Guten Morgen {{vorname}}
Auf Instagram geht mal wieder ein Trend viral: Die Leute posten Karikaturen von sich in ihrem beruflichen Umfeld, ersonnen von ChatGPT. Mal abgesehen von gar nicht mal so unwichtigen Datenschutzfragen: einigermassen harmlos.

Weil KI fast alles kann, wird damit auch fast alles gemacht. Auf Bluesky meinte kürzlich jemand, KI sei das Radium unserer Zeit. Eine eigentlich nützliche Erfindung, die wir dummerweise für alles Mögliche verwenden. Bis uns spätere Generationen fragen werden, ob wir eigentlich den Verstand verloren hätten.

In einer Deutschschweizer Sekundarschule haben 14-Jährige jetzt mittels einer KI Fake-Nacktbilder von ihren Mitschülerinnen erstellt.

Schweiz · Deepfakes

Sekschüler teilen KI-Nacktbilder auf Snapchat

«Katastrophale Entwicklung»: Handy als Tatwaffe. (Foto: Unsplash/Emiliano Vittoriosi)

An einer Deutschschweizer Sekundarschule haben zwölf- bis 14-jährige Knaben mittels künstlicher Intelligenz sexualisierte Deepfakes von Mitschülerinnen erstellt und verbreitet. Dies berichtet heute der Tages-Anzeiger.

Die Jugendlichen nutzten eine kostenlose Webseite, um bekleidete Mädchen virtuell auszuziehen und die Bilder anschliessend via Snapchat zu verschicken. Die kantonale Jugendanwaltschaft hat bereits ein Verfahren eröffnet.

Obwohl die Bilder künstlich generiert wurden, hat dies keine Auswirkung auf die Strafbarkeit. «Wenn es sich um Bilder von unter 18-Jährigen handelt, kann dies unter das Verbot der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie fallen», sagt Rechtsanwalt Martin Wyss. In der Schweiz sind Jugendliche bereits ab zehn Jahren strafmündig.

Die für die Erstellung genutzte Plattform bietet keinerlei Schutzmassnahmen und wirbt offensiv mit «hyperrealistischen Bildern». Dagmar Rösler, Präsidentin des Lehrerverbandes LCH, fordert nun Konsequenzen vom Gesetzgeber. «Diese Entwicklung ist für das Lehrpersonal und für die Schülerinnen und Schüler katastrophal.»

Schweiz · Briefkasten-WG

Bundesgericht pfeift Möchtegern-Zuger zurück

Wer nach Zug zügelt, dem wird vom Staat weniger abgezügelt. (Foto: Unsplash/Alvin Lim)

Ein Zürcher scheiterte vor dem Bundesgericht mit dem Versuch, seinen Wohnsitz rein auf dem Papier in den steuergünstigen Kanton Zug zu verlegen. Obwohl er sich offiziell umgemeldet hatte, blieb sein tatsächlicher Lebensmittelpunkt in Zürich. Das kommt ihm nun teuer zu stehen, wie der Beobachter berichtet.

Besonders verdächtig machte den Mann sein abrupter sozialer Abstieg: Er tauschte seine luxuriöse Eigentumswohnung gegen ein bescheidenes WG-Zimmer, in dem er sich die Küche mit Fremden teilen musste. Zudem verkaufte er seine Zürcher Wohnung für rund eine halbe Million Franken an seine eigene GmbH, wodurch er den Schlüssel behalten konnte.

Das Bundesgericht rügte unter anderem, dass der Mietvertrag in Zug nicht unterschrieben war und die Miete ungewöhnlicherweise bar bezahlt wurde. Da der Mann zudem jegliche Mitwirkung verweigerte und keine Belege für einen Umzug vorlegen konnte, werteten die Richter dies zu seinem Nachteil.

«Als Steuerpflichtiger hat man nicht die Wahl, wo man Steuern zahlen will.»

