Guten Morgen {{vorname}}
Der Dienstag war noch nie mein Lieblingstag. In einem uralten Blog habe ich einmal geschrieben: «Im Schwäbischen heisst der Dienstag Aftermontag – und das bringts ziemlich genau auf den Punkt: Dieser Tag ist ein Arsch. Niemand besang das besser als Robert Smith von The Cure in seiner Ode an den Freitag: Grau sei der Dienstag, ein Tag wie ein Herzinfarkt, darum bleibe man besser im Bett.»
Die heutige Newslage passt zum trüben Dienstag: Es harzt bei der Bankenregulierung und im Nahen Osten eskaliert der Krieg.
Was tun? Die Community befragen, so wie gestern. Euer Feedback zu den Stofftierli hat mich gerührt. Ein paar der fabelhaften Plüschwesen der 6iBrief-Leser:innen stelle ich dir weiter unten vor. Auch tröstend: Überübermorgen ist schon Freitag!
Schweiz · Finanzplatz
Entscheid zu strengeren Bankenregeln vertagt

Bollwerk gegen Regulierung: Grossbank. (Screenshot: SRF/Martial Trezzini)
Hat das Banken-Lobbying in Bundesbern gewirkt? Auf jeden Fall verzögert die Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S) gemäss SRF die Beratung über neue Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Banken wie die UBS.
Man wolle verschiedene Reformvarianten angesichts der Tragweite des Entscheids vertieft und mit genügend Zeit prüfen, teilte die Kommission mit. Die Debatte wird erst im August 2026 fortgesetzt, womit ein Entscheid der gesamten Kammer frühestens im September fallen dürfte.
Der Bundesratsentwurf vom April 2026 sieht vor, dass Grossbanken ihre ausländischen Tochtergesellschaften künftig vollständig mit hartem Kernkapital absichern müssen. Ziel der Reform ist es, die Stabilität des Schweizer Finanzplatzes nach der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS zu sichern.
In der Kommission herrsche zwar Einigkeit darüber, dass ein «starker, stabiler und wettbewerbsfähiger Finanzplatz Schweiz im gemeinsamen Interesse» liege. Über die konkrete Umsetzung und mögliche Begleitmassnahmen gebe es jedoch «unterschiedliche Einschätzungen».
Zuvor hatte die WAK-S zahlreiche Expert:innen sowie Vertreter:innen der Nationalbank, der Finma und der UBS angehört. Trotz der Vertagung strebe das Parlament weiterhin einen «zügigen Beschluss» an.
Schweiz · Femizid
Auftakt im Binninger Mordprozess

Der Beschuldigte behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Olivia Aloisi)
Vor dem Strafgericht Muttenz BL hat der Prozess gegen einen 43-jährigen Schweizer begonnen, der seine Ehefrau im Februar 2024 in Binningen erdrosselt und danach ihre Leiche zerstückelt haben soll.
Der Beschuldigte, ein HSG-Absolvent, inszenierte sich vor Gericht gemäss Tages-Anzeiger als fürsorglicher Vater und Partner. Zu Beginn der Verhandlung entschuldigte er sich bei den Angehörigen: «Allen Betroffenen möchte ich für das erlittene Leid mein Mitgefühl aussprechen». Zudem bot er eine Genugtuung von 100’000 Franken an.
Der Mann behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben, nachdem er mit einem Messer angegriffen worden sei. Die Anklage geht jedoch von einem grausamen Mord aufgrund eines Trennungskonflikts aus, da rechtsmedizinische Gutachten seine Version nicht stützen.
Auch gibt es Hinweise darauf, dass der Beschuldigte bereits früher gewalttätig gewesen sein könnte – eine Vermutung, die durch Schilderungen einer ehemaligen Partnerin gestützt wird.
Der psychiatrische Gutachter Frank Urbaniok attestierte dem Angeklagten eine narzisstische Persönlichkeit mit ausgeprägtem Kontrollbedürfnis. Urbaniok beschrieb die technische Präzision bei der Beseitigung der Leiche als «fast ein Paradebeispiel» für eine kognitiv-technische Herangehensweise. «Andere würden hier den Menschen sehen, er nur das Problem, das es zu beseitigen galt.»
Das Urteil wird am 13. Mai erwartet. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Schweiz · Zweiter Weltkrieg
Mengele-Geheimakten werden zugänglich

KZ in Auschwitz. (Foto: Unsplash/Philip Snell)
Hatte der Nazi-Kriegsverbrecher Josef Mengele in den 1950er- und 1960er-Jahren unbehelligt Ferien in der Schweiz gemacht? In diese historische Frage kommt nun (endlich) Bewegung: Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hat nach langem Widerstand den Zugang zu bisher geheimen Akten gewährt, schreibt die Limmattaler Zeitung.
Hinweise auf Schweiz-Aufenthalte des KZ-Arztes, der für grausame Experimente an Menschen verantwortlich war, gibt es seit Jahrzehnten: 1956 soll er seine Skiferien in Engelberg verbracht haben; fünf Jahre später meldete ein Journalist der Kantonspolizei Zürich, dass sich Mengele bei seiner Schwägerin in Kloten aufhalte.
Bisher scheiterten Historiker:innen am restriktiven Umgang der Bundesverwaltung mit sensiblen Akten. Der Historiker Gérard Wettstein erkämpfte sich nun den Zugang zum Dossier «Josef Mengele», nachdem er bis vor Bundesgericht gezogen war.
Expert:innen wie Sacha Zala, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte, kritisieren die «Zensur» durch die Verwaltung und fordern nun eine neutrale Stelle für den Archivzugang. Ob die Akten tatsächlich brisante neue Erkenntnisse liefern, bleibt abzuwarten.
🧸 Zahl des Tages
66.37 Prozent

