Guten Morgen {{vorname}}
80 Jahre ist es her, seit zwei US-Atombomben den Städten Hiroshima und Nagasaki nichts als Tod und Vernichtung brachten. Hunderttausende starben beim Angriff oder an dessen Folgen. Und die Vernünftigen der Welt sagten sich: Das darf nie mehr passieren.
Trotzdem weigert sich unsere Regierung, einen Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen. Es wäre ein rein symbolischer Akt, sagt der Bundesrat. Rein symbolischer Natur sind derzeit auch die neuen Luftabwehrraketen der Schweizer Armee: Sie existieren nur auf dem Papier. Vielleicht will man sich ja deshalb die Option einer Atombombe offenhalten.
Schweiz · Aufrüstung
Schweiz beugt sich US-Druck

Am kürzeren Hebel: Bundesrat. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Laurent Gilliéron)
Druckversuch misslungen: Trotz Verzögerungen bei der Lieferung der Patriot-Raketensysteme muss Bern gemäss dem Tages-Anzeiger nachgeben und Zahlungen in Millionenhöhe vorziehen. Die USA hatten zuvor Gelder aus einem zentralen Rüstungsfonds eigenmächtig umgeleitet.
Eigentlich wollte das Verteidigungsdepartement (VBS) durch das Zurückhalten von Geldern Klarheit über Kosten und Lieferfristen erzwingen. Die fünf Patriot-Einheiten sind aufgrund der weltweiten Sicherheitslage verspätet und werden wohl erst ab 2034 einsatzbereit sein. Die Trump-Regierung drohte jedoch mit Konsequenzen, sollte die Liquidität im gemeinsamen Rüstungsfonds unterschritten werden. Daraufhin beglich die Schweiz eine eigentlich erst für den Sommer fällige Tranche für die F-35-Kampfjets vorzeitig.
Angesichts der drohenden Lücke in der Luftverteidigung prüft der Bundesrat nun den Kauf eines zusätzlichen, europäischen Abwehrsystems. Verteidigungsminister Martin Pfister hält zwar an der Patriot-Beschaffung fest, schliesst aber auch einen Abbruch der Verhandlungen nicht mehr kategorisch aus. Bisher hat die Schweiz bereits rund 750 Millionen Franken nach Washington überwiesen.
Schweiz · Medizingeschichte
Babys für Experimente missbraucht

Lebende Testobjekte. (Screenshot: Beobachter/Julien Chavaillaz)
Der Beobachter deckt ein dunkles Kapitel der Schweizer Medizingeschichte auf: Zwischen 1964 und 1979 wurden knapp 2000 Adoptionskinder aus Ländern wie Korea und Indien systematisch für medizinische Versuche missbraucht. Das Hilfswerk Terre des Hommes steckte damals alle ankommenden Kinder unter dem Vorwand einer Quarantäne direkt in Spitäler – oft ohne medizinische Notwendigkeit.
Wissenschaftliche Studien belegen heute, dass diese Babys als lebende Testobjekte für pharmakologische Testreihen herhalten mussten. Man entnahm ihnen Blut und Magensaft, um im Labor die Wirksamkeit von Antibiotika zu prüfen. Besonders erschütternd: Ein Genfer Herzchirurg nutzte Kinder aus Krisengebieten gezielt für riskante Operationen am offenen Herzen, um sein Fachwissen zu «festigen». Allein im Sommer 1979 starben dabei sechs Kinder.
«Wir wurden nicht gerettet, es war ein Menschenhandel», sagt eine Betroffene. Viele Akten sind heute verschwunden, und Terre des Hommes Lausanne hat bisher keine konkreten Schritte zur Aufarbeitung eingeleitet. Die Opfer bleiben mit der Ungewissheit zurück, was genau in den ersten Wochen ihres neuen Lebens in Schweizer Kliniken mit ihnen geschah.
Schweiz · Politik
Der Bundesrat und die Atombombe: Es ist kompliziert

Atomkuppel: Friedensdenkmal in Hiroshima. (Foto: Unsplash/Rap Dela Rea)
Der Bundesrat lehnt die Volksinitiative für den Beitritt der Schweiz zum UNO-Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) ab. Er empfiehlt das Begehren ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung. Damit stellt sich die Regierung gegen eine breite Allianz aus SP, Grünen und EVP, berichtet SRF.
Die Begründung: Ein Beitritt wäre ein «rein symbolischer Akt» mit geringer Wirkung, da weder die Kernwaffenstaaten noch die wichtigsten Sicherheitspartner der Schweiz den Vertrag anerkennen. Man befürchtet sogar, dass ein Alleingang der Schweizer Sicherheit «abträglich» sein könnte. Stattdessen wolle man sich weiterhin im Rahmen des bestehenden Atomwaffensperrvertrags (NPT) für eine nuklearfreie Welt einsetzen.
Das Initiativkomitee kritisiert den Entscheid und verweist auf die humanitäre Verantwortung sowie die schwindende Glaubwürdigkeit der Schweiz. Eine Umfrage von Ende 2025 stützt das Anliegen: Rund 70 Prozent der Stimmbevölkerung befürworten demnach einen Beitritt.
🥴 Schlagzeile des Tages
«Valaisanne-Bier schäumt übermässig»

