Elio Donauer Vanja Kadic Simon Jacoby
ELIO DONAUER VANJA KADIC SIMON JACOBY

Guten Morgen {{vorname}}

Wir starten mit einem verstörenden Fall in die heutige 6iBrief-Ausgabe. Hans Jucker galt als beliebter Sportkommentator und machte beim SRF Karriere. Doch wie eine Recherche nun zeigt, war er ein verurteilter Sexualstraftäter. Mehr dazu liest du weiter unten.

Heute beschäftigen wir uns ausserdem mit den Konsequenzen der Ausschreitungen in Zürich und einer erneuten Cyberattacke auf Kühlanlagen.

Schweiz | Missbrauch

Sportkommentator Hans Jucker war ein verurteilter Sexualstraftäter

Hans Jucker wurde als TV-Journalist gefeiert – trotz einer Verurteilung für sexualisierte Übergriffe gegen Minderjährige. © Swissinfo.ch / Sf / Oscar Alessio

Der frühere Schweizer Sportreporter Hans Jucker galt als TV-Legende und begeisterte Sportfans über Generationen als Kommentator, schreibt SWI Swissinfo.ch. Wie eine Recherche des Tages-Anzeigers nun enthüllt, wurde Jucker 1971 vom Bezirksgericht Affoltern wegen sexualisierter Übergriffe an Minderjährigen verurteilt. Es geht um rund 20 einzelne Vorfälle zwischen 1969 und 1971. Seiner Karriere schadete die Verurteilung nicht.

Als Folge der Verurteilung zu acht Monaten Gefängnis bedingt wurde ihm sein Amt als Gemeindeschreiber von Aeugst am Albis entzogen, dennoch galt er als einer der bekanntesten Sportreporter. Der FC Affoltern ernannte ihn laut Watson 1976 zum Ehrenmitglied und in den 80ern wurde er zum FDP-Gemeinderat in Affoltern am Albis gewählt. Jucker, der von 1965 bis 2011 bei SRF tätig war und 2011 kurz nach seiner Pensionierung starb, gestand die Taten, zeigte sich aber nicht reuig. So sagte er etwa vor Gericht, dass bei seinen Übergriffen «kein grosser Schaden» passiert sei.

Eines von Juckers Opfern, der 71-jährige Willi Fegble, schreibt in seiner neu veröffentlichten Biografie darüber, wie Jucker ihn Anfang der 70er-Jahre als 15-Jährigen schwer missbrauchte. «Er konnte Karriere bei SRF machen und wird in bester Erinnerung gehalten – und wir leiden ein Leben lang wegen seiner Taten», sagt er.

Nun stellt sich die Frage: Was war SRF damals bekannt und warum wurde mutmasslich nichts unternommen? SRF teilt in einer Stellungnahme mit, erst «vor einigen Wochen» Kenntnis von der Verurteilung erhalten zu haben. Man werde sich für eine sorgfältige Aufarbeitung des Falls «die nötige Zeit» nehmen und verzichte künftig auf die Publikation von Videoclips, die Jucker als Kommentator in den Mittelpunkt stellen. Bereits publizierte Clips wurden gelöscht.

Juckers «problematischer Umgang mit jungen Männern» sei ein offenes Geheimnis gewesen, schreibt die NZZ. «Die Geschichten haben alle gekannt», sagt Thomas Renggli, Präsident der Zürcher Sektion des Schweizer Sportjournalistenverbandes. Auch sein Vater, ein bekannter Sportjournalist der SRG, habe davon gewusst. «Und ich kann mir schwer vorstellen, dass die SRG nichts davon wusste», so Renggli. Dass Juckers Verurteilung «seinem Umfeld, im Dorf, aber auch weit über die Region hinaus» bekannt war, bestätigt auch alt Nationalrat Toni Bortoluzzi (SVP) gegenüber 20 Minuten.

Brauchst du Unterstützung? Bei der Opferhilfe findest du Support.

