Guten Morgen {{vorname}}
«Herr der Ringe»-Fans haben sich den heutigen Tag fett im Kalender angestrichen. Es ist nämlich Tolkien Reading Day (dazu ganz unten mehr). In Mittelerde wären wir Schweizer:innen vermutlich die Hobbits: Wir engagieren uns lieber im Quartierverein als in der Nato, mögen Bier und unsere Ruhe.
Aber wie in Tolkiens Romanreihe bleibt auch das eidgenössische «Auenland» nicht verschont von den Saurons dieser Welt.
In Finnland, heisst es, habe sich Tolkien Inspiration für seine wehrhaften Elben geholt. Insofern ergibt es Sinn, dass sich Verteidigungsminister Pfister dieser Tage auf eine Studienreise zu unseren nördlichen Nachbarn gemacht hat.
🪖 Schweiz · Landesverteidigung
Bundesrat Pfister auf Sicherheitsmission im Norden

Gehört auch zum Programm: Händeschütteln. (Screenshot: Watson/Keystone)
Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte) blickt über den Gamellenrand. Heute besucht der Bundesrat den Militärstützpunkt Wesola in Polen, um sich gemäss Watson über das «Eastern Shield»-Programm sowie über Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzbereitschaft der polnischen Streitkräfte zu informieren.
Ähnliches stand schon gestern auf Pfisters Marschbefehl. In Finnland liess er sich angesichts der veränderten Sicherheitslage in Europa über moderne Verteidigungsstrategien updaten. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine sucht die Schweiz engen Austausch mit Ländern, die eine direkte Grenze zu Russland teilen.
Im Zentrum des Weiterbildungstrips standen auch bilaterale Gespräche mit dem finnischen Verteidigungsminister Antti Häkkänen. Dieser sprach gegenüber Pfister von einer «sehr bedrohlichen Lage», die letztlich auch zum Nato-Beitritt Finnlands geführt habe.
Pfister zeigte sich in Helsinki beeindruckt: «Wir können von ihnen lernen.» Besonders das fortgeschrittene Verständnis eines umfassenden Sicherheitsbegriffs in der finnischen Gesellschaft hob er hervor.
Neben dem Besuch der Verteidigungsuniversität besichtigte Pfister das Küstenwachschiff «Turva», um Einblicke in die maritime Sicherheit der Ostsee zu erhalten. Auch in der Schweiz sei der Wille da, in Sicherheitsfragen vorwärtszumachen, meinte Pfister, räumte jedoch ein, dass die politischen Mühlen hierzulande langsamer drehen würden.
Schweiz · Gondelunglück
Kleines Metallteil hätte das Absturzrisiko wohl reduziert

Von der Herstellerin empfohlen: Kegelförmiger Abweiser. (Screenshot: Tages-Anzeiger)
Ein einfacher Stahlkegel für wenige Franken hätte den tödlichen Gondelabsturz am Titlis möglicherweise verhindern können. Während andere Bergbahnen nach einem ähnlichen Vorfall im Jahr 2019 handelten, verzichteten die Titlis-Bahnen auf die Massnahme.
Seilbahnexperte Reto Canale erklärt nun im Tages-Anzeiger, weshalb die Nachrüstung entscheidend hätte sein können: Die Herstellerfirma Garaventa habe empfohlen, am sogenannten Torsionsfederkopf einen kegelförmigen Abweiser aus Stahl zu montieren. «Der Kopf ist ursprünglich flach. Mit dem Kegel kann unter Umständen verhindert werden, dass er am Seilfänger an der Stütze einhängt – und stattdessen daran vorbeigelenkt wird.»
Dieses Hängenbleiben könne dazu führen, dass die Klemme vom Seil gerissen werde, heisst es im Artikel. Der Abweiser schaffe «mehr Spielraum» und reduziere das Risiko, dass die Klemme bei starkem Wind am Seilfänger anstehe.
Ob der Abweiser den Unfall verhindert hätte, ist Gegenstand der Untersuchung. Laut Garaventa-CEO Arno Inauen sei das Teil nur «für den Betrieb ohne Fahrgäste» entwickelt worden. Für die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) steht die technische Aufrüstung denn auch nicht primär im Fokus. Untersuchungsleiter Philippe Thürler sagt: «Bei einer Windgeschwindigkeit von 60 km/h muss der Betrieb eingestellt werden.»
International · Iran-Krieg
15-Punkte-Plan – oder kein Plan?

