Guten Morgen {{vorname}}
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber: Bundesrätin Karin Keller-Sutter und ich haben zwei Gemeinsamkeiten. Wir beide mögen Hunde und Pommes frites.
Ich habe mir den Soulfood während Trumps gestriger Davoser Rede gegönnt. Sie hatte ihn offenbar danach nötig.
Zum Frühstück nun aber die News des Tages.
Schweiz · WEF
Zuerst beleidigt Trump Keller-Sutter, dann macht er eine Kehrtwende

Immerhin Gian und Giachen, die Maskottchen von Graubünden Tourismus, haben etwas zu lachen. (Screenshot: Instagram/graubuenden/armandoflueler/lpaterli)
Die wirkliche Überraschung folgte erst gestern Abend. US-Präsident Donald Trump verkündete nämlich, dass die angedrohten Strafzölle gegen acht europäische Staaten (darunter Deutschland und Dänemark) vorerst nicht verhängt würden.
Ursprünglich wollte Trump ab Februar Importzölle von 10 Prozent erheben, um einen Kauf Grönlands zu erzwingen. Nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos GR sprach Trump von einem erzielten «Rahmenabkommen».
Ob dies ein Durchbruch oder nur ein diplomatischer Aufschub ist, bleibt unklar. Dänemark lehnt Verkaufsgespräche weiterhin strikt ab, wie SRF berichtet.
Zuvor war alles so, wie man es befürchten konnte: In seiner WEF-Rede griff Trump Europa und die Schweiz frontal an. So behauptete er etwa: «Ohne die USA wäre die Schweiz nicht die Schweiz.» Gemäss NZZ begründete er den hiesigen Wohlstand allein mit steuerfreien Uhrenexporten in sein Land. (Einen Faktencheck zu weiteren Aussagen Trumps findest du bei Watson.)
Besonders beschämend war Trumps persönliche Attacke auf FDP-Finanzministerin Karin Keller-Sutter. Trump äffte sie nach und beschwerte sich, sie sei ihm während des mittlerweile berüchtigten Telefonats auf die Nerven gegangen. In Anspielung auf die Verhandlungen über Strafzölle imitierte er sie mit den Worten: «Nein, nein, tun Sie das nicht, wir sind ein so kleines Land.»
Trotz abermaliger verbaler Entgleisung seitens Trump verzichtete SVP-Bundespräsident Guy Parmelin im Anschluss an die Rede auf jede Kritik. Er betonte lediglich die Höflichkeit des Treffens, bei dem Trump über Keller-Sutter gesagt haben solle: «She’s tough.»
«Ohne den US-Präsidenten wäre Davos nicht Davos.»
Angesprochen auf den aggressiven Ton des US-Präsidenten, flüchtete sich Parmelin in die Neutralität: Das sei eben Diplomatie. «Ohne den US-Präsidenten wäre Davos nicht Davos.»
Während die Politik im Inland von «Wahnsinn» (SP) und «Respektlosigkeit» (GLP) spricht, bleibt die Schweiz gegenüber der Supermacht in der Bittsteller-Rolle, um bis März den Zoll-Deal zu retten.
Und was machte eigentlich Karin Keller-Sutter? Die ging gemäss Blick ins Migros-Restaurant in Davos und gönnte sich eine Portion Pommes frites.
Schweiz · Krisenkommunikation
Schweizer Notfallfunk in Gefahr

