Guten Morgen {{vorname}}
Ich bin ja kein Linguist, aber diese Adversativ-Konstruktionen geben mir schon zu denken. Wer einen Disclaimer benötigt, um das Gesicht zu wahren, befindet sich meistens auf dem Holzweg. Und das nicht nur rhetorisch.

«Ich bin sicher kein Fan der Atomenergie», sagte also gestern Bundesrat Albert Rösti in einem TV-Interview. Und dann hätte er zum Beispiel so weiterfahren können: «Deshalb setze ich mich fürs AKW-Bauverbot ein.»

Tat er aber nicht.

Schweiz · Gondelunfall

Frau stirbt bei Seilbahnunglück in Engelberg

Kurz nach 11 Uhr ereignete sich der Unfall. (Foto: Kantonspolizei Nidwalden)

Ein tragischer Unfall erschüttert das Skigebiet Engelberg: Gestern Vormittag stürzte eine Kabine der Titlis-Bergbahnen kurz nach einem Mast mehrere Meter in die Tiefe. Eine 61-jährige Frau aus der Region kam dabei ums Leben.

«Eine Gondel darf einfach nicht abstürzen», sagt Titlis-Bergbahnen-CEO Norbert Patt im Tages-Anzeiger. «Uns werden Menschen anvertraut, umso schwerwiegender ist der Unfall.»

Obwohl die Anlage erst im September revidiert wurde, riss es die Gondel aus der Verankerung. Expert:innen vermuten eine fatale Kombination aus extremen Windböen von über 100 km/h und einer Kollision mit der Stütze.

Auf SRF etwa hält Seilbahnexperte Reto Canale menschliches Versagen oder technische Defekte, wie Materialfehler oder ein Verhängen an der Stütze, für mögliche Ursachen. Die starken Winde könnten Querpendelungen ausgelöst haben, mutmasst er. Dass das Seil aus der Klemme gerissen wurde, sei im modernen Betrieb «sehr ungewöhnlich» und bewege sich im Bereich des äussersten Restrisikos.

Die genaue Unfallursache wird nun von der Staatsanwaltschaft und der Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) ermittelt. Letztere stellte besagten Klemmen bei 52 Bahnen schon im Jahr 2021 ein schlechtes Zeugnis aus, schreibt der Blick.

Schweiz · Energiedebatte

«Ich bin sicher kein Fan der Atomenergie»

Fürchtet sich vor Stromlücke: Bundesrat Rösti (rechts). (Screenshot: SRF)

«Ich bin sicher kein Fan der Atomenergie», sagte gestern SVP-Energieminister Albert Rösti in der Sendung Rundschau Talk auf SRF. Dann betonte er abermals die Notwendigkeit, den Bau neuer Atomkraftwerke in der Schweiz rechtlich zu ermöglichen. Sein primäres Ziel sei die Versorgungssicherheit.

«Wir gehen davon aus, dass es in fünf bis sechs Jahren die kleinen, sehr sicheren ‹Small Modular Reactors› gibt», sagte Rösti. Diese sogenannten SMR-Reaktoren gelten als weniger komplex und kostengünstiger.

Das Risiko einer Nuklearkatastrophe stuft der Bundesrat geringer ein als einen massiven Energiemangel: «Das grösste Risiko ist nicht eine Nuklearkatastrophe, sondern dass wir zu wenig Strom haben in der Schweiz.»

Besonderes Augenmerk liegt auf der geopolitischen Lage. Der Krieg im Iran erschwere die Gasversorgung und könne indirekt zu Stromknappheit führen, da Europa weniger Gasstrom produzieren und die Schweiz somit weniger importieren könne. Zwar gebe es «Stand heute keine Energiekrise», doch die Sicherung der Vorräte für den kommenden Winter bleibe eine Herausforderung.

Schweiz · Foie gras

Nationalrat lehnt Importverbot für Stopfleber ab

Auch ein «schützenswertes Kulturgut»: Gänse. (Screenshot: SRF/Rebecca Loviconi)

Der Nationalrat hat sich gestern nach einer emotionalen Debatte gegen ein striktes Importverbot für Stopfleber ausgesprochen. Stattdessen setzt eine Mehrheit auf einen indirekten Gegenvorschlag, der eine gesetzliche Deklarationspflicht und die Überwachung der Importe vorsieht.

