Guten Morgen {{vorname}}
Drehte Sir David Attenborough einen Dokumentarfilm über den Veloverkehr in Schweizer Städten, würde es vielleicht so klingen: «Für die Velofahrerin steht alles auf dem Spiel. In dieser unwirtlichen Umgebung zählt jede Entscheidung. Mit unglaublicher Präzision kurvt sie um die zahlreichen Hindernisse auf der Strasse. Sie muss vorsichtig sein: Ein einziger Fehler könnte tödlich enden. Dies ist nicht bloss eine Fahrt. Es ist eine Prüfung von Kraft, Ausdauer und Timing. Was nun aber folgt, überrascht selbst erfahrene Wissenschaftler: Die Velofahrerin gibt auf, steigt ab – und geht zu Fuss zur Migros.»

Schweiz · 🚴‍♀️

Velofahrer:innen rechnen mit Städten ab: Ungenügend!

Spiessrutenfahrt: Biken in der City. (Foto: Unsplash/Ilia Bronskiy)

Wer ein Velo klaut, fällt möglicherweise auf die Nase. Weil ihm künftig höhere Bussen drohen (wir hatten gestern davon), aber auch sprichwörtlich: Für den Drahtesel sind Städte nämlich ein gefährliches Habitat. Schnell landet ein Vorderrad in der Tramschiene, und ein Veloweg endet im Niemandsland.

Wie freundlich respektive unfreundlich Städte für Velofahrer:innen tatsächlich sind, hat Pro Velo Schweiz in einem Ranking zusammengefasst. Rund 38’000 Personen haben die Situation in 56 Gemeinden bewertet. Das Resultat fällt gemäss Tages-Anzeiger ernüchternd aus: Mit einer Durchschnittsnote von 3,9 verfehlen die Schweizer Städte eine genügende Bewertung. Nur 18 Gemeinden erreichten die Note 4 oder höher.

An der Spitze steht Burgdorf (Note 4,4), gefolgt von Winterthur (4,3), das den Sieg bei den Grossstädten holte. Zürich gilt als «Aufsteigerin» des Jahres, bleibt aber trotz einer deutlichen Verbesserung mit 3,7 ungenügend. Das Schlusslicht bildet Lugano mit der Note 3,1.

Besonders kritisch beurteilen die Befragten die Bereiche Sicherheit und Komfort (beide Note 3,6). 13 Prozent gaben an, im letzten Jahr verunfallt zu sein. Pro-Velo-Vizepräsident Hasan Candan spricht von einem «Weckruf für die Politik». Es gehe schliesslich um Menschenleben.

PS: Meine Heimatstadt Bern kommt mit einer erstaunlichen 4,2 davon. Ich erkläre mir das mit Lokalpatriotismus und zitiere zur Erinnerung gerne meinen Französischlehrer nach dem Aushändigen der Voci-Prüfung: «Tja, die Notenskala reicht von 1 bis 6.»

Schweiz · 10-Millionen-Initiative

Länger arbeiten für weniger Dichtestress?

Im Grünen lässt es sich besser und länger arbeiten. (Foto: Unsplash/Centre for Ageing Better)

Domenik Ledergerber, Kantonalzürcher SVP-Präsident und Mitglied des Initiativkomitees der 10-Millionen-Initiative, rechnet bei einem Ja mit steigenden Geburtenzahlen. «Der knappe und teure Wohnraum führt heute dazu, dass sich Paare zweimal überlegen, ob sie mehrere Kinder wollen», sagt der 38-Jährige in Blick.

Damit will Ledergerber den Gegner:innen der Vorlage den Wind aus den Segeln nehmen. Diese warnen nämlich vor einem Arbeitskräftemangel, der sich noch akzentuieren könnte.

Laut Bundesrat Beat Jans (SP) ist die Schweiz auf ausländische Fachkräfte angewiesen, um «die Wirtschaft, das Gesundheitswesen und die Gesellschaft insgesamt am Laufen zu halten.» Da künftig immer weniger Beitragszahlende für eine:n AHV-Bezüger:in aufkommen, verschärfe ein Zuwanderungsstopp den Druck auf die Altersvorsorge.

Brisant: Hinter verschlossenen Türen räumen SVP-Exponent:innen offenbar ein, dass eine Begrenzung der Zuwanderung ein höheres Rentenalter zur Folge haben könnte. In einer Sitzung der staatspolitischen Kommission sagte Domenik Ledergerber: «Wir könnten auch das Pensionsalter anheben.»

«Die Initiative führt direkt zu Rentenalter 67 oder höher.»

