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Ich habe Christian Ulmen in der Reality-TV-Serie «Mein neuer Freund» geliebt. Jetzt ist es an der Zeit, der Realität ins Auge zu schauen: Der Comedian ist ein Scheusal. So soll er im Internet Fake-Profile von seiner damaligen Frau Collien Fernandes erstellt und gefälschtes pornografisches Material versendet haben.

Ein langjähriger Freund Ulmens, der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre, schreibt auf Instagram: «Es ist an niemandem sonst als an uns Männern, festzustellen, anzuerkennen und zu verurteilen, dass die allermeisten Gewalttaten gegenüber Frauen innerhalb von Beziehungen stattfinden. Und dass die Täter eben nicht nur irgendwelche düsteren Gestalten aus Statistiken sind, sondern dass darunter auch Menschen sind, die wir bewundern oder lieben.»

Viel harmloser scheint da die aktuelle Debatte um den Auswanderer-Sohn Richi, der gegen seinen Willen zum Internet-Spassphänomen wurde. Aber auch hier tun sich hinter der Glitzerfassade Abgründe auf.

Schweiz · Cybermobbing

IV-Rentner terrorisierte monatelang BAG-Direktorin

BAG-Direktorin Anne Lévy während der Coronakrise. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Anthony Anex)

Ein IV-Rentner verschickte jahrelang Hassmails an Behörden und Religionsgemeinschaften. Besonders im Visier: Anne Lévy, die Direktorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Die Vorwürfe wiegen gemäss Tages-Anzeiger schwer: Diskriminierung, Aufruf zu Hass, Verleumdung und Missbrauch einer Fernmeldeanlage. Im Juni kommt es nun zum Prozess.

Bereits seit 2018 fluteten die Nachrichten des Mittfünfzigers die Postfächer. In seinen Mails behauptete er unter anderem, Lévy wolle mit Impfungen «Menschen umbringen». Laut BAG-Sprecherin Annetta Bundi blieb dies kein Einzelfall: «Der Inhalt der Drohungen gegen das Bundespersonal bleibt weiterhin alarmierend und der Ton aggressiv.»

Der ehemalige Musiklehrer leidet an chronischer paranoider Schizophrenie. Ein psychiatrisches Gutachten attestiert ihm eine «mittelschwer bis schwer eingeschränkte» Steuerungsfähigkeit. Da bei dem Mann eher die Gefährlichkeit als die individuelle Schuld im Fokus steht, fordert die Staatsanwaltschaft eine stationäre therapeutische Massnahme. Der Mann soll in einer psychiatrischen Einrichtung behandelt werden, um künftige Straftaten zu verhindern.

Schweiz · 10-Millionen-Schweiz

Umgeht die SVP gerade die Transparenzregeln?

Für mehr freie Sitze im Tram: SVP-Parlamentarier. (Screenshot: WOZ/Peter Schneider)

Die Transparenzregeln der Politikfinanzierung stehen auf dem Prüfstand. Die WOZ hat bei der «Keine 10-Millionen-Schweiz!»-Initiative der SVP genauer hingeschaut, über die am 14. Juni abgestimmt wird. Eine Plakatkampagne der Plattform «Facts 4 Future» verbreite dieselben Botschaften wie die SVP, deklariere sich jedoch als neutral. Damit umgehe sie die gesetzliche Offenlegungspflicht für Kampagnenbudgets über 50’000 Franken.

Hinter der Webseite steht der Naturwissenschaftler Iwan Hächler, der Verbindungen zur SVP pflegt. Er sagt, die Aktion sei «ein Beitrag zu einer fundierten Meinungsbildung und gegen politisches Framing». Dank guter Verhandlungen habe er von der Plakatgesellschaft ein «extrem attraktives Angebot» erhalten.

«Die Regeln sind zu löchrig.»

Balz Oertli, Lobbywatch

Kritiker:innen sehen darin ein gefährliches Schlupfloch. Da die Einordnung als politische Kampagne auf Selbstdeklaration beruht, bleibt die Herkunft der Gelder im Dunkeln. Balz Oertli von Lobbywatch sagt: «Die Regeln sind zu löchrig.»

Nun regt sich offenbar auch Widerstand im Bundeshaus. Eine parteiübergreifende Gruppe um SP-Co-Präsident Cédric Wermuth fordert vom Bundesrat Aufklärung darüber, ob hier gezielt Transparenzvorschriften umgangen werden.