Die Diskussion spaltete den Rat entlang ethischer und kultureller Linien, berichtet das Echo der Zeit von SRF. Während Befürworter:innen der Initiative das Tierleid anprangerten, warnten Gegner:innen vor staatlicher Bevormundung.

SP-Nationalrätin Gabriela Suter mahnte: «Stellen Sie sich eine junge Ente vor, mehrmals täglich wird ihr ein Metallrohr in den Hals geschoben.» Es gehe niemanden etwas an, was ein Schweizer essen will und was nicht, meinte SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh.

Besonders in der Romandie gilt Foie gras als schützenswertes Kulturgut. Philippe Nantermod (FDP) betonte: «Ich finde, dass die Westschweizer, die Foie gras mögen, das Recht haben sollten, es weiterhin zu essen.»

In der Schweiz ist die Stopfmast seit 40 Jahren verboten. Der Gegenvorschlag sieht vor, Massnahmen zu prüfen, sollte der Import innerhalb von fünf Jahren nicht zurückgehen. Das Geschäft geht nun an den Ständerat.

Community Summit: Das Line-up steht*

*Kooperation mit dem Community Summit

Wer heute als Marke oder Organisation langfristig überleben will, braucht keine passiven Follower, sondern loyale Fans. Genau darum geht es am 1. Community Summit am 7. Mai in der Mühle Tiefenbrunnen in Zürich.

Auf der Bühne stehen spannende Persönlichkeiten, die in der Schweiz erfolgreiche Communitys aufgebaut haben und managen. Mit dabei sind unter anderem Medienunternehmerin Andrea Jansen, Polit-Influencer Flavien Gousset, Kevin Thoma von On und Laurène Descamps vom WWF One Planet Lab.

Der Community Summit bringt Menschen auf die Bühne, die Community wirklich verstehen und gestalten, ob aus der Start-up-, NGO- oder Corporate-Welt. Ein Vormittag für Menschen, die verstanden haben, dass die Zukunft über echte Netzwerke funktioniert statt über reine Reichweite.

🐚 Happy Birthday

«Venus von Ostermundigen» wird 90

Ursula Andress auf dem Set des Bond-Films «Casino Royale» (1967). (Screenshot: Limmattaler Zeitung/Getty Images)

Die Schweizer Filmikone Ursula Andress feiert heute ihren 90. Geburtstag. 1962 schrieb die Bernerin Kinogeschichte, als sie im Bond-Film «Dr. No» als Honey Ryder im weissen Bikini dem Meer entstieg – als moderne, wehrhafte Frau. Für viele Fans ist bis heute unbestritten: Die «Venus von Ostermundigen» war das stärkste Bond-Girl aller Zeiten.

Hollywood buchte sie, die mit Jean-Paul Belmondo oder Alain Delon befreundet war, oft wegen ihrer Aura als Sex-Symbol. Ihrem eigenständigen Geist und emanzipierten Charakter entsprach dies kaum, schreibt die Limmattaler Zeitung. Auf die Frage, was sie von den Männern gelernt habe, entgegnete sie einst: «Lernt man von Männern Neues?»

Heute lebt die Schauspielerin zurückgezogen in Rom. Anfang des Jahres reichte sie Strafanzeige wegen Veruntreuung gegen ihren im Sommer 2025 verstorbenen Vermögensverwalter ein. Er soll sie um einen zweistelligen Millionenbetrag betrogen haben.

Kurz-News

Verhärtete Fronten · Bei der Neutralitätsinitiative bleiben die Fronten verhärtet: Gestern hat der Nationalrat einen direkten Gegenvorschlag zum dritten Mal abgelehnt, berichtet die NZZ. Damit muss nun die Einigungskonferenz über das Schicksal des Entwurfs entscheiden, der die «immerwährende und bewaffnete» Neutralität in der Verfassung verankern wollte. Während der Ständerat den Kompromiss knapp befürwortet, erteilte die grosse Kammer dem Vorhaben mit 107 zu 80 Stimmen eine Abfuhr.

