Guten Morgen {{vorname}}
In diesem 6iBrief kommen wieder sehr viele Männer vor. Männer, die sich die Hände schütteln. Männer, die klagen. Und Männer, die klüngeln.
Deshalb gehören die einleitenden Zeilen der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Von ihr stammt ein kluges Zitat, das mir vom diesjährigen WEF hängen bleiben wird: «Wenn Freund:innen sich die Hände schütteln, muss das etwas bedeuten.»
Schweiz · WEF
Schweiz zögert, Selenski wettert, Musk langweilt

Gestern am WEF: Wolodimir Selenski schüttelt Donald Trumps Hand. (Screenshot: NZZ/Reuters)
Die Einladung zu US-Präsident Donald Trumps neuem, umstrittenem «Friedensrat» sorgt in Bern für rote Köpfe. Während FDP-Aussenminister Ignazio Cassis am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos GR betonte, man müsse die Initiative erst «genau prüfen» und mit Europa diskutieren, wächst gemäss SRF die Kritik im Parlament.
SP-Nationalrat Eric Nussbaumer fordert eine klare Absage an das US-Gegenprojekt zur Uno: «Mich erstaunt, dass der Bundesrat ein bisschen alles prüft, was jetzt da aus Washington kommt.» Auch Elisabeth Schneider-Schneiter (Mitte) mahnt zur Zurückhaltung.
Der Grund für das Zögern der Landesregierung sei taktisch, heisst es im Artikel: Man will Trump nicht verärgern, um das wichtige Zollabkommen bis März zu sichern.
In seiner gestrigen Rede am WEF hat Wolodimir Selenski den Europäern die Leviten gelesen, berichtet derweil die NZZ.
Der ukrainische Präsident bezeichnete den Kontinent als «Salat» aus Kleinmächten, dem es an Geschlossenheit und Entschlossenheit gegenüber Russland fehle.
Zuvor traf er Donald Trump zu Gesprächen über dessen Friedensplan. Trotz Sicherheitszusagen der USA bleibt die Lage kritisch. Selenski forderte von Trump erneut dringend Raketenabwehrsysteme gegen russische Angriffe.
Ebenfalls eine Rede am WEF hielt dann noch der Milliardär Elon Musk. Er erklärte gemäss Tages-Anzeiger, dass er als Kind gerne Science-Fiction gelesen und mit Technologie experimentiert habe. Er wolle «Star Trek» in Wirklichkeit sehen, sagte Musk, um auf andere Planeten reisen zu können.
Alles in allem, hält der Autor des Artikels fest, sei es ein ziemlich fader Auftritt gewesen: «Ist Musk am Ende selbst zu einem Langweiler geworden?»
Schweiz · Landwirtschaft
Die Schweiz versinkt in ihrer Milch

Gutes Futter, mehr Milch: Bauer Lukas Dissler-Brun im Stall. (Screenshot: Zentralpuls)
Ich persönlich mag keine Milch im Kaffee. Und im Curry lieber Tofu als Fleisch. Das allein ist aber ganz bestimmt nicht der Grund, weshalb die Schweiz derzeit in ihrer Milch versinkt und auf ihrem Fleisch sitzen bleibt.
Eine Kombination aus exzellenter Futterqualität und sinkenden Exporten habe zu massiven Übermengen geführt, berichtet etwa Zentralplus. Für manche Landwirtinnen und Landwirte habe dies existenzbedrohende Folgen.
Ab Februar wird die Milchmenge, die über dem Vorjahresniveau liegt, nur noch mit 15 Rappen pro Kilogramm vergütet.
Für Milchbauern wie Lukas Dissler-Brun aus Wolhusen LU ist das bitter: Während das Futter für eine seiner Kühe pro Tag etwa 9 Franken kostet, bringt ihre Milch bei diesem Tarif nur 4.50 Franken ein. Dissler-Brun sagt: «Somit ist das ein Verlustgeschäft und ich arbeite gratis.»
«Wer einkauft, sollte bewusster Schweizer Produkte wählen.»
Aber auch die Schweinezüchter:innen stehen gemäss der Zeitung mit dem Rücken zur Wand. Innerhalb weniger Wochen sank der Schlachtpreis massiv. Markus Käppeli, Züchter aus Hildisrieden LU: «Im Alltag merke ich die Krise vor allem über den Preis.»
Den Bäuerinnen und Bauern bleibe oft nur das Warten auf bessere Zeiten, heisst es im Artikel weiter. Milchbauer Dissler-Brun hofft derweil auf die Kundschaft: «Wer einkauft, sollte bewusster Schweizer Produkte wählen.»
Schweiz · Tempel-Deal
Maudet hatte einen heimlichen Helfer – einen Grünen

