jungfreisinnigen haben gemäss Watson 7300 Unterschriften für ihre Steuerrabatt-Initiative eingereicht. Das Begehren fordert eine temporäre Steuersenkung bei unerwarteten Überschüssen des Kantons. Die Höhe des Rabatts soll von der Verschuldung abhängen: Je gesünder die Finanzen, desto höher der Abzug. Unterstützt wird die Initiative von Mitgliedern von FDP, GLP und SVP. Damit dürfte es zu einer Volksabstimmung kommen.
International
Venezuela unter Trump · US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass die USA Venezuela möglicherweise jahrelang kontrollieren werden. In einem Interview mit der New York Times sagte er, Washington wolle das Land verwalten und Öl fördern, um Gewinne zu erzielen. Einen Zeitrahmen nannte er nicht. Im Gespräch machte Trump zudem deutlich, was er von internationalem Recht hält: «Nur mein Sinn für Moral kann mich zurückhalten.»
Blackout im Iran · Irans Behörden haben mitten in den landesweiten Protesten den Internetzugang fast vollständig abgeschaltet. Laut dem Internet-Monitoring-Dienst Netblocks herrscht ein landesweiter Blackout. In der Hauptstadt Teheran gehen Sicherheitskräfte seit Tagen mit brutaler Gewalt gegen Demonstrierende vor. Aktivisten berichten von mindestens 34 Toten und über 2000 Festnahmen. Geheimdienstberichte deuten gemäss NZZ auf mögliche Fluchtvorbereitungen von Revolutionsführer Ali Khamenei hin.
📖 Buch des Tages
Wenn Fiktion zur schleichenden Realität wird

Verstörend aktuell: der Roman «Das Lied des Propheten». (Screenshot: Klett-Cotta)
Was in den USA (nicht erst seit gestern) unter Donald Trump geschieht, macht mich fassungslos. Und wütend. Jüngstes Beispiel ist die Erschiessung einer unschuldigen Frau in Minneapolis durch einen ICE-Beamten – und die anschliessenden Vertuschungsversuche der Behörden.
Wer die getötete Renee Nicole Good war, erfährst du in diesem Artikel im Tages-Anzeiger.
In einem bemerkenswerten Gastbeitrag in der New York Times schreibt der Bürgermeister von Minneapolis nun: Der Präsident lügt uns an.
Was passieren kann, wenn eine Demokratie im Chaos versinkt und Fake News sowie Behördenwillkür Überhand nehmen, beschreibt der 2023 erschienene Roman «Das Lied des Propheten» von Paul Lynch auf eindrückliche Weise (Hier gehts zu einer Rezension in der NZZ).
Keine erbauliche Wochenendlektüre. Aber ein sehr wichtiges Buch, das ich dir unbedingt empfehle.
💥 Zum Schluss
Witziges der Woche*
*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und trotz düsterer Weltlage: ein gutes Wochenende!
Peter



