Guten Morgen {{vorname}}
Zum Beispiel Paul Aschwanden aus Küssnacht am Rigi.

Als ehemaliger Fremdenlegionär aus ärmlichen Verhältnissen kämpfte er im Zweiten Weltkrieg für die Freien Französischen Streitkräfte gegen die Nationalsozialisten. Bei seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er wegen fremden Militärdienstes zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Mehr als 80 Jahre später erfährt Aschwanden und mit ihm Hunderte weiterer Freiwilliger endlich Gerechtigkeit: Der Nationalrat hat gestern einem Vorstoss zur Rehabilitierung von Italien- und Frankreichkämpfer:innen zugestimmt.

Schweiz · Postautobrand

Täter von Kerzers lebte zurückgezogen im Camper

Völlig verwahrlost: Camper des Mannes, der das Postauto in Brand setzte. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Annalena Müller)

Nach dem Postautobrand in Kerzers FR rückt auch die Person des Täters in den Fokus. Bei dem 65-Jährigen handelte es sich gemäss Tages-Anzeiger um einen randständigen, ehemaligen Lastwagenfahrer, der zuletzt in einem verwahrlosten Camper im Berner Seeland lebte. Der Mann war verschuldet, gesundheitlich angeschlagen und stand unter einer Beistandschaft der Kesb.

Laut dem Vermieter des Standplatzes lebte der Mann zunehmend in seiner eigenen Welt und misstraute dem Staat. Er habe sich oft darüber beklagt, dass dieser sich «um die Ausländer kümmert, aber nicht um mich».

Da er seinen Standplatz bis Ende März hätte räumen müssen, war er auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Sein Vermieter erinnert sich an einen Satz, den der Mann vor Jahren aussprach: «Ihr werdet euch noch an mich erinnern.» Er müsse ständig daran denken, heisst es im Artikel, auch wenn der damalige Spruch kaum auf die jetzige Tat gemünzt war.

Am Tattag verschwand der Mann aus dem Spital Aarberg, woraufhin die Polizei eine Fahndung auslöste. Wenig später zündete er sich im Postauto an und riss fünf weitere Menschen mit in den Tod.

Die Kesb betonte, dass eine Fremdgefährdung zuvor kein Thema gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob die drohende Obdachlosigkeit oder seine psychische Verfassung das Motiv für die Tat waren.

Im Blick kommt derweil der Sohn des verstorbenen Postauto-Chauffeurs zu Wort: «Mein Vater starb als Held.» Statt zu flüchten und irgendwie rauszukommen, sei der 63-Jährige im Bus geblieben, um zu helfen. «Er war jemand, der niemals aufgibt. Ein lebensfroher Mensch, immer für andere da, für die Familie, für die Enkelkinder.»

Schweiz · Offene Rechnungen

«Das Zelt» mit Finanzproblemen

Ungewisse Zukunft: Tourneetheater «Das Zelt». (Screenshot: Beobachter/Keystone)

Nächsten Donnerstag geht’s in Zürich los: Adrian Stern, Remo Forrer, Sina, Dodo, Jaël, Florian Ast und Slädu präsentieren auf dem Kasernenareal ihre Schwiizer Hits.

Doch das Tourneetheater «Das Zelt» steht vor einer ungewissen Zukunft. Recherchen des Beobachters zeigen, dass das Unternehmen mit offenen Forderungen in der Höhe von über 2,5 Millionen Franken kämpft.

Ein achtseitiger Betreibungsregisterauszug listet unbezahlte Rechnungen von Steuerämtern, Sozialversicherungen und privaten Investor:innen auf. Die Löhne für Januar und Februar wurden teilweise erst verspätet oder noch gar nicht gezahlt.

Zelt-Direktor Adrian Steiner räumt Verzögerungen ein, die er einem «aktuellen Liquiditätsengpass» zuschreibt. Dennoch sagt er: «Eine Überschuldung liegt nicht vor.» Die Bilanz müsse nicht deponiert werden.

Brancheninsider:innen sind skeptischer; erste Künstler:innen und Sicherheitsfirmen fordern Vorauskasse oder treten gar nicht mehr auf. Ein Comedian berichtet via Management von ausstehenden Gagen in fünfstelliger Höhe. Rechnungen und Mahnungen würden schlicht ignoriert.

