Guten Morgen {{vorname}}
Die Schweiz verliert das erste Mal an der Heim-WM und gewinnt zum dritten Mal in drei Jahren die Silbermedaille. Eine Wahnsinnsleistung, eigentlich. Aber so richtig zufrieden war gestern nach dem Spiel verständlicherweise niemand.
Was tun? Die nächste Chance packen. Und auf den leider vor zwei Jahren verstorbenen Fussballtrainer Christoph Daum hören, der sagte: «Du kannst hinfallen. Es ist auch nicht entscheidend, wie oft du hinfällst. Du musst nur immer wieder aufstehen.»
Schweiz · 🥈
Schweizer Nati verpasst WM-Gold

Game Over in der Overtime: Nati verliert 0:1. (Screenshot: Blick/Keystone)
«Das gibts doch nicht!», schreibt der Blick. Doch, gibts: Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft kann tatsächlich auch verlieren. Und abermals passiert es im dümmsten Moment, nämlich im Final.
Als ich die Schlagzeile heute Morgen las, dachte ich: Fängt ja gut an, diese Woche. Und dann kam mir der Song Silberfische von Fettes Brot in den Sinn. Darin heisst es: «Dein Glückstag muss ein anderer sein.» Passt irgendwie.
Aber zurück zum Sport: Die Schweiz verliert also auch ihren dritten WM-Final in Folge. Wie bereits im Vorjahr gegen die USA stand es nach 60 Minuten 0:0. In einer dramatischen Verlängerung schoss Konsta Helenius die Finnen schliesslich zum 1:0-Sieg und krönte Finnland so zum Weltmeister.
Zuvor war die Stimmung in der heimischen Swiss Life Arena nach neun Siegen aus neun Spielen auf dem Siedepunkt. Ski-Star Marco Odermatt heizte dem Team vor dem Spiel in der Kabine ein. Doch auf dem Eis flatterten dann die Nerven: Selbst eine fast zweiminütige doppelte Überzahl blieb ungenutzt. In der Overtime traf Damien Riat nur die Latte, bevor der Gegentreffer fiel.
Nach dem erneuten Drama flossen nicht nur auf den Rängen die Tränen. Ein schwacher Trost: Captain Roman Josi wurde als MVP des Turniers ausgezeichnet und schaffte es gemeinsam mit Leonardo Genoni und Sven Andrighetto in das Allstar-Team der Weltmeisterschaft.
Für die Schweiz bleibt es gemäss Blick nach einer wunderbaren Heim-WM beim Prädikat: «Weltmeister der Herzen und der Schmerzen».
Schweiz · 🗳️
Angst vor Dichtestress dort am grössten, wo es ihn gar nicht gibt

Immer mehr Stau: Plakat in Unteriberg. (Screenshot: NZZ/Salvatore Vinci)
Ausgerechnet in Regionen mit tiefem Ausländer:innenanteil stösst die 10-Millionen-Initiative der SVP auf besonders viel Begeisterung. Die NZZ am Sonntag wollte herausfinden, weshalb dem so ist, und begab sich auf «eine Fahrt durch die Provinz».
Was den Reporter:innen dabei auffiel: Auf dem Land, wo kaum Dichtestress herrscht, hängen besonders viele Pro-Plakate. Politanalyst Michael Hermann sagt: «Wenn alle über Zuwanderung reden, spüren die Menschen plötzlich auch dort einen Dichtestress, wo er gar nicht existiert.»
Befeuert wird die Debatte durch die Messerattacke vergangene Woche in Winterthur ZH. Ein Handwerker in einer Appenzeller Beiz meint: «So kommt es raus, wenn wir weitermachen wie bisher.»
«Es hat heute viel mehr Autos, viel öfter Stau als früher.»
Viele Einheimische sorgen sich um den rasanten Wandel und steigende Preise. «Weil wir Einheimischen uns zum Beispiel kein eigenes Haus mehr leisten können», sagt ein junger Mann. «Deutsche und Zürcher schnappen sich die besten Objekte.»
Stephan Schuler, ein Chauffeur aus Unteriberg, ärgert sich über die Verkehrsbelastung: «Es hat heute viel mehr Autos, viel öfter Stau als früher.»
Gleichzeitig zeigt sich eine verzerrte Wahrnehmung: Selbst in Gemeinden, die real unter Abwanderung leiden, dominiert die Angst vor Überbevölkerung. Zum Beispiel in Trub im Emmental. Dort sagt ein Bauer auf einem abgelegenen Hof, er habe bereits Ja gestimmt: «Das ganze Land wird verbetoniert, und ich soll dann auf meinem Hof diesen Biodiversitäts-Chabis machen.»
🇨🇭 · 🇮🇱
SIG lehnt Debatte über israelische Todesstrafe ab

