Guten Morgen {{vorname}}

Wäre ich Influencer, würde ich mich vermutlich einem einzigen Thema widmen: Pizza. Ich finde, dass die Margherita die Königin der Pizzen ist. Wie du in nur einer Viertelstunde eine hinbekommst, die jedes Fertigprodukt aus dem Kühlregal schlägt, liest du weiter unten.

Zunächst geht es aber um ernsthaftere Themen. Um echte Influencer:innen zum Beispiel, die frohe Botschaften aus Dubai posten. Weil sie nicht anders dürfen. Und weil es mutmasslich auch in Krisenzeiten die Kasse klingeln lässt.

«You can shop», versichert eine Schweizer Unternehmerin. Dann ist ja alles gut.

Schweiz · Iran-Krieg

Schweizer Influencer:innen verbreiten Staatspropaganda

Daniela Baumann fühlt sich sicher. (Screenshot: Instagram/danielabaumannofficial)

Influencer:innen machen immer Propaganda (ist schliesslich ihr Job). In harmlosen Fällen für harmlose Produkte. Oft aber auch für Staaten und deren Agenden.

Die TikTok- und Instagram-Kreaturen -Kreator:innen in Dubai sind seit Ausbruch des Iran-Kriegs letzten Samstag nun so etwas wie eingebettete Leserkriegsreporter:innen für Softthemen. Sie sollen die Welt beruhigen: Alles normal hier, du kannst einkaufen!

So berichten Schweizer Influencer:innen nach iranischen Angriffen auf Dubai von einer «gespenstischen Ruhe» und «Raketen am Himmel». Trotz Krise verbreiten sie gemäss Tages-Anzeiger Botschaften, die oft wie staatstreue Kommunikation wirken.

Elena Miras, die kurzzeitig in Abu Dhabi feststeckte, nannte die Situation zunächst einen «Albtraum», sah jedoch bald nur noch «Kampfflugzeuge, die rausgehen». Romina Egger schrieb, das Leben gehe normal weiter, und Unternehmerin Daniela Baumann verwies auf geöffnete Einkaufszentren mit der Botschaft: «You can shop.»

Dieses demonstrative Lob für die «exzellente Kommunikation» der Regierung und die «einzigartige Logistik» vor Ort ist indes nicht ganz freiwillig. Wer in Dubai als Influencer:in arbeiten will, benötigt eine staatliche Lizenz und darf weder die Regierung kritisieren noch Panik verbreiten. Die Fragen des Tagis liessen die sonst nicht als wortkarg bekannten Influencer:innen unbeantwortet.

Derweil sitzen immer noch rund 5200 Schweizer:innen in den Golfstaaten fest. Betroffen sind vor allem Reisende in Dubai, Abu Dhabi, Doha und Maskat. «Bleiben Sie dort, wo Sie sind», rät ihnen das Aussendepartement (EDA) gemäss SRF. Von riskanten Reisen über Land in andere Städte wird abgeraten.

Ein ausgebuchter Swiss-Flug bringt heute 120 Personen von Maskat nach Zürich. Weitere Evakuierungsflüge sind aktuell nicht geplant. Das EDA betonte abermals die Eigenverantwortung der Reisenden.

Wenn du dir Sorgen machst, weil du nächstens einen Trip geplant hast, der einen Zwischenstopp in den Golfstaaten vorsieht, lohnt sich dieser Artikel des Beobachters. Darin schreibt meine Kollegin Nicole Müller: «Niemand zwingt Sie, in ein Flugzeug einzusteigen. Ob Sie Geld zurückbekommen, hängt stark davon ab, wie sich die Lage entwickelt.»

Schweiz · Entlastungspaket 27

Nationalrat stutzt Keller-Sutters Sparpaket weiter zusammen

Trotz Karin Keller-Sutters Warnungen: Parlament zerzaust Sparpaket. (Screenshot: SRF/Alessandro della Valle/Keystone)

Der Nationalrat hat gemäss SRF aus dem Entlastungspaket des Bundesrats ein «Entlastungspäckli» geformt. Nach zweitägiger Debatte verabschiedete die grosse Kammer gestern eine Version, deren Sparvolumen hinter den Plänen der Regierung zurückbleibt.

Ursprünglich wollte der Bundesrat bis 2029 jährlich über drei Milliarden Franken einsparen. Nachdem bereits der Ständerat das Paket abgespeckt hatte, reduzierte der Nationalrat das Volumen um weitere hundert Millionen Franken. So bleiben für das Jahr 2029 lediglich Einsparungen von rund 1,9 Milliarden Franken übrig.