🍁 Schweiz · Richi

Wenn aus Internethumor plötzlich Ernst wird

Bitten um Respekt: Schönbächlers. (Screenshot: Tages-Anzeiger/SRF)

Ich habe mich im 6iBrief vor einigen Wochen als Fan der Auswandererfamilie Schönbächler geoutet und ein Richi-Kartenspiel vorgestellt, das zwei Studis entworfen haben. Was ich mich damals zu wenig gefragt habe: Wie finden das die Schönbächlers selbst? Offenbar nicht so lustig, wie wir diese Woche erfahren haben.

In einem Facebook-Post beschwerte sich die Familie über die kommerzielle Ausschlachtung ihres damaligen TV-Auftritts. Den «absoluten Höhepunkt der Respektlosigkeit» bilde der Richi-Song der Band Stubete Gäng.

Was als Meme begann, mündet nun also in eine Diskussion um Persönlichkeitsrechte, Menschenwürde und Urheberrechte. Im Tages-Anzeiger seziert der Journalist Philippe Zweifel den Fall: «Man lacht nicht über einen guten Witz – man lacht über jemanden.»

Ob die Schönbächlers juristische Schritte unternehmen, ist offen. «Sollte der Fall vor Gericht landen, könnten die Konsequenzen erheblich sein», schreibt Zweifel. Die Verbreitung der Richi-Produkte könnte gestoppt werden. Und es müsste geklärt werden, wer in welcher Höhe an den Einnahmen beteiligt werden müsste.

Es sei eine lange Reise, die der Satz vom Vater, der seinem Sohn etwas hinterherruft, hinter sich habe, heisst es im Artikel weiter. «Ob Klein Richi die Worte damals überhaupt gehört hat, als er weinend davonlief, ist nicht bekannt. Doch 13 Jahre später hört ein ganzes Land zu. Und beginnt, genauer hinzusehen.»

Auf der Seite der Spielentwickler heisst es, das Richi-Kartenspiel sei «out of stock». Bei Orell Füssli: «Nicht mehr lieferbar». Nur die Stubete Gäng findet das alles auf Instagram immer noch lustig.

Zitat des Tages

«Ein grosser Teil der Pensionierten bräuchte keine 13. Rente»

Alenka Bonnard will als Pro Senectute-Präsidentin die Altersarmut bekämpfen. (Screenshot: Berner Zeitung/Urs Jaudas)

Als Christian Mumenthaler vor rund zehn Jahren Chef der Swiss Re wurde, schrieben die Zeitungen über den damals erst 46-Jährigen, er sei «ein junges Urgestein». Man lobte seine klare, aber besonnene Art, mit der er sich Respekt in der Branche verschafft habe.

Heute erscheint in der Berner Zeitung ein Interview mit der 41-jährigen Alenka Bonnard, der neuen Präsidentin von Pro Senectute. Das Gespräch beginnt wie ein Verhör. Natürlich geht es um ihr junges Alter. Woher sie meine zu wissen, was es dazu brauche, als Brückenbauerin zwischen den Generationen zu wirken, will der Journalist wissen. Die Befragte kontert den aggressiven Stil mit klugen Antworten. Es sei keine Frage des Alters, die Wünsche, Anliegen und Probleme der älteren Generation zu verstehen, sagt sie etwa.

Die 13. AHV-Rente sieht Bonnard kritisch: «Wer von Armut betroffen ist, wird auch mit einer 13. Rente die finanziellen Sorgen im Alltag nicht los. Mich persönlich stört, dass ein grosser Teil der Pensionierten keine 13. AHV-Rente bräuchte. Diesen Menschen geht es finanziell sehr gut.»

Um das Problem der Altersarmut zu bekämpfen, müssten die Ergänzungsleistungen schneller angepasst werden, sagt Bonnard. «Gerade bei den Wohnpauschalen dauert es oft Jahre, bis der Bund diese an die höheren Mieten anpasst.» Wer in den Städten Zürich oder Genf umziehen müsse, bekomme mit den aktuellen EL-Pauschalen ein Problem.

Bonnard: «Wir wollen, dass die Altersarmut in der Schweiz eliminiert wird. Dazu braucht es gezielte Lösungen, kein Giesskannenprinzip. Mir ist wichtig, dass wir in dieser Diskussion nicht wieder die Generationen gegeneinander ausspielen.»

Kurz-News

Tariq Ramadan verurteilt · Ein Pariser Gericht hat den Schweizer Islamgelehrten Tariq Ramadan gestern zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Richter sprachen den 63-jährigen Genfer in Abwesenheit schuldig und folgten damit vollumfänglich der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Prozess drehte sich gemäss NZZ um schwere Vorwürfe der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung. Ramadan bestritt die Taten stets.

Schwerter im See · Archäolog:innen haben im Neuenburgersee eine römische Schiffsladung von «unschätzbarem Wert» entdeckt. Der Fund aus dem 1. Jahrhundert nach Christus umfasst hunderte intakte Keramikgefässe, Olivenöl-Amphoren aus Spanien sowie Werkzeuge und Waffen. Die Fundstücke sind gemäss Swissinfo in ausgezeichnetem Zustand und belegen komplexe Handelswege zwischen Land und Wasser. Erste empfindliche Objekte wurden bereits geborgen und werden nun im Museum Laténium restauriert.

Harmloses Berufkraut? · Das Einjährige Berufkraut gilt in der Schweiz als invasive Art und wird teuer bekämpft. Doch eine neue Studie der ZHAW stellt dies nun infrage, schreibt Watson. Die Forschenden fanden keinen Nachweis, dass die Pflanze der Artenvielfalt schadet. Selbst bei einer hohen Dichte blieb die Zahl heimischer Arten stabil. Laut dem Team ist die Pflanze «offenbar harmlos», womit der bisherige Aufwand zur Vernichtung wissenschaftlich kaum zu rechtfertigen sei.

International

Iran weist Trump-Plan zurück · Der Iran hat einen 15-Punkte-Plan der USA zur Beendigung des Nahostkonflikts abgelehnt und neue Angriffe auf Israel sowie Golfstaaten gestartet, schreibt der Guardian. Aussenminister Abbas Araghchi betonte im Staats-TV: «Wir planen keine Verhandlungen.» Solche Gespräche kämen einem Eingeständnis der Niederlage gleich. Während das Weisse Haus von «produktiven Gesprächen» spricht, droht Donald Trump bei einem Scheitern mit härtesten militärischen Konsequenzen.

Meta und Google bestraft · Ein Gericht in Los Angeles hat Meta (Instagram) und Google (YouTube) zu drei Millionen Dollar Entschädigung verurteilt, berichtet die deutsche Tagesschau. Die Geschworenen gaben einer 20-jährigen Klägerin recht, die den Konzernen vorwarf, ihre Dienste absichtlich suchtfördernd gestaltet zu haben. Funktionen wie das Endlos-Scrollen hätten bei ihr Depressionen verursacht. Das wegweisende Urteil könnte eine Klagewelle auslösen; hunderte ähnliche Fälle sind in den USA hängig.

🌋 Nützliches des Tages

Vulkanier-Gruss

«Live long and prosper»: Spocks ikonische Geste. (Foto: IMDB)

Eine meiner Lieblingsfiguren im Weltraum ist Spock aus Star Trek. Heute ehren Fans den legendären Vulkanier, verkörpert vom 2015 verstorbenen Leonard Nimoy. Es ist nämlich Live-long-and-prosper-Tag. Mit jenem Segen pflegte der extraterrestrische Logik-Papst jeweils sein Gegenüber zu begrüssen oder sich von ihm zu verabschieden.

Erstmals zu sehen war die Geste gemäss Rolling Stone in der Folge Amok Time. In diesem sehenswerten Video erzählt Nimoy, dass der ikonische Vierfinger-Gruss auf eine Beobachtung zurückzuführen sei, die er als Kind gemacht hatte.

Er habe seinen Grossvater in eine Synagoge begleitet und dort gesehen, wie jemand mit dieser Geste gesegnet wurde. «Also sagte ich zum Regisseur: Ich denke, wir sollten einen speziellen Gruss haben, den die Vulkanier machen. Sie wissen, wir haben diese Rituale, diese Dinge, die die Menschen tun. Wir schütteln uns die Hände, wir nicken uns zu, wir verbeugen uns. Wir salutieren voreinander. Was machen die Vulkanier? Also schlug ich das vor. Er sagte: Ok.»

PS: Wenn wir schon bei Kult-TV-Serien sind: Vor ein paar Stunden hat HBO den ersten Teaser zur neuen Harry-Potter-Serie aufgeschaltet. An Weihnachten gehts dann los mit dem Hogwarts-Remake.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

🖖

Peter

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