Guten Morgen {{vorname}}
Wie geht das zusammen? Wir wähnen uns schutzlos ausgesetzt – und fühlen uns gleichzeitig sicher. Oder das: Wir möchten aufrüsten, aber nicht dafür bezahlen.

Vergleicht man aktuelle Umfragen, kommt einem unweigerlich das «This is fine»-Meme in den Sinn. Darin nippt ein Hündchen, umgeben von Gefahr, zufrieden am Espresso: Alles in bester Ordnung.

Dass nun offenbar viele das Heft in die eigene Hand nehmen, Büchsenfood bunkern und Survival-Kurse besuchen, stimmt nicht eben optimistischer. Wenn du wissen möchtest, wozu Prepping führen kann, empfehle ich dir den Film Take Shelter (2011). Aber nur, wenn du harte Kost zum Wochenstart erträgst.

Schweiz · Sicherheit

Bevölkerung verliert Vertrauen in Armee – und legt Vorräte an

Blechen lieber für Blechbüchsen: Prepper:innen. (Screenshot: Migros)

Drei Viertel der Schweizer:innen trauen der «besten Armee der Welt» (Ueli Maurer) nicht zu, einen konventionellen Angriff abzuwehren. Hybriden Bedrohungen wie Cyberattacken fühlen sich sogar 80 Prozent weitgehend schutzlos ausgesetzt. Dies zeigt das neue Chancenbarometer von Sotomo.

Trotz dieser Skepsis fühlen sich 92 Prozent der Befragten sicher. Ein Vertrauen, das primär auf der inneren Stabilität, dem Rechtsstaat und der Infrastruktur fusse, berichtet Watson. Nur sechs Prozent fürchten sich konkret vor einem militärischen Angriff. Co-Studienleiter Michael Hermann sagt: «Die Bevölkerung sieht klare Defizite in der Verteidigungsfähigkeit der Schweiz, zugleich vertraut sie weiterhin auf die Stabilität der demokratischen Ordnung.»

Eine Mehrheit befürwortet, das Armeebudget bis 2030 auf mindestens zwei Prozent des BIP aufzustocken. Demgegenüber stehen Umfragen, in denen 76 Prozent eine Mehrwertsteuer-Erhöhung für die Rüstung ablehnen. «Offensichtlich ist es dem Bundesrat bisher nicht gelungen, der Bevölkerung das Wesen moderner Kriegsführung zu erklären», mutmasst die NZZ.

Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte) bringe das an den Rand der Verzweiflung, schreibt der Tages-Anzeiger. Vor hochrangigen Offizieren verglich er vergangene Woche in Zug die Lage mit Max Frischs «Biedermann und die Brandstifter»: Das Volk reiche den Gefahren quasi die Streichhölzer.

Während die kollektive Abwehr stockt, boomt die individuelle Vorsorge: Prepper-Läden wie «Swiss Owl» verzeichneten Umsatzverdoppelungen, heisst es im Artikel. Viele Bürger:innen investierten lieber privat in Notvorräte und Fluchtrucksäcke als in Panzer und Drohnen.

Schweiz · Gondelunglück

«Mr. Seilbahn» unter Druck

Dichtes Netz an lukrativen Mandaten: Ständerat Hans Wicki. (Screenshot: Blick/Keystone)

Nach dem tödlichen Gondelabsturz in Engelberg muss sich der Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki unangenehmen Fragen stellen. Kritiker:innen werfen dem Präsidenten der Titlis-Bergbahnen und von Seilbahnen Schweiz vor, er habe sich mit vorschnellen Aussagen zugunsten seiner Mitarbeitenden zu weit aus dem Fenster gelehnt.

In Bundesbern gilt der ehemalige Bundesratskandidat gemäss SonntagsBlick als «Pöstlijäger» mit einem dichten Netz an lukrativen Mandaten. «Hans Wicki setzt ruchlos seine Interessen durch», zitiert die Zeitung eine ihm nahestehende Quelle.

Besonders seine Doppelrolle beim geplanten Grimseltunnel sorge für Stirnrunzeln: Wicki präsidiert die zuständige Planungsfirma und gab im Parlament gleichzeitig den Ausschlag für die Express-Finanzierung des Projekts.

Die Liste seiner Ämter ist lang, die Honorare wohl üppig. Ein Parlamentskollege geht mit Wicki hart ins Gericht: «Hans macht nichts mehr für die Partei. Er macht nur, was ihm persönlich etwas bringt.»

Das Verhältnis zwischen dem Bundesamt für Verkehr (BAV) und dem Seilbahnverband sei seit Jahren von Spannungen geprägt, schreibt der SonntagsBlick weiter.