Affären schaden ihm nicht: Pierre Maudet bei seiner Wiederwahl. (Screenshot: Tribune de Genève/Magali Girardin)
Das politische Comeback des Genfer Staatsrats Pierre Maudet (parteilos, zuvor FDP) im Jahr 2023 sorgt erneut für Schlagzeilen.
Recherchen der Tribune de Genève decken auf, dass der damalige Grünen-Kandidat Lakshmi Sripada im Hintergrund massiv für Maudet weibelte, indem er die hinduistische Gemeinschaft gezielt zur Wahl Maudets aufrief.
In einer Nachricht an die Community forderte Sripada: «Ich möchte Sie in aller Bescheidenheit darum bitten, ausschliesslich Herrn Pierre MAUDET zu unterstützen (...). Bitte stimmen Sie ausschliesslich für ihn und für keinen anderen Kandidaten auf der Liste.»
Als Grund nannte Sripada ein konkretes politisches Geschäft: «Er hat versprochen, uns in unserem Vorhaben, in Genf einen Tempel zu bauen, zu unterstützen, wenn er gewählt wird.»
Die Zahlen der Staatsratswahlen 2023 stützen den Verdacht einer gezielten Kampagne: Über 6’300 Wähler wählten ausschliesslich Maudet – zehnmal mehr als bei anderen Kandidaten.
Maudet selbst wiegelt ab: «Alle Parteien gehen im Wahlkampf auf Vereine und Dachorganisationen zu», dies sei «kein ungewöhnliches Vorgehen».
Die Grünen distanzierten sich sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe von Sripada.
🏆 Zitat des Tages
«Bleibt weg von den USA!»