Soll jetzt vermitteln: der pakistanische Feldmarschall Syed Asim Munir. (Screenshot: New York Times/Arif Ali/AFP/Getty)
Die US-Regierung unter Donald Trump hat dem Iran offenbar einen 15-Punkte-Plan vorgelegt, um den seit vier Wochen andauernden Krieg zu beenden. Wie die New York Times berichtet, wurde der Vorschlag via Pakistan übermittelt. Der pakistanische Feldmarschall Syed Asim Munir fungiere dabei als zentraler Vermittler zwischen Washington und Teheran.
Der Plan ziele darauf ab, einen diplomatischen Ausweg aus dem Konflikt zu finden, der durch die US-israelischen Angriffe auf Teheran ausgelöst wurde. Schwerpunkte der Verhandlungen seien das iranische Atomprogramm sowie die Sicherung der Schifffahrtswege in der Strasse von Hormus.
Ob der Iran den Plan annimmt, ist unklar. Das Weisse Haus bestätigte die diplomatischen Bemühungen, betonte jedoch, dass die Militäroperation bis auf Weiteres unvermindert fortgesetzt werde.
Ob Trump «zu den Mullahs oder den Märkten spricht», wie der Tages-Anzeiger in einer Analyse schreibt, wird sich zeigen müssen. Klar ist, dass sich nach Donald Trumps überraschender Kehrtwende in Sachen Drohung, die Energieinfrastruktur Irans zu zerbomben, etliche eine goldene Nase verdient haben. An den Börsen wurden kurz vor Trumps Rückzieher Milliarden-Wetten auf fallende Ölpreise platziert. Anonyme Händler erzielten so dreistellige Millionenprofite. Das riecht stark nach Insiderhandel, berichtet SRF.
🗳️ Kurioses
Plötzlich Gemeinderätin