International | Cyberangriff

Cyberangriffe auf Supermarkt-Kühlschränke: Auch in der Schweiz gab es Versuche

Unbekannte übten wieder Cyberangriffe auf Kühlsysteme in mehreren Ländern aus.
© SRF / Reuters / Stephanie Lecocq

Hey nei: Schon wieder haben Kriminelle Cyberangriffe auf Kühlanlagen in europäischen Supermärkten verübt, wie SRF und Spiegel berichten. Laut Medienberichten sorgten Unbekannte in der Nacht auf Montag in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland und den Niederlanden dafür, dass Kühlschränke und Tiefkühltruhen wärmer wurden. «Es gab einen Cyberangriff, und alle unsere Gefrierschränke erreichten zehn Grad. Alles ist verdorben», sagte Engla Ingwall, Verkaufsleiterin einer ICA-Filiale in Stockholm, der Nachrichtenagentur Reuters. Die EU-Kommission spricht von einem «gezielten Versuch, die Lebensmittelversorgung der EU zu stören».

Besonders seltsam: Wer dahintersteckt, ist unklar. Es gab weder Lösegeldforderungen noch Datenabflüsse. Und: Auch in der Schweiz wurden bei Coop entsprechende Versuche registriert, allerdings ohne Erfolg, wie eine Sprecherin von Coop zu 20 Minuten sagt. Coop verfüge über «umfassende Sicherheitsmassnahmen, die regelmässig überprüft und weiterentwickelt» würden.

Aus Sicherheitsgründen mache das Unternehmen keine Details öffentlich, auch zu den eingesetzten Kühlgeräten nicht. Die Migros teilt mit, dass nach aktuellen Abklärungen keine Hinweise auf einen Cyberangriff auf Kühlgeräte oder Kälteanlagen in ihren Filialen vorliegen.

Vor rund einem Monat machte der Cyberangriff auf Kühlanlagen in Westeuropa internationale Schlagzeilen. Du erinnerst dich bestimmt: Hacker hatten sich Zugriff auf Hunderte Kühlschränke in französischen Supermärkten verschafft und bei den Kühlanlagen die automatische Abtaufunktion aktiviert. Damit heizten sie die Kühl- und Gefrierschränke auf über 50 Grad auf, es kam zu Bränden und Lebensmittelverlusten. In Frankreich fielen am 12. Oktober die Danfoss-Kühlregale in rund 700 Filialen aus. Auch Supermarktketten in Belgien und den Niederlanden waren betroffen.

Schweiz | Krawalle

Nach Ausschreitungen in Zürich: Bürgerliche wollen Stadtpolizei stärken

Bürgerliche wollen nach den Krawallen vom vergangenen Wochenende in Zürich die Polizei stärken. © Tages-Anzeiger / Urs Jaudas

Die Ausschreitungen vom Wochenende (mehr dazu bei Tsüri.ch) rund um die Zürcher Langstrasse sorgen in der Politik für Diskussionen. Nachdem sich sowohl Links als auch Rechts klar gegen die Gewalt ausgesprochen haben, steht nun die Debatte um eine stärkere Polizei im Fokus.

Nachdem laut Tages-Anzeiger unbekannte Vermummte mit Steinen, Flaschen und Feuer in der Nacht auf Sonntag für Chaos und Krawalle sorgten, griff die Polizei mit Gummischrot, Reizgas und Wasserwerfern ein. Festnahmen habe es kaum gegeben, was Diskussionen um die Sicherheitspolitik der Stadt Zürich aufs Neue befeuert. So sagt Martina Zürcher (FDP), Präsidentin der Sicherheitskommission des Gemeinderats: «Es sieht danach aus, dass die Debatte um die Sicherheit in Zürich an einem Wendepunkt angelangt ist.»

Bürgerliche fordern nun in der bevorstehenden Budgetberatung die Stärkung der Stadtpolizei – mit mehr Personal, aber auch auf «taktischer Ebene», wie Serap Kahriman, die Fraktionspräsidentin der GLP, sagt. «Es wird bei uns sicher noch eine Auslegeordnung zur Sicherheitspolitik geben», so Kahriman.

