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In einem Monat wissen wir, ob die Schweiz einen starren Bevölkerungsdeckel bekommt. Viele wollen Ja stimmen, weil es ihnen zu viel geworden ist. Im Zug, in der Migros, am Seealpsee.
Weshalb das Bauchgefühl in diesem Fall kein guter Ratgeber ist, steht in einer neuen Studie: Die Begrenzung der Zuwanderung würde die grössten Probleme, die die Schweiz hat, noch verschärfen.
Schweiz · 🗳️
Das Preisschild der 10-Millionen-Initiative

Weit und breit kein Mensch: Seealpsee. (Foto: Unsplash/Daniel Seßler)
Eine neue Studie im Auftrag des Bundesrats zeigt auf, was der 10-Millionen-Deckel der SVP-Nachhaltigkeitsinitiative die Schweiz kosten würde. Zwar könnten die Wohnkosten sinken und das Bildungswesen entlastet werden, schreibt die NZZ, doch unter dem Strich überwiegen laut dem Bericht des Büros Demografik die wirtschaftlichen Nachteile.
Besonders kritisch wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt: Bis 2050 könnten bis zu 300'000 Arbeitskräfte fehlen. Am stärksten betroffen wären das Gastgewerbe sowie die Pflege und die Industrie. Im Gesundheitswesen drohen trotz Digitalisierung längere Wartezeiten und Heimschliessungen in ländlichen Regionen.
Finanziell belastet die Initiative vor allem die Sozialwerke. Die AHV-Finanzierungslücke würde bis 2050 um jährlich zwei bis drei Milliarden Franken wachsen. Um dies zu kompensieren, müssten laut Studie entweder die Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt oder die Lohnbeiträge um 0,7 Prozentpunkte erhöht werden. Die Autor:innen warnen zudem vor einem «negativen Nettoeffekt auf die Staatskassen», da sinkende Steuereinnahmen und höhere Kosten im Asylbereich die Einsparungen bei anderen Sozialleistungen übertreffen würden.
«Eine Begrenzung der Zuwanderung würde Spielräume verengen und einige der grössten Probleme verschärfen, die die Schweiz bereits hat: Alterung, Fachkräftemangel, steigende Gesundheitskosten», resümieren die Expert:innen.
Schweiz · Bildung
So schlecht steht es um die Chancengleichheit in der Schweiz

Übung: Korrigiere die obige Bildlegende! (Screenshot: SRF/Keystone)
Die Schweiz schneidet bei der Chancengleichheit im internationalen Vergleich schlecht ab. Laut einer neuen Unicef-Studie erreichen 91 Prozent der privilegierten Jugendlichen die nötigen Kompetenzen in Mathematik und Lesen – bei benachteiligten Kindern sind es lediglich 46 Prozent.
Bildungsexpertin Katharina Maag Merki von der Universität Zürich bezeichnet dieses Ergebnis auf SRF als «sehr gravierend». Die Chancenungleichheit beeinflusse nicht nur den beruflichen Weg, sondern auch die Lebenszufriedenheit und Gesundheit. Als Hauptursache sieht sie das selektive System, das Kinder bereits nach der sechsten Klasse trennt: «Dass es Unterschiede zwischen Familien gibt, ist ein natürlicher Befund. Aber wie sich diese Unterschiede auf den Bildungserfolg auswirken, das ist hausgemacht.»
Die Expertin fordert einen Abbau von Hürden und eine bessere Frühförderung. Vorbilder seien Länder oder Kantone, die erst später selektionieren und auf gemischte Klassen setzen. «Wir machen viele Fehler, weil diese Einteilung nicht funktioniert», so Maag Merki. Ziel müsse ein Bildungssystem sein, in dem motivierte Jugendliche nicht aufgrund ihrer Herkunft «durch die Maschen fallen».
Schweiz · Energiewende
Bundesrat will AKW-Laufzeiten auf 80 Jahre verlängern

Noch lange nicht ausgedampft: AKW Gösgen. (Screenshot: Limmattaler Zeitung/Bruno Kissling)
Die Schweizer Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt sollen bis zum Jahr 2060 am Netz bleiben. Der Bundesrat kommt zum Schluss, dass ein Betrieb von 80 Jahren möglich ist, sofern die Betreiber rund zwei Milliarden Franken in Nachrüstungen investieren. Während die Anlagen in Beznau in acht Jahren abgeschaltet werden, sieht die Regierung im Weiterbetrieb der anderen Werke eine Chance, die Abhängigkeit von Stromimporten im Winter zu reduzieren.
«Die Sicherheit muss das entscheidende Kriterium sein und nicht die Interessen der Atomlobby.»
«Ohne den Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke wird die Sicherheit der Schweizer Stromversorgung in einigen Jahren nicht mehr gewährleistet sein», sagt FDP-Ständerat Thierry Burkart. Auch Mitte und SP signalisieren gemäss Limmattaler Zeitung Zustimmung, solange die Sicherheit garantiert bleibt und keine neuen AKW gebaut werden.
Scharfe Kritik kommt hingegen von den Grünen. Präsidentin Lisa Mazzone bezeichnet das Vorhaben als «hochriskantes Experiment» und vergleicht die Verlängerung mit einem Oldtimer, den man mit Tempo 200 auf die Autobahn schickt. Für sie ist klar: «Die Sicherheit muss das entscheidende Kriterium sein und nicht die Interessen der Atomlobby.» Der Fokus müsse stattdessen konsequent auf dem Ausbau erneuerbarer Energien liegen.
Zitat des Tages
«You can be my wingman any time.» – «Bullshit. You can be mine!»

