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Die Walliser Gemeinde Brig-Glis wird vom Heimatschutz mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet. Kein Lob verdienen die Walliser Ermittlungsbehörden in Sachen Feuerkatastrophe von Crans-Montana. Wie jetzt bekannt wird, gab es offenbar auch Versäumnisse bei den Obduktionen der Opfer.
Der letzte 6iBrief dieser Woche beginnt also mit empörenden News. Dafür wird es gegen Schluss versöhnlich – mit der wundervollen Platte «Tragic Magic» von Mary Lattimore und Julianna Barwick, die heute erscheint.
Schweiz · Crans-Montana
Schwere Vorwürfe wegen fehlender Obduktionen

Die sechs italienischen Opfer wurden ohne Obduktion freigegeben. (Screenshot: NZZ/Matteo Corner)
Die Aufarbeitung der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS gerät immer stärker in die Kritik. Wie die NZZ jetzt berichtet, hat die Walliser Staatsanwaltschaft unmittelbar nach dem Unglück offenbar kaum oder gar keine Obduktionen der Opfer durchführen lassen.
Obwohl Obduktionen rechtlich nicht zwingend sind, gelten sie bei Grossereignissen als Standard. Ulrich Zollinger, emeritierter Professor für Rechtsmedizin an der Uni Bern, bezeichnet den Verzicht als «absolut unverständlich».
«Absolut unverständlich.»
Ohne Untersuchung der Leichen lassen sich Fragen nach dem Todeszeitpunkt oder der genauen Ursache – etwa Rauchvergiftung oder Verletzungen durch Trümmer – kaum klären. «Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Angehörigen erfahren möchten, wie und woran die Opfer genau gestorben sind», so Zollinger.
Erst auf massiven Druck von Anwälten wurde nun zumindest ein jugendliches Opfer nachträglich obduziert. Anwalt und SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor kritisiert die Behörden scharf: «Wir haben von der Staatsanwaltschaft keine Antwort bekommen, wie auf fast alle unsere Fragen.» Auch die sechs italienischen Opfer wurden laut Botschaft ohne Obduktion freigegeben.
Beobachter führen diese Versäumnisse auf die anfänglich zögerliche Leitung der Ermittlungen zurück. Die Staatsanwaltschaft verweigert derzeit jede individuelle Stellungnahme zu den Vorwürfen.
Schweiz · Politik
Widerstand gegen Zivildienst-Hürden: Referendum eingereicht

Magdalena Erni (links), Co-Präsidentin der Jungen Grünen, mit Sympathisant:innen und Unterschriften vor dem Bundeshaus. (Screenshot: SRF/Anthony Anex)
Ein breites Bündnis aus über 30 Organisationen und Parteien wehrt sich gegen die vom Parlament beschlossenen Hürden für den Zivildienst. Gestern hat das Komitee in Bern rund 57'000 Unterschriften für ein Referendum eingereicht.
Angeführt vom Schweizerischen Zivildienstverband Civiva und den Jungen Grünen kritisiert das Bündnis, dass der Zivildienst durch die geplanten Verschärfungen gefährdet werde. Die Gegnerinnen und Gegner der Vorlage gehen gemäss SRF davon aus, dass das Personal für den Zivildienst um vierzig Prozent reduziert würde und damit die Institution als Ganzes gefährdet wäre.
SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf bezeichnete die Vorlage als wirkungslos für die Armee: «Junge Armeeangehörige, die den Entschluss gefasst haben, in den Zivildienst zu wechseln, werden sich kaum von diesen schikanierenden Massnahmen abschrecken lassen.»
Das Komitee betont den Wert der jährlichen zwei Millionen Einsatztage in Pflege, Bildung und Naturschutz. Der Zivildienst solle als sinnstiftender Dienst an der Gesellschaft erhalten bleiben und dürfe nicht gegen die Armee ausgespielt werden.
Nach der Einreichung müssen die Unterschriften nun von der Bundeskanzlei auf ihre Gültigkeit geprüft werden. Sollte die Prüfung die nötige Anzahl von 50'000 gültigen Unterschriften bestätigen, kommt die Vorlage vors Volk.
Schweiz · Tierwohl
Das Pelzimperium schlägt zurück

