Elio Donauer Vanja Kadic Simon Jacoby
ELIO DONAUER VANJA KADIC SIMON JACOBY

Guten Morgen {{vorname}}

Ich weiss ja nicht, was du dazu denkst, aber: Chnüschperle am Arbeitsplatz ist selten eine gute Idee. Das zeigt spätestens der Fall der beiden Bundesrichter, deren Beziehung nun vom Bundesgericht als unzulässig erklärt wurde. Mehr zu dieser Nachricht erfährst du ein paar Scrolls weiter.

Heute schauen wir ausserdem auf die erste Schätzung zu den Hitzetoten des Sommers. Und auf einen brisanten Fall aus Dänemark, der die Frage stellt, wie weit man für Unterhaltung gehen darf.

Schweiz | Liebesaffäre

Bundesgericht entscheidet: Beziehung von Bundesrichtern war unzulässig

Das Bundesgericht schätzte die Beziehung von Yves Donzallaz und Beatrice van de Graaf als «dauerhafte Lebensgemeinschaft» ein. © Tages-Anzeiger / Zeichnung: Ida Künzle

Eine Romanze am Arbeitsplatz kann zu Problemen führen. Diese Ende April durch die «Weltwoche» bekannt gewordene Beziehung sorgte für einen regelrechten Skandal am Bundesgericht: Die Beziehung zwischen Bundesrichter Yves Donzallaz (parteilos) und Bundesrichterin Beatrice van de Graaf (SVP) endete zwar bereits vor Monaten, löste aber heftige Diskussionen aus.

Wie Nau berichtet, erklärte das Bundesgericht die Liaison jetzt für unzulässig. In einem Pilotverfahren entschied das Gericht gestern in Lausanne einstimmig, dass Donzallaz und van de Graaf eine «dauernde Lebensgemeinschaft» führten. Und das Bundesgerichtsgesetz lässt eine solche unter Richtern und Richterinnen nicht zu, weil sonst ihre Unabhängigkeit gefährdet ist. Bereits der «Anschein» einer dauernden Lebens­gemeinschaft genügt laut 26 Bundesrichter:innen als Ausschlussgrund, schreibt der Tages-Anzeiger.

Die Bindung «sprengte den Rahmen einer üblichen Freundschaft» und es habe sich keinesfalls nur um eine «flüchtige Liebschaft» gehandelt. Beatrice van de Graaf und Yves Donzallaz üben massive Kritik am Vorgehen des Bundesgerichts: In ihren Augen wäre die Grenze erst überschritten, wenn eine eheähnliche Beziehung bestanden hätte. Laut van de Graafs Anwalt lebten sie nicht zusammen und teilten auch ihre Finanzen nicht. Die Beziehung habe nur elf Monate gedauert, von Mai 2025 bis April 2026.

Doch die Entscheidung ist gefallen, eine Partnerschaft genüge. Jetzt drohen Konsequenzen: Die Wiederwahl beider Richter ist nun durch das Parlament im Dezember akut gefährdet. So ist in der zuständigen Gerichtskommission bereits ein Antrag auf Nichtwiederwahl eingegangen. Die entscheidende Sitzung findet am 11. November statt.

Ausserdem stehen über ein Dutzend Entscheide des Bundesgerichts infrage – denn es reicht bereits aus, dass einer der beiden Richter an einem Urteil beteiligt war, damit dieses angegriffen werden kann. 13 Anträge auf Revision sind offen.

Schweiz | Klima

Erste Schätzung zum Sommer 2026: 1260 Menschen sind an der Hitze gestorben

Laut einer ersten Schätzung des Bundesamts für Gesundheit starben im Sommer 1260 Menschen durch Hitze. © 20 Minuten / fgn

Diese Zahl fährt ein: Das Bundesamt für Gesundheit hat die erste Schätzung zu Hitzetoten im Sommer 2026 veröffentlicht. Zwischen Mai und August 2026 gab es demnach laut 20 Minuten 1260 Todesfälle, die der Hitze zugeschrieben werden können.

Das Bundesamt für Gesundheit stützt sich bei der Zahl auf eine Schätzung des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) – die definitive Statistik wird erst im Frühjahr 2027 veröffentlicht. Das Swiss TPH schätzt jedes Jahr im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und des Bundesamts für Gesundheit (BAG), wie viele Todesfälle in der Schweiz statistisch auf Hitze zurückgeführt werden können. Von zehn der hitzebedingten Todesfälle fielen sieben auf Tage, an denen die Tagesmitteltemperatur 25 Grad Celsius und höher war. 85 Prozent der Verstorbenen durch Hitzefälle waren über 75 Jahre alt.

Auffallend: In diesem Sommer gab es nicht mehr Hitzetote als im Sommer 2003, schreibt die NZZ. «2003 traf die Hitzewelle das Land noch relativ unvorbereitet», sagt Martina Ragettli vom Swiss TPH, die die neue Statistik miterrechnet hat. Es gab noch keine Hitzeaktionspläne der Kantone und weniger öffentliches Bewusstsein für die Gesundheitsgefahren, das habe sich geändert. «Ich gehe davon aus, dass wir ohne solche Massnahmen dieses Jahr noch mehr Hitzetote gehabt hätten», so Ragettli.