Adrian Wüthrich, Gewerkschaftspräsident

Gegenüber Blick verteidigt Ledergerber die Aussage – und geht in die Offensive: «Länger arbeiten ist ein realistisches Szenario.» Er fordert Ehrlichkeit gegenüber dem Stimmvolk: Wenn die Bevölkerung älter werde, brauche es ein um ein bis zwei Jahre höheres Rentenalter.

Gewerkschaftspräsident Adrian Wüthrich nimmt den Steilpass derweil gerne an und sagt: «Die Initiative führt direkt zu Rentenalter 67 oder höher.»

Schweiz · 💡

Stromabkommen mit der EU ist überlebenswichtig

Will nicht im Dunkeln sitzen: Werner Luginbühl. (Screenshot: NZZ/Peter Schneider)

Der Präsident der Elektrizitätskommission (Elcom), Werner Luginbühl, fordert heute in der NZZ «in aller Deutlichkeit» ein Stromabkommen mit der EU. Angesichts der aktuellen Versorgungslage sei ein Scheitern des Vertrages für die Schweiz «höchst problematisch». Das Abkommen sei für die Versorgungssicherheit von grosser Bedeutung und müsse unbedingt angestrebt werden, so Luginbühl.

Besonders im Winter bleibt die Schweiz auf Stromimporte angewiesen. Im vergangenen Jahr konnte der Ausfall des Schweizer Atomkraftwerks Gösgen nur durch den Import von französischem Atomstrom kompensiert werden.

Zwar sind die Strompreise derzeit stabil, doch der Krieg im Iran und die Blockade der Strasse von Hormus bergen Risiken für den europäischen Gasmarkt, was indirekt die Schweizer Stromkosten beeinflussen könnte.

Zusätzlich warnt die Elcom vor dem Zustand der Infrastruktur: Zwei Drittel der Schweizer Strommasten erreichen bald das Ende ihrer Lebensdauer. Um den drohenden Rückstand aufzuholen, fordert die Behörde eine Beschleunigung der Netzmodernisierung.

Happy Birthday! 🦤

David Attenborough feiert seinen 100. Geburtstag

«Grösster Botschafter für das Leben auf der Erde»: David Attenborough. (Screenshot: Time/Peter Nicholls)

Sir David Attenborough, die legendäre «Stimme der Natur», feiert heute seinen 100. Geburtstag – und die ganz Welt feiert mit. In einer Audiobotschaft dankte der Naturforscher letzte Nacht seinen zahlreichen Gratulant:innen und gab zu, dass er eigentlich geplant hatte, diesen Meilenstein «ganz in Stille» zu verbringen. Stattdessen wird sein «Centenary» nun mit einer Gala in der Londoner Royal Albert Hall und zahlreichen internationalen Ehrungen gefeiert.

Attenborough nutzt seine Stimme seit Jahrzehnten, um die Wunder der Natur in die Wohnzimmer zu bringen und gleichzeitig vor dem Klimakollaps zu warnen. Der Naturforscher Chris Packham bezeichnet Attenborough im Guardian als den «grössten Botschafter für das Leben auf der Erde, den dieser Planet je sehen wird».

Anlässlich seines Geburtstags benannte das Natural History Museum eine neu entdeckte Wespenart nach ihm. Sein Vermächtnis bleibt ein dringender Appell an die nächste Generation, den er bereits bei der UN-Klimakonferenz formulierte: «In meinem Leben habe ich einen schrecklichen Niedergang erlebt. In eurem könntet und solltet ihr eine wunderbare Erholung erleben.»

In einer Hommage im Time-Magazin würdigt Prinz Harry den Naturforscher als «säkularen Heiligen» und eine Institution, die das Verständnis für unseren Planeten grundlegend geprägt hat. Attenborough habe der Welt gezeigt, dass Bewunderung der erste Schritt zum Schutz sei.

Kurz-News

Grundrechte verletzt · Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) verurteilt die Schweiz wegen Verletzung der Versammlungsfreiheit. Grund ist eine Geldstrafe gegen eine Organisatorin des Frauenstreiks 2019 in Genf. Die Schweizer Justiz hatte sie für Ausschreitungen haftbar gemacht, obwohl die Kundgebung bewilligt war. Laut EGMR verletzt diese Sanktion die Grundrechte der Frau. Das Urteil rügt zudem Verstösse gegen die Meinungsfreiheit und ein faires Verfahren, berichtet der Tages-Anzeiger.

Liebesbeziehung am Gericht · Das Bundesgericht lässt eine Liebesbeziehung zwischen der Richterin Beatrice van de Graaf und dem Richter Yves Donzallaz extern untersuchen. Ein Expert:innengremium soll klären, ob die Unabhängigkeit des Gerichts gewahrt blieb, da beide Mitglieder der Verwaltungskommission waren. Die Betroffenen geben an, bereits getrennt zu sein, heisst es beim SRF. Zudem finde eine ausserordentliche Sitzung statt, um Verhaltensregeln für private Beziehungen künftig präziser festzulegen.

SRF 2 Kultur bleibt · SRG-Chefin Susanne Wille gibt Entwarnung: Der Radiosender SRF 2 Kultur wird trotz Sparmassnahmen nicht geschlossen. Dies erklärte sie am Swiss Media Forum in Luzern, nachdem Kulturschaffende vehement gegen eine mögliche Aufhebung protestiert hatten. Zwar müsse die SRG insgesamt 270 Millionen Franken einsparen, doch der Kultursender bleibe bestehen. Gleichzeitig forderten Verleger in der Diskussion gemäss Watson klarere Spielregeln für die SRG-Online-Angebote.

International

USA und Iran beschiessen sich wieder · Trotz geltender Waffenruhe ist es in der Strasse von Hormus zu schweren Gefechten zwischen den USA und dem Iran gekommen. Dies berichtet die deutsche Tagesschau. Laut US-Kommando Centcom wurden unprovozierte iranische Angriffe auf US-Zerstörer mit Schlägen gegen Raketenrampen und Kommandozentren beantwortet. Der Iran wirft den USA hingegen den Beschuss eines Öltankers vor und sieht die Waffenruhe verletzt. Die USA betonen, keine Eskalation zu suchen.

Starmer denkt nicht an Rücktritt · Trotz drohender Wahlschlappen und parteiinterner Revolte lehnt der britische Premier Keir Starmer einen Rücktritt kategorisch ab. Labour-Rebell:innen werfen ihm chaotische Regierungsführung vor und fordern einen Neustart. Starmer droht Kritiker:innen nun sogar mit der Auflösung des Parlaments. Neuwahlen wären für Labour riskant, schreibt der Tages-Anzeiger: Die Partei könnte auf wenige Sitze schrumpfen, während Nigel Farages Reform UK laut Umfragen zur stärksten Kraft aufstiege.

❤️ Nützliches des Tages

Mütterlicher Rat

Emma und ihre Mutter in Griechenland, 1980. (Screenshot: Guardian)

Eine der nützlichsten Rubriken des englischen Guardian trägt den wunderbaren Titel: My mother's best advice – der beste Rat meiner Mutter. Darin schildern Autor:innen, welche mütterlichen Worte sie bis heute prägen.

Besonders berührt hat mich der Text von Emma Beddington. Der Rat ihrer Mutter: «Du darfst die schönen Dinge geniessen.»

Selbst jetzt, in ihren Fünfzigern, schreibt Beddington, ertappe sie sich manchmal dabei, wie sie durch eine fremde Stadt irre und in verlockende Schaufenster spähe, hungrig und todmüde, aber unfähig, ein schönes Lokal zu betreten. «Ich habe dann das Gefühl, nicht am richtigen Platz zu sein oder mich zu blamieren.»

In solchen Momenten beschwört sie den Geist ihrer Mutter herauf: «Ich darf in einem prachtvollen Hotel, in dem ich gar nicht übernachte, sitzen und eine Tasse Tee trinken. Ich kann mit Leichtigkeit einen furchteinflössend leeren Antiquitätenladen betreten, als wäre ich gerade auf der Suche nach einer ausgestopften Giraffe für 40’000 Pfund. Ich kann alleine in einem Restaurant mit gestärkten Tischtüchern und schwerem Silberbesteck essen, statt auf dem Hotel-Bett ein Sandwich hinunterzuschlingen. Und ich kann das tun, weil sie da ist und mir zuflüstert: ‹Trau dich.›»

Das sei oberflächlich und furchtbar für ihren Kontostand, räumt Beddington ein. Aber es sei auch unglaublich befreiend, sich selbst die Erlaubnis zu geben, freudvolle und genussvolle Dinge zu tun – erst recht, wenn man von Trauer und Angst erfüllt sei oder die Welt gerade auseinanderbreche.

«Wir sind für eine gute Zeit hier, nicht für eine lange», schreibt Beddington. «Meine Mutter starb mit nur 63 Jahren. Sie war gerade auf dem Weg nach Rom, und ich wette, sie hatte ein wunderbares Mittagessen geplant.»

🥳 Witziges zum Schluss

Frage der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Ich wünsche dir ein gutes Wochenende – und allen Mamis am Sonntag einen schönen Muttertag!

Peter

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