Die SVP will einen Schritt weitergehen und prüft derzeit weitere demokratische Schritte: Stephan Iten, der Fraktionspräsident der Volkspartei, sagt, es sei schwierig geworden, der Bevölkerung das Vorgehen der Einsatzkräfte zu erklären – die Stimmbevölkerung solle über die Richtung entscheiden. Die SP möchte sich am Tag nach den Ausschreitungen nicht an der «Forderungsflut» beteiligen, heisst es im Tagi-Artikel.

Zahl des Tages

28 Jahre

Karl Bushby wollte «nur» zwölf Jahre auf Weltreise – es wurden fast 30 daraus.
© Watson / Keystone

Es ist immer wieder erstaunlich, wofür Menschen ihren freien Willen nutzen. Damit leite ich mega gerne die heutige News fürs Herz ein: Der Brite Karl Bushby entschied sich dafür, 28 Jahre lang eine Weltreise zu Fuss zu machen. Jetzt ist der 57-Jährige nach fast drei Jahrzehnten nach Hause gekommen und wurde in seiner Heimatstadt herzlich von Hunderten Personen empfangen, wie Watson berichtet. Zahlreiche Menschen begleiteten ihn auf den letzten fünf Kilometern bis zum Haus seiner Mutter im englischen Hull.

Bushby war vor 28 Jahren Tausende Kilometer weit weg geflogen, um zu Fuss zurückzukehren. Heisst konkret: Er legte 50’000 Kilometer zurück und bereiste 29 Länder – ohne motorisierte Hilfsmittel. «So etwas hätte ich mir niemals vorstellen können», sagte er zum Sender Sky News. Wie viele Menschen gekommen seien, um ihn wieder zu Hause willkommen zu heissen, sei «überwältigend». «Es war fantastisch, wieder im Vereinigten Königreich zu sein, und es dann so abzuschliessen, das war einfach phänomenal.»

Seine eindrückliche Reise begann mit einem Trip nach Punta Arenas im Süden Chiles am 1. November 1998. Dabei hatte er lediglich 500 Dollar und einen zweirädrigen Gepäckwagen. Für seinen Trip hatte sich der ehemalige Soldat zwei Regeln gesetzt: Er durfte keine Transportmittel nutzen, um voranzukommen, und erst nach Abschluss der Expedition nach Hause zurückkehren. Huere sträng!

Falls du mehr zur Expedition erfahren willst, die ursprünglich übrigens «nur» zwölf Jahre dauern sollte, kannst du demnächst eine Doku dazu im Kino schauen: Der deutsche Regisseur Werner Herzog begleitete Bushby im Film «Walk of Life» bei seiner Heimkehr.

Kurz-News

Schweiz

Crans-Montana: Jacques Moretti erneut verhört
Jacques Moretti wurde gestern in Sitten VS im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in seiner Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS erneut vernommen, wie Nau berichtet. Mehrere Opfer und Angehörige waren laut Blick bei der Befragung anwesend. Die Fragen an Moretti drehten sich vor allem um den Betrieb der Bar und nicht in erster Linie um die Ereignisse der Silvesternacht, die 41 Menschen das Leben kosteten. Er gab etwa zu, für die Verengung der Treppe aus dem Keller verantwortlich zu sein: Die Verengung dieses Fluchtweges behinderte die Evakuierung in der Silvesternacht. Nach der Vernehmung, die fast neun Stunden dauerte, wurde er ins Gefängnis Les Iles in Sitten gebracht.


Neuer Besitzer für Micasa: 70 Stellen fallen weg
Die Aktien der Möbelhauskette Micasa werden von einer Investorengruppe um den Logistikunternehmer Toni Shala übernommen. Das Unternehmen wird weiterentwickelt, baut aber laut Watson und 20 Minuten auch 70 Stellen ab. Migros hatte Micasa im Februar 2025 an den damaligen CEO Philipp Agustoni und den damaligen COO Manuel Landolt verkauft. Seit September 2025 führt die neu gegründete Micasa AG das Geschäft eigenständig. Vier Micasa-Filialen sollen an den Standorten Crissier, Langendorf, Brügg und Buchs bis Ende Januar 2027 geschlossen werden. Weitere Filialschliessungen seien jedoch nicht geplant.