Die Zahl der Hitzetoten lag in diesem Sommer höher als gedacht: Bislang war man für den gleichen Zeitraum von rund 600 Opfern ausgegangen. «Die Ergebnisse bestätigen einmal mehr: Hitze ist die Naturgefahr, die in der Schweiz die meisten Todesfälle verursacht», so das Swiss TPH.

Schweiz | Manipulierte Kühlanlagen

Berner Metzgerei und Volg-Filialen werden Opfer von Cyberangriff

«Erhebliche Temperaturabweichungen»: Die Metzgerei Lüthis Fleischwaren wurde zum Opfer eines Cyberangriffs. © SRF / Lüthis Fleischwaren

Nun hat es auch die Schweiz getroffen: Nach den jüngsten Cyberangriffen auf Kühlanlagen und Tiefkühlgeräte von Supermärkten in ganz Europa und drei Standorte des französischen Blutspendedienstes EFS wurde nun eine Berner Metzgerei Opfer eines Hackerangriffs, wie SRF berichtet. Auch drei Volg-Filialen sind betroffen.

Die Metzgerei Lüthis Fleischwaren in der Berner Gemeinde Köniz informierte ihre Kundschaft mit einem Flyer über den Hackerangriff. Demnach habe die Manipulation der elektronischen Steuerung der Kühl- und Tiefkühlanlagen zu erheblichen Temperaturabweichungen geführt: Gemäss dem Inhaber habe man im Tiefkühler eine Temperatur von 50 bis 70 Grad vorgefunden. Das Fleisch aus dem Tiefkühler sei wie gekocht gewesen und die Preisschilder waren geschmolzen. Den Raum habe man nur mit Mundschutz betreten können. Die Anlage wurde vom Netzwerk getrennt und die Metzgerei musste vorübergehend geschlossen werden.

Volg meldete ebenfalls Probleme mit den Kühlanlagen: In drei Filialen wurde bemerkt, dass Parameter in den Kühlregalen verstellt wurden. Der Detailhändler habe Massnahmen eingeleitet und die laufenden technischen Sicherheitsvorkehrungen seien verstärkt worden.

Zu den Angriffen auf Kühlsysteme in ganz Europa bekannten sich inzwischen laut 20 Minuten, NZZ und BBC die prorussischen Hackergruppen Noname057(16) und Z-Pentest Alliance. Belege hätten sie allerdings nicht vorgelegt. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnet dies laut der «The Moscow Times» als «absurde Behauptungen» und «haltlose Anschuldigungen gegen unser Land».

Kurioses

Für eine TV-Sendung: Komiker wird über Monate belogen und gefilmt

Not funny: Der dänische Komiker Rasmus Wallbridge wurde Opfer eines TV-Streichs.
© Ida Marie Odgaard / keystone-sda.ch

Kennst du «Die Truman Show», die gruslige Sci-Fi-Komödie von 1998 mit Jim Carrey? Im Film wächst Truman in einer künstlichen Welt auf, in der er von Kameras täglich 24 Stunden beobachtet wird – alle sind eingeweiht, ausser er. Ein polarisierender Fall aus Dänemark erinnert gerade stark daran und sorgt international für Schlagzeilen: 150 Menschen belogen den dänischen Comedian Rasmus Wallbridge über vier Monate – für einen Streich im Fernsehen, wie die Tagesschau berichtet.

Während der Komiker dachte, dass er von einer Produktionsfirma den Auftrag für seinen ersten grossen Spielfilm bekommen hatte und dafür gefilmt werde, wurde er von eingeweihten Schauspieler:innen für die sechsteilige Sendung «Alle lieben Rasmus» des Senders TV2 an der Nase herumgeführt.

In Dänemark entbrannte als Reaktion auf den «Streich» ein Shitstorm. Dieser Scherz könne für den Betroffenen schwerwiegende Folgen haben, urteilte der Psychologe Michael Baastrup Portz und nannte das Projekt «heftig, grenzüberschreitend, verantwortungslos».
Der TV-Sender entfernte das Programm mittlerweile aus seiner Online-Mediathek und kündigte eine interne Untersuchung an. Mehrere Beteiligte entschuldigten sich öffentlich bei Wallbridge.

«Jeder kann sehen, dass es sich hier um Mobbing der übelsten Sorte handelt», schrieb der Chefredaktor der dänischen Zeitung «Politiken» laut der NZZ. Kritiker:innen sprechen von «psychischer Gewalt». Selbst Dänemarks Kulturministerin Zenia Stampe äusserte sich zum Fall und kritisierte das Format. Der Komiker selbst teilte bei Instagram mit, dass er gerade nicht an einem Punkt sei, an dem er sich an der Diskussion beteiligen könne.