Im Krisenfall muss der Kontakt zu abgelegenen Orten gewährleistet sein. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Raphael Moser)
Die Krisenkommunikation der Schweiz ist gemäss einem Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) «ernsthaft gefährdet». Das geplante Nachfolgesystem für den veralteten Notfallfunk Polycom, das Mobile Sicherheitskommunikationssystem (MSK), droht an Verzögerungen und Fehlplanungen zu scheitern. Dies berichtet der Tages-Anzeiger.
Polycom bildet das Rückgrat für Polizei, Feuerwehr und Sanität. Dass das System am Limit läuft, zeigten Ausfälle bei den Schneefällen im Wallis im vergangenen Jahr. Dennoch wurde der Projektstart für den Ersatz auf 2028 verschoben. Da der Endtermin 2035 fix bleibt, bleiben für das 2,9-Milliarden-Grossprojekt nur noch sieben Jahre Zeit. Die EFK warnt: «Weitere Verzögerungen sind nicht vertretbar.»
Besonders in der Kritik stand der Plan des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (Babs), eine Aktiengesellschaft für den Betrieb zu gründen. Dies hätte laut Prüfern zu rechtlichen Blockaden geführt. Zwar lenkte das VBS inzwischen ein und verzichtet auf die AG, hält aber an einer umstrittenen Vorprojektphase fest.
Nach dem Abgang von Babs-Direktorin Michaela Schärer steht die neue Leitung unter enormem Druck. Es gilt, so die Zeitung, eine gefährliche Funktionslücke in der sicheren Kommunikation zu verhindern, damit der Kontakt zu abgelegenen Orten im Katastrophenfall nicht abreisst.
Schweiz · Kampfjet-Beschaffung
F-35: Es wird nochmals teurer

Fliegt nicht aus den Schlagzeilen: F-35. (Foto: Unsplash/Arturo Alvarez)
Und gleich nochmals ein Blick in den Bericht der Finanzkontrolleur:innen. Zu wichtig, um darüber hinwegzusehen. Darin heisst es nämlich, dass die baulichen Massnahmen bei der Beschaffung des US-Kampfjets F-35 deutlich teurer werden als geplant.
Statt der ursprünglich veranschlagten 120 Millionen Franken liegen die prognostizierten Kosten gemäss Limmattaler Zeitung nun bei 200 Millionen Franken. Zudem wurden weitere Projekte im Umfang von 50 Millionen Franken identifiziert, die in direktem Zusammenhang mit dem Kauf stehen.
Die Finanzprüfer:innen warnen vor Verzögerungen bei den Bauverfahren. Im schlimmsten Fall müssten die Flieger vorübergehend im Ausland stationiert werden – ein Szenario, das das Verteidigungsdepartement (VBS) jedoch als «nicht realistisch» zurückweist. Die Mehrkosten hängen laut VBS primär mit der Teuerung von Baumaterialien zusammen.
Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen, plant die Luftwaffe derweil eine ungewöhnliche Aktion auf dem Flugplatz Meiringen BE: Der F-35 soll für direkte Lärmmessungen und Hörproben in die Schweiz fliegen.
Geplant ist ein Direktvergleich mit dem aktuellen F/A-18. Laut Flugplatzkommandant Marc Studer könne sich so jeder selbst ein Bild machen, «ob und wie sehr ihn die Differenz künftig beeinflusst».
📖 Zitat des Tages
«Ich hoffe, es ist ein gutes Buch, um damit abzutreten»