Kann schäumen: Bier. (Foto: Unsplash/engin akyurt)
Keine Ahnung, was diese Recherche auslöste, um einen Aprilscherz scheint es sich auf den ersten Blick nicht zu handeln. Aber ich fühle einigermassen mit. Ist mir nämlich auch schon passiert: Man seckelt zum Bahnhof, öffnet das Bier – und zack, oder besser zisch, schäumt es über. Physik, vielleicht?
Auf jeden Fall titelt Watson: «In den vergangenen Monaten kam es mehrfach vor, dass Dosenbiere von Valaisanne übermässig schäumten, sobald sie geöffnet wurden. Dafür gibt es eine Erklärung.»
Und dann: «Regelmässige Trinkerinnen und Trinker von Valaisanne-Lager-Bier mussten in den vergangenen Monaten öfter zum Putzlappen greifen. Sobald sie eine Dose öffneten, konnte es passieren, dass sich plötzlich unüblich viel Schaum bildete und das Bier überlief. Und das, obwohl es lange Zeit ruhig lagerte. Auch jetzt kommt das hin und wieder vor.»
Ob da ein Produktionsfehler vorliege, fragt also die Journalistin. «Bier ist ein Naturprodukt mit Rohstoffen, die je nach Witterungsverhältnissen leichte Unterschiede aufweisen können. So kann es in Einzelfällen vorkommen, dass Valaisanne-Dosenbiere beim Öffnen stärker schäumen», antwortet die Brauerei trocken.
Das habe irgendetwas mit Partikeln zu tun, «an denen sich die Kohlensäure schneller löse», heisst es im Artikel weiter. Man solle deshalb Dosen mit «gebotener Vorsicht» öffnen. Die Brauerei dazu: «Die letzte uns vorliegende Meldung zur Überschäumung bezieht sich auf eine Produktionscharge von Oktober 2025 – es ist natürlich gut möglich, dass Biere aus dieser Produktion noch im Umlauf sind.» 😱
Kurz-News
Abschaffung Eigenmietwert · Ab dem Steuerjahr 2029 wird die Besteuerung des Eigenmietwerts für selbst genutztes Wohneigentum abgeschafft. Dies hat der Bundesrat entschieden. Damit erhalten die Kantone genügend Zeit für die Umstellung, schreibt SRF. Mit der Reform entfallen grösstenteils auch die Abzüge für Unterhaltskosten und Schuldzinsen. Tourismuskantone prüfen nun neue Steuern auf Zweitwohnungen.
Neuer Babs-Chef · Marc Siegenthaler wird neuer Direktor des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (Babs). Der Bundesrat setzt auf eine interne Lösung, um das nach Pannen angeschlagene Amt zu stabilisieren, schreibt die NZZ. Siegenthaler tritt die Nachfolge von Michaela Schärer am 1. August an. Seine Hauptaufgaben sind die Modernisierung der IT, die Sanierung von Schutzräumen sowie eine bessere Zusammenarbeit mit den Kantonen.
KI im Alltag · 76 Prozent der Schweizer nutzen im Alltag künstliche Intelligenz, wie eine Comparis-Umfrage zeigt. Besonders bei den 18- bis 35-Jährigen ist die Quote mit 90 Prozent extrem hoch, berichtet Nau. KI wird am häufigsten für die Internetsuche, die Arbeit oder beim E-Commerce eingesetzt. Trotz des Booms bleibt Skepsis beim Datenschutz: Über die Hälfte der Befragten würde einem Chatbot niemals persönliche Gesundheitsdaten anvertrauen.
International
Trumps Rede · US-Präsident Donald Trump kündigt ein baldiges Ende des Iran-Kriegs an. In einer TV-Ansprache erklärte er, die strategischen Ziele seien fast erreicht und der Iran «dezimiert». Dennoch werde das US-Militär in den nächsten zwei bis drei Wochen «extrem hart» zuschlagen. Auf BBC heisst es, dass das amerikanische Publikum nach Trumps Rede wohl noch verwirrter sein dürfte als vorher.
Reiseziel Mond · Die Nasa-Mission «Artemis II» ist in der Nacht auf heute erfolgreich vom Kennedy Space Center gestartet. Erstmals seit über 50 Jahren befinden sich wieder Menschen auf dem Weg zum Mond. An Bord der Orion-Kapsel befindet sich ein vierköpfiges Team, darunter die erste Frau und der erste Kanadier einer Mondmission. Das Quartett wird den Erdtrabanten in zehn Tagen umfliegen, berichtet Watson.
🌃 Nützliches des Tages
Sternbilder

Der Weltraum, unendliche Welten. (Screenshot: neal.fun)
Immer, wenn ich mich über das Internet ärgere, besuche ich die Webseite des Programmierers Neal Agarwal. Der Mann verdient sein Geld damit, wunderbare kleine Anwendungen zu erschaffen, die nicht immer nützlich sind – aber so viel Spass machen.
Zum Beispiel Constellation Draw, ein Tool, mit dem du dein eigenes Sternbild kreieren kannst. Oder I’m Not A Robot, in dem Agarwal die absurden Captchas auf die Schippe nimmt (Spoiler: Es artet in ein unendliches Tic-Tac-Toe gegen den Computer aus). Einfach nur schön (und auch lehrreich) ist dagegen The Deep Sea.
Ein Besuch bei Neal Agarwal lohnt sich also immer. Derzeit arbeitet er fleissig an einem neuen Onlinespiel. Offenbar wirst du dabei in die Rolle eines Mauszeigers schlüpfen können, der gerne in einem Jacuzzi chillt und Karussell fährt. Bei all dem Lärm, den das Internet produziert: Hier kommst du zur Ruhe.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Vielen Dank fürs Lesen.
Ab Dienstag übernehmen Sofie, Jonas und Yann den 6iBrief. Ich melde mich in zwei Wochen wieder.
Schöne Ostertage! 💫
|