Nicht in Feierlaune: Neo-Gemeinderätin Claudia Castro. (Screenshot: RTS/Instagram/PLR Prilly)
«Ich habe keine Ahnung von Politik. Ich habe weder Zeit noch Lust, mich zu engagieren.» Das sagt Claudia Castro aus Prilly im Kanton Waadt. Am 8. März wurde die Garagistin in den dortigen Gemeinderat gewählt – obwohl sie nach eigenen Angaben gar nie kandidieren wollte. «Das hat mich empört.»
Wie konnte das passieren? Das Ehepaar Castro wirft der FDP vor, sie unter dem Vorwand einer Petition für Parkplätze auf die Wahlliste gelockt zu haben. «Wir haben einfach der Frau vertraut», sagte Claudia Castro gegenüber RTS.
Die FDP Prilly bestreitet diese Täuschung vehement und verweist auf einen transparenten Prozess sowie eine Whatsapp-Gruppe für Kandidat:innen.
Während politische Gegner:innen gemäss Tages-Anzeiger von einem Skandal sprechen, hadert die gewählte Garagistin mit ihrem Mandat. Ein Rücktritt sei schwierig, da dies den Ruf ihres Betriebs schädigen könnte: «Die Kunden könnten denken, dass wir nicht seriös sind.»
PS: Ganz gewiss für die FDP ins Parlament will dafür der ehemalige Armeechef Thomas Süssli. Er steigt bei den nächsten Wahlen für den Luzerner Freisinn ins Nationalratsrennen. Die NZZ schreibt: «Da die Politik seine Warnungen ignoriert hat, muss er nun selbst in die Politik gehen.» 🫡
Kurz-News
SVP im Kampagnenmodus · Die SVP lancierte gestern ihre Kampagne zur «10-Millionen-Initiative». Unter der Leitung von Nationalrat Thomas Matter setzt das Komitee auf patriotische Sujets statt auf Parteisymbolik, berichtet die NZZ. Die Initiative will das Bevölkerungswachstum bis 2050 begrenzen, um Dichtestress und Wohnungsnot zu stoppen. In letzter Konsequenz droht die Kündigung der Personenfreizügigkeit. Die Abstimmung findet am 14. Juni statt.
Antimaterie im LKW · Forschenden am Genfer CERN ist es erstmals gelungen, Antimaterie in einem Lastwagen zu transportieren. In einem Vakuum-Behälter schwebten 92 Antiprotonen unbeschadet über acht Kilometer. Der Erfolg ebne gemäss Nau den Weg, um die Teilchen künftig in externe Labore für Präzisionsmessungen zu bringen. Die Wissenschaft will klären, warum unser Universum aus Materie besteht und nach dem Urknall nicht sofort zerstrahlte.
On im Glück · Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) lockert die Regeln für das Schweizerkreuz auf Industriegütern. Neu dürfen Firmen wie der Schuhhersteller On das Kreuz nutzen, wenn Entwicklung und Design in der Schweiz erfolgen. Bedingung sei ein Zusatz wie «Swiss Engineering», schreibt SRF. Während etwa Turnschuhfabrikant On den Entscheid begrüsst, warnen Kritiker:innen vor einer Verwässerung der Marke Schweiz.
International
Teure Kirschblüte · Japan kämpft gegen den Besucheransturm und führt eine neue Preisstrategie ein. Pünktlich zur Kirschblütenzeit müssen Touristen ohne japanischen Pass für Bootstouren, Museen oder Sehenswürdigkeiten gemäss Watson oft das Doppelte bezahlen. Der Japan-Boom (43 Millionen Gäste im Jahr 2025) überlastet die Infrastruktur und sorgt für Frust in der Bevölkerung.
Dänen wählen links · Die Sozialdemokraten unter Mette Frederiksen bleiben mit 21,9 Prozent stärkste Kraft in Dänemark, berichtet der Tages-Anzeiger. Da weder das linke noch das rechte Lager eine Mehrheit erreichte, werde Aussenminister Lars Løkke Rasmussen zum Königsmacher. Er fordert angesichts globaler Krisen eine stabile Mitte-Regierung. Frederiksen hatte die Wahl nach dem Grönland-Streit vorgezogen, verlor aber deutlich an Rückhalt.
💍 Nützliches des Tages
Karte von Mittelerde

Wo gehts zurück ins Auenland? (Screenshot: middleearthmap.app)
Ich war viel zu jung, als ich den Zeichentrickfilm «Der Herr der Ringe» (1978) das erste Mal sah. Völlig geschockt von den fürchterlichen Ringgeistern wendete ich meinen Kopf von der Leinwand ab – und verlor darob jegliche Orientierung in Tolkiens Magnum Opus.
Bis heute hat sich daran eigentlich nichts geändert. Auch wenn mich Peter Jacksons Filme bestens unterhalten haben, fehlt mir der Zugang zu Mittelerde.
Um mitreden zu können, sollte ich vermutlich endlich die Bücher lesen. Heute wäre ein guter Tag, um damit anzufangen. Es ist nämlich Tolkien Reading Day. Auf der ganzen Welt stürzen sich Fans abermals in die Abenteuer von Frodo und Co.
Was dabei Greenhorns wie mir helfen könnte, ist diese interaktive Karte von Mittelerde. Darauf eingezeichnet sind sämtliche Charaktere sowie alle wichtigen Orte und Schlachten.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Nicht alle, die wandern, sind verloren. 🧙
Peter
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