Julian Barnes in seinem Studierzimmer. (Screenshot: BBC/Roxanne Panthaki)
Der britische Schriftsteller Julian Barnes hatte immer schon ein gutes Gespür fürs Ende. Vor ein paar Tagen ist sein neuer Roman «Departure(s)» erschienen, in der Übersetzung: «Abschied(e)». In diesem BBC-Interview sagt der 80-Jährige, es sei sein letzter.
Der Rückzug erfolge nicht aus Erschöpfung, sondern aus Überzeugung, sagt Barnes: «Man hat das Gefühl, seine Melodien gespielt zu haben.» Als er das Buch schrieb, dachte er: «Das fühlt sich wie das letzte an, und das sollte es auch sein.»
Der Roman «Abschied(e)» sei ein typischer Barnes, schreibt die BBC: Er lasse die Grenzen zwischen Erlebtem und Erfundenem verschwimmen. Im Zentrum steht eine Liebesgeschichte zwischen einem Paar, das sich als Studenten trennt und Jahre später wieder zusammenfindet.
Seinen Leser:innen hinterlässt Julian Barnes am Ende des Buches eine persönliche Botschaft: «Ich werde euch vermissen. Eure Anwesenheit hat mich erfreut.»
Kurz-News
Bundesgericht setzt klares Signal · Massive psychische Belastung durch Terror im Netz (Cyberstalking) wird künftig wie eine physische Verletzung gewertet, so der Beobachter. Ein Mann, der seine Ex-Partnerin jahrelang digital überwachte, wurde vom Kantonsgericht Luzern wegen einfacher Körperverletzung verurteilt. Da der Terror zu einer «krankheitswertigen Störung» führte, bestätigten die Richter:innen in Lausanne nun das Urteil.
Solothurner Filmtage eröffnet · SP-Kulturministerin Elisabeth Baume-Schneider hat gestern Abend die 61. Solothurner Filmtage eröffnet. In ihrer Rede lobte sie gemäss Persoenlich Filmfestivals als Orte der Überraschung und als Gegenentwurf zur «algorithmischen Gemütlichkeit». Der Eröffnungsfilm «The Narrative» hinterfragte die Verantwortung im globalen Finanzsystem am Beispiel eines UBS-Verlusts von 2,3 Milliarden Dollar. Bis zum 28. Januar werden rund 150 Filme gezeigt.
Für pragmatische Neutralität · Trotz Rückhalt für die Neutralität (80 Prozent) befürwortet eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung Waffenlieferungen an die Ukraine. Laut einer Sotomo-Umfrage unterstützen 56 Prozent die Abgabe von Munition zur Selbstverteidigung an die Ukraine. Zudem befürworten 83 Prozent sicherheitspolitische Kooperationen zum Eigenschutz. Gegenüber SRF sagt Michael Hermann von Sotomo, Neutralität werde als erfolgreiches Konzept gesehen. «Man hat aber einen sehr pragmatischen Zugang dazu.»
International
Schlappe für US-Regierung · Ein US-Bundesrichter hat der Trump-Regierung einen Riegel vorgeschoben, berichtet der Spiegel. Das FBI dürfe die bei Reporterin Hannah Natanson beschlagnahmten Geräte vorerst nicht auswerten. Die «Washington Post» klagte erfolgreich gegen den Zugriff auf jahrelange Recherchen und vertrauliche Quellen. Die Zeitung sieht die Pressefreiheit durch die Razzia massiv verletzt. Bis zu einer Anhörung im Februar bleiben die Daten nun unter Verschluss.
Ehre für Taylor Swift · US-Sängerin Taylor Swift bricht erneut Rekorde: Die 36-Jährige wird gemäss BBC als jüngste Frau in die renommierte Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Neben ihr gehören 2026 unter anderem Alanis Morissette sowie Paul Stanley und Gene Simmons von KISS zu den Auserwählten. Die Auszeichnung würdige Swifts prägenden Einfluss auf die Popmusik. Die feierliche Aufnahme findet im Juni in New York statt.
🪟 Nützliches des Tages
Aus dem Fenster anderer schauen

Ein Sitzplatz im englischen Sherburn, irgendwann im Herbst. (Screenshot: Window Swap)
Um zu verstehen, heisst es, müsse man die Sichtweise anderer kennen: Der berühmte Blick über den Tellerrand. Der gelingt auch, wenn wir einander mehr zuhören.
Das kann natürlich sehr anstrengend sein. Während Donald Trumps Rede gestern in Davos sträubte sich alles in mir (trotz 🍟).
Eine kontemplativere Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern, bietet die wunderbare Website Window Swap. Sie zeigt dir, was andere sehen, wenn sie aus ihrem Fenster schauen.
Die Idee für das Projekt hatte ein Paar aus Singapur während der Covid-Pandemie. Sie wollten eine einfache Anwendung kreieren, um die bisweilen lähmende Isolation zu durchbrechen, neue Perspektiven zu ermöglichen – und die Nerven zu beruhigen.
Nach einer kleinen Weltreise vor dem Bildschirm gestern Abend kann ich dir sagen: Es funktioniert immer noch.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