Ein Machtkampf entbrannte vor allem, als die damalige Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga (SP) strengere Sicherheitsvorgaben für Seilbahnbauten einführen wollte. Hans Wicki sei an vorderster Front gestanden, als sich die Branche «mit voller Wucht» gegen diese Verordnung gestemmt hatte. Unter Sommarugas Nachfolger Albert Rösti (SVP) seien die Regulierungen wieder aufgeweicht worden.

Wicki selbst kommt im Artikel nicht zu Wort. Er sei «abgetaucht», schreibt die Zeitung. «Gut möglich, dass seine Lobby-Maschinerie derzeit nicht mehr läuft wie geschmiert.»

Schweiz · 🛴

Kommt jetzt die Helmpflicht für E-Scooter?

Auch weniger kluge Köpfe schützen sich manchmal. (Foto: Unsplash/Volodymyr Dobrovolskyy)

Die Statistik deprimiert: Im vergangenen Jahr registrierte allein die Stadt Zürich 94 Unfälle mit E-Scootern. Die Verunfallten waren meist junge, alkoholisierte Männer. Einen Helm trug praktisch niemand.

Anderswo sieht es nicht besser aus. Deshalb liebäugelt die Regierung nun mit einer neuen Regulierung: einer Helmpflicht für E-Trottinette. «Wir sind bereit, eine Helmpflicht bei einer nächsten Verordnungsrevision in der Vernehmlassung zur Diskussion zu stellen», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach im Blick.

Ein Grund dafür ist auch das rasante Wachstum der Branche. Expert:innen erwarten eine Verdreifachung der privaten Geräte auf bis zu 300’000 in den nächsten zehn Jahren.

Neben der Helmpflicht rückt gemäss Tages-Anzeiger auch die Infrastruktur in den Fokus. Obwohl E-Trottinette auf Velowegen fahren müssen, weichen viele mangels Platz auf Trottoirs aus. Gegen das wuchernde Parkchaos führt Zürich im Kreis 1 fixe Parkzonen ein, um die kreuz und quer abgestellten Leihfahrzeuge besser in den Griff zu bekommen.

🧮 Zitat des Tages

«Ich sehe mehr und mehr Polarisierung»

Für eine weltoffene, liberale Schweiz: Gianfranco Lot. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Sabina Bobst)

Dass Chefs von Versicherungen nicht nur gut rechnen können, sondern sich natürlich auch intensiv mit Politik beschäftigen, beweist Gianfranco Lot in diesem lesenswerten Interview mit dem Tages-Anzeiger. Darin beklagt der neue Länderpräsident der Swiss Re etwa: «Ich sehe mehr und mehr Polarisierung. Es gibt zum Beispiel viele Initiativen, die nicht sehr nuanciert sind. Etwa die SVP-Initiative zur 10-Millionen-Schweiz.»

Natürlich brauche es eine Regelung, sagt Lot. Gleichzeitig ist er gegen einen fixen Deckel bei der Zuwanderung. «Wir sind für eine weltoffene, liberale Schweiz.» Zuzüger:innen seien ein Motor für die Wirtschaft: «Ich sehe die Zuwanderung als positive Entwicklung. Sie bringt uns Wirtschaftswachstum, und sie bringt Diversität ins Land.»

Auch zur Energiefrage nimmt der oberste Versicherer der Versicherer Stellung: «Wir erwarten, dass die Kernenergie langfristig auch in der Schweiz ein Teil des Strommixes bleiben wird.» Es werde eine riesige Herausforderung, den Energiebedarf etwa für die künstliche Intelligenz und die dafür benötigten Rechenzentren abzudecken, so Lot. Als Rückversicherer beurteile man das Verhältnis von Wahrscheinlichkeit und dem erwarteten Schaden eines Ereignisses. «Bei der Kernenergie sind die Risiken katastrophal, wenn sie eintreten – aber sie tun das sehr selten.»

Im Gespräch mit der Zeitung lobt Gianfranco Lot ausserdem die Lebensqualität des Standorts Zürich, die auch seine internationalen Angestellten schätzen würden: «Unsere Leute sagen mir oft: ‹Ihr Schweizer wisst gar nicht, wie gut ihr es habt.›»

Kurz-News

Ostern ohne Eier? · Zwei Wochen vor Ostern berichtet der Beobachter über Engpässe bei Freilandeiern im Detailhandel. In zahlreichen Filialen von Migros und Coop blieben zuletzt die Regale teilweise leer, da die Produktion nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann. Da Konsument:innen verstärkt auf Tierwohl setzen, ist der Bedarf an Freilandeiern gestiegen. Um die Versorgung über Ostern zu sichern, müssen Händler vermehrt Eier aus dem Ausland importieren.

