Guten Morgen {{vorname}}
Freund:innen von Good News gehen heute vermutlich besser auf direktem Weg ins Irish Pub. Denn auf dem Umweg via 6iBrief lauern ein paar Stimmungskiller: Der Jugend schlagen Kriege und Krisen aufs Gemüt, in den Bergbahnen breiten sich Bullys aus, und in Frankreich feiert die rechtsextreme Marine Le Pen einen Wahlerfolg.

Die Welt ist aber nicht immer nur ungerecht. Nachdem der Regisseur Paul Thomas Anderson in den vergangenen drei Jahrzehnten elfmal für einen Oscar nominiert worden war, erhielt er nun endlich die hochverdiente Auszeichnung für seinen Film «One Battle After Another».

Meiner Meinung nach hätte Anderson den Oscar bereits für «Magnolia» (1999) erhalten sollen. In der Schlüsselszene des Films singen die Protagonist:innen einen wunderschönen Song der brillanten Künstlerin Aimee Mann. Die Botschaft könnten sich die Männer und Frauen, die für all die Bad News verantwortlich sind, zu Herzen nehmen: Kommt endlich zur Vernunft. It’s not going to stop till you wise up. 🐸

Schweiz · Jugendstudie

Jugendliche verlieren Vertrauen in eigene Kraft

Zukunftsangst: Junge Frauen leiden besonders. (Foto: Unsplash/Simran Sood)

Stress in der Schule oder am Arbeitsplatz, eine Welt, die aus den Fugen gerät, süchtig machende Algorithmen: Schweizer Jugendlichen ging es schon besser. Gemäss einer neuen Studie von Pro Juventute und der Uni Zürich nimmt die psychische Belastung unter den 14- bis 25-Jährigen zu.

Ein Drittel der Jugendlichen macht sich Sorgen um die Lage der Welt und die Gesellschaft. Während sich 2024 rund ein Viertel der Befragten durch Kriege belastet fühlte, sind es heute 40 Prozent.

Besonders Mädchen, junge Frauen und Jugendliche mit Migrationshintergrund stehen unter Druck. Als wichtigster Stressfaktor wird die Ausbildung genannt. «Über ein Drittel der Jugendlichen setzt dies unter Druck, bei jungen Frauen fast jede zweite», schreibt Pro Juventute.

Obwohl sich 88 Prozent grundsätzlich wohlfühlten, sei etwa das schwindende Vertrauen in die eigene Kraft besorgniserregend. Nur noch etwa ein Drittel der Befragten glaube, Probleme aktiv lösen zu können.

Während soziale Medien für viele stimmungsaufhellend wirken, schätzt dennoch jede:r Fünfte den eigenen Konsum als problematisch ein.

Laut der Studie wendet sich bereits jeder zehnte Jugendliche bei Sorgen an eine Künstliche Intelligenz wie ChatGPT. Damit sei KI als Ratgeber inzwischen genauso gefragt wie professionelle Fachstellen oder Notrufnummern.

Wenn du heute etwas Balsam für die Seele benötigst und zufällig in Bern bist, empfehle ich dir einen Besuch im Kino Rex. Dort läuft um 18 Uhr die Vorpremiere von Tatti – Land der Träume. Ein gemäss der Zeitung Bund «magischer Film über Zuversicht und die Kraft der Gemeinschaft». Offizieller Kinostart ist dann übermorgen Donnerstag.

Schweiz · Gewalt im ÖV

Fahrgäste pöbeln jetzt auch im Bergbähnli

Die Bahn steigt, das Niveau sinkt. (Foto: Unsplash/Xavier von Erlach)

Über 4000 Meter gibt es keine Moral mehr, lautet ein bekannter Bergsteigerspruch. Offenbar verschiebt sich diese Grenze gerade nach unten. Gemäss der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) werden Angestellte im Freizeitverkehr immer häufiger geschubst und beschimpft.

Betroffen sind etwa die Jungfraubahnen. Lukas Mathyer, Leiter des Zugdienstes, sagt gegenüber SRF: «Der Ton wird rauer – vor allem seit der Coronapandemie ist der Respekt kleiner geworden.» Besonders belastend sei das unerlaubte Filmen des Personals durch renitente Fahrgäste. Die Jungfraubahnen reagieren mit Warnhinweisen und Kursen für Mitarbeitende.

Während die Gewerkschaft fordert, dass Bahnpersonal nie alleine unterwegs sein sollte, setzen die Bahnen also vorerst auf Deeskalationstraining.

Da die SBB bereits zehn Vorfälle pro Tag verzeichnen, ist noch vor dem Sommer ein runder Tisch mit dem Bundesamt für Verkehr geplant, um Lösungen gegen die steigende Aggressivität zu finden.

Aber auch auf dem Berg spüren sich manche Gäste nicht. Schweizer Hüttenwart:innen beklagen gemäss Blick zunehmend Vandalismus und schlechtes Benehmen: Gäste hinterlassen Abfall, zerstören Mobiliar in Winterräumen oder nutzen die Hütten lediglich als Kulisse für soziale Medien.

Schweiz · Finanzpolitik

Grüne verzichten auf Referendum gegen Sparpaket

Fordert Lockerung der Schuldenbremse: Lisa Mazzone. (Screenshot: NZZ/Peter Schneider)

Überraschende Kehrtwende bei den Grünen: Die Partei verzichtet auf den angekündigten Grosskampf gegen das Entlastungspaket 2027. Gestern zog sie ihre Referendumsdrohung zurück, obwohl zeitgleich im Internet noch Spenden für die Abwehr des «Abbaupakets» gesammelt wurden.

Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone begründet den Schritt gemäss NZZ damit, dass der zuvor aufgebaute Druck die erhoffte Wirkung bereits gezeigt habe: Das Parlament verzichtete bei Umwelt und Verkehr auf einige vom Bundesrat geplante Kürzungen.

Ein weiterer Grund für den Rückzug: Über die Hälfte der Einsparungen untersteht gar nicht dem Referendum, da sie keine Gesetzesänderungen erfordern. Dass auch der Druck der SP ausschlaggebend war, bestreitet Mazzone.

Die finanzpolitische Auseinandersetzung ist damit jedoch nicht beendet, sondern lediglich verschoben, heisst es im Artikel. Die Grünen nehmen nun die geplante Steuererhöhung für die Armee ins Visier. Mazzone: «Solange das Volk den Anstieg des Armeebudgets nicht gutgeheissen hat, geht es nicht an, deswegen in anderen Bereichen zu sparen.»

Die Grünen fordern stattdessen eine Lockerung der Schuldenbremse sowie neue Erbschafts- oder Finanztransaktionssteuern.

🍫 Zitat des Tages

«Meine Geheimwaffe war Schweizer Schokolade»

Dramatische Stunden und Tage: Botschafter Olivier Bangerter. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Peter Klaunzer)

Nach dem Angriff der USA und Israels auf Teheran ist der Schweizer Botschafter Olivier Bangerter nach Bern zurückgekehrt. Gemäss Tages-Anzeiger ist der Mann krisenerprobt. Als sich die Taliban in Afghanistan wieder an die Macht kämpften, arbeitete er in Kabul. Eine solche Intensität wie im Iran habe er aber noch nie erlebt, sagte Bangerter gestern vor den Medien.

Während der zwölftägigen Belagerung suchte sein Team Schutz im Keller der Residenz. «Wir sind sehr ruhig geblieben», erzählt der Diplomat. Um die Moral hochzuhalten, redete er mit den Leuten, hörte ihnen zu. «Meine Geheimwaffe war Schweizer Schokolade.»

Vor der Evakuation zerstörte Bangerter sensible Daten eigenhändig mit Hammer und Bohrmaschine. Zwei Stunden habe das gedauert, heisst es im Artikel. Anschliessend seien die Residenz und die Botschaft verriegelt worden, der Konvoi konnte losfahren.

Obwohl die Schweiz als Schutzmacht immer noch einen Gesprächskanal anbietet, ist Botschafter Bangerter skeptisch: «Auf der Seite der Iraner klingt es nicht nach Verhandlungen.» Er warnt vor voreiligen Prognosen über einen Sturz der Führung: Der Staatsapparat sei ganz klar noch nicht am Ende.

Kurz-News

Doppelnamen kehren zurück · Verheiratete dürfen künftig ihre Namen wieder kombinieren, wahlweise mit oder ohne Bindestrich. Das hat das Parlament entschieden. Auch Namen aus früheren Ehen sind gemäss SRF zulässig. Laut Ständerätin Isabelle Chassot (Mitte) verfehlte das bisherige Recht das Ziel der Gleichstellung. Kinder sind von der Neuerung jedoch ausgeschlossen; sie tragen weiterhin nur einen Namen.

Giftige Erde · PFAS-Chemikalien sind in Schweizer Böden fast flächendeckend nachweisbar, berichtet Watson. Eine Auswertung von über 1000 Proben zeige, dass 99 Prozent belastet seien. Besonders hohe Konzentrationen finden sich dort, wo Klärschlamm oder Löschschaum genutzt wurde. Expert:innen der ZHAW nennen die Ergebnisse «bedenklich», da die Stoffe kaum abbaubar sind.

Streik am Berliner Flughafen · Ein Warnstreik am Berliner Flughafen BER legt morgen Mittwoch den Passagierverkehr lahm. Davon ist gemäss Tages-Anzeiger auch die Schweiz betroffen: Die Swiss annulliert insgesamt acht Hin- und Rückflüge. Die Fluggesellschaft suche nach Alternativen für Passagiere; Betroffene können zudem kostenlos stornieren oder umbuchen. Grund für den Stillstand sind zurückgewiesene Lohnforderungen der Gewerkschaft Verdi.

International

Totaler Blackout auf Kuba · Landesweit ist gestern auf Kuba das Stromnetz komplett zusammengebrochen, berichtet CNN. Es sei der erste totale Blackout, seit eine US-Ölblockade die Treibstofflieferungen unterbunden habe. Laut Präsident Miguel Díaz-Canel erreicht die Insel seit drei Monaten kein Öl mehr. Die Folgen sind fatal: Spitäler kürzen Dienste, Schulen schliessen früher und die Lebensmittel werden knapp.

Frankreich wählt Radikale · In Frankreich triumphiert der Populismus: Nach der ersten Runde der Kommunalwahlen feiern Marine Le Pen (RN) und Jean-Luc Mélenchon (LFI) grosse Erfolge, während das Lager von Präsident Emmanuel Macron einbricht. Le Pen sprach gemäss Watson von einem «immensen Sieg», besonders im Süden des Landes. Mélenchon punktet derweil in den Vorstädten. Die gemässigte Mitte ist massiv geschwächt, was die Dynamik für die Präsidentschaftswahl 2027 grundlegend verändere.

🍻 Nützliches des Tages

Pubs

Schöne Erinnerungen: Pub in Dublin. (Foto: Unsplash/Leonhard Niederwimmer)

«Let’s have a Martini», sagte Regisseur Paul Thomas Anderson, nachdem er den Oscar für den besten Film («One Battle After Another») gewonnen hatte.

«It’s a lovely day for a Guinness», sagen heute die Irinnen und Iren. Es ist nämlich St. Patrick’s Day. Wenn du später also Menschen mit grünen Hüten oder Kobolden auf den Schultern durch die Gegend schlendern siehst, feiere am besten einfach mit.

Denn obwohl alles Gute in einer Beiz beginnt, geht es vielen Schänken im Land schlecht. Im letzten Jahr gingen fast 900 Gastrobetriebe in Konkurs, rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die Gründe: Nachwirkungen der Pandemie, Fachkräftemangel – und natürlich das berühmtberüchtigte veränderte Konsumverhalten. Was gut für die Volksgesundheit ist, ist schlecht für die Pubs.

Wie nützlich diese Lokale auch sein können, zeigt die Rubrik The pub that changed me im Guardian. Leser:innen schildern darin Anekdoten über ihre Lieblingsbeiz: An welchem Tresen sie neuen Lebensmut gefunden haben, eine gute Idee oder die Liebe ihres Lebens.

Das ist ganz schön gemacht von den Kolleg:innen in England. Der St. Patrick’s Day wäre also ein guter Tag, um wieder mal in ein Pub zu gehen. Trink ein Guinness mit einer Irin oder einem Iren. Und schreib mir dann, welche Beiz auf deinem Lebensweg eine wichtige Rolle gespielt hat. Dann gibt es vielleicht schon bald im 6iBrief die Rubrik: Die Beiz, die mein Leben verändert hat. ☘️

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Slán go fóill!

Peter

Reply

Avatar

or to participate

Keep Reading