Guten Morgen {{vorname}}
Na, hast du dich gut vom 1.-August-Wochenende erholt? Vergangene Woche erreichte mich ein Leser:innen-Feedback, dass es nervt, wenn hier immer wieder das Klima und die Hitze thematisiert werden. Cheggi, mich langsam auch – aber leider bleibt das Thema im wahrsten Sinne des Wortes ein hot topic: Etwa, weil das Bundesamt für Umwelt gerade bestätigte, dass Gelder für eine klimataugliche Aufforstung gestrichen werden. 😬

Was heute sonst noch wichtig ist: Umweltorganisationen wenden sich von der Ernährungsinitiative ab und ein Migrationsexperte ordnet die Ereignisse von Ceuta ein.

Schweiz · Klima

Umweltminister Albert Rösti streicht Budget für klimatauglichen Wald

Millionen für Wälder fallen weg: Das Bundesamt für Umwelt bestätigte die Sparrmassnahmen. (Screenshot: NZZ / Sara Spirig)

Die extreme Hitze und die Trockenheit setzen dem Schweizer Wald zu – und ausgerechnet in dem Jahr, in dem ein Hitzerekord den nächsten jagt, streicht Bundesrat und Umweltminister Albert Rösti die Mittel, um den Wald klimafit zu machen. Dies berichtet die «NZZ am Sonntag».

2020 hatte das Parlament 100 Millionen Franken, verteilt auf vier Jahre, unter anderem für die Pflanzung hitzeresistenter Bäume bewilligt. Diese Massnahmen wurden 2023 verlängert, die Gelder aber um ein Drittel gekürzt. Ab 2027 stehen die Mittel für die Walderhaltung «nicht mehr zur Verfügung», wie das Bundesamt für Umwelt bestätigte.

Dabei besteht Handlungsbedarf: Der diesjährige Rekordsommer zeigt, dass der Wald in seiner heutigen Form keine Zukunft hat, heisst es im Artikel. Daniel Fässler, Präsident des Dachverbandes Wald Schweiz und Mitte-Ständerat, sagt: «Der Klimawandel setzt den Bäumen härter und schneller zu, als ich je gedacht habe.» Die neuen Sparmassnahmen seien brandgefährlich, der Handlungsbedarf laut Fässler «unbestritten».

Auch der Vorstand der kantonalen Konferenz für Wildtiere, Wald und Landschaft ist verärgert über den Entscheid des Bundesrats. «Die jetzige Situation mit der Trockenheit, dem frühzeitigen Blattabfall und der akuten Waldbrandgefahr zeigt den nochmals gestiegenen Handlungsbedarf leider deutlich auf», sagt der Innerrhoder Mitte-Regierungsrat Stefan Müller.

International · Migrationspolitik

Migrationsexperte ordnet Ereignisse von Ceuta ein

Von Marokko aus gelangten zehntausende Migrant:innen in die Enklave Ceuta.(Screenshot: SRF / AP Photo / Antonio Sempere)

Nachdem Zehntausende Menschen aus dem benachbarten Marokko in die spanische Enklave Ceuta in Nordafrika gelangten, ist eine Diskussion über die Ereignisse entbrannt. Wie SRF berichtet, seien Zehntausende Migrant:innen wieder nach Marokko zurückgekehrt. Das marokkanische Innenministerium sprach gemäss 20 Minuten von elf Toten: Zur Migrationskrise kam es wegen der «Verbreitung irreführender Informationen» und «fehlerhafter Auslegungen gesetzlicher Bestimmungen».

Nach spanischen Angaben starben 72 Menschen beim Versuch, Ceuta zu erreichen – mehr als 60'000 Migrant:innen gelangten in die Exklave. Ein möglicher Grund für die Ankunft der Menschenmasse seien Gerüchte über angeblich geöffnete Grenzen, die die «Schleusermafia» verbreitet habe.

Der Migrationsexperte Gerald Knaus ordnet die Ereignisse ein – und sagt zu SRF, dass ein sicheres Drittstaatenabkommen eine Lösung wäre. «Eine so grosse Zahl Migranten, die über eine EU-Aussengrenze kommt, gab es in den letzten 20 Jahren nicht», so Knaus. «Derzeit haben wir eine sehr niedrige irreguläre Migration in die EU. Aber weil die Bilder aus Ceuta die Statistiken in der Aufmerksamkeit schlagen, glaubt die Öffentlichkeit diesen beängstigenden Bildern.»

Auf die Frage, warum die EU Schuldzuweisungen macht, sagt Knaus: «Die EU hätte hier geschlossen agieren und nicht ideologische Grabenkämpfe führen müssen.» Und: «Was Regierungen in Europa jetzt machen, ist Theaterpolitik. Sie überzeugt nicht, weil die Staaten nicht nur machtlos wirken, sondern nur Scheinlösungen anbieten.»

Schweiz · Politik

Umweltorganisationen wenden sich von Ernährungsinitiative ab

Über die Ernährungsinitiative wird am 27. September abgestimmt.
(Screenshot: Tages-Anzeiger / Madeleine Schoder)

Für die Ernährungsinitiative, die am 27. September zur Abstimmung steht, sammelten Greenpeace, Pro Natura und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten einst Unterschriften. Jetzt distanzieren sich die Umweltverbände davon, wie der Tages-Anzeiger (Artikel noch nicht online) berichtet. Darum geht es: Die Initiative der Berner Umweltaktivistin Franziska Herren verlangt einen Umbau der Schweizer Landwirtschaft hin zu mehr pflanzlicher Produktion und einem deutlich höheren Selbstversorgungsgrad.

