Guten Morgen {{vorname}}
«Merci, grazie, grazcha, danke an alle, die mich während meines Präsidialjahres begleitet haben», schrieb Karin Keller-Sutter in ihrem letzten Tweet. Seit Ende 2025 steht in ihrem Profil: «Dieses Konto ist nicht mehr aktiv.»

Karin Keller-Sutter findet auf Elon Musks Schmuddelportal X aber immer noch statt. So hat ein User die KI Grok aufgefordert, die Bundesrätin aufs Übelste sexistisch zu beleidigen. Und natürlich liess sich der vulgäre Bot nicht zweimal bitten.

Möglicherweise drohen dem Mann (und hoffentlich auch Musk) nun juristische Konsequenzen: KKS hat – endlich – Anzeige erstattet.

Schweiz · Digitale Gewalt

KKS vs. Grok

Digitale Schmähungen haben juristische Konsequenzen. (Bild: Grok)

Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) hat Strafanzeige wegen Verleumdung und Beschimpfung erstattet. Auslöser war ein X-Nutzer, der den KI-Chatbot Grok dazu brachte, die Magistratin mit vulgären und sexistischen Sätzen zu beleidigen.

Der Fall könnte gemäss der Zeitung Der Bund zu einem Pilotprozess führen, da bisher keine einschlägige Rechtsprechung zur Haftung bei KI-generierten Beleidigungen existiert.

Laut Strafrechtsprofessorin Monika Simmler dient die KI hier als Tatwerkzeug: «Um sich strafbar zu machen, muss man ein Delikt nicht mit eigenen Händen begehen.» Es sei gefährlich, wenn man sich darauf herausreden könnte, die KI habe den Text verfasst.

«Solcher Frauenhass darf nicht als normal oder akzeptabel empfunden werden.»

Pascal Hollenstein, Sprecher EJPD

Laut Keller-Sutters Sprecher Pascal Hollenstein müsse man sich gegen derartige frauenfeindliche Äusserungen ganz grundsätzlich zur Wehr setzen. «Solcher Frauenhass darf nicht als normal oder akzeptabel empfunden werden.»

Die Anzeige richtet sich gegen unbekannt und nimmt auch den Verantwortlichen der Plattform X ins Visier – also Elon Musk. Sollte dieser die Verbreitung solcher Inhalte bewusst in Kauf genommen haben, drohen dem Unternehmen Bussen von bis zu fünf Millionen Franken.

Während der Verfasser des Prompts von einer «harmlosen technischen Übung» spricht, zeigt die Anzeige, dass digitale Schmähungen reale juristische Konsequenzen haben.

Schweiz · Wohnungsnot

Viele zahlen mehr als 30 Prozent vom Einkommen für Miete

Teures Pflaster: Zürich. (Foto: Unsplash/Francesco Zivoli)

Wohnungsnot als existenzielle Bedrohung: Fast 40 Prozent der Schweizer Mietenden geben mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Dies zeigt das aktuelle Mietbarometer des Forschungsinstituts Sotomo. Besonders betroffen sind alleinstehende Frauen und Personen über 55 Jahre.

Michael Töngi, Vizepräsident des Mieterinnen- und Mieterverbandes, warnt auf SRF vor den Folgen: «Wenn jemand mehr als 30 Prozent des Einkommens für die Miete ausgeben muss, dann ist das eigentlich zu viel. Das Geld fehlt dann häufig an einem anderen Ort.»

Trotz des finanziellen Drucks wehren sich nur wenige gegen hohe Forderungen oder fordern rechtmässige Senkungen ein. Grund dafür ist ein Machtgefälle. Laut Larissa Steiner vom Zürcher Mieterverband haben viele Menschen Angst vor einer Kündigung: «Die Spiesse sind derart ungleich, dass es völlig nachvollziehbar ist, wenn man sich da eingeschüchtert fühlt.»

Da Löhne nicht mit den Mietpreisen mithalten können, fordert der Verband nun staatliche Kontrollen und die automatische Weitergabe von Mietzinssenkungen. Das Ziel ist klar: Wohnen muss bezahlbar bleiben, ohne dass Mietende um ihr Obdach fürchten müssen.

