Guten Morgen {{vorname}}
Wenn du schon mal im Wallis auf einer Frühlingsskitour warst, dann hast du das sicher auch schon erlebt: Du stehst um zwei Uhr morgens auf, kämpfst dich mehrere Stunden lang den Berg hoch, doch als du dann oben ankommst und gerade den Sonnenaufgang über dem Firnfeld in aller Seelenruhe geniessen willst, beginnt es plötzlich laut zu rattern. Danach folgt eine Ladung Heliskier:innen nach der anderen. Am Ende verspuren sie noch deinen Hang. Eine Naturschutzorganisation fordert dagegen nun strengere Regeln.
Naturschutz
Heliskiing soll stärker eingeschränkt werden
Für gutbetuchte Skifahrer:innen bietet der Heli eine willkommene Abkürzung. (Foto: Henry Xu/Unsplash)
Das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) verzeichnet insgesamt 162 geschützte Orte nationaler Bedeutung. Nicht alle davon erweisen sich als Refugien der Ruhe und stillen Kontemplation. Insgesamt 17 Gebirgslandeplätze fallen nämlich in solche Gebiete.
«Landungen von Flugzeugen und Helikoptern im Gebirge für Aktivitäten wie Heliskiing oder Gletscher-Apéros sind ein überflüssiger Luxus.»
Wie der Tages-Anzeiger berichtet, fordert die Naturschutzorganisation Mountain Wilderness Schweiz in einem Gesuch an das Umweltdepartement, dieses solle prüfen, ob die heutige Praxis mit dem Natur- und Heimatschutzgesetz vereinbar sei. Seit 2007 hat sich die Zahl der Flugbewegungen auf diesen Gebirgslandeplätzen von rund 4000 auf 8400 mehr als verdoppelt.
Aaron Heinzmann von Mountain Wilderness stört sich an dieser Praxis. «Landungen von Flugzeugen und Helikoptern im Gebirge für Aktivitäten wie Heliskiing oder Gletscher-Apéros sind ein überflüssiger Luxus. Wenn sie in Schutzgebieten stattfinden, sind sie ein absoluter Widerspruch», sagt er.
Schon im Jahr 2012 hatte ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission beim Landeplatz Monte Rosa ein deutliches Urteil gefällt: Helikopterlärm stehe in «offenkundigem Widerspruch» zum Kernelement dieses Schutzgebiets, nämlich der Ruhe. Ginge es nach der Kommission, dürften dort nur noch Ausbildungs- und Übungsflüge erlaubt sein.
Der Bundesrat sieht die Sache etwas weniger arg. Touristische Nutzungen sollten zugelassen sein, wenn «ein gesamttouristisches Interesse vorliegt».
Das Heli-Unternehmen Air Zermatt spricht sich ebenfalls gegen strengere Regeln aus. Das ist verständlich, schliesslich macht es damit gutes Geld. Weniger leuchtet mir jedoch ein, was ein Firmensprecher unter «gegenseitiger Rücksichtnahme» versteht: Skitourengänger sollten doch auf alternative Routen ausweichen, wenn sie der Lärm störe.
Arbeitsmarkt
Warum sinkt die Arbeitslosigkeit so wenig?
Der saisonal bedingte Rückgang der Arbeitslosigkeit fällt schwächer aus als erhofft. (Foto: ayumi kubo/Unsplash)
Gestern hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) seine neusten Erhebungen zur Arbeitsmarktsituation in der Schweiz veröffentlicht. Zuerst ein paar Zahlen dazu:
Gegenüber dem Vormonat verringerte sich im März 2026 die Zahl der Arbeitslosen um 4821 auf 146’255.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um 10,3 Prozent.
Insgesamt sank die Arbeitslosenquote im März gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent.
Doch was bedeutet das genau? Das wollte das SRF von Jérôme Cosandey, dem Leiter der Direktion Arbeit beim SECO, wissen.
«Wir befinden uns in einer Situation grosser Unsicherheit. Globale Krisen, wie jene im Nahen Osten, und offene Fragen bei Handelsabkommen verunsichern die Firmen», sagt Cosandey. Deswegen seien Firmen auch zurückhaltender mit Neueinstellungen. Auch der saisonale Rückgang der Arbeitslosenzahlen aufgrund der wärmer werdenden Temperaturen fiel deshalb schwächer aus als erhofft.
Ein weiteres Zeichen der Verunsicherung sei zudem, dass der Bundesrat entscheiden muss, ob er die Kurzarbeit auf 24 Monate verlängern will. Laut Cosandey sei das eine «aussergewöhnliche Massnahme». Und: «Die Krisen werden fast zum ‹new normal›, und die Sondermassnahmen müssen entsprechend angepasst werden.»
Etwas Entwarnung gibt Cosandey bezüglich der Folgen der KI auf den Arbeitsmarkt. «Ich sehe keine ‹Robokalypse›», sagt er. Dass durch KI ganze Berufe verschwinden würden, glaubt er nicht. Wahrscheinlicher sei, dass sich die Tätigkeiten innerhalb der Berufe verändern werden.
Sexkaufverbot?
Die meisten Sexarbeiter:innen sind dagegen
Viele Sexarbeiter:innen sind gegen ein Sexkaufverbot. (Foto: vadim kaipov/ Unsplash)
In der Schweiz wird schon seit Längerem eine Diskussion um das sogenannte nordische Modell geführt: In Schweden ist der Sexkauf verboten. Freier und Zuhälter:innen, die dagegen verstossen, werden entsprechend gebüsst.
Stimmen aus vermehrt bürgerlichen Kreisen wie der Mitte-Frauen oder der Frauenzentrale Zürich wollen dieses Modell in die Schweiz importieren. Sie sehen in der Sexarbeit einen grundsätzlichen Verstoss gegen die Menschenwürde.
Doch wie stehen Sexarbeiter:innen selbst zu dieser Frage?
Dank der Sozialarbeiterin Virginia Beljean, die im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften 229 im Milieu tätige Personen befragt hat, wissen wir darüber endlich mehr. Die NZZ hat sich die Ergebnisse genauer angeschaut.
Das Ergebnis ist eindeutig: 71 Prozent der Befragten lehnen ein Sexkaufverbot ab. Nur 16 Prozent sprechen sich dafür aus.
Aufschlussreich fand ich auch diese Erkenntnis: Auch wenn die meisten Sexarbeiter:innen gegen ein Verbot sind, heisst das nicht, dass der Status quo gut ist. 52 Prozent wünschen sich, dass Sexarbeit endlich so behandelt werden sollte wie jede andere Arbeit.
Gegenwärtig ist die Arbeit im Rotlichtmilieu weitgehend unreguliert. Die wenigsten erhalten feste Löhne oder zahlen in die Sozialversicherungen ein. Das erhöht die Unsicherheit in einem ohnehin schon prekären Arbeitsbereich.
Vor den Folgen eines Sexkaufverbots warnte erst kürzlich die Eidgenössische Kommission für Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen: Weil dadurch der Zugang von Sexarbeiter:innen zur Prävention und Gesundheitsversorgung erschwert werde, steige dadurch die Gefahr sexuell übertragbarer Krankheiten.
Schlagzeile des Tages
«Wenn wir Femizide auf ein Ausländerthema reduzieren, finden wir keine Antworten»
Die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) setzt sich stark gegen häusliche Gewalt ein. Im letzten Herbst protestierte sie deshalb gar beim Bundesrat. Denn auch wenn das Thema Femizid in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus geraten ist, bleibt die Zahl der Opfer erschreckend hoch. Vor allem stört sich Fehr daran, dass man sich hierzulande immer noch in Alibidiskussionen verstrickt, ohne die strukturellen Ursachen dieses Problems zu benennen. «Häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt haben ihren Ursprung im Patriarchat», sagt sie im Gespräch mit dem Tages-Anzeiger.
Kurz-News
Waldbrand im Puschlav · Oberhalb von Brusio im Kanton Graubünden ist am Dienstagnachmittag ein ziemlich grosser Waldbrand ausgebrochen. Am Mittwoch waren immer noch Löscharbeiten im Gange. Ausgelöst hatte den Brand ein Unternehmen, das legal Abfallholz verbrannt hatte. Inzwischen sei der Brand unter Kontrolle und für die Bevölkerung im Tal bestehe keine Gefahr, berichtet das SRF.
SRG schliesst mit leichtem Minus ab · Im Umbaujahr 2025 verzeichnet die SRG einen Verlust von 2,9 Millionen Franken. Ursache für das Minus seien rückläufige Erträge bei den Gebühren und den Werbeeinnahmen, heisst es in einer Medienmitteilung.
Anhörung zum Fall Crans-Montana · Am Mittwoch wurden die Anhörungen eines Teils der neun Beschuldigten im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana wieder gestartet. Für Irritation sorgte, dass der ehemalige Verantwortliche für den Brandschutz der Gemeinde Crans-Montana während der 15-minütigen Anhörung schwieg. Heute und morgen folgen weitere Anhörungen, heisst es im SRF.
International
Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA · Die USA und der Iran haben sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt, schreibt der Tages-Anzeiger. Der Iran öffnet die Strasse von Hormus wieder. Im Gegenzug sollen die USA auf weitere Luftangriffe verzichten. Israel setzt seine Bombardements im Libanon fort.
✅ Dokutipp
«The Store»
Walter Benjamin bezeichnete den Kapitalismus einst als Kult ohne Dogma. Kürzlich habe ich «The Store» von Frederick Wiseman gesehen. Der Dokfilm aus den 1980er Jahren gibt einen vielschichtigen Einblick in die skurrile Welt eines US-amerikanischen Luxuswarenhauses, und Wiseman versteht es meisterhaft, diese kultische Dimension des Warenkonsums auf subtile Weise zu inszenieren. Etwa in den abgedroschenen Gesprächen der Marketingfachleute, den komischen Aufwärmübungen des Verkaufspersonals oder in jener Szene, in der ein Verkäufer einem Kunden einen russischen Pelzmantel für 45’000 Dollar als Schnäppchen anpreist, das zudem wunderbar zu jeder Jeanshose passe. Ein sehenswertes Zeitdokument!
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Bis nächste Woche!
Jonas
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