Ihre Distanzierung erklären die drei Umweltorganisationen polittaktisch, die Begründungen sind unterschiedlich. Greenpeace verwies auf die mangelnde parlamentarische Rückendeckung, schätzt die Erfolgsaussichten vor dem Volk als gering ein und befürchtet, eine Niederlage an der Urne könnte eine möglichst progressive Agrarpolitik 2030+ gefährden.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten begründete ihren Rückzug mit einer Anpassung der eigenen politischen Schwerpunkte. Und die Naturschutzorganisation Pro Natura kritisiert, Franziska Herren habe sich nie ernsthaft um eine breite Allianz mit anderen Akteur:innen bemüht, was einen parlamentarischen Gegenvorschlag verunmöglicht habe.

Auch politisch erhält die Ernährungsinitiative kaum Unterstützung: Kein einziges Parlamentsmitglied ist dafür.

Kurioses

Ameisen schalten die Strassenbeleuchtung aus

In der Waadtländer Gemeinde Orges fällt die Strassenbeleuchtung
wegen Ameisen aus.
(Foto: Unsplash / Jithin Vijayamohanan)

Was ist eigentlich mit Tieren los, die obsessed mit Lichtern sind? Vor einiger Zeit schrieb ich an dieser Stelle von Spinnen, die die Luzerner Feuerwehr verrückt machen, weil sie bei der Kapellbrücke den Feueralarm auslösen. Wie SRF nun berichtet, lieben offenbar auch Ameisen das Spiel mit dem Licht: In der Waadtländer Gemeinde Orges fällt wegen Ameisen immer wieder die Strassenbeleuchtung aus.

Die Insekten lagern Sand in den Schaltkasten ab und verursachen so Störungen. «Dadurch werden elektrische Komponenten beschädigt, und die Strassenlaterne fällt aus», erklärt Vize-Gemeindepräsident Damien Gfeller.

In Orges muss deshalb zwei- bis dreimal pro Jahr ein Elektriker ausrücken und die von Ameisen verursachten Defekte beheben. Angezogen werden die Ameisen übrigens von der Wärme der elektrischen Anlagen – durch kleine Öffnungen dringen sie in die Anlagen ein und wollen eigentlich nur etwas Ordnung. «Anschliessend bringen sie Erde oder Sand hinein, weil sie eine Struktur schaffen wollen, die ihrem Bau ähnelt», erklärt Anne Freitag, Kuratorin am Naturhistorischen Museum des Kantons Waadt in Lausanne. Wieder was gelernt. 🐜

Kurz-News

1. August verlief ruhig · Der Nationalfeiertag verlief schweizweit ruhig, wie SRF berichtet. Die Polizeien mehrerer Kantone melden einen 1. August mit vergleichsweise wenig Einsätzen. Mehrere kantonale Polizeikorps und Rettungsdienste zogen eine positive Bilanz.

Jugendlicher stirbt bei Wanderunfall · Ein 17-Jähriger ist am Sonntagmorgen im Kanton St. Gallen bei einer Wanderung am Scheffloch rund 40 Meter tief abgestürzt und tödlich verunglückt. Die Kantonspolizei St. Gallen klärt den Unfallhergang ab, schreibt 20 Minuten.

Wolfsrisse gingen zurück · Wölfe töteten dieses Jahr deutlich weniger Nutztiere. In der laufenden Alpsaison wurden bislang 183 Nutztiere gerissen, im vergangenen Jahr waren es 402 Tiere, wie Nau berichtet. Dazu beigetragen haben Herdenschutz und Wolfsabschüsse.

International

Helikopterunglück bei Löscharbeiten · Bei den Löscharbeiten der Waldbrände in Griechenland kam es nahe Athen zu einer Kollision von zwei Löschhelikoptern, wie BBC berichtet. Dabei kamen ein dänischer Pilot und ein griechischer Feuerwehr-Koordinator ums Leben. Zwei weitere Menschen überlebten den Unfall.

Bergsteiger Nirmal Purja ist tot · Der nepalesisch-britische Extremsportler Nirmal Purja ist bei einem Lawinenunglück am Berg Broad Peak in Pakistan gestorben, wie Watson berichtet. Purja bestieg als erster Mensch alle Achttausender innerhalb einer Saison und wurde durch eine Netflix-Dokumentation als Bergsteiger bekannt.

🔧 Nützliches des Tages

Queeres Kino in Züri

Zwei Kino-Daten, die ihr euch in die Agenda schreiben könnt: Eins davon ist das Screening von «I Saw the TV Glow». (Foto: A24)

Weisst du, was bei mir den Montagsblues zuverlässig vertreibt? Schönes zu planen, auf das ich mich freuen kann. Zum Beispiel kannst du dir jetzt schon mal zwei Kinoabende im KinoKoni in Zürich vormerken, die das Kino unter anderem gemeinsam mit Zurich Pride und dem Transgender Network Switzerland (TGNS) präsentiert.

Gezeigt werden zwei Filme von Jane Schoenbrun, einen davon liebe ich sehr: Am 16. August kannst du dir «I Saw the TV Glow» anschauen, ein Psycho-Horror-Drama, das sich um die Frage nach Identität dreht. Beklemmend, wunderschön und mit tollem Soundtrack (Phoebe Bridgers!). Tickets gibts hier.

Am 19. August gibt es eine Vorpremiere von Schoenbruns neuem Film «Teenage Sex and Death at Camp Miasma» mit Hannah Einbinder und Gillian Anderson in den Hauptrollen. Auf den Film freue ich mich schon sehr. Anschliessend an die Vorstellung organisiert TGNS einen Talk. Hier lang für die Tickets.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Ich wünsch dir einen guten Start in die Woche!

Vanja

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