Guten Morgen {{vorname}}
«Ära Hüppi scheint am Ende – Regierungsrat schaltet sich ein.» Was kommt als Nächstes, fragte ich mich, als ich gestern diese Schlagzeile las. Sondereinheiten auf dem Roten Platz?

Irgendwie scheinen da ein paar Herren (nicht nur) in der Ostschweiz vergessen zu haben, worum es im Fussball eigentlich gehen sollte. Nicht um Macht und Geld nämlich – sondern um Emotionen. Um Geschichten, wie sie der St. Galler Künstler Manuel Stahlberger erzählt. Zum Beispiel im wunderbaren Lied S erscht Mol.

Schweiz · 🤕

Kostet die Krankenkasse in zwölf Jahren das Doppelte?

Qualität kostet. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Christian Beutler/Keystone)

Überraschend kommt das nicht: Die Schweizer Gesundheitskosten steigen weiter. Wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilt, legten die Bruttoleistungen der Grundversicherung 2025 um 5,2 Prozent zu auf durchschnittlich fast 5000 Franken pro Person. Hält dieser Trend an, droht bis 2038 eine Verdoppelung der Krankenkassenprämien auf über 900 Franken im Monat, schreibt der Tages-Anzeiger.

Haupttreiber der Entwicklung sind die Alterung der Bevölkerung, häufigere Behandlungen sowie teurere Medikamente. BAG-Vizedirektor Kristian Schneider sagt: «Wenn wir keinen Kostenanstieg mehr wollen, werden wir keine Innovation mehr haben.»

Die Situation droht sich weiter zu verschärfen. Wegen globaler Preisänderungen fordert die Pharmaindustrie Aufschläge auf die Medikamentenpreise. Dies könnte die Kosten in der Schweiz mittelfristig um bis zu fünf Milliarden Franken pro Jahr in die Höhe treiben.

Gleichzeitig geraten politische Massnahmen zur Kostendämpfung unter Druck. Ein geplantes Rabattsystem für teure Blockbuster-Medikamente, das ab 2029 jährlich 350 Millionen Franken einsparen sollte, wackelt in der Vernehmlassung.

Ein tieferer Prämienaufschlag für 2027 ist angesichts der Daten kaum zu erwarten. Das BAG sieht in der Eindämmung eine «tägliche Kleinarbeit» ohne einfache Lösungen.

Schweiz · Finanzen

Invalidenversicherung benötigt mehr Geld

Finanzkrise auch bei der IV. (Screenshot: NZZ/Christian Beutler/Keystone)

Die Invalidenversicherung (IV) steuert auf die nächste Finanzkrise zu. Gemäss der neuesten Bundesstatistik stieg die Zahl der Neurenten 2025 sprunghaft auf 25'200. Letztmals verzeichnete die IV vor 20 Jahren eine derart schlechte Quote. Die jährliche Finanzierungslücke könnte in den kommenden Jahren 600 bis 800 Millionen Franken betragen, berichtet die NZZ.

Das Bundesamt für Sozialversicherungen schlug angesichts der düsteren Prognosen bereits im Februar Alarm: Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, müssten «Massnahmen getroffen werden, um die Finanzierung der laufenden Ausgaben sicherzustellen». Nun suchen das Innen- und das Finanzdepartement nach Wegen, um die Liquidität der IV zu sichern.

Eine Erhöhung der Lohnbeiträge um bis zu 0,2 Prozentpunkte rückt damit in greifbare Nähe. Für Angestellte und Arbeitgeber bedeutet dies eine unbefristete Mehrbelastung von einer halben bis zu einer Milliarde Franken.

Zusätzlichen Zündstoff birgt die Abstimmung über die 10-Millionen-Initiative im Juni. Eine Beschränkung der Zuwanderung würde die Lohnbeiträge der IV weiter schrumpfen lassen, da Migrant:innen laut Studien mehr in das Sozialwerk einzahlen, als sie an Leistungen beziehen.