⚽ · «Trump-WM»

Menschenrechte als Nebensache

Donald Trumps FIFA-Friedenspreis, WM-Trophäe. (Screenshot: Spiegel/Abacapress)

Knapp zweieinhalb Monate vor dem Start der Männer-Fussball-WM 2026 in Nordamerika warnt Amnesty International eindringlich vor Menschenrechtsverletzungen. Besonders die USA unter Präsident Donald Trump stehen im Fokus: Die dortige Einwanderungspolitik stelle eine «akute Bedrohung» für Fans, migrantische Communities und Spieler dar.

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, findet im Spiegel deutliche Worte: «Die WM 2026 droht mehr Repression als Fussball zu liefern.» Sollten Razzien, Massenfestnahmen und Einreiseverbote anhalten, werde das Turnier zum «Symbol staatlicher Einschüchterung». Auch in Mexiko und Kanada sieht die Organisation wachsende Risiken durch Militäreinsätze und die Verdrängung Obdachloser.

Trotz dieser Warnungen sowie internationaler Spannungen aufgrund der US-Politik im Iran und in Grönland hält die FIFA an ihrem Kurs fest. Präsident Gianni Infantino, der Kriegspräsident Trump Ende 2025 einen Friedenspreis verlieh, verspricht eine «friedliche und fröhliche Atmosphäre».

Amnesty hingegen befürchtet, dass Proteste von Fans unterdrückt werden könnten. In den USA finden 78 der insgesamt 104 Spiele statt, darunter auch das Finale.

Für den Journalisten und Autoren Ronny Blaschke ist die Endrunde vor allem eine PR-Chance für den angeschlagenen US-Präsidenten. Man könne sich sicherlich darauf einstellen, dass es sehr viele «America First»-Anlässe geben werde, sagt er auf SRF. «Alles in allem definitiv eine Trump-WM.»

PS: Eine WM ohne Italien ist eh keine WM.

🖌️ Zitat des Tages

«Wir gehören alle zur gleichen unvollkommenen Spezies.»

Felix Schaad über digitale Helferlein: «Zum Denken taugen sie nicht.» (Screenshot: Tages-Anzeiger/Urs Jaudas)

Im Jahr 2005, kurz nachdem ich beim Tagi angefangen hatte, hörte Nico (1937–2011) auf. Der legendäre Zeichner, mit bürgerlichem Namen Klaus Peter Cadsky, prägte die Zürcher Tageszeitung 37 Jahre lang mit seinen Cartoons.

In Nicos grosse Fussstapfen trat Felix Schaad, ein nicht minder genialer Comiczeichner aus Winterthur. Es ist kein Geheimnis: Während so manche oder so mancher den 6iBrief bloss wegen des Worträtsels abonniert hat, blättern viele nur wegen Schaads Zeichnungen durch den Tagi.

Damit ist jetzt Schluss. Felix Schaad geht in Pension, vergangene Woche ist sein letzter Cartoon für die Tamedia-Publikation erschienen. In einem lesenswerten Interview mit seiner Hauszeitung sagt er über sein täglich Brot: «Von aussen gesehen wirkt der sogenannte kreative Prozess ja äusserst unseriös: Man hängt im Stuhl, man trinkt Kaffee, man lümmelt ein bisschen herum – und am Schluss sagt man trotzdem, man habe gearbeitet. Und ich behaupte sogar: Das ist schwerste Arbeit.»

Schaad bezeichnet sich im Gespräch als einen «Anhänger des einschliessenden Lachens». Es gebe Karikaturisten, bei denen man den Eindruck habe, sie hassten abgrundtief manche Leute, die sie zeichneten. «So bin ich nicht.» Es entspreche ihm, wenn auch die Person, auf die die Karikatur ziele, darüber lachen könne. Einschliessendes Lachen bedeute: über uns alle lachen. «Ein Lachen, das ausdrückt: Wir gehören alle zur gleichen unvollkommenen Spezies.»

Neuer Karikaturist beim Tagi wird übrigens Marco Arrigoni. Ich freue mich. Auch auf das neue Bilderrätsel: Ists ein Arrigoni – oder doch ein Ruedi Widmer?