Mich erinnerte der Fall an die US-Fernsehserie «Jury Duty»: Auch dafür wurde eine Person, der Normalo Ronald Gladden, ohne dessen Einverständnis in die Irre geführt und gefilmt. Die Serie basiert im Stil einer Mockumentary auf einem inszenierten Gerichtsverfahren, an dem alle Beteiligten Schauspieler:innen sind – nur Gladden glaubt, an einem echten Gerichtsprozess teilzunehmen. Auch diese Produktion galt als höchst umstritten und potenziell schädlich.

Kurz-News

Schweiz

Haftstrafe nach Ausschreitungen in Zürich unsicher
Ins Gefängnis – oder doch nicht? Bei den Ausschreitungen in Zürich am vergangenen Wochenende hat die Kantonspolizei zwei junge Männer festgenommen. In einer Medienmitteilung hiess es, die Staatsanwaltschaft Kanton Zürich habe Strafbefehle gegen den 19-Jährigen und den 21-Jährigen erlassen und eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs beziehungsweise vier Monaten gegen sie verhängt. Die NZZ berichtet nun, dass nicht sicher ist, ob die beiden Männer ins Gefängnis müssen: Der am Dienstag ergangene Strafbefehl ist nicht rechtskräftig und kann innert zehn Tagen schriftlich angefochten werden. (Mehr zu den Strafbefehlen hat etwa der Tagi.)


Wegen Spitalstreik: Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Schweiz
Wegen einer Verletzung der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg die Schweiz verurteilt, schreibt Nau. Konkret geht es um den Fall des Streiks am Spital La Providence in Neuenburg, der 17 ehemalige Angestellte des Spitals und vier Gewerkschaftssekretäre betrifft: Nach Arbeitsniederlegungen im Winter 2012/2013 wurden die Streikenden laut SRF im Februar 2013 entlassen. Nach Ansicht des Gerichtshofs war für die Streikenden nicht ausreichend vorhersehbar, dass ihr zunächst rechtmässiger Arbeitskampf zu einem bestimmten Zeitpunkt als rechtswidrig eingestuft werden könnte.


Ahorn-Samen vergiften Pferde: Mehrere Todesfälle
In den vergangenen Tagen sind in der Schweiz, vor allem im Jura, mehrere Fälle einer schweren Muskelerkrankung bei Pferden aufgetreten, wie der Dachverband für Pferdesport Swiss Equestrian mitteilt. Wie die Luzerner Zeitung berichtet, kam es durch die sogenannte Atypische Weidemyopathie zu mehreren Todesfällen. Ausgelöst wird die Erkrankung durch bestimmte Giftstoffe, die etwa in Samen und Keimlingen des Bergahorns vorkommen. Dieses Jahr sei die Gefahr einer solchen Vergiftung gross, unter anderem wegen der Hitze im Sommer: Weil es zu wenig Gras gibt, weichen die Tiere auf Blätter und Samen als Futter aus.

International

448 Festnahmen bei erneuten Massenkundgebungen in Frankreich
Bei erneuten Massenkundgebungen in Frankreich demonstrierten gestern nach Angaben des Innenministeriums landesweit 575’000 Menschen für höhere Löhne und bessere Bedingungen an Schulen und Universitäten. Laut Spiegel sprach die Gewerkschaft CGT von 1,6 Millionen Teilnehmer:innen. In mehreren Städten kam es am Rande der Kundgebungen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Landesweit wurden 448 Menschen festgenommen und 53 Sicherheitskräfte verletzt.


Russell Brand ist ein verurteilter Sexualstraftäter
Der britische Komiker Russell Brand wurde in London wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt und muss nun laut BBC mit einer erheblichen Gefängnisstrafe rechnen. Eine Jury befand den Entertainer nach einem vierwöchigen Prozess in einem Anklagepunkt der Vergewaltigung und in drei Anklagepunkten der sexuellen Nötigung für schuldig, schreibt The Guardian. Freigesprochen wurde er in zwei weiteren Anklagepunkten der Vergewaltigung sowie in einem Anklagepunkt des versuchten sexuellen Missbrauchs. Brands Antrag auf Freilassung gegen Kaution wurde abgelehnt. Das Strafmass soll am Montag bekanntgegeben werden.

Das Nützliche zum Schluss

Ein ✨artsy✨ Tool zum Wochenende

Für alle, die ihre Bilder gerne kreativ bearbeiten: Tooooools. © Tooooools App

Move over, überbelichteter Meta-KI-Filter: Du willst deine Fotos für ein Projekt, deine Webseite oder einfach deinen nächsten Insta-Dump kreativ bearbeiten? Dann hätte ich mit dem heutigen Tipp eventuell etwas Schönes für dich.

Auf der Tooooools App (ja, es sind wirklich sechs Os) kannst du deine Bilder mit allerhand interessanten visuellen Effekten versehen. Von Punktmuster über Rasterung, betonte Kanten und Konturen – auf Tooooools kann man ewig rumspielen und ausprobieren. Viel Spass! Und bis Montag. :-)

Witziges zum Schluss

Witziges der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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Love’n’Peace!
Merci fürs Lesen.
VANJA KADIC

Vanja Kadic

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

Du gibst ein Wort ein.

Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

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