Martin Müller, Steuerexperte

«Als Steuerpflichtiger hat man nicht die Wahl, wo man Steuern zahlen will – es sind die konkreten Lebensumstände, die dies letztlich bestimmen», sagt Beobachter-Steuerexperte Martin Müller.

Massgebend sei nicht die Postadresse, sondern der tatsächliche Lebensmittelpunkt. Um diesen zu ermitteln, würden die Behörden genau hinschauen: «Wo verbringt man die meiste Zeit? Wo kauft man ein? Wo verbraucht man mehr Strom und Wasser?»

Der Mann muss nun die Steuern für die Jahre 2017 bis 2019 sowie die Gerichtskosten von 3000 Franken tragen.

Schweiz · Fasnacht

Schärfere Brandschutzkontrollen stinken vielen Cliquen

Gedämpfte Stimmung an den «drey scheenschte Dääg». (Foto: Unsplash/Uwe Conrad)

Wenn etwas furchtbar Schlimmes geschieht, geht für eine gewisse Zeit auch die Leichtigkeit verloren. In der Schweiz steht die Fasnacht an, morgen schon geht es in Luzern mit dem Schmutzigen Donnerstag los, am 23. Februar ist Morgestraich in Basel. Ein paar unbeschwerte Tage sollen es werden, aber wie geht unbeschwert keine zwei Monate nach Crans-Montana?

Dort, wo ich als Teenager Fasnacht gefeiert habe, gab es viele Kellerpartys. Wenn das Motto zum Beispiel etwas mit Geistern und Vampiren zu tun hatte, schmückten die Cliquen das Gewölbe mit sehr, sehr vielen künstlichen Spinnweben. Damals durfte man noch drinnen rauchen, dafür gab es keine Türsteher:innen oder Notausgänge. Man darf gar nicht daran denken.

Die NZZ tut es zum Glück trotzdem und berichtet über die Folgen, welche die Brandkatastrophe in der Silvesternacht für die Basler und Luzerner Fasnacht hat. Da viele der Kellergewölbe unter der Altstadt über keine Notausgänge verfügen, greife die Feuerpolizei hart durch. Allein in Basel werden über 70 Keller penibel kontrolliert, um ein ähnliches Unglück zu verhindern.

Besonders die strikte Begrenzung der Personenzahl sorgt dabei auch für Unmut. In Kellern mit nur einem Zugang dürfen sich maximal 50 Personen aufhalten. Das trifft grosse Cliquen, da ihre Züge oft deutlich mehr Mitglieder zählen. «Für viele Cliquen wird es kaum möglich sein, innert weniger Tage eine gute Alternative zu finden», sagt Patrice Cron vom Fasnachts-Comité.

Während in Luzern die Lage aufgrund grosszügigerer Lokalitäten entspannter bleibt, patrouilliert die Feuerpolizei auch dort verstärkt. Ziel ist es, Sicherheit zu gewährleisten, ohne die Authentizität des Brauchtums zu ersticken.

🤖 Fail des Tages

Grün ist Weiss und Weiss ist Grün

Werte sind für die SVP nicht verhandelbar. Die Realität hingegen schon. (Screenshot: Watson)

Die SVP wirbt ja gerne mit «Schweizer Qualität». Mit dem Bild, das die Waadtländer SVP nun aber für ihren Wahlkampf genutzt hat, erlitt die Partei schneller Schiffbruch, als Christoph Blocher Nein sagen kann.

Darauf zu sehen: ein Mann mit seinem mutmasslichen Sohn im mutmasslichen Lavaux an den mutmasslichen Gestaden des Genfersees. Und irgendwo ist da auch noch eine Flagge, die ganz offensichtlich bei Temu bestellt wurde. Alles an dieser Kantonsfahne ist kreuzfalsch: Grün und Weiss sind vertauscht, der Wahlspruch «Liberté et Patrie» wurde verstümmelt, das Format stimmt nicht.

Aber auch bei der Umgebung halluzinierte die künstliche Intelligenz der SVP zünftig. Steht da der Turm der Luzerner Kapellbrücke in den Weinbergen, der Berner Blutturm, oder ist das eine Referenz an die Torre in der Toskana?