Pelzaccessoires wo man hinschaut: Szene in St. Moritz. (Screenshot: NZZ/Christian Beutler)
Die Schweiz plant eines der strengsten Pelzimport-Gesetze Europas. In den USA kommt das laut einer NZZ-Recherche gar nicht gut an. So warnt etwa der Republikaner Tom Tiffany in einem Brief an den Schweizer Botschafter in Washington vor den Folgen: «Die drohende Importbeschränkung gefährdet Dutzende familiengeführte Pelzfarmen in Wisconsin.»
Der Weltpelzverband, die International Fur Federation (IFF), spricht gar von «feindseligen Massnahmen». Eine Umsetzung der Importbeschränkung könnte laut IFF die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA belasten und zu einer Abkühlung des Verhältnisses zwischen den Handelspartnern führen.
Die Vertreter der Pelzindustrie kritisieren, dass beim Bund «Verwaltungsangestellte ohne fundierte Kenntnisse» am Werk seien. Diese Unkenntnis führe zu bürokratischen Hürden. Die Branche moniert zudem, dass die Behörden die Herkunftsnachweise und die Komplexität der globalen Lieferketten nicht korrekt einschätzen würden.
Besonders brisant: Die Pelzindustrie behauptet, dass die aktuelle Praxis des Bundes dem Tierschutz schaden würde. Durch falsche Anreize oder unpräzise Deklarationsvorgaben werde das Ziel, Transparenz für die Konsumenten zu schaffen, verfehlt.
Der Bund hat sich zu den spezifischen Vorwürfen bisher nur zurückhaltend geäussert und verweist auf die geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur Deklaration.
Kurioses
Der zensierte Stier

Verborgene Tiefen entdeckt: Paulus Potters Meisterwerk «Der Stier». (Screenshot: Guardian/René Gerritsen/Mauritshuis)
Anders als dem bedauernswerten Mann in Mani Matters Lied «Chue am Waldrand» gelang es dem Künstler Paulus Potter im Jahr 1647, einen Stier am Waldrand zu verewigen. Entstanden ist eines der wohl berühmtesten Gemälde der Niederlande: «Der Stier».
Doch das Meisterwerk verbirgt ein pikantes Geheimnis, berichtet der Guardian. Wie Restaurator:innen des Mauritshuis-Museums in Den Haag nun herausfanden, entsprach das heutige Aussehen des Tieres nämlich nicht der ursprünglichen Vision des Künstlers.
Nach 18 Monaten intensiver Forschungs- und Restaurierungsarbeiten lieferten Röntgenaufnahmen und moderne Scantechniken ein überraschendes Ergebnis: «Die Hoden des Stiers waren ursprünglich grösser, und sein gesamtes Hinterteil war anders positioniert», sagt Restauratorin Abbie Vandivere. Sie geht davon aus, dass Potter seine Darstellung nachträglich anpasste, um den moralischen Vorstellungen seiner Zeit gerecht zu werden.
Paulus Potter, der bereits mit 28 Jahren an Tuberkulose starb, war für seinen extremen Realismus bekannt. Dass er zur Selbstzensur griff, hatte wohl Gründe. Ein anderes Werk Potters, die Radierung «Pissende Kuh», wurde etwa zur selben Zeit von der Prinzessin von Oranien als zu «schmutzig» abgelehnt.
Um den Erfolg seines Monumentalwerks – das mit über zwei mal drei Metern Ausmasse hat, die sonst nur Königen vorbehalten waren – nicht zu gefährden, milderte er die Details beim Stier offenbar ab.
Der Popularität des Bildes tat dies keinen Abbruch. Ende des 18. Jahrhunderts wurde «Der Stier» von napoleonischen Truppen nach Paris verschleppt, wo er im Louvre als Sensation gefeiert wurde. Erst nach Napoleons Niederlage bei Waterloo kehrte das Gemälde im Jahr 1815 nach Den Haag zurück.
Kurz-News
Iranischer Botschafter einbestellt · Das Schweizer Aussendepartement (EDA) hat den iranischen Botschafter Mahmoud Barimani einbestellt. Grund ist das brutale Vorgehen des Regimes gegen Demonstrierende, bei dem seit Ende Dezember tausende Menschen getötet wurden. Die Chefin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika, Botschafterin Monika Schmutz, forderte gemäss NZZ die iranischen Behörden auf, die Gewalt gegen Demonstranten zu beenden sowie deren Menschenrechte und Grundfreiheiten zu gewährleisten.
Brig-Glis gewinnt Wakkerpreis · Die Stadtgemeinde Brig-Glis erhält den renommierten Wakkerpreis 2026. Der Schweizer Heimatschutz würdigt damit den vorbildlichen Umgang der Oberwalliser mit ihrem baukulturellen Erbe, schreibt Blue News. Die Stadt verbinde Tradition und Innovation, indem sie historische Bauten sinnvoll nutze und moderne Architektur integriere. Besonders hervorgehoben wird zudem die Anpassung der Stadträume an das Klima. Der Preis ist mit 20'000 Franken dotiert.
Skigebiete prüfen Kurzarbeit · Akuter Schneemangel in der Südschweiz bringt die dortigen Wintersportgebiete in Bedrängnis. In Destinationen wie Carì und Nara sind gemäss Blick die Besucherzahlen um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Da es auch für Kunstschnee oft zu warm war, blieben viele Lifte über die wichtigen Festtage geschlossen. Um Verluste abzufedern, prüfen die Betreiber nun die Einführung von Kurzarbeit. Aktuell liegt auf der Alpensüdseite rund 30 bis 60 Prozent weniger Schnee als üblich.
International
Machado ehrt Trump · Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado hat US-Präsident Trump ihre Nobelpreis-Medaille überreicht. Nach einem Treffen im Weissen Haus erklärte sie, den Preis mit ihm «teilen» zu wollen, um seine Unterstützung zu gewinnen. Dies berichtet die New York Times. Das Nobel-Institut in Oslo lehnt das ab: Ein Preis könne weder übertragen noch geteilt werden. In Norwegen sorgt Machados Nähe zu Trump und ihr Schweigen zu US-Militäreinsätzen für massive Kritik.
Bombenalarm auf Flug · Ein fingierter Hotspot-Name hat auf einem Turkish-Airlines-Flug von Istanbul nach Barcelona einen Grosseinsatz ausgelöst. Ein Passagier benannte seinen WLAN-Zugang so, dass er eine Bombendrohung enthielt. Die Maschine musste gemäss Tages-Anzeiger in Barcelona notlanden und wurde von Spezialkräften isoliert und durchsucht. Es wurde kein Sprengstoff gefunden. Die Behörden haben Ermittlungen eingeleitet.
Hörempfehlung
Auf diesem Album prallen Elementarkräfte aufeinander

