Guten Morgen {{vorname}}
Was pflegt man in diesen Momenten zu sagen? Wer solche Freunde hat, benötigt keine Feinde? Man könnte natürlich auch das abgehalfterte Bonmot bemühen: Mitgegangen, mitgehangen. Oder einen Vergleich in die Sportwelt ziehen, wo ein Fussballclub den Spitzenstürmer nicht weiterziehen lassen will. Schliesslich benötigt man seine Tore.
Auf jeden Fall hat sich die Stadt Zürich beim AKW Gösgen in eine veritable Sackgasse manövriert. Obwohl die Stimmbevölkerung den Atomausstieg beschlossen hat, darf sie ihre Anteile nicht loswerden. Die Partner stellen sich offenbar quer.
Vielleicht: «Hättet ihr euch halt vorher überlegen müssen.»
Schweiz · Energiewende
Stromkonzerne blockieren Zürcher Atomausstieg

Zankapfel Atomkraft: Kühlturm in Gösgen SO. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Urs Jaudas)
Obwohl die Stadt Zürich bis 2034 aus der Atomkraft aussteigen will, verhindern die Miteigentümer des AKW Gösgen den Verkauf des städtischen 15-Prozent-Anteils.
Wie vertrauliche Dokumente belegen, blockieren die Partner Alpiq, Axpo und CKW eine Ausgliederung der Beteiligung, was einen Verkauf faktisch unmöglich macht.
Ein Hauptgrund für die Blockade ist die hervorragende Bonität der Stadt Zürich, berichtet der Tages-Anzeiger. Von dieser profitiere die Finanzierung des Kraftwerks. Zudem schreckten womöglich betriebliche Risiken die bestehenden Partner ab, ihren Anteil zu erhöhen.
«Das beweist, dass die Strombranche eine AKW-Beteiligung als unattraktiv einschätzt.»
Aktuell belasten Nachrüstungsarbeiten an den Kühlwasserleitungen die Stadtkasse: Da das Werk seit Mai 2025 stillsteht, entstehen Zürich Kosten von rund 65 Millionen Franken.
Während der Zürcher SP-Gemeinderat Tom Cassee in der Situation einen Beweis für die «wirtschaftliche Unattraktivität von Atomkraft» sieht, begrüssen Atombefürworter wie der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen die Blockade.
Schweiz · «Friedensrat»
Schweiz wartet ab, Indonesien schickt Truppen

Kleine Hände, grosse Pläne: US-Präsident Donald Trump. (Screenshot: Watson/ap)
Die Einladung von US-Präsident Donald Trump zu seinem neu gegründeten «Friedensrat» spaltet die Schweizer Politik. Während etliche westeuropäische Länder bereits abwinkten, zögert der Bundesrat noch immer mit einer Antwort.
Die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats (APK-N) lehnte gestern einen Antrag der SP ab, der einen Beitritt ausdrücklich ausschliessen wollte.
Der Zürcher SP-Nationalrat Fabian Molina kritisiert diese abwartende Haltung bei Watson: «Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Schweiz vor Trump kuscht.» Er bezweifelt die Absichten des Gremiums, dem vor allem autoritär regierte Staaten wie Belarus oder die Türkei angehören.
«Die Türe zuzuschlagen, bevor man die genauen Details kennt, halte ich für falsch.»
Ganz anders sieht das Monika Rüegger (SVP). Sie mahnt zur Offenheit für neue Friedensprojekte, gerade weil die Uno blockiert sei: «Die Türe zuzuschlagen, bevor man die genauen Details kennt, halte ich für falsch.»
Dem «Friedensrat» beigetreten ist Indonesien. Als erstes Land sagt es 8000 Soldaten für eine Stabilisierungstruppe in Gaza zu.
Präsident Prabowo Subianto nutze diesen Schritt auch, um die Beziehungen zu Donald Trump zu kitten, heisst es im Tages-Anzeiger. Die entsandten Einheiten sollen keine Kampfeinsätze leisten, sondern als Sanitäter und Ingenieure die humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau unterstützen.
Kritiker:innen in Jakarta befürchten jedoch, das Land könne sich «vor einen amerikanisch-israelischen Wagen spannen lassen», zumal Indonesien traditionell eng an der Seite der Palästinenser:innen steht.
Hinter dem Engagement steckt auch Kalkül: Prabowo hofft im Gegenzug auf ein bilaterales Treffen mit Trump und deutlich reduzierte US-Handelszölle für indonesische Waren.
USA · Nachruf
Bürgerrechtler Jesse Jackson gestorben

Prägte die Seele der Demokratischen Partei: Jesse Jackson. (Screenshot: NZZ/Mickey Adair/Hulton Archive/Getty)
«Meine Wählerschaft sind die Verzweifelten, die Verdammten, die Enterbten, die Missachteten und die Verachteten.»
Diese Worte sagte Jesse Jackson 1984 am Parteitag der Demokratischen Partei. Nun ist eine der wichtigsten Stimmen des schwarzen Amerikas verstummt. Der Aktivist ist im Alter von 84 Jahren in Chicago gestorben.
Jackson, der 1968 Augenzeuge der Ermordung von Martin Luther King Jr. wurde, galt über Jahrzehnte als die tonangebende Figur der Bürgerrechtsbewegung, heisst es in einem Nachruf in der NZZ.
Trotz geringer finanzieller Mittel erzielte der begnadete Rhetoriker als zweimaliger Präsidentschaftsanwärter historische Erfolge in den Vorwahlen und bereitete den Weg für künftige Generationen schwarzer Politiker.
Sein Lebensweg war eng mit dem Kampf gegen Rassismus verknüpft. Als Barack Obama 2008 zum Präsidenten gewählt wurde, flossen bei Jackson Tränen der Rührung. Und er erinnerte an die Opfer der Bewegung: «Um hierher zu gelangen, haben wir blutige und furchtbare Wege beschritten.»
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🪜 Zahl des Tages
905 Meter