Bereits Ende 2025 musste die Migros mit einem Darlehen einspringen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Um die finanzielle Lage zu stabilisieren, plant Steiner nun einen ungewöhnlichen Schritt. Ab dem 26. März sollen Partizipationsscheine ausgegeben werden, damit das Publikum «die langfristige Stabilität der Kulturplattform stärken» kann.

Schweiz · Anerkennung

Nationalrat will Widerstandskämpfer:innen rehabilitieren

Bella Ciao: Partisanen im Val d’Ossola. (Screenshot: NZZ/Keystone)

Jahrzehntelang galten sie in der Schweiz als Verbrecher:innen, nun folgt die Anerkennung: Der Nationalrat hat beschlossen, Schweizer:innen zu rehabilitieren, die im Zweiten Weltkrieg in der Résistance oder als Partisan:innen gegen Nazideutschland kämpften. Wer damals aus dem Kriegsdienst im Ausland zurückkehrte, wurde wegen «Schwächung der Wehrkraft» zu Bussen oder Haft verurteilt.

Bundesrat Beat Jans (SP) bezeichnete den Entscheid gemäss NZZ als «ein wichtiges Zeichen zur Anerkennung». Die späte Rehabilitierung stelle indes «keine Kritik an den damaligen Behörden» dar, da die Urteile nach damaligem Gesetz rechtmässig waren. Eine finanzielle Wiedergutmachung ist nicht vorgesehen; es geht primär um eine moralische Wiedergutmachung für die Betroffenen und ihre Nachkommen.

Historische Forschungen zeigen, dass die Kämpfer:innen keine homogene Gruppe waren. Viele waren ehemalige Fremdenlegionäre, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammten. Der Historiker Peter Huber schreibt, dass viele in der Schweiz «nichts zu verlieren», aber im Ausland «eine Welt zu gewinnen» hatten.

Nach dem Nationalrat wird der Ständerat über die Vorlage beraten. Damit folgt das Parlament dem Beispiel der Spanienkämpfer:innen, die bereits vor rund 20 Jahren rehabilitiert wurden.

Mehr zu den Hintergründen findest du in diesem lesenswerten WOZ-Artikel.

🚶‍♀️‍➡️ Zahl des Tages

15 Prozent

Auf Los geht’s los: Shibuya-Kreuzung in Tokio. (Foto: Unsplash/Ryoji Iwata)

Wir sind heute deutlich flotter zu Fuss unterwegs als früher: Fussgänger:innen in Städten haben ihr Tempo in den letzten 40 Jahren um rund 15 Prozent gesteigert. Watson berichtet über eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT), die zeigt, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,5 km/h im Jahr 1980 auf etwa 5,1 km/h im Jahr 2010 gestiegen ist.

Interessant ist dabei nicht nur das Tempo, sondern ebenso das Verhalten: Das gemütliche Schlendern ging um 14 Prozent zurück. Die Forscher:innen stellten fest, dass die Stadt zunehmend als Korridor für effiziente Fortbewegung wahrgenommen wird und weniger als Ort der Begegnung. Soziale Interaktionen im öffentlichen Raum nahmen drastisch ab.

Die Gründe für die Eile sind vielfältig, liegen aber nicht an einer besseren körperlichen Fitness:

  • Ökonomie: Es gibt eine statistische Korrelation zwischen höherem Gehtempo und steigenden Löhnen.

  • Reizüberflutung: In überfüllten Städten beschleunigen Menschen instinktiv, um der Reizüberflutung schneller zu entkommen.

  • Strukturwandel: Dank Cafés findet das soziale Leben heute eher drinnen statt als auf dem Trottoir.

Ob wir ein Plateau erreicht haben oder bald alle rennen müssen, soll eine neue Studie in 40 europäischen Städten klären.

Und wie immer gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Das zeigt eine Feldstudie des 6iBrief-Schreibers unter den Lauben der Stadt Bern. 🐌

Kurz-News

Kehrtwende im Wallis · Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS führt das Wallis eine kantonale Gebäudeversicherung ein. Der Grosse Rat hat ein entsprechendes Postulat mit deutlicher Mehrheit angenommen. Damit reagiert das Parlament gemäss SRF auch auf den gestiegenen Druck nach mehreren Naturereignissen. Die neue Versicherung soll Feuer- und Elementarschäden decken sowie die Prävention stärken.