Schweiz · Machtkampf

Nach dem Triumph kommts zum Putsch in St. Gallen

Und jetzt bereits: Katerstimmung. (Screenshot: SRF/Gian Ehrenzeller)

Beim FC St. Gallen tobt nach dem Cupsieg ein erbitterter Machtkampf um das Präsidium. Die Ära von Matthias Hüppi steht gemäss SRF vor dem Ende, da Grossaktionäre um Patrick Thoma nach mehr Mitbestimmung drängen. Der ehemalige SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker soll Hüppi ablösen. «Irgendwann wird die Ablösung kommen. Ich kann dem FCSG viel Gutes tun», sagt Kölliker.

Per Ende Juni reichen vier bisherige Verwaltungsräte ihren Rücktritt ein. Laut Noch-Verwaltungsrat Benedikt Würth seien er und Patrick Gründler im Gremium «nicht mehr erwünscht». Hüppi stellte den Investoren ein Ultimatum: Entweder sie ziehen sich zurück – oder er tritt ab.

Die St. Galler Regierung verfolgt die Zerreissprobe mit Sorge. Regierungsrätin Bettina Surber betonte die gesellschaftliche Bedeutung des Vereins: «Dieser Club stiftet einen Zusammenhalt, wir haben keinen einfachen Kanton mit Blick auf die Zusammengehörigkeit.» Hüppi habe daran einen grossen Verdienst.

Die Fans stellen sich geschlossen gegen die Investoren und hinter Hüppi. Tausende unterstützen eine Online-Petition; zudem drohen Fans mit dem Boykott von Saisonkarten. Für Kölliker ist das Vorgehen dennoch legitim und kein Putsch: «Wenn vier Verwaltungsräte zurücktreten, ist das Aktionariat gezwungen, einen neuen Verwaltungsrat bereitzustellen.»

🦦 Good News

Der Fischotter erobert die Schweiz zurück

Bessere Zeiten für Otter. (Foto: Unsplash/Jakub Neskora)

Heute ist Tag des Fischotters. Und so schlecht siehts nicht aus für die sympathischen Tierchen. Dank strengem Schutz und dem Verbot von Ewigkeitschemikalien besiedelt der Fischotter nach jahrzehntelanger Abwesenheit viele Regionen neu. Jüngst wurden Spuren des Raubtiers im Kanton Solothurn entdeckt – nach 91 Jahren! In Bern, Graubünden und St. Gallen gibt es bereits Nachwuchs.

Ob diese Erfolgsgeschichte Bestand hat, sei jedoch offen, schreibt Pro Natura. Der Fischotter benötige gesunde Fischbestände, doch in der Schweiz seien zwei von drei Fischarten vom Aussterben bedroht.

Die Schweiz hinke ausserdem bei den Gewässerrevitalisierungen stark hinterher: Von den gesetzlich vorgesehenen 50 Kilometern pro Jahr werde nicht einmal die Hälfte umgesetzt, während neueste Studien den Zustand der Gewässer als schlecht bezeichneten.

Damit der Fischotter langfristig überlebt, fordert Pro Natura mehr Tempo bei der Wiederbelebung der Flüsse.

Kurz-News

Makellose Schweizer · Die Schweizer Hockey-Nati trifft nach dem Gruppensieg im WM-Viertelfinal auf Angstgegner Schweden (Donnerstag, 20.20 Uhr). Trotz neun Turnier-Niederlagen in Serie gegen die Skandinavier gibt sich die ungeschlagene Nati gemäss Blick selbstbewusst. «Jetzt geht es richtig los – wir sind auf einer Mission», sagte Tim Berni nach dem 4:2 gegen Finnland. Trainer Jan Cadieux blendet die Vergangenheit aus. Um den Titel zu holen, müsse man ohnehin jeden Gegner schlagen.

Chaos in Wettingen · Die Kantonsschule Wettingen ist erneut Ziel eines dämlichen Vandalenakts geworden. Unbekannte verwüsteten die Mediothek, warfen Bücher aufs Klosterdach und versprayten ein Kunstwerk mit FCZ-Schriftzügen, berichtet der Tages-Anzeiger. Rektor Paul Zübli verurteilte die Tat als «Kulturvandalismus und stumpfsinnige Ausdrucksweise frustrierter Kreise». Erst vor zwei Wochen hatten 50 Vermummte die Maturafeier gestört. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Kampf gegen Ebola · Die Schweiz unterstützt die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs in Kongo-Kinshasa mit drei Millionen Franken. Das Geld aus dem Nothilfefonds fliesst an die WHO und Hilfswerke, zudem entsendet die Deza zwei Spezialisten. Die WHO sieht die Epidemie wegen der prekären Sicherheitslage noch nicht unter Kontrolle: «Derzeit ist die Epidemie uns noch einen Schritt voraus.» Bislang wurden gemäss SRF über 900 Verdachtsfälle und 220 Todesfälle registriert.

