Elio Donauer Vanja Kadic Simon Jacoby
ELIO DONAUER VANJA KADIC SIMON JACOBY

Guten Morgen {{vorname}}

Ich wünschte, ich könnte dir zum Zmorge eine leichte Kost servieren, Früchte und herzige Tiervideos oder so. Aber dafür bleibt uns keine Zeit. Stattdessen knien wir uns heute direkt und fast vollumfänglich ins Thema Protest: Protest gegen den Abbau von Redaktionen. Gegen explodierende Lebenskosten. Gegen Gewalt an Frauen.

Ausserdem geht es um den Diebstahl der Pensionskassendaten. Und ich erzähle dir noch was über einen traumatisierten Flamingo namens Peachy.

Schweiz | Datenklau

Hackergruppe Akira stahl Pensionskassendaten und fordert Lösegeld

Daten von über 100’000 aktuellen und ehemaligen Bundesangestellten wurden von der Hackergruppe Akira gestohlen.
© Tages-Anzeiger / Bundeskanzlei / Dominic Büttner / Béatrice Devènes

Jetzt ist klar, wer hinter dem massiven Diebstahl der Pensionskassendaten im Zusammenhang mit dem Cyberangriff auf die Softwarefirma PK Softech steckt: Laut Tages-Anzeiger ist die Erpresserbande Akira dafür verantwortlich. Die Hacker verlangen nun Lösegeld für die Pensionskassendaten und drohen mit der Publikation oder dem Verkauf der Daten. Dieselben Cyberkriminellen hatten zuvor schon einmal Lösegeld vom Bund kassiert.

Der Datenklau betrifft weit über 100’000 aktuelle und ehemalige Bundesangestellte, darunter Geheimagentinnen, Elitesoldaten und Magistratspersonen wie Bundesrichter:innen und Ex-Mitglieder des Bundesrats. Ausgenommen sind die aktuellen Mitglieder des Bundesrats. Sie sind nicht vom Hacking betroffen. Sicherheitstechnisch besonders heikel: Geheimagent:innen und Elitesoldat:innen könnten mit den Daten identifiziert werden.

Rund 100 Gigabyte komprimierte Pensionskassendaten stahl die Hackergruppe in der Nacht auf den 29. September, indem sie sich Zugriff auf einen Server der Informatikfirma PK Softech verschaffte. Die gehackte PK Softech AG leistet Dienste für viele Pensionskassen, auch jene des Bundes.

Die Folgen für die Sicherheit der Schweiz sind laut Recherchen weit gravierender, als bisher kommuniziert, schreibt der Tagi: Der Bundesrat und die Schweizer Sicherheitsbehörden gehen mittlerweile davon aus, dass persönliche Daten zu praktisch allen Angestellten des Bundes abgeflossen sind. Und das ausgerechnet durch die Akira-Gruppe, vor der die Schweizer Sicherheitsbehörde bereits vor einem Jahr warnte.

Schweiz | Kündigungswelle

Protestaktion vor Tamedia-Hauptsitz: Hunderte wehren sich gegen Abbau

Zwischen 300 und 400 Menschen nahmen gestern an der Protestaktion vor dem Hauptsitz der TX Group in Zürich teil.
© Koni Nordmann / Tsüri.ch

«Journalismus statt KI», «Wir fordern eine Perspektive» oder «Solidarität lässt sich nicht wegsparen» war gestern auf den Protestschildern vor dem Hauptsitz der TX Group in Zürich zu lesen: Rund 400 Personen versammelten sich laut der Branchenplattform Persoenlich und forderten einen sofortigen Entlassungsstopp, ein Konsultationsverfahren und Konsequenzen für die Geschäftsleitung. Die Deutschschweizer Redaktionen hatten am Freitag zur Aktion aufgerufen. Auslöser war der Abbau, den Tamedia am 5. Oktober angekündigt hat: 41 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.

Mit Angestellten der Tamedia, die zur TX-Group gehört, zeigten sich gestern Leserschaft, Politiker:innen und Medienschaffende solidarisch. Unter den Anwesenden waren etwa der Zürcher Stadtpräsident Raphael Golta (SP, selbsternanntes «Tagi-Kind») und die SP-Nationalrät:innen Jacqueline Badran und Cédric Wermuth. «Der Journalismus finanziert sich nicht selbst, rein mit Abos», sagte Badran zu Watson. «Darum werde ich bis zum Umfallen dafür kämpfen, dass bessere Bedingungen herrschen.»

Tamedia-Redaktorin Alexandra Aregger kritisierte die ständig wechselnden Strategien der Geschäftsleitung. «Das Vertrauen in die Geschäftsleitung ist verloren. Es soll Konsequenzen geben», so die Journalistin. Mein Kollege Yann Bartal war ebenfalls vor Ort. Er beschreibt etwa, wie Aleksandra Hiltmann, die 2022 ihren Job beim Tages-Anzeiger verlor, vor dem Tamedia-Hauptsitz sagte: «Es fühlte sich an, als würde mein Leben zusammenbrechen.» (Lies Yanns Text auf Tsüri.ch.)

Es half alles nichts – trotz der Mobilisierung ging die Geschäftsleitung auf die Forderungen der Belegschaft nicht ein. Besonders bitter: Die ersten Kündigungsgespräche finden bereits heute statt.

Schweiz | Proteste

Juso plant Jugendstreiks in der Schweiz: Kritik an geplanten Demos

Die Juso plant Jugendstreiks in mehreren Schweizer Städten. © Blick / Dukas

Gestern habe ich dir erzählt, dass am Samstag in Paris auch der Juso-Vizepräsident Julien Berthod und Antonin Fournier aus dem Vorstand der Neuenburger Juso mitdemonstrierten. Sie wollen die Jugendkundgebungen in die Schweiz holen – der Jugendstreik soll am 20. November in mehreren Städten stattfinden. Unter Politiker:innen sorgt dieses Vorhaben für gemischte Reaktionen und viel Kritik, wie Blick berichtet.

So mahnten die Jungfreisinnigen, die Juso hätte sich von der Gewalt und der Zerstörung distanzieren müssen. «Politische Veränderung braucht Argumente, Engagement und Dialog – keine Gewalt und Zerstörung!», heisst es in einem Insta-Post. Die FDP fordert die SP in einem Insta-Post zum Handeln auf: «Offenbar gefielen der Juso die gewaltsamen Proteste derart, dass sie sie nun auch in der Schweiz wollen. (…) SP, pfeift eure Jungpartei SOFORT zurück!»

Auch der Berner SVP-Ständerat Werner Salzmann übt Kritik. «Wenn die Juso nun aus Paris Werbung für die eigenen Demonstrationen in der Schweiz macht, zeigt das, dass es hier um Demonstrationen geht, die wie damals in Bern eskalieren können», sagt er zu Blick.

Die SP erklärt gegenüber der Zeitung, dass die Umstände, gegen die protestiert wurde, auch die Schweiz betreffen – etwa die explodierenden Lebenskosten. Die SP stelle sich solidarisch an die Seite aller, die friedlich für ihre Anliegen einstehen, und verurteile, «dass eine kleine Minderheit in Frankreich die Proteste für Gewalt missbraucht hat».

Wie die SP weiter schreibt, sei die sinnlose Gewalt kontraproduktiv und schade den berechtigten Forderungen der friedlichen Mehrheit. Die junge Generation habe ein Recht darauf, ernst genommen zu werden. Dazu trage eine «friedliche und breit abgestützte» Jugendkundgebung im November bei.

Kurioses

Entführung von Flamingo: Kanadier drohen viereinhalb Jahre Haft

Ein Kanadier entführte in Las Vegas besoffen einen Flamingo. © 8 News Now

Was ist das Dümmste, was du betrunken je gemacht hast? Die Dummheit des 34-jährigen Kanadiers, der in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada Ferien machte, steht auf einem Bein und ist pink: Der Mann klaute nach einer durchfeierten Nacht einen Flamingo und nahm das arme Tier mit auf sein Hotelzimmer.

Der Tourist aus Ontario feierte im vergangenen März mit seinen Freunden in Las Vegas. Und wie: Innerhalb von 24 Stunden habe er «30 bis 40 Biere» konsumiert, sagte er. Unter Alkoholeinfluss stieg er laut NZZ in das Gehege des Hotels und Casinos Flamingo auf dem Las Vegas Boulevard. Dort packte er den panischen Flamingo «Peachy» und nahm ihn mit.

Am Montag stand er deswegen vor Gericht. Wegen der Entführung von «Peachy» drohen ihm nun viereinhalb Jahre Haft. Eine Jury befand ihn der leichten und der schweren Tierquälerei für schuldig. Das Strafmass wird im Dezember verkündet. Vor Gericht sagte er: «Ich dachte, das wäre etwas, worüber wir den Rest unseres Lebens Witze machen könnten.»

Lustig findet er die Aktion inzwischen wohl auch nicht mehr. Er brach vor Gericht mehrfach in Tränen aus und gab an, er habe geglaubt, der Flamingo sei in Not. Er habe ihm helfen wollen. Auf Aufnahmen ist aber zu sehen, wie der Mann im Gehege den Vogel zu Boden drückt und am Hals packt. Ein Tierarzt erklärte, dass «Peachy» sich weitgehend von den Strapazen erholt habe, sich gegenüber Menschen aber seither ängstlicher verhalte. ☹️

Moral der Geschichte: Bitte keine Tiere klauen. Auch nicht nach 40 Bieren.

Kurz-News

Schweiz

Weitere Absage für SVP: Pascal Schmid will nicht kandidieren
Der Thurgauer SVP-Nationalrat Pascal Schmid galt im Rennen um Guy Parmelins Nachfolge als Favorit der Parteispitze und hatte die Unterstützung von Christoph Blocher. Doch wie Watson und der Tagi berichten, will Schmid nicht als Bundesrat kandidieren. Er wolle sich auf seine Ständeratskandidatur 2027 konzentrieren. Nach Esther Friedli und Natalie Rickli ist dies bereits die dritte Absage für die SVP.

 

Bahnhof Oerlikon: Mann wirft Molotowcocktail auf Perron
Im Bahnhof Oerlikon warf gestern Nachmittag ein vermummter Mann einen Brandsatz von einem Perron auf das gegenüberliegende Perron. Wie 20 Minuten berichtet, flüchtete die Person danach. Unweit des Bahnhofs konnte der 33-Jährige von Passant:innen gestoppt und bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte zurückgehalten werden, ehe er festgenommen wurde. Gemäss Augenzeugen habe er Feuerwerk aufs Gleis geschmissen, ehe er einen Molotowcocktail warf.

 

Temporäre Einziehung von Schusswaffen soll einfacher werden
Bei konfliktbehafteten Trennungen oder bei Anzeigen wegen häuslicher Gewalt sollen Behörden Schusswaffen künftig temporär einziehen müssen. Wie SRF berichtet, hat die Rechtskommission des Ständerats einer parlamentarischen Initiative der Waadtländer SP-Politikerin Jessica Jaccoud Folge gegeben. Die Schwesterkommission des Nationalrats kann damit eine Gesetzesvorlage ausarbeiten. Jaccoud sieht ihren Vorschlag als Prävention von Schusswaffentötungen in Partnerschaften.

International

Enkelin von Robert F. Kennedy stirbt im Alter von 42 Jahren
Kyle Kennedy, Enkelin von Robert F. Kennedy, ist im Alter von 42 Jahren verstorben. Wie USA Today berichtet, starb sie am 21. September in ihrem Zuhause in Westwood, Massachusetts. Kennedy, die sich als Aktivistin für Menschen mit Behinderungen einsetzte, litt jahrelang an gesundheitlichen Problemen im Zusammenhang mit einer Rückenmarksverletzung, die sie sich 2020 zuzog. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt.

 

Meloni schickt zusätzliche militärische Unterstützung nach Mailand
Die italienische Regierung entsendet nach tagelangen Protesten, Zusammenstössen mit der Polizei, Vandalismus und Plünderungen 500 Soldaten zur Unterstützung der Einsatzkräfte nach Mailand. Wie The Guardian berichtet, sind für Samstag weitere Demonstrationen geplant. Premierministerin Giorgia Meloni plant zudem, strengere Sicherheitsmassnahmen zu verabschieden. In Frankreich hat Premierminister Sébastien Lecornu nach der Ankündigung weiterer Demonstrationen mitgeteilt, dass mehr Polizist:innen mobilisiert werden, schreibt Watson. Demonstrationen könnten ausserdem verboten werden.

Das Nützliche zum Schluss

Support für die Demo gegen
Gewalt an Frauen

Die Kampagne «Männer gegen Gewalt an Frauen» sammelt aktuell für die Demo im November. © wemakeit

Heute mal kein Tipp für eine spannende Ausstellung oder eine lustige Website, dafür eine wichtige Sache: Die Kampagne «Männer gegen Gewalt an Frauen» organisiert am 14. November eine Solidaritätskundgebung auf dem Bundesplatz in Bