Guten Morgen {{vorname}}
An meinem Gymnasium galt das ungeschriebene Gesetz: Wer am Bahnhof ein nicht abgeschlossenes Velo findet, darf damit in die Schule fahren. Das funktionierte lange Zeit ganz gut. Wer seinen Drahtesel vermisste, fand ihn meistens an den Brunnen vor dem Schulhaus angelehnt wieder oder später am Nachmittag zurück in seinem rostigen Ständer am Bahnhof.
Als eines Morgens die Polizei auf dem Schulgelände stand, war aber fertig mit dieser «First come, first served»-Praxis. Der Seminarist, der mutmasslich dafür verantwortlich war, erntete für ein paar Tage böse Blicke in der Mensa. Und die Velos wurden ab diesem Zeitpunkt vermehrt mit Schlössern versehen. Obwohl das natürlich Planungssicherheit schuf, trauerten wir den wilden Zeiten noch lange nach.
Künftig soll die sogenannte «Entwendung zum Gebrauch» härter bestraft werden. Der Bundesrat hat einem entsprechenden SVP-Vorstoss seine Unterstützung zugesichert.
Schweiz · 🚲
Härtere Strafen für Velodieb:innen

Jedes Jahr werden in der Schweiz 50’000 Velos gestohlen. (Foto: Unsplash/Gio L)
Wer ein Velo oder E-Bike stiehlt, soll künftig strenger bestraft werden. Der Bundesrat unterstützt gemäss SRF einen Vorstoss von SVP-Nationalrat Lukas Reimann, der eine Verschärfung des Strassenverkehrsgesetzes fordert. Ziel ist es, die sogenannte «Entwendung zum Gebrauch» nicht mehr nur als einfache Übertretung zu behandeln.
Bisher genügt oft die Ausrede, ein Fahrzeug nur «kurz benutzt» oder «gefunden» zu haben, um einer harten Strafe zu entgehen. Laut Reimann führen diese milden Sanktionen dazu, dass Täter selbst beim Diebstahl teurer E-Bikes lediglich mit geringen Bussen rechnen müssen. Angesichts von jährlich über 50’000 gestohlenen Velos in der Schweiz fordert seine Motion nun «wirksame strafrechtliche Sanktionen».
Eine mildere Behandlung soll künftig nur noch in Ausnahmefällen möglich sein, etwa wenn Täter:in und Opfer zur gleichen Familie gehören oder ein Abhängigkeitsverhältnis besteht.
Schweiz · Fedpol
Mafia-Informant kümmerte sich um Schutz von Bundesrät:innen

Sollte für Sicherheit im Bundeshaus sorgen: Fedpol. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Alessandro della Valle)
Der Zugriff der Sondereinheit «Tigris» fand am vergangenen Dienstag statt. Und das ausgerechnet am Hauptsitz der Bundespolizei (Fedpol). Ein Kommissär des Bundessicherheitsdienstes (BSD) steht unter Verdacht, interne Informationen gegen Bestechungsgelder von weit über 100’000 Franken an eine kriminelle Drogenorganisation weitergegeben zu haben.
Der verhaftete Familienvater war direkt mit dem Schutz von Bundesrät:innen und Parlamentarier:innen betraut, berichtet heute der Tages-Anzeiger. In dieser Funktion hatte er Zugriff auf sensible Gefahrenanalysen.
Auch seine Ehefrau, eine ehemalige Kantonspolizistin, wurde festgenommen. Insgesamt gab es sechs Verhaftungen und zwölf Hausdurchsuchungen in einer koordinierten Aktion mit deutschen und französischen Behörden.
Laut Bundesanwaltschaft wird wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation und Drogendelikten ermittelt. Die parlamentarische Aufsicht (GPK) wurde bereits eingeschaltet, um auch die Führungskultur innerhalb des Fedpol zu untersuchen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Schweiz · Konsum
Nagelstudios und Barbershops verdrängen Einkaufsläden

Lädelisterben. (Screenshot: Blick/Martin Wagner)
Schweizer Einkaufsstrassen erleben einen tiefgreifenden Strukturwandel. Der klassische Warenverkauf verliert an Boden, während die Gastronomie und der Dienstleistungssektor gemäss Blick boomt. Besonders Modegeschäfte verschwinden zunehmend aus den Fussgängerzonen, wie eine aktuelle Analyse des Immobilienberaters Wüest Partner zeigt.
In der Zürcher Altstadt schlossen in den letzten zehn Jahren 110 Kleiderläden – ein Rückgang von 30 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Genf, wo rund 80 Bekleidungsgeschäfte verschwanden. Stattdessen öffnen immer mehr Barbershops, Nagelstudios, Gastrobetriebe sowie Physio- und Psychotherapiepraxen. Ein Grund für diesen Wandel sind die hohen Mieten: Dienstleister benötigen oft weniger Fläche und keine teuren Lagerräume.
Zudem macht der Onlinehandel dem stationären Non-Food-Handel stark zu schaffen; sein Marktanteil liegt mittlerweile bei 18 Prozent. Laut Branchenexpert:innen suchen die Menschen in den Innenstädten heute vermehrt den sozialen Austausch. «Es entspricht auch dem Zeitgeist von heute – sich treffen, trinken, essen, sich austauschen», sagt Alfred Landolt, Präsident der City-Vereinigung Luzern. Die Zentren entwickeln sich damit weg von reinen Einkaufsmeilen hin zu sozialen Erlebnislandschaften.
PS: Dass dank innovativer Konzepte durchaus eine Chance für «Lädeli» in der Innenstadt besteht, will das kürzlich in Bern wiedereröffnete Kaiserhaus beweisen. Ein Besuch lohnt sich!
Zahl des Tages
33 Jahre