International

Fehlgeleitete Drohnen · Die EU-Ostgrenze im Baltikum steht unter erheblichem Druck durch fehlgeleitete ukrainische Drohnen. Russland drängt die Fluggeräte per elektronischer Kriegsführung ab, beschuldigt das Baltikum aber fälschlicherweise der Beihilfe und droht mit Vergeltung. EU-Chefin von der Leyen reiste nun zu Krisengesprächen nach Vilnius, berichtet der Tages-Anzeiger. Litauens Präsident Nauseda fordert Milliardenhilfen für einen schnelleren Drohnenschutz: «Dieser Krieg ist ganz nahe.»

Republikaner gegen Trump · Republikaner in South Carolina haben sich gegen Donald Trump gestellt und eine Änderung der Wahlkreise blockiert, schreibt die BBC. Damit sichern sie dem einzigen Demokraten des Bundesstaats im US-Repräsentantenhaus, Jim Clyburn, seinen Sitz. Die Abgeordneten begründeten die Absage an das «Gerrymandering» mit den bereits laufenden Vorwahlen. Es ist der zweite Erfolg für die Demokraten, nachdem auch ein Gericht in Alabama neue Wahlkarten wegen rassistischer Diskriminierung stoppte.

🤖 Nützliches des Tages

KI-Zeitreisen

Berichtet live vom Untergang: Chloe. (Screenshot: Youtube/Chloe VS History)

Die Gretchenfrage unserer Zeit lautet: Wie hast du’s mit der KI? (also eigentlich eine Gerätchenfrage, aber das nur am Rande.) Gemäss Inside IT kippt erstmals seit 2020 die positive Stimmung der Schweizer Bevölkerung gegenüber der Digitalisierung. 41 Prozent bewerten den gesellschaftlichen Einfluss der Technologie als negativ. Jede:r Vierte fühlt sich vom aktuellen Tempo überfordert. Auch beim Thema Künstliche Intelligenz herrscht Skepsis: Nur 27 Prozent erwarten neue berufliche Chancen. Und besonders kritisch wird der KI-Einsatz in Gesundheit und Bildung gesehen.

Auch ich bin der Meinung, dass viel zu viel Schabernack getrieben wird mit KI. Aber gestern bin ich über einen YouTube-Kanal gestolpert, den ich ganz prima finde. Jener der KI-generierten Geschichts-Influencerin Chloe. Sie berichtet in beeindruckenden Vlogs aus dem alten Rom oder von der Titanic.

«Wir können unsere Vergangenheit zusammenflicken und sie so zum Leben erwecken», sagt Chloe-Schöpfer Jonathan Laramy im Guardian. Das Ziel sei, das Interesse jüngerer Menschen an der Geschichte zu wecken, da Lehrbücher oft nicht mit heutigen Sehgewohnheiten kompatibel seien.

Laramy nutzt modernste Video-KI, verfeinert durch historische Quellen. Dennoch kommt es zu Fehlern: «Die KI ist auf modernen Daten trainiert, sodass bei historischen Inhalten das Risiko besteht, dass sie halluziniert.» Manche Kritiker:innen stempeln die Videos pauschal als billigen «KI-Schnittlauch» ab, doch der Erfolg gibt dem Projekt recht. Kürzlich wurde Laramy in Cannes mit einem Influencer-Award ausgezeichnet.

Auch die Wissenschaft reagiert positiv. Adam Smith, Historiker an der Universität Oxford, sieht ein riesiges Potenzial für den Unterricht. Das Format verbinde die Zuschauer mit dem Gefühl: «Oh mein Gott, das hätte ich sein können.» KI-Videos würden die akademische Forschung zwar nicht ersetzen, aber die Art und Weise, wie Geschichte vermittelt wird, verbessern.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Keine Panik auf der Titanic!

Peter

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