«It takes a lot more than just fancy flying»: Top Gun wird 40. (Screenshot: Men’s Health)
Es gibt Filme, bei denen ich fast jede Dialogzeile auswendig kenne. Dazu gehört zweifelsohne Top Gun. Das Blockbuster-Meisterwerk von Regisseur Tony Scott kam vor genau 40 Jahren ins Kino.
US-Journalist William Goodman hat sich den Klassiker für die Zeitschrift Men’s Health zum ersten Mal angeschaut – und ist begeistert. Der Film sei schlicht ikonisch, schreibt Goodman. Viele Bilder fühlten sich vertraut an, obwohl er sie vorher nie im Kontext gesehen hatte. Der damals erst 23-jährige Tom Cruise habe hier seinen Status als «letzter amerikanischer Filmstar» zementiert. Er verleihe der Rolle des Maverick eine echte Gravitas und jenes überhebliche Draufgängertum, das nötig sei, um gegen Rivalen wie Val Kilmer zu bestehen.
In der Schlussszene wird die Männerfreundschaft zwischen «Maverick» (Cruise) und «Iceman» (Kilmer) dann doch noch besiegelt, natürlich mit einer kräftigen Umarmung. Nach gewonnener Schlacht sagt also «Iceman» zu «Maverick»: «You can be my wingman any time.» Und der antwortet: «Bullshit. You can be mine!»
Kurz-News
Fusaro nicht belohnt · Nach sechs Finalteilnahmen in Folge scheidet die Schweiz beim Eurovision Song Contest (ESC) vorzeitig aus. Veronica Fusaro verpasste gestern mit ihrem Song «Alice» den Einzug ins Finale am Samstag. Trotz eines starken Auftritts reichten die Stimmen nicht aus, schreibt der Blick. Fusaro zeigte sich enttäuscht, aber dankbar: «Mein Traum lebt weiter.»
Stellenabbau in Opfikon · Der japanische Pharmakonzern Takeda streicht an seinem Zürcher Standort bis zu 280 Stellen, berichtet das SRF. Dies entspricht rund einem Viertel der dortigen Belegschaft von 1100 Mitarbeitenden. Grund ist ein weltweites Restrukturierungsprogramm zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, dem insgesamt 4500 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Ein Konsultationsverfahren läuft, zudem existiert ein Sozialplan für die betroffenen Angestellten.
Millionenprojekt in London · Der Bundesrat plant gemäss Watson eine umfassende Sanierung der Schweizer Botschaft in London für 96 Millionen Franken. Wie aus der Immobilienbotschaft 2026 hervorgeht, sind Gebäudehülle, Innenausbau und Technik der 1971 erbauten Vertretung sanierungsbedürftig. Durch den Umbau sollen künftig auch Schweiz Tourismus und weitere Dienstwohnungen im Gebäude Platz finden. Laut Aussendepartement ist dies die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung.
International
China warnt Trump · US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi bemühen sich bei ihrem Treffen um Harmonie und wirtschaftliche Kooperation, heisst es bei der deutschen Tagesschau. Während Xi den US-Firmen besseren Marktzugang versprach, sicherte Trump den Export von KI-Chips zu. Überschattet wird das Treffen vom Taiwan-Konflikt: Xi warnte die USA vor Waffenlieferungen an die Insel und drohte mit Konfrontation.
Vom Klassenzimmer in die Antarktis · Die ehemalige Kindergärtnerin Cecilia Durán Gafo schützt in Chile die weltweit einzige Königspinguin-Kolonie auf dem Festland. Nachdem Tourist:innen die Tiere für Selfies gequält hatten, gründete die 72-Jährige ein privates Reservat an der Useless Bay. Heute umfasst die Kolonie fast 200 Tiere, berichtet der Guardian in einer lesenswerten Reportage. Ein zwölfköpfiges Team wehrt Raubtiere ab und ermöglicht sanften Ökotourismus, um den Fortbestand der Pinguine zu sichern.
📻 Nützliches des Tages
Zeitmaschine

Besser als Algorithmen: Radio. (Foto: Peter Aeschlimann)
Das Internet eignet sich vorzüglich für Zeitreisen. Was lief in den 70ern in Italien im Radio? «Margherita» von Riccardo Cocciante zum Beispiel. Ich weiss das, weil der französische DJ Benjamin Moreau das wunderbare Tool Radiooooo programmiert hat.
Die Anwendung macht Musikschätze aus aller Welt seit der Jahrhundertwende zugänglich. Per Mausklick kannst du ein Jahrzehnt zwischen 1900 und heute sowie ein Land auf einer Weltkarte auswählen, um sofort in die jeweilige Klangwelt einzutauchen.
Der Clou: Die Nutzer:innen können beim Kuratieren der Playlists mithelfen. «Es ist einfacher für einen 65-jährigen Kasachen, uns zu sagen, welche die beste Fünfzigerjahre-Musik seines Landes ist, als für einen Franzosen um die 30», erklärte Moreau das Konzept der Community-Beteiligung einst der Deutschen Welle.
Wer also neue alte Musik jenseits des Mainstreams entdecken will, wird hier fündig. Einige Basisfunktionen sind gratis, mehr Möglichkeiten erhält, wer bezahlt.
🥳 Witziges zum Schluss
Frage der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke
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🎲 Rätsel
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Ich wünsche dir ein spannendes Wochenende!
Peter
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