Man weiss es schlicht nicht. Und die SVP wohl auch nicht. Darum hat sie den Beitrag, der für viel Spott im Netz gesorgt hatte, gemäss Watson kurzerhand wieder von ihrem offiziellen Kanal gelöscht.

Kurz-News

Karl Lüönd gestorben · Der Schweizer Journalismus verliert eine seiner prägendsten Figuren: Karl Lüönd ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Der gebürtige Urner prägte über Jahrzehnte die Medienlandschaft, unter anderem als stellvertretender Chefredaktor beim Blick und als Gründer der «Züri-Woche». Für sein Lebenswerk erhielt er 2007 den Zürcher Journalistenpreis. Lüönd hinterlässt neben seiner Partnerin drei Kinder und sieben Enkelkinder.

Kein Geld für Flugabwehr · Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte) scheitert beim Ausbau der Flugabwehr vorerst am Geld. Für Systeme wie Iris-T oder Skyranger fehlen dem VBS die nötigen Anzahlungen in Millionenhöhe. Da die Rüstungsindustrie ausgelastet ist, verzögern sich Lieferungen ohne Vorauszahlung bis in die 2030er-Jahre, berichtet SRF. Grund ist auch ein finanzieller Planungsüberhang von 600 Millionen Franken aus der Amtszeit seiner Vorgängerin Viola Amherd (Mitte).

Steff la Cheffe sagt Konzerte ab · Die Berner Rapperin Steff la Cheffe nimmt sich eine Auszeit auf unbestimmte Zeit. Sie verschiebt gemäss Berner Zeitung den Release ihres Albums Stoff sowie alle Konzerte. «Mein Kopf und mein Körper brauchen dringend Ruhe», schreibt sie auf Facebook. Trotz intensiver Vorbereitung sei die Belastung zu gross geworden. Laut Management gibt die Künstlerin vorerst keine weiteren Statements ab. Das Album war für den 27. Februar geplant.

International

Amoklauf in Kanada · Bei einem Amoklauf im kanadischen Tumbler Ridge hat ein bewaffneter Täter zehn Menschen getötet. Der Schütze eröffnete das Feuer in einer High School sowie in einem Wohnhaus und verletzte zudem etwa 25 Personen. Unter den Todesopfern befinden sich sieben Menschen aus der Schule und zwei Personen aus dem Wohnhaus; auch der Täter ist tot. Er soll sich die tödlichen Verletzungen gemäss New York Times selbst zugefügt haben. Das Motiv ist noch unklar.

Britney Spears verkauft ihre Hits · Britney Spears hat gemäss Guardian die Rechte an ihrem Musik-Katalog verkauft. Der Musikverlag Primary Wave soll Hits wie Toxic und Baby One More Time bereits am 30. Dezember erworben haben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die 44-Jährige, die 2021 aus einer langjährigen Vormundschaft befreit wurde, äusserte sich bislang nicht dazu. Zuvor hatte sie betont, keine Comeback-Pläne zu haben.

📻 Nützliches des Tages

Radio-Garten

All we hear is radio ga ga garden. (Screenshot: radio.garden)

Erstaunlich, wie viel man über ein Land erfährt, wenn man einfach mal nur zuhört. Wie es dort auf den Strassen oder im Supermarkt klingt, wie die Leute miteinander reden, welche Musik sie mögen. Deshalb schalte ich, sobald ich irgendwo ankomme, wo ich noch nie gewesen bin, gerne das Radio ein.

Dank der grossartigen Seite radio.garden kannst du dich auf eine Horchsafari rund um den Globus begeben, während du noch im Pyjama bist.

Ich war heute schon auf den Philippinen, an der US-Westküste und kurz in Bern. Hängengeblieben bin ich aber in Grönland, wo das Radio gerade Lieder spielte, die ich so noch nie gehört hatte: archaisch, mystisch, wunderschön.

Gute Reise! 🌍

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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