Die bürgerliche Mehrheit lehnte zusätzliche Einnahmequellen konsequent ab. Weder die Erhöhung der Agrarzölle noch eine vorgezogene Gebühr für Grossbanken («Public Liquidity Backstop») fanden eine Mehrheit. Zudem wurde die Landwirtschaft weitgehend von Kürzungen verschont.

Durch die Aufweichung des Pakets drohe ein strukturelles Defizit von rund 400 Millionen Franken im Jahr 2027, hatte Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) bereits im Vorfeld gewarnt.

Da die Grünen ein Referendum angekündigt haben, wird voraussichtlich das Volk das letzte Wort über die verbleibenden Sparmassnahmen haben.

Schweiz · 🏠-Recherche

«Phantom» Conle besitzt über 1200 Wohnungen in Zürich

Wie viele Häuser braucht ein Mann? (Foto: Unsplash/Patrick Federi)

Das Zürcher Stadtmagazin Tsüri.ch enthüllt heute gemeinsam mit dem WAV Recherchekollektiv das Immobilienimperium von Henning Conle. 121 Grundstücke mit insgesamt 1253 Wohnungen sollen dem 82-Jährigen gehören. Damit ist er die Privatperson mit dem grössten Wohnraumbesitz der Stadt.

Conles Portfolio umfasst rund 105’000 Quadratmeter Stadtboden. Würde er diese Grundstücke heute verkaufen, könnte er dafür gemäss Daten der Stadt bis zu 1,2 Milliarden Franken bekommen. Seine Besitztümer erstrecken sich über neun Stadtkreise, von Luxusliegenschaften an der Limmat bis hin zu ganzen Häuserzeilen in Oerlikon und Schwamendingen.

Wenn dir der Name Conle nichts sagt, bist du nicht allein. Googelt man den Mann, spuckt die Suchmaschine ein Bild von Milieu-Anwalt Valentin Landmann aus. Conle wird denn auch das «Phantom» genannt. Der deutsch-schweizerische Doppelbürger meidet die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser.

International sorgt Conle vor allem als mutmasslicher Unterstützer rechter und rechtsextremer Parteien für Schlagzeilen. Er steht im Verdacht, verdeckte Grossspenden in Millionenhöhe an die deutsche AfD geleitet zu haben. Auch in der Schweiz pflegt er enge Kontakte zur SVP. So soll er 2017 das 100-jährige Jubiläum der SVP Zürich finanziert haben.

Während die Mieteinnahmen aus Zürich in Millionenhöhe fliessen, wollten weder Conle noch seine Firmen zu den Enthüllungen Stellung nehmen.

💸 Aufgeschnappt

Schöne neue Nötli

Auch abgebildet: Der schönste Brunnen Berns. Findest du ihn? (Foto: SNB)

Meine Lieblingsbanknote war die Zehnernote, mit der bis zum Jahr 2000 bezahlt werden durfte. Man konnte mit ihr allerhand Schabernack treiben. Faltete man den Geldschein an der richtigen Stelle, formte das Abbild des Schweizer Mathematikers Leonhard Euler plötzlich ein Hinterteil. Auf dem Pausenplatz kugelten wir uns vor Lachen.

Heute ginge das natürlich nicht mehr. Allein schon deswegen, weil seither gefühlte zwei Millionen Mal die Banknoten ausgetauscht wurden. Die neusten Entwürfe stammen vom Lausanner Designbüro Emphase, das den Gestaltungswettbewerb für die zehnte (echt jetzt, erst?) Schweizer Banknotenserie gewonnen hat.

Die Scheine zeigen auf einer Seite verschiedene Pflanzen, während die Rückseiten Motive aus Architektur, Kultur, Verkehr und Landschaft zieren. Bei Watson kannst du dir sämtliche Motive anschauen.

Bis die neuen Noten in den Portemonnaies landen, dauert es noch: Die Ausgabe wird frühestens Anfang der 2030er-Jahre erwartet. Ob dann noch jemand mit Bargeld bezahlen wird, ist eine andere Frage.

Ab heute und noch bis zum 15. März kannst du die Nötli-Entwürfe im Forum der Nationalbank in Zürich besichtigen. Ich persönlich finde sie sehr schön.

Gefallen dir die neuen Banknoten?