Kurz-News

Munition bleibt · Die Räumung des Munitionslagers Mitholz ab 2033 wird komplizierter als geplant, berichtet die NZZ. Ein Bericht der Finanzkontrolle zeigt: Munition liegt teils so tief, dass sie im Boden bleiben muss. Eine komplette Reinigung wäre zu teuer. Trotz des 2,59-Milliarden-Kredits drohen der Landwirtschaft dauerhafte Nutzungseinschränkungen. Die Politik prüft nun günstigere Varianten, während die SVP den Stopp des Grossprojekts fordert.

GA wird teurer · Ab Dezember 2026 steigen die Preise im ÖV um durchschnittlich 3,9 Prozent. Grund für den Aufschlag sind laut Alliance Swisspass höhere Kosten für Energie, Personal und den Angebotsausbau. Während Tarife für Kinder und Familien stabil bleiben, trifft es Abos: Das 2.-Klasse-GA dürfte die «Schmerzgrenze» von 4000 Franken überschreiten, schreibt Nau. Der Konsumentenschutz kritisiert die Belastung für Haushalte.

Gülsha geht · Der Podcast «Zivadiliring» endet abrupt und sorgt für Fan-Frust: Gülsha Adilji steigt per sofort aus, weshalb die letzten Liveshows nur zu zweit stattfinden. Während viele Hörer:innen Verständnis zeigen, drohen andere mit Boykott. Die verbleibenden Gastgeberinnen Yvonne Eisenring und Maja Zivadinovic wollen dennoch «alles geben», schreibt der Tages-Anzeiger. Grund für das Aus sind offenbar Differenzen über die Weiterentwicklung.

International

Ballsaal gestoppt · Ein Bundesrichter hat den Bau eines Ballsaals fürs Weisse Haus per Verfügung unterbrochen. Der Richter entschied, dass Trump als Verwalter nicht ohne Zustimmung des Kongresses eigenmächtig umbauen darf. Zudem sei die Finanzierung durch private Spender aus der Tech-Branche problematisch, schreibt Watson. Trump wetterte über «radikal-linke Wahnsinnige», die ein ohne Steuergelder finanziertes Projekt verhinderten.

Nervenkitzel in Paris · Am Eiffelturm fasziniert die neue Hängebrücke «Le Vertige de la Tour» Touristen und Einheimische. Das 40 Meter lange, schwankende Sicherheitsnetz ist zwischen zwei Pfeilern gespannt und bietet einen freien Blick in die Tiefe. Laut Direktor Patrick Branco-Ruivo will man damit in der Nebensaison «Emotionen wecken». Die Attraktion ist noch bis zum 3. Mai für Schwindelfreie geöffnet, berichtet die deutsche Tagesschau.

🚘 Nützliches des Tages

Stauradar

Osterphänomen: Blechlawine. (Foto: Unsplash/Kathy)

Wenn du Ostern im Tessin verbringen willst und diese Zeilen nicht in Locarno oder Lugano liest, hast du als Automobilist:in womöglich ein kleines Verkehrsproblem. Denn um kilometerlange Staus vor dem Gotthardtunnel zu umgehen, empfehle sich die Durchfahrt bereits am Dienstag (also gestern) oder am Mittwoch (also jetzt), heisst es im Beobachter.

Damit die Reise sicher (und ohne teure Bussen) verläuft, gibt es vom Magazin noch ein paar nützliche Tipps:

  • Der Pannenstreifen ist ausschliesslich für Nothalte reserviert, weshalb das Rechtsüberholen zur nächsten Raststätte streng untersagt ist.

  • Eine Rettungsgasse sollte frühzeitig zwischen der linken und den rechten Spuren gebildet werden.

  • Zum korrekten Verhalten im Stau gehört es, die Warnblinker beim Auffahren zu nutzen und den Motor bei einem Stillstand von über 20 Sekunden abzustellen.

  • Aus Gründen der Sicherheit darf die Autobahn grundsätzlich nicht betreten werden.

  • Das Lesen am Steuer ist laut Bundesgericht nur erlaubt, wenn die Aufmerksamkeit für den Verkehr gewahrt bleibt, während das Telefonieren ohne Freisprechanlage verboten bleibt.

Für die Rückreise am Ostersonntag oder Ostermontag ist erneut mit Blechlawinen zu rechnen. Apps wie die TCS-App helfen dabei, die aktuelle Lage zu prüfen und alternative Routen zu finden. Gute Fahrt!

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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