Grausame Schweizer · Westeuropäer, darunter auch Schweizer, sollen zwischen 1992 und 1995 als «Sniper-Touristen» Jagd auf Zivilist:innen in Sarajevo gemacht haben. Für diese «Menschen-Safaris» bezahlten sie hohe Geldsummen. Trotz Ermittlungen in Italien hat die Schweizer Bundesanwaltschaft bisher kein Verfahren eröffnet, berichtet Nau. Die Belagerung Sarajevos forderte insgesamt 11'000 Todesopfer, darunter 1600 Kinder.

Glückliche Schweizer · Morgen ist Weltglückstag. Glücklicherweise weiss SRF schon heute, wie glücklich wir Schweizer:innen sind. Am zehntglücklichsten nämlich. Finnland verteidigt den Spitzenplatz im Weltglücksbericht 2026 bereits zum neunten Mal in Folge, gefolgt von Island und Dänemark. Der Bericht der Universität Oxford bewertet Faktoren wie Wirtschaftsleistung, Gesundheit und Freiheit, um die Lebensqualität weltweit zu messen.

International

Katar im Visier · Nach iranischen Raketenangriffen meldet Katar gemäss BBC massive Schäden an der Industrieanlage Ras Laffan. Das Aussenministerium bezeichnete die Attacken als direkte Bedrohung der nationalen Sicherheit, die die Region an den Abgrund treibe. Man behalte sich das Recht auf eine Reaktion vor, um seine Bürger:innen zu schützen. Die staatliche QatarEnergy bestätigte Brände und erhebliche Sachschäden; Verletzte gebe es bisher nicht.

Drogenboss getötet · Bei einem Polizeieinsatz gegen das Drogensyndikat «Comando Vermelho» sind in Rio de Janeiro mindestens acht Menschen getötet worden. Unter den Toten ist der meistgesuchte Drogenboss der Stadt, Claudio Augusto dos Santos, sowie ein Anwohner. Während des Zugriffs in einer Favela kam es zu einer Geiselnahme und schweren Gefechten, schreibt Watson. Kriminelle antworteten mit brennenden Barrikaden und Bussen, was den Verkehr in der brasilianischen Metropole zeitweise lahmlegte.

💡 Nützliches des Tages

Biocomputer

Zum Highscore ohne menschliches Zutun: Zockende Hirnzellen. (Foto: Unsplash/Mike Uderevsky)

Das australische Start-up Cortical Labs hat gezüchteten menschlichen Hirnzellen beigebracht, den Videospiel-Klassiker Doom zu spielen. Die rund 200’000 Neuronen befinden sich in einem biologischen Computer namens CL1 und lernten innerhalb einer Woche, Monster zu bekämpfen.

Die Kommunikation erfolgt dabei über Elektroden: Da die Zellen nicht sehen können, werden Spielinhalte in elektrische Impulse übersetzt. Taucht auf der linken Seite ein fieses Ungeheuer auf, stimulieren die Wissenschaftler:innen die Neuronen auf der linken Seite mehr. Diese reagieren mit einem bestimmten Aktivierungsmuster – etwa, indem sie losballern wie gestört.

Punkten die Neuronen, sollten sie belohnt werden. Versagen sie, werden sie getadelt. «Wir wissen nicht, wie wir ein Gehirn loben. Sondern nur, wie wir es bestrafen», sagt der Wissenschaftler Thomas Hartung im Tages-Anzeiger. Als Bestrafung dient ein «weisses Rauschen». Signale, die das Gehirn nicht interpretieren könne, möge es überhaupt nicht.

Trotz des Erfolgs gibt es Grenzen: Die Zellen haben bisher kein Langzeitgedächtnis und müssen das banale Spiel täglich neu erlernen. Dennoch biete die organoide Intelligenz Vorteile gegenüber der KI, heisst es im Artikel, da biologische Zellen mit deutlich weniger Trainingsdaten lernen.

Ziel der Forschung ist es nicht, ein Bewusstsein zu züchten, sondern das Hirn besser zu verstehen. Hartung: «Wir nähern uns dem Mysterium, wie das Hirn arbeitet.»

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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