Erscheint heute: «Tragic Magic» von Mary Lattimore und Julianna Barwick. (Screenshot: Bandcamp/Mary Lattimore)
Wenn die Avantgarde-Harfenistin Mary Lattimore und die Ambient-Komponistin Julianna Barwick gemeinsam ein Album aufnehmen, entsteht eine Welt voller Tiefe und Schönheit. Ihr neues Werk «Tragic Magic», das heute erscheint, wird von der Musikkritikerin Kirsteen McNish auf Quietus als Ort beschrieben, an dem «elementare Kräfte kollidieren» und sich gegenseitig erhöhen.
Sie höre dieses Album in einem Zimmer am Meer, am äussersten Rand von Cape Cornwall Mitte Dezember, schreibt McNish, wo es sich anfühle, als würde der Horizont auf einen zukippen. «Vielleicht liegt es an der Seeluft, doch als das Stück ‹Perpetual Adoration› erklingt, scheint Lattimores Harfe die eisigen Schläge der Wellen herauszugreifen, und Julianna Barwicks Stimme steigt wie ein Geist aus der Tiefe empor. Ich werde sofort ganz still.»
Wenn du noch mehr Musiktipps benötigst, empfehle ich dir aufs Wochenende den hervorragenden Newsletter «Listen Up!» von Benedikt Sartorius. Der Berner Musikjournalist weitet mir mit seinen Tipps jeden Sonntag den musikalischen Horizont, und er weiss, wo in der darauffolgenden Woche die vielversprechendsten Konzerte anstehen.
🔧 Witziges zum Schluss
Witziges der Woche*
*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
Danke fürs Lesen – und bis nächsten Montag!
Peter