Mario Villanueva an seinem Arbeitsplatz im Zürcher Niederdorf. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Urs Jaudas)
Vermutlich hat Mario Villanueva kein Linkedin-Konto. Was sollte er auch posten? Der Mann arbeitet seit 33 Jahren im selben Betrieb, in der Bodega Española in Zürich. Der Tages-Anzeiger widmet dem «Kult-Kellner» heute ein schönes Porträt.
Darin erinnert sich der 63-jährige Galicier an seinen ersten Gast, Herrn Christoph. Serviert habe er ihm damals, im Jahr 1993, Ziegenkäse-Tapas und ein Gläschen Manzanilla, einen trockenen Sherry. Die beiden kennen sich bis heute. Und bis heute freut sich Villanueva auch auf jeden neuen Arbeitstag.
Für Stammgäste ist Villanueva, der im Service täglich 30 Kilometer zurücklegt, «der beste Kellner, den man sich wünschen kann». Trotzdem wahrt er eine professionelle Distanz: «Die Gäste sind meine Gäste, nicht meine Freunde.»
In zwei Jahren wird Villanueva pensioniert. «Das ist wie ein Zuhause für mich, darum glaube ich schon, dass ich traurig sein werde», sagt er. Der Bodega prophezeit er eine blühende Zukunft: «Wenn sie so bleibt, wie sie ist, dann bleibt sie auch so beliebt.»
Kurz-News
Racket für Papst · Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) hat gestern im Vatikan Papst Leo XIV. getroffen und ein sportliches Geschenk überreicht: Einen signierten Tennisschläger von Roger Federer sowie ein zweites Modell zum aktiven Spielen. Das Gespräch verlief laut Parmelin «offen und freundschaftlich». Themen waren neben internationalen Konflikten der geplante Neubau der Kaserne für die Schweizergarde, berichtet SRF. Am Nachmittag wohnte Parmelin der Vereidigung von 28 neuen Gardisten bei.
Jetzt spricht der Whistleblower · André Plass hat als Whistleblower den Fall Maisano ins Rollen gebracht – und wurde von seinem Arbeitgeber entlassen. Entschuldigt hat sich das Unispital Zürich nie bei ihm. Zwar gab man Fehler zu, rechtfertigte Plass’ Entlassung jedoch damit, er sei kein Teamplayer gewesen. Der Herzchirurg, der riskante Implantate und Interessenkonflikte anprangerte, zieht nun im Beobachter-Interview ein ernüchterndes Fazit: «Man kann die Welt höchstens ein bisschen verändern. Niemals ganz.»
Promis gegen Isolation · Gut einen Monat vor der Abstimmung über die 10-Millionen-Schweiz-Initiative der SVP formiert sich breiter Widerstand aus Sport, Kultur und Wissenschaft. In einem Manifest der WOZ warnen über drei Dutzend prominente Persönlichkeiten vor einer Isolation der Schweiz. Nati-Captain Lia Wälti etwa sagt: «Eine Schweiz, die Menschen ausschliesst und diese Vielfalt schwächt, ist nicht die Schweiz, für die ich einstehe.»
International
Hoffnung auf Frieden · Der Iran prüft derzeit einen US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges. Laut US-Medien geht es um ein 14-Punkte-Memorandum, das unter anderem den Stopp der Urananreicherung und die Öffnung der Strasse von Hormus vorsieht. Während das iranische Parlament die Pläne teils als «Wunschliste» kritisiert, zeigt sich US-Präsident Donald Trump gemäss BBC optimistisch: «Sie wollen einen Deal machen. Wir hatten in den letzten 24 Stunden sehr gute Gespräche.»
CNN-Gründer gestorben · Ted Turner, der Gründer des weltweit ersten 24-Stunden-Nachrichtensenders CNN, ist im Alter von 87 Jahren in Florida gestorben. Der Medienpionier revolutionierte mit seiner Live-Berichterstattung die globale Informationswelt, schreibt SRF. CNN-Chef Mark Thompson würdigte ihn: «Ted ist der Gigant, auf dessen Schultern wir alle stehen.» Nach seinem Rückzug aus dem Mediengeschäft engagierte sich der Milliardär als Philanthrop und spendete hohe Summen für die UNO.
🕺 Nützliches des Tages
Tanzen

Auch toll: Day Raves. (Foto: Unsplash/Rogier Schutte)
Man glaubt es kaum, aber in vielen Kantonen gilt bis heute ein Tanzverbot an hohen Feiertagen. Dabei hält uns Tanzen körperlich und geistig fit (sagt auch die Wissenschaft). Hinzu kommt die soziale Komponente: Tanzen ist der vertikale Ausdruck einer horizontalen Begierde, lautet ein hübsches Bonmot.
Wie das mit der Disco in der Schweiz in den Siebzigern genau angefangen hat, liest du in diesem interessanten Artikel auf SRF.
Und wenn du danach Lust auf Bewegung bekommen hast, empfehle ich dir, nach Zürich zu schwofen. Am dortigen Zürich tanzt-Festival finden ab heute und noch bis Sonntag ganz viele tolle Tanz-Veranstaltungen statt.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Peter
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