Kennt die Fifa aus dem Effeff: Antikorruptionsexperte Mark Pieth. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Walter Bieri)
Nur noch 139 Mal schlafen, dann beginnt die Fussball-WM. So dachte ich früher.
Doch seit der Winter-WM in Katar (2022) lässt mich der Megaevent eher kalt. Und als Fifa-Präsident Gianni Infantino jüngst US-Präsident Donald Trump einen Friedenstrostpreis überreicht hatte, wusste ich nicht so recht, ob ich lachen oder weinen sollte. Dass das Finalspiel am 19. Juli ausgerechnet in den USA angepfiffen wird, macht es auch nicht gerade einfacher.
So ähnlich sieht das auch der Schweizer Antikorruptionsexperte Mark Pieth. In einem bemerkenswerten Interview mit dem Tages-Anzeiger rät der Jurist den Fans: «Bleibt weg von den USA! Ihr seht es am Fernseher sowieso besser.»
Denn: Bei der Einreise müsse man damit rechnen, dass man, wenn man den US-Beamten nicht gefalle, direkt in den nächsten Flieger nach Hause geschickt werde. «Wenn sie Glück haben.»
Strafrechtsexperte Pieth findet auch deutliche Worte in Bezug auf die aktuelle Situation in den USA unter Trump: «Die USA sind in Bezug auf die Sicherheit in einer ähnlichen Situation wie Mexiko. In Mexiko sind es die Drogenbanden, die mit Übergriffen drohen, in den USA ist es ein autoritär werdender Staat.»
Ich würde dir also vorschlagen, besser ans Gurtenfestival in Bern zu gehen. Das dauert bis zum 18. Juli. Und wenn du es richtig machst, verpennst du glücklich und zufrieden den Finaltag.
Kurz-News
Evakuierung wird aufgehoben · Das Bündner Bergdorf Brienz kann ab Montag wieder normal bewohnt werden, berichtet SRF. Nach über einem Jahr werde die Evakuierung beendet, da sich der Berg laut Expert:innen stark beruhigt habe. Ab heute Nacht dürfen Bewohner:innen erstmals wieder im Dorf übernachten, ab Montag gilt dann Phase Grün für alle. Auch Landwirtschaft und Postautoverkehr kehren zum Normalbetrieb zurück.
Hackerangriff auf Privatradio · Die Energy Gruppe wurde gemäss Limmattaler Zeitung Opfer einer Cyber-Attacke. Hacker:innen griffen am Dienstag auf eine Datenbank zu und kopierten Daten von rund 85'000 Ticketgewinner:innen der letzten zwei Jahre. Betroffen sind Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Teilnehmenden der Events «Energy Air» und «Energy Stars Night». Besitzerin Ringier hat Anzeige erstattet und den Datenschutzbeauftragten informiert. Die Betroffenen wurden kontaktiert.
Falscher Spitex-Mitarbeiter · In Winterthur ZH hat ein Unbekannter versucht, eine 91-jährige Frau zu bestehlen. Er gab sich in ihrer Wohnung als Mitarbeiter der Spitex aus und entwendete Schmuck. Als die Seniorin den Schwindel bemerkte, gab der Täter die Beute zurück und floh. Die Stadtpolizei Winterthur hat Ermittlungen aufgenommen und warnt gemäss Blick vor derartigen Betrugsversuchen.
International
Tiktok bleibt online · Das US-Geschäft der Video-App Tiktok wurde nach monatelanger Hängepartie in eine neue Firma überführt. Bytedance behält knapp 20 Prozent, verliert aber die Kontrolle. Hauptinvestoren seien Oracle, Silver Lake und MGX, so der Tages-Anzeiger. Hintergrund des Deals waren Sicherheitsbedenken. Das US-Gesetz schreibt vor, dass weder die chinesische Regierung noch Bytedance Kontrolle über den Algorithmus haben dürfen.
Öltanker gestoppt · Die französische Marine hat im Mittelmeer einen mutmasslich sanktionierten Öltanker aus Russland gestoppt und umgeleitet. Das Schiff soll unter falscher Flagge gefahren sein. Präsident Emmanuel Macron bestätigte gemäss Watson den Einsatz. Die Justiz leitete Ermittlungen ein. Frankreich wirft der russischen Schattenflotte vor, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
🎸 Nützliches des Tages
«I want my MTV!» – Voilà

Ihre Musikvideos waren/sind legendär: Madonna. (Screenshot: Tages-Anzeiger)
«Es kommt!», rief aus dem Keller der Schulfreund. Und ich rannte die Treppe runter, so schnell ich konnte. Das berühmte Gitarrenriff schepperte schon aus der TV-Kiste – und dann gab es kein Halten mehr: Wir liessen zu «Smells Like Teen Spirit» von Nirvana die Sau raus.
Ja, so alt bin ich.
Statt Youtube und Spotify gab es in den Neunzigern MTV: Keine Headbanger auf Knopfdruck, sondern stundenlanges Warten auf das Lieblingsmusikvideo.
Vor ein paar Tagen wurde nun bekannt, dass MTV auf Ende Jahr alle seine internationalen Musikkanäle abschaltet – 44 Jahre nach «Video Killed the Radio Star».
Das ist aber, auch für Kulturpessimist:innen, kein Grund zum Verzagen. Zu verdanken haben wir das einem anonymen Programmierer namens Louis. Der habe, so steht es im Tages-Anzeiger, im Internet ein gewaltiges Archiv geschaffen, das über 50'000 Musikvideos umfasse.
Besonders die «Shuffle All»-Funktion fängt den Geist des alten Senders ein: Man entdeckt vergessene Perlen, freut sich über alte Bekannte, und dazwischen gibts die kultigen und witzigen MTV-Logoclips.
Bei mir läuft die Seite gerade ununterbrochen. «Smells Like Teen Spirit» ist indes, auch nach inzwischen fünf Stunden Wartens, immer noch nicht über den Laptopbildschirm geflimmert.
Nicht nur was für Nostalgiker:innen!
PS: Für alle, die das Thema beim Worträtsel vermissen: Auch da geht es heute um Musik. 🪗
🔧 Witziges zum Schluss
Witziges der Woche*
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🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
Danke fürs Lesen – und bis nächsten Montag!
Peter