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Kurz-News

Pfister hat genug · Wegen Lieferverzögerungen bei den US-Patriot-Systemen plant Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte) den Kauf einer europäischen Alternative. Die USA priorisieren derzeit den Iran-Krieg und die Ukraine, die Schweizer Lieferung verspätet sich wohl um Jahre. Pfister schlägt dem Bundesrat nun das System Samp/T vor, um die Abhängigkeit zu reduzieren. Die Patriot-Bestellung bleibt gemäss Tages-Anzeiger bestehen, was zusätzliche Kosten von Hunderten Millionen Franken verursachen könnte.

Parlamentarier gegen toxische Männlichkeit · Sechs Nationalräte kämpfen gemeinsam gegen toxische Männlichkeit und Gewalt an Frauen. Der Bundesrat hat gemäss Tages-Anzeiger ihr Postulat angenommen und erstellt nun einen Bericht über die Radikalisierung junger Männer durch frauenfeindliche Online-Inhalte. Die Allianz aus Politikern von SVP bis Grüne will die Ursachen für Rekordzahlen bei Femiziden klären und die Prävention stärken.

Rotmilane kuscheln gerne · Rotmilane nutzen im Winter gemeinsame Schlafplätze als Informationsbörse, berichtet Watson. Eine neue Studie der Vogelwarte Sempach zeigt, dass vor allem junge Männchen die Gruppe suchen. Ihre Chance auf eine Massenübernachtung ist doppelt so hoch wie bei Weibchen. Forscher:innen vermuten, dass die Jungen dort Wissen über Nahrung teilen oder Partner:innen finden. Brutpaare schlafen hingegen lieber allein in ihrem Revier.

International

Putin will Gashahn zudrehen · Wladimir Putin erwägt, die Gaslieferungen in die EU «jetzt sofort» zu stoppen. Damit will er gemäss Watson einem geplanten EU-Embargo zuvorkommen. In einem Interview erklärte der Kremlchef, es sei für Russland lukrativer, sich frühzeitig auf zuverlässige Partner wie China zu konzentrieren. Eine finale Entscheidung steht noch aus, die Regierung prüft den Schritt jedoch. Die Folge wären erhebliche Preissteigerungen, da der Markt durch den Iran-Krieg bereits angespannt ist.

Meeresspiegel liegt höher · Der globale Meeresspiegel liegt deutlich höher als bisher angenommen. Neue Analysen im Fachblatt Nature zeigen, dass die Pegel im Schnitt 30 cm über den Modellwerten liegen; in Südostasien sind es bis zu 150 cm. Grund sind gemäss Guardian ungenaue Geoid-Modelle, die lokale Faktoren wie Strömungen und Wind ignorierten. Das Risiko für Küstenorte steigt: Bei einem Anstieg von einem Meter könnten 37 Prozent mehr Flächen versinken als gedacht. Betroffen wären 132 Millionen Menschen.

🍕 Nützliches des Tages

Pizza Margherita

Es kann nur eine geben: Pizza Margherita. (Foto: Unsplash/Luigi Boccardo)

In Sachen Pizza gibt es für mich zwei in den Steinofen gemeisselte Wahrheiten. Erstens: Kenner:innen bestellen in der Pizzeria IMMER und ausschliesslich eine Margherita. Zweitens: Fertigpizzen ergeben überhaupt keinen Sinn.

Die berufsbedingt bisweilen masochistisch veranlagte Kassensturz-Redaktion hat sich des Themas trotzdem tapfer angenommen und für dich diverse Fertigpizzen getestet. Das vernichtende Urteil: Nur ein Produkt, die Italpizza Numero Uno von Coop, bekommt das Urteil «gut» (5,2). Sie komme einer Restaurant-Pizza am nächsten, befand die Jury.

Am schlechtesten schnitt die Pizza Mmmh von Denner ab; die Expert:innen rüffelten zähen, quietschenden Käse. Auch die Produkte von Buitoni und Betty Bossi erhielten ungenügende Noten. Die meisten anderen Pizzen, darunter die zweitplatzierte Migros Bio, landeten im Mittelfeld.

Fertigpizzen sind also selten wirklich fein und immer zu teuer. Und weil Pizza so einfach zu machen ist, ergeben sie eben auch null Sinn. Wenns ganz schnell gehen soll: Fertigteig ausrollen, gewürzte Tomatensauce aus dem Glas drauf, sehr viel Mozzarella drüber, ein paar Minuten in den heissen Ofen – finito.

Noch besser wird es mit selbstgemachtem Teig. Das benötigt zwar etwas mehr Zeit, geht aber ebenfalls ganz easy, etwa mit diesem Betty-Bossi-Rezept.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter 🤌

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