Guten Morgen {{vorname}}

Als ich vor rund zwei Monaten mit dem Schreiben des 6iBriefs angefangen habe, gab es nichts Positives zu berichten. In Crans-Montana VS kamen bei einem Brand in einer Bar viel zu viele Menschen ums Leben oder verletzten sich schwer. Und in Minneapolis töteten ICE-Beamte Renée Nicole Good und Alex Pretti, die gegen das brutale Vorgehen der Behörden protestiert hatten.

Damals fragte ich mich, wie lange es wohl dauern würde, bis sich der selbstverliebte Präsident seiner selbstverliebten Heimatschutzministerin entledigen würde. Jetzt ist es geschehen: Kristi Noem muss gehen.

Heute sieht es leider nicht viel besser aus: Kriege und Katastrophen prägen die News. Das muss uns interessieren, klar. Aber es darf auch Platz geben für schöne Dinge: Gehe am Wochenende abstimmen und/oder wählen, falls du das nicht schon brieflich gemacht hast. Höre gute Musik auf dem Sofa oder im Club. Und backe eine Pizza Margherita.

Schweiz · Sicherheit

«Kein regionaler Konflikt bleibt regional»

Mehr Kooperation: Kaja Kallas und Ignazio Cassis. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Michael Buholzer)

Die Schweiz und die EU verstärken ihre Zusammenarbeit in der Aussen- und Sicherheitspolitik. Bundesrat Ignazio Cassis (FDP) und die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas unterzeichneten gestern in Zürich eine Absichtserklärung sowie ein Abkommen über die Beteiligung an Friedensmissionen. Künftig, schreibt der Tages-Anzeiger, werde sich der Schweizer Aussenminister jährlich offiziell mit der EU-Spitze austauschen und erhalte Mitsprachemöglichkeiten vor wichtigen EU-Gipfeln.

Angesichts globaler Krisen betonte Cassis die Notwendigkeit stabiler Partnerschaften: «Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran zeigt, dass kein regionaler Konflikt regional bleibt.»

«Wir können Kooperation, Stabilität und Verlässlichkeit.»

Kaja Kallas, EU-Aussenbeauftragte

Die neue Kooperation sichert der Schweiz einen Platz beim sogenannten «Decision Shaping» in Brüssel, ohne jedoch die Souveränität aufzugeben. Bern entscheidet weiterhin von Fall zu Fall über die Teilnahme an Missionen.

Kaja Kallas warb in ihrer Churchill-Rede an der Universität Zürich für ein geeintes Europa als Anker in unruhigen Zeiten: «Wir können Kooperation, Stabilität und Verlässlichkeit.»

Begleitet wurde Kallas’ Auftritt von kleineren Protesten: Die Gruppierung «Students for Palestine» demonstrierte vor der Aula der Uni gegen Kallas’ Unterstützung für Israel im Gaza-Konflikt.

Schweiz · 🏃‍♀️

On im Off

Lieber Vitaparcours statt Haute Couture. (Foto: Unsplash/Greg Rosenke)

Am Sonntag ist internationaler Frauentag. Eines der Anliegen ist die Befreiung von einseitigen Rollenbildern. Noch nicht angekommen scheint diese Botschaft bei manchen Modehändlern, die an extrem schlanken Mannequins festhalten.

Aber es geht auch anders. Seit fünf Jahren etwa setzt der Sporthändler Decathlon auf Schaufensterpuppen mit unterschiedlichen Staturen. Gegenüber CH Media sagt Sprecher Bernhard Schmid: «Wir möchten alle Sportler:innen erreichen und legen dabei den Schwerpunkt auf Inklusion und die Zugänglichkeit von Sport.»

Ganz anders präsentiert sich der Zürcher Laufschuh-Spezialist On. In den Läden dominieren auffällig dünne Puppen. Zudem sind für Frauen oft nur die Grössen S und M direkt im Regal verfügbar.

On-Sprecherin Karin Montani begründet dies so: «Als Premium-Anbieter präsentieren wir in unseren Geschäften jeweils zwei Konfektionsgrössen pro Artikel, und zwar die beiden, die am häufigsten nachgefragt werden.»

In der Modebranche komme es zu einem Revival des «Heroin Chic»-Trends aus den 90er-Jahren, heisst es im Artikel weiter. Der makabre Begriff stehe für eine «dürre und leblose Model-Ästhetik». An Schwung verloren habe dafür die «Body Positivity»-Bewegung, die für mehr Vielfalt und Inklusion stehe.