Stofftiere sind auch für 6iBrief-Leser:innen treue Begleiter. (Foto: Unsplash/m s)
Zwischen 20 und 50 Prozent der Erwachsenen besitzen Studien zufolge ein Stofftier, hiess es gestern im 6iBrief. Was für eine Untertreibung! Die mit 571 Antworten schon fast repräsentative 6iBrief-Umfrage förderte nämlich zutage: Es ist noch viel schöner.
66,37 Prozent, also so gut wie zwei Drittel der Leser:innen, gaben an, stolze Besitzer:innen eines Stofftiers zu sein. Darunter ein Büsi, das die Leserin vor bald 70 Jahren zur Geburt geschenkt bekommen hatte. Oder ein Teddybär, der nach Kindheit duftet und magisch tröstet. Und einer, dem ein Auge fehlt, mit einem «abgekätschten» Ohr, der aber schon 18 Umzüge miterlebt hat.
Ebenfalls in die Stofftierparade reiht sich Dolly ein, ein 65-jähriger Elefant, ein «Schildchröttli» und das Souvenir-Schaf «Loisl» aus dem Schwarzwald, das zu einer Leserin gekommen ist und nun «bleibt und bleibt»…
Kurz-News
Heli-Absturz im Tessin · Beim Absturz eines Helikopters im Tessin sind gestern Nachmittag sechs Personen verletzt worden. Das Unglück ereignete sich aus rund 20 Metern Höhe während des Landeanflugs auf eine Baustelle in Mezzovico-Vira. Ein Passagier schwebt in Lebensgefahr, zwei weitere Insassen wurden mittelschwer und drei Personen leicht verletzt. Die Unfallursache ist noch unklar, berichtet SRF.
Teuere Schwarzfahrt · Eine Schwarzfahrt kommt einen 40-jährigen Schwyzer teuer zu stehen: Er muss insgesamt 20'000 Franken bezahlen. Der Mann wurde ohne Billett erwischt und wies einen gestohlenen Ausweis vor. Da er zum Tatzeitpunkt gemäss Blue News unter laufender Probezeit stand, wurde eine frühere bedingte Strafe fällig. Die Summe setzt sich aus 120 Tagessätzen und Gebühren zusammen. Zahlt er nicht, drohen ihm knapp vier Monate Haft.
Stauwarnung · Nach dem Stau ist vor dem Stau: Über Auffahrt droht am Gotthard-Nordportal das nächste Stillleben aus Blech. Der TCS rechnet am 13. und 14. Mai mit Wartezeiten von bis zu vier Stunden. Betroffen sind auch die A13 sowie diverse Verladestationen. Entlastung bieten gemäss 20 Minuten die SBB, die ihr Angebot mit 58 Extrazügen und über 130'000 zusätzlichen Sitzplätzen verstärken, um Reisende komfortabel in den Süden zu bringen.
International
Amokfahrt in Leipzig · Bei einer Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt sind gestern Nachmittag eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann getötet worden. Ein 33-jähriger Deutscher fuhr gemäss Tagesschau mit hohem Tempo durch eine belebte Fussgängerzone und verletzte dabei zahlreiche weitere Menschen, einige schweben in Lebensgefahr. Der Täter wurde festgenommen; ein politisches oder religiöses Motiv wird derzeit ausgeschlossen. Die Ermittlungen wegen Mordes laufen.
Irankrieg eskaliert wieder · Die USA haben im Persischen Golf sieben iranische Schnellboote angegriffen, um feststeckende Handelsschiffe aus der Strasse von Hormus zu geleiten. Zuvor meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate Angriffe auf Tanker und ihre Ölanlage in Fujairah, die Brände und Verletzte forderten. Teheran bestreitet gemäss BBC die US-Schläge. Infolge der Eskalation stieg der Ölpreis auf über 115 Dollar pro Fass.
🧮 Nützliches des Tages
Hypothekenrechner

In der Peripherie günstiger: Haus in Rüte AI. (Foto: Unsplash/Milosz Roman)
Die «Hüsli-Schweiz» ist ein Klischee. Immer weniger Menschen können sich den Traum vom Eigenheim mit Garten erfüllen. Während die Hauspreise seit 2015 um fast 50 Prozent gestiegen sind, legten die Löhne nur um 10 Prozent zu, heisst es im Tages-Anzeiger.
Die Zeitung liefert heute ein nützliches Tool, mit dem sich herausfinden lässt, in welcher Gemeinde ein Hauskauf für das eigene Budget noch realistisch ist.
Während ländliche Gebiete im Jura oder Tessin Häuser für wenige 100’000 Franken bieten, führen Gemeinden wie Cologny (GE) mit Preisen von über 4 Millionen Franken die Rangliste an. Attraktiv für Käufer:innen sind Orte mit einer schlechteren Anbindung an Zentren, da dort die Preise deutlich tiefer liegen.
Für viele junge Familien bleibt Eigenheim dennoch unerschwinglich. Nur etwa ein Fünftel der 30- bis 50-Jährigen kann sich ein Einfamilienhaus leisten. Ökonom Fredy Hasenmaile warnt vor einer gesellschaftlichen Spaltung: «Wer bereits Wohneigentum hat, wird in der Tendenz immer wohlhabender.»
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter
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