Rechts stehen, links gehen – oder wars umgekehrt? (Screenshot: Watson)
Ich persönlich mag keine Rolltreppen. In grossen Einkaufszentren findet man sie fast nicht. Und hat man dann doch eine gefunden, geht es – Murphys Gesetz – meistens in die falsche Richtung. Sind Rolltreppen ausser Betrieb, wird es gänzlich zum Trauerspiel. Dann stakse ich die heimtückischen Stufen hoch, als hätte ich so was noch nie gemacht.
Vielleicht müsste ich demnächst mal nach China. Dort gibt es neuerdings die Möglichkeit, die Benutzung einer Rolltreppe ausgiebig zu trainieren. 905 Meter lang sei sie, die weltweit grösste urbane Rolltreppe, berichtet Watson. Und wer hat es erfunden? Natürlich die Schweizer Firma Schindler.
Die «Mega-Anlage» befindet sich in der Ortschaft Wuhan, wo insgesamt 21 Rolltreppen und acht Aufzüge nun 242 Höhenmeter überwinden. Damit sollen Menschen «schneller und barrierefrei durch das hügelige Gebiet kommen».
Falls ich mich doch entscheide, zu Fuss durch das hügelige Gebiet zu gehen, entspräche das ungefähr dem Aufstieg in den 80. Stock eines Gebäudes. Dabei würde ich rund 190 Kalorien verbrennen. Oben angelangt, dürfte ich somit um die 12 Glückskekse essen, um das auszugleichen.
Und wenn du jetzt auch gerade etwas Glück benötigst, aber keine Lust auf Kalorien hast: Hier geht es zu einem digitalen Glückskeks.
Kurz-News
Asiatische Hornisse breitet sich aus · Im Jahr 2025 wurden mit rund 15’000 Funden fast viermal so viele Asiatische Hornissen registriert wie im Vorjahr. Die invasive Art aus China ist gemäss Tages-Anzeiger bereits in 19 Kantonen aktiv und gefährdet vor allem Honigbienen. Fachleute zerstörten 2025 schätzungsweise 3000 Nester. Da die Hornissen kaum natürliche Feinde haben, gilt eine vollständige Vertreibung als unwahrscheinlich.
BAG muss Verträge offenlegen · Das Bundesverwaltungsgericht zwingt das BAG zur Offenlegung der Covid-Impfverträge mit Moderna und Novavax. Ein Journalist hatte gemäss SRF geklagt, um Transparenz über Preise und Haftung zu schaffen. Das BAG wollte die Details geheim halten, um die Verhandlungsposition in künftigen Krisen nicht zu schwächen. Das Gericht widersprach: Die Pandemie sei vorbei, alte Preise seien nicht mehr relevant.
Zürich Openair abgesagt · Das Zürich Openair legt im Sommer 2026 eine «kreative Pause» ein. Die Veranstalter gaben bekannt, dass Terminverschiebungen bei internationalen Festivals die Planung erschwerten. Das Team will gemäss 20 Minuten das Timeout nutzen, um das Festival strategisch und inhaltlich weiterzuentwickeln. 2027 soll der Event in Glattbrugg ZH mit neuen Inszenierungen und frischer Energie zurückkehren.
International
Perus Präsident abgesetzt · Perus Interimspräsident José Jerí wurde nach nur vier Monaten im Amt durch ein Eil-Amtsenthebungsverfahren gestürzt. Der Kongress stimmte mit klarer Mehrheit gegen den 39-Jährigen. Grund ist der «Chifagate»-Skandal um geheime Treffen mit chinesischen Geschäftsleuten. Zudem stehen Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Raum, berichtet der Guardian. Jerí war bereits das achte Staatsoberhaupt Perus seit 2016.
Leichen an Italiens Küsten angeschwemmt · An Italiens Küsten sind in den letzten Tagen mindestens 15 Leichen angeschwemmt worden. Die Toten wurden an Stränden auf Sizilien und in Kalabrien entdeckt. Behörden vermuten, dass es sich um Migrant:innen handelt, die bei Winterstürmen auf dem Mittelmeer ums Leben kamen. Rettungskräfte fanden die Opfer teils in Rettungswesten, schreibt Watson. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
🚗 Nützliches des Tages
Chauffeur:in

App sei Dank: Zürich sehen, ohne nach Zürich fahren zu müssen. (Screenshot: driveandlisten.app)
Fast schlimmer noch als urbanes Rolltreppenfahren ist für mich urbanes Autofahren: zu stressig. Eigentlich ist das sehr schade. Denn man entdeckt viel, wenn man durch die City cruist.
Taxi oder Uber wäre eine Lösung, ist auf Dauer aber ein relativ kostspieliger Spass. Und ich habe noch nie einen Taxifahrer oder eine Uber-Pilotin getroffen, der oder die mich den Radiosender wählen liess, damit die Fahrt auch stimmig vertont wird.
Du hast es geahnt: Auch für das gibt es eine App. Sie heisst Drive and Listen und liess mich heute Morgen bereits gemütlich durch den Zürcher Kreis 5 kurven, berieselt von Radio 24. Da die nützliche Anwendung schon ein bisschen älter ist, fühlte es sich auch an wie eine Zeitreise: Etliches, was in Zürich inzwischen steht, befand sich bei meiner Ausfahrt noch im Bau.
Später werde ich mich noch bequem durch San Francisco kutschieren lassen. Und dann vermutlich durch Wuhan. Soll ja hügelig sein dort.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter 🥠