Wahllose Angriffe in Zofingen AG: Angeklagter ist schuldunfähig
Der 44-jährige Mann, der im Mai 2024 in Zofingen AG sieben Passant:innen teilweise schwer verletzte, wurde vom Bezirksgericht Zofingen für schuldunfähig erklärt, schreibt SRF. Das Gericht sprach ihn wegen mehrfacher versuchter Tötung, mehrfachen Hausfriedensbruchs und weiterer Delikte schuldig, sieht aber von einer Strafe ab, da er unter paranoider Schizophrenie leidet. Der Mann erhält eine stationäre Massnahme samt der «kleinen Verwahrung». Gemäss Anklageschrift hatte der Mann Passant:innen wahllos mit einem Metallgegenstand angegriffen, alle Opfer haben die Tat überlebt.

International

Russlands letzte unabhängige Zeitung beendet Arbeit
«Nowaja Gaseta», die letzte unabhängige Zeitung Russlands, gibt nach mehr als 30 Jahren und massivem Druck auf, wie der Spiegel und die Tagesschau berichten. «Wir wurden ermordet», teilte Chefredaktor Sergei Sokolow am Freitag in einer Videobotschaft mit. Die Moskauer Stadtverwaltung hat kurzfristig den Mietvertrag für die Redaktionsräume gekündigt. Mehrere Banken begannen ausserdem, die Konten des kremlkritischen Mediums zu sperren, weshalb der Zugang zu benötigten Spenden blockiert ist. Sokolow spricht von einer «koordinierten Aktion» der russischen Behörden und Geheimdienste, die seiner Redaktion keine Überlebenschance mehr liess.


Gericht will Marius Borg Høiby aus Untersuchungshaft entlassen
Ein Gericht will Marius Borg Høiby, ältester Sohn der norwegischen Königin Mette-Marit und Stiefsohn von König Haakon VIII., aus der Untersuchungshaft entlassen, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Die U-Haft, in der er seit Februar sitzt, soll nicht wie bis anhin um vier Wochen verlängert werden. Gegen die Entscheidung des Gerichts legte die Anklage umgehend Berufung ein. Marius Borg Høiby wurde im Sommer wegen zahlreicher Straftaten, darunter zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht, zu vier Jahren Haft verurteilt und sitzt die U-Haft mit elektronischer Fussfessel zu Hause ab. Er hatte das Urteil angefochten, ein Berufungsprozess startet im Februar 2027.

Das Nützliche zum Schluss

Biz Binge-Watch-Material 👀

Der Schüler Sonny Cooke (Sam Nivola) ist in «Phony» überzeugt: Diese Frau (Connie Britton) ist nicht meine echte Mutter. © Disney

Stell dir vor, du lebst ein zufriedenes Leben als High-School-Schüler und hast eine tolle Beziehung zu deiner Mama. Bis ein Unfall plötzlich alles verändert. Du wachst im Spital auf und bist überzeugt: Diese Frau ist nicht deine Mutter. Sie sieht zwar fast identisch aus, aber eben nur fast. Und niemand glaubt dir, dass statt deines Mamis eine Fremde an deinem Krankenbett sitzt.

Crazy Plot, gute Mystery-Serie – so beginnt «Phony» mit Connie Britton in der Hauptrolle. Die ersten drei Episoden haben mich nicht nur mit Spannung überzeugt, sondern auch mit Humor. Schau mal rein, die Serie kannst du jetzt auf Disney+ streamen.

Love’n’Peace!
Merci fürs Lesen.
VANJA KADIC

Vanja Kadic

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

Du gibst ein Wort ein.

Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

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