Amis wollen Aromat kaufen · Auch das noch: Der US-Gewürzriese McCormick plant offenbar die Übernahme der Traditionsmarke Knorr vom britischen Konzern Unilever. Damit könnte das Schweizer Kultgewürz Aromat bald in amerikanische Hände übergehen. Unilever bestätigt gemäss Nau die Verhandlungen über den Milliarden-Deal, um sich künftig stärker auf profitablere Bereiche wie Schönheitspflege zu fokussieren.

Rosalía überzeugt in Zürich · Die spanische Künstlerin Rosalía trat gestern im ausverkauften Hallenstadion auf. Wer (wie ich leider) nicht vor Ort war, kann im Tages-Anzeiger nachlesen, was wir verpasst haben. Eine «göttliche Erfahrung» sei es nämlich gewesen, schreibt die Journalistin. Besonders der makellose Gesang beeindruckte. Nach dem Hit Berghain gab es stehende Ovationen. Rosalía bedankte sich: «Ihr habt ganz schön viel Energie, Züri!»

International

Schlappe für Le Pen · Die französischen Kommunalwahlen stärken die Linke in den Metropolen. In Paris siegt der Sozialist Emmanuel Grégoire deutlich gegen die von Präsident Macron unterstützte Rachida Dati. Auch Marseille und Lyon bleiben mit Benoît Payan und Grégory Doucet in linker oder grüner Hand. Die extreme Rechte scheitert gemäss Tages-Anzeiger an der «Brandmauer» und verpasst den Durchbruch in Grossstädten wie Toulon. Einzig Nizza rückt mit dem Rechtsausleger Éric Ciotti hart nach rechts.

Primitiver Präsident · Donald Trump sorgt mit einem hasserfüllten Kommentar zum Tod des ehemaligen FBI-Direktors Robert Mueller für Entsetzen. «Gut, ich bin froh, dass er tot ist», schrieb der US-Präsident über den verstorbenen Sonderermittler. Während Demokraten gemäss Tages-Anzeiger von einem neuen Tiefpunkt sprechen, kritisieren auch vereinzelte Republikaner das Verhalten als «falsch und unchristlich». Als der rechtsextreme Aktivist Charlie Kirk ermordet wurde, duldete die US-Regierung keine taktlosen Kommentare.

📚 Lesetipp

Davos-Thriller

Stiller war gestern: Krimi-Setting in Davos. (Screenshot: Republik/Benjamin Güdel)

Der Schweizer Journalist Constantin Seibt ist für lange (und kluge) Texte bekannt. Deshalb erstaunt es kaum, dass sein Lesetipp in der Republik eine Trilogie ist: «Deaths at Davos», «Deaths at Davos 2.0» und «Deaths at Davos 3.0». Die Trockenheit der Titel sei Programm, schreibt der Rezensent. «Alle drei geopolitischen Thriller sind im Stil eines Steaks aus vorvegetarischen Zeiten geschrieben: blutig und ohne Gemüse.»

Weshalb sie herausstechen? Autor ist der Ökonom Thierry Malleret, laut Seibt der «wahrscheinlich engste Mitarbeiter, den Klaus Schwab je hatte». Der 65-Jährige war von 1999 bis 2007 verantwortlich fürs WEF-Programm.

Es handelt sich also um Fiction eines Insiders. Seibt schreibt: «Den unverschämtesten Spass macht das Porträt der WEF-Organisation. Vor allem das ihres Gründers.» Die Trilogie sei neben Thriller auch Schlüsselroman. Und das Bild, das vom WEF, von seinen Angestellten und seinen Teilnehmer:innen gezeichnet werde, habe die «nüchterne Grausamkeit einer Winterbise».

Seibts Fazit: Diese drei «reisserischen» Romane sind das bisher Brauchbarste nach 55 Jahren WEF.

PS: Das World Economic Forum (WEF) erhält Konkurrenz im eigenen Land. Ab 2028 soll in Basel das «Basel Project» lanciert werden, ein internationales Ideenfestival, das dem traditionsreichen Treffen in Davos den Rang ablaufen könnte, schreibt Blick. Inspiriert vom Erfolg der Kunstmesse Art Basel, setze das Projekt auf eine Mischung aus Wirtschaft, Politik und Kultur in urbaner Atmosphäre. Ziel sei es, Vordenker:innen am Rhein zu versammeln und, wer hätte das gedacht, den «Zustand der Welt zu verbessern».

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

Reply

Avatar

or to participate

Keep Reading