Modehändler wie C&A, Mode Bayard oder Chicorée liessen Anfragen unbeantwortet. Ein PKZ-Sprecher sagte, dass man neutrale, gleichfarbige Puppen einsetze: «Der Fokus von Kund:innen soll auf der Ware liegen.»

Vonseiten Manor hiess es, man sei überzeugt, dass Mode für alle da sei. «Wir prüfen laufend, wie wir verschiedene Silhouetten noch stärker berücksichtigen können.» Und Coop-Sprecherin Céline Venetz sagte, dass sowohl im Damen- als auch im Herrensortiment die Grössen M und L zu den meistverkauften Grössen gehörten.

USA · 🚌

Trump feuert Kristi Noem

Ihre Zeit als Ministerin ist abgelaufen: Kristi Noem. (Screenshot: SRF/Elizabeth Frantz)

Macht und Moneten machen vergesslich. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb sich jemand von US-Präsident Donald Trump anstellen lässt. Denn eines ist klar: Am Ende landen sie alle im übertragenen Sinne unter dem Bus.

So ergeht es jetzt auch Kristi Noem, die bis vor wenigen Stunden noch Ministerin für Innere Sicherheit war. Trump hat sie gemäss SRF mit sofortiger Wirkung entlassen.

Als Nachfolger für die Schlüsselposition, die auch für den Grenzschutz zuständig ist, nominierte er per 31. März Senator Markwayne Mullin.

Noem war zuletzt massiv unter Druck geraten. Sowohl Demokrat:innen als auch einige Republikaner:innen kritisierten die rabiaten und tödlichen Einsätze von ICE-Beamten.

Zum Verhängnis wurde ihr wohl auch eine umstrittene, millionenschwere Werbekampagne. Während Noem behauptete, das Budget sei vom Präsidenten abgesegnet worden, widersprach Trump.

Trotz der Entlassung soll Noem der Regierung erhalten bleiben. Trump ernannte sie zur Sondergesandten für das «Schild Amerikas», eine neue Sicherheitsinitiative.

In der Vergangenheit hatte Noem durch ihre Memoiren für Negativschlagzeilen gesorgt, als sie zugab, ihre Hündin erschossen zu haben. Miles Taylor, der während Trumps erster Amtszeit Stabschef im Ministerium für Innere Sicherheit war, schrieb auf Twitter: «Kristi Noem wird dafür in Erinnerung bleiben, dass sie das amerikanische Volk so behandelt hat, wie sie ihre Hunde behandelt hat.»

🇻🇦 Kurioses

Jüngstes Gericht ab Ostern wieder in Betrieb

Zu viel geschwitzt: Jetzt muss Michelangelos «Jüngstes Gericht» restauriert werden. (Foto: Unsplash/History in HD)

Am 6. März 1475 wurde Michelangelo geboren. Über ein halbes Jahrtausend später wird einer der berühmtesten Künstler aller Zeiten Opfer seines eigenen Erfolges: Der Schweiss abertausender Besucher:innen der Sixtinischen Kapelle im Vatikan setzt seinem Fresko Das Jüngste Gericht arg zu. Es muss aufgefrischt werden.

Zehn Restaurator:innen befreien derzeit die 180 Quadratmeter grosse Wandmalerei des Renaissance-Malers von der Milchsäure aus dem Schweiss der Gläubigen und Tourist:innen.

Die Patina aus Kalziumlaktat beschädige die Malerei zwar nicht, berichtet das katholische Domradio, beeinträchtige aber die Sichtbarkeit der 391 Figuren. Die Restaurator:innen entfernen sie mit Japanpapier und ionisiertem Wasser. Dadurch sollen die Hell-Dunkel-Kontraste wieder klar erkennbar werden.

Die Reinigung komme zügig voran, heisst es im Artikel. Ab Ostern soll das Werk wieder in voller Strahlkraft zu sehen sein.

PS: Wenn wir schon bei Kunst und Jahreszahlen sind: Heute feiert Pink-Floyd-Legende David Gilmour seinen 80. Geburtstag. Happy Birthday! 🌈

Kurz-News

Gegen Neutralitätsinitiative · Der Nationalrat hat sich gestern gegen die Verankerung einer «immerwährenden und bewaffneten Neutralität» in der Bundesverfassung ausgesprochen. Mit 128 zu 60 Stimmen lehnte die Grosse Kammer gemäss Tages-Anzeiger das SVP-Vorhaben ab. Auch einen Gegenvorschlag, wie ihn der Ständerat wollte, lehnten die Räte ab. Damit folgt der Nationalrat dem Bundesrat. Einzig die SVP unterstützte das Begehren, das auch ein Verbot von Sanktionen sowie strengere Bündnisregeln vorsieht.