Bern will keine Knaller mehr · In Bern soll das Abbrennen lärmender Feuerwerkskörper künftig verboten sein. Der Stadtrat hat eine Motion mit 34 zu 27 Stimmen angenommen. Ziel ist ein besserer Schutz von Mensch, Tier und Umwelt vor Lärm und Emissionen. Der Gemeinderat muss nun das Reglement überarbeiten und Alternativen wie Drohnen-Shows prüfen. Die Debatte verlief gemäss Berner Zeitung kontrovers: Während Befürworter:innen die moderne Technik lobten, kritisierten Gegner:innen das Verbot als unverhältnismässig.

Upgrade für Amphitheater · Das römische Amphitheater von Nyon VD soll zu einem archäologischen Park aufgewertet werden. Die Stadt präsentierte gestern Pläne, um das Denkmal von nationaler Bedeutung für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Projekt setzt gemäss Nau auf minimale Eingriffe, um die antike Bausubstanz zu schützen. Der Baubeginn ist für Anfang 2027 geplant, sofern der Gemeinderat den notwendigen Kredit bewilligt.

International

Betankungsflugzeug abgestürzt · Im Westen des Irak ist ein US-Betankungsflugzeug vom Typ KC-135 mit sechs Besatzungsmitgliedern an Bord abgestürzt. Nach Angaben des US Central Command geschah das Unglück in freundlichem Luftraum und wurde nicht durch feindliches Feuer verursacht. Die Maschine kollidierte offenbar mit einem weiteren Flugzeug desselben Typs, das jedoch sicher landen konnte. Gemäss Guardian laufen Rettungsmassnahmen; Details zum Schicksal der Besatzung seien unklar.

Rapper an die Macht · Nach dem Erdrutschsieg der Partei RSP bei den Wahlen in Nepal fordern die Jungen den ehemaligen Rapper Balendra Shah als Premierminister. Der 35-Jährige gilt gemäss SRF als Hoffnungsträger gegen Korruption und Misswirtschaft. Doch die Parteispitze zögert, die vor der Wahl getroffene Ernennungszusage einzulösen. Wird Shah indes nicht Premier, drohen neue Proteste der Generation TikTok, die den Wandel herbeigeführt hat.

🧪 Nützliches des Tages

Alchemie

Pfütze + Pfütze = Ententeich. (Screenshot: Little Alchemy 2)

Forscher:innen der Uni Texas haben einen Durchbruch im Bereich «Pflanzen im Weltraum» erzielt: Kichererbsen können in simuliertem Mondstaub gedeihen! Chickpeas in Space, sozusagen. Damit erweitere sich das Menü für künftige Mondbewohner:innen um eine proteinreiche Komponente, schreibt SRF.

Echter Mondboden, auch Regolith genannt, ist unfruchtbar und schadstoffbelastet. Um Wachstum zu ermöglichen, wurde der künstliche Mondstaub mit nährstoffreichem Wurmkompost angereichert. Zusätzlich schützten Mykorrhizapilze die Wurzeln vor Schwermetallen und verbesserten die Nährstoffaufnahme. Die Pflanzen überlebten in einer Mischung, die bis zu 75 Prozent aus Mondstaub bestand. Bei einem höheren Anteil zeigten sie Stresssymptome.

Wenn du jetzt auch Lust aufs Experimentieren bekommen hast, empfehle ich dir dieses lustige (englischsprachige) Browsergame. Das Prinzip von Little Alchemy ist ganz einfach: Du kombinierst Elemente und erfindest neue Dinge. Wenn du Wasser mit Wasser verbindest, entsteht eine Pfütze. Wenn du zur Pfütze eine zweite Pfütze addierst, bekommst du einen Teich. Und so weiter. Über 700 Entdeckungen sind möglich. Ein unterhaltsamer Puzzlespass!

🏀 Witziges zum Schluss

Witziges der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und ein schönes Wochenende!

Peter

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