Will Richtlinien für Stellungnahmen schärfen: SIG. (Screenshot: SRF/Christian Merz)
Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) ringt um seine Haltung zu Israel. An der Delegiertenversammlung beschloss eine Zweidrittelmehrheit, gar nicht erst auf eine Resolution gegen die geplante Einführung der Todesstrafe in Israel einzutreten. Damit folgt der Verband seinem Grundsatz, sich nicht zur israelischen Innenpolitik zu äussern, berichtet das Echo der Zeit auf SRF.
Der Entscheid zeigt das tiefe Dilemma der Schweizer Jüdinnen und Juden, die oft von der Öffentlichkeit zu Stellungnahmen gedrängt werden. Daniel Kaufmann (Jüdische Gemeinde Bern) sagte vor der Debatte: «Bei einer Ablehnung der Resolution würde den Schweizer Jüdinnen und Juden vorgeworfen, sie würden die Todesstrafe befürworten.» Bei einer Annahme entstünde hingegen der Eindruck, man stehe nicht mehr hinter Israel.
«Die Todesstrafe widerspricht der jüdischen Tradition, das menschliche Leben über alles zu stellen.»
Samuel Rom (Israelitische Cultusgemeinde Zürich) hatte die Resolution eingebracht, da die Massnahme den Grundwerten widerspreche: «Die Todesstrafe widerspricht der jüdischen Tradition, das menschliche Leben über alles zu stellen.» Harry Wiener (Jüdische Gemeinde St. Gallen) kritisierte das Schweigen: «Wenn wir heute das Eintreten verweigern, senden wir eine fatale Botschaft aus.»
SIG-Präsident Ralph Friedländer kündigte eine Klausur an, um die Richtlinien für Stellungnahmen zu schärfen: «Wir sehen die Problematik und müssen klarer trennen können, wann wir uns äussern sollen und wann nicht.»
Zitat des Tages
«Wir waren wie Ausserirdische»

Anton Ponrajah kam 1985 als Flüchtling aus Sri Lanka. (Screenshot: NZZ/Karin Hofer)
Die Schweiz hat ihren Erfolg auch der Zuwanderung zu verdanken. Gleichzeitig wird hierzulande seit jeher leidenschaftlich über die Migrationspolitik gestritten. Die NZZ am Sonntag erzählt die Geschichte von sechs Zuzüger:innen, die die Debatte der letzten 70 Jahre selbst erlebt haben.
Zum Beispiel Anton Ponrajah. Er kam 1985 als Flüchtling aus Sri Lanka in die Schweiz. Die Ankunft war geprägt von Ablehnung und Hass. Die Abneigung der ersten Jahre erklärt er sich mit der Natur der Menschen: «Die Leute wussten einfach nicht, wer wir waren. Wir waren für sie wie Ausserirdische.»
Der gelernte Maschineningenieur musste beruflich ganz unten anfangen, unter anderem als Küchengehilfe und Gerüstbauer. Ein Theaterprojekt öffnete ihm schliesslich den Weg zu einer Karriere als Profischauspieler. Ponrajah setzte sich zudem privat und politisch für die Diaspora ein.
Lange hoffte er auf eine Rückkehr, doch nach dem Ende des tamilischen Widerstandes im Jahr 2009 stand fest, dass daraus nichts wird. Seither ist ihm die Schweiz zur Heimat geworden. Er lebt mit seiner Familie in Emmen und freut sich über die gelungene Integration der zweiten Generation.
Mit Blick auf die anstehende Abstimmung am 14. Juni erinnert er an die Vergangenheit. Dass das Boot voll sei, habe man schliesslich den Tamilen vor 40 Jahren schon gesagt. Heute seien sie dennoch anerkannt. Seine Erfahrungen verarbeitet er derzeit in einer Autobiografie mit dem Titel «Brennende Erinnerungen im Eis».
PS: Sei der Typ, der Löcher in den Zaun schneidet.
Kurz-News
Axenstrasse nach Steinschlag gesperrt · Die Strasse zwischen Flüelen und Sisikon bleibt wegen eines Steinfalls bis mindestens heute um 8 Uhr gesperrt. Ein Alarmsystem löste die Sperrung aus, nachdem Gestein in ein Schutznetz gefallen war, berichtet das SRF. Personen oder die Strasse kamen nicht zu Schaden. Da Nebel eine Begutachtung per Helikopter verhinderte, wird das Astra die Lage heute Vormittag neu beurteilen, bevor das Netz geleert und die Strasse wieder freigegeben werden kann.
Verseuchte Spielplätze · Tausende Schweizer Spielplätze könnten mit Blei verseucht sein, was die Hirnentwicklung von Kleinkindern gefährden kann. Seit April 2025 gilt für öffentliche Anlagen eine Sanierungspflicht. In den kommenden Monaten müssen die Gemeinden unzählige Standorte überprüfen und Verdachtsfälle den Kantonen melden, schreibt der Blick. Das Bundesamt für Umwelt schätzt die Kosten für Untersuchung und Sanierung über die nächsten 35 Jahre auf 1,1 bis 1,6 Milliarden Franken.
Grösstes Schützenfest der Welt · Rund 107'000 Personen haben am Wochenende am Eidgenössischen Feldschiessen teilgenommen. Laut dem Schweizer Schiesssportverband profitierte das «grösste Schützenfest der Welt» an allen drei Tagen von sommerlichem Wetter. Geschossen wurde mit Ordonnanzgewehr und -pistole. Das Programm kann noch bis Ende August in den Vereinen absolviert werden, heisst es bei Nau. Am Donnerstag startet ausserdem das Eidgenössische Schützenfest in Chur.
International
Kongress plant neue Epstein-Befragungen · Der US-Kongress intensiviert gemäss Tages-Anzeiger seine Ermittlungen in der Epstein-Affäre, um politische Verstrickungen aufzudecken. Nach der jüngsten, enttäuschenden Befragung der ehemaligen Justizministerin Pam Bondi sollen nun sechs weitere Personen vorgeladen werden – darunter Microsoft-Gründer Bill Gates. Trotz hochrangiger Verhöre blieben strafrechtliche Konsequenzen in den USA bislang aus, während der Skandal in Europa bereits zu Rücktritten führte.
Militäreskalation in Libanon scharf verurteilt · Europäische Staatschefs haben den tieferen Vorstoss Israels in den Libanon und die Einnahme der historischen Festung Beaufort scharf verurteilt, berichtet der Guardian. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte ein Ende der Kämpfe, während Paris eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragte. Trotz internationaler Kritik und einer brüchigen Waffenruhe kündigte Premier Benjamin Netanjahu an, den Einsatz gegen die Hisbollah weiter auszuweiten.
💎 Filmtipp
Happy Birthday, Marilyn Monroe!

«Diamonds are a girls best friend»: Marilyn Monroe. (Screenshot: Youtube/Marilyn Monroe Video Archives)
Ich habe in meiner Jugend fast alle Elvis-Filme gesehen, kann mich aber an keinen Marilyn-Monroe-Film erinnern. Eine schwere Bildungslücke. Heute, am 100. Geburtstag der Hollywood-Ikone, hole ich das nach.
Obwohl die Monroe bereits vor 64 Jahren im Alter von nur 36 Jahren viel zu früh verstarb, altere ihr Bild nicht, schreibt der Tages-Anzeiger in einer schönen Würdigung. Entgegen der Ansicht, sie sei ein reines, fremdbestimmtes Hollywood-Produkt gewesen, war Marilyn Monroe «das Projekt, an dem sie selbst mit Fleiss und Leidenschaft arbeitete».
In ihren Filmen offenbarte sie eine Reife, mit der sie den Männern überlegen war. Ihre Rollen waren zugleich Ausdruck der Fünfzigerjahre-Moral – und Aufbegehren dagegen. Bis heute bleibe sie die sinnlichste Frau der Filmgeschichte, heisst es im Artikel.
Als der Schriftsteller Truman Capote einst bemerkte, dass ihr Haaransatz dunkel sei und sagte: «Ich dachte, du bist eine echte Blondine», entgegnete sie ihm schlagfertig: «Bin ich auch. Aber niemand kann so echt sein.»
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
💋
Peter
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