30’000 Raser gestoppt · Raser (und ja, genau, die eine Raserin aus Hintertupfingen auch!) sind das grösste Problem auf Schweizer Strassen. Letztes Jahr wurde das «Billett» über 30’000 Mal wegen zu hoher Geschwindigkeit entzogen, wie das Astra gestern mitteilte. Gemäss Limmattaler Zeitung stoppte die Tessiner Polizei in Losone etwa einen 18-jährigen Schweizer, der mit 113 km/h durch die 50er-Zonen bretterte.

Bär behält Gemächt · Der Berner Regierungsrat lehnt gemäss SRF einen Vorstoss ab, das rote Geschlechtsteil des Bären aus dem Wappen zu entfernen. GLP-Parlamentarier Thomas Brönnimann hatte gefordert, den Bären geschlechtsneutral darzustellen, um die Bevölkerung besser zu repräsentieren. Die Regierung verwies jedoch auf die 600-jährige Tradition des gezoteten (Google!) Tieres. In Bern bleibt also, wie eigentlich immer, alles beim Alten.

International

Paralympics beginnen · Heute beginnen in Italien die Paralympics. Doch wegen Platzproblemen und logistischer Hürden im Amphitheater von Verona bleiben viele Athlet:innen der Eröffnungsfeier (ab 20 Uhr) fern. Zudem boykottieren gemäss SRF rund ein Dutzend Nationen den Event aus Protest gegen den Start von Russland und Belarus unter eigener Flagge. Da viele Bilder vorproduziert wurden, wird das Fehlen der Sportler:innen im TV indes kaum auffallen. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (SP) ist vor Ort.

Busse für Umweltsünder · Wegen mangelndem Naturschutz muss Portugal eine Strafe von zehn Millionen Euro an die EU zahlen. Das EU-Gericht sanktioniert damit schwere Verstösse gegen Umweltgesetze, da Lissabon 55 Schutzgebiete nicht ausreichend gesichert hat. Zusätzlich droht ein Zwangsgeld von 41'250 Euro pro Tag, bis die Vorgaben erfüllt sind. Betroffen sind wertvolle Habitate wie der Nationalpark Peneda-Gerês. Die Regierung gelobt gemäss Guardian Besserung und treibt Gesetze voran.

🎸 Konzerttipp

Pina Palau

Unglaublich gut: Songwriterin Pina Palau. (Foto: Pina Palau/Bandcamp)

Es war früher Abend nach einem perfekten Sommertag, als ich über das Gelände des Gurtenfestivals schlenderte. Weil man dort nicht anstehen musste, stellte ich mich an die Bar der Campfire Stage. Sponsor dieser kleinen Holzhütte war die Branchenorganisation Schweizer Fleisch. Es roch wie an einem Grillfest in den 90er-Jahren nach Cervelat und Schweiss.

Dann betrat eine junge Künstlerin die Bühne und spielte einige der schönsten Songs, die ich auf dem Berner Hausberg je gehört hatte. Als Pina Palau Patti’s Words anstimmte und das Publikum den Refrain mitsummte, war das einfach nur magisch: «We are still here after all these years.»

Und ich war dankbar. Für die Musik dieser Zürcherin, von der ich zuvor noch nie gehört hatte. Und dass ich nach all den Jahren am Gurtenfestival immer noch Entdeckungen machen konnte, die nachhallen. Palaus Debütalbum Illusion (2022) gehört seither zu meinen absoluten Lieblingsplatten.

Ihr aktuelles Werk You Better Get Used To It stellt Pina Palau heute Abend im Berner ISC vor. Und morgen dann im Bogen F in Zürich. Gestern schon spielte sie einige der neuen Songs in einem Liveset für das SRF. Jupi!

🛍️ Witziges zum Schluss

Frage der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis nächste Woche, wenn du magst.

Peter

PS: Schon gestern war in diesem Newsletter von Pizza die Rede. Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Betty Bossis Teigrezept echte Pizza-Aficionados erschauern lasse. Mamma Mia! Ein richtig guter Teig habe eine Gehzeit von 48 Stunden und benötige maximal 2 Gramm Hefe. «Der Aufwand dafür ist auch nicht megagross», schreibt der Leser. Und mit einem Backstahl (statt Pizzastein) gelinge auch im Haushaltsofen bei maximal 300 Grad eine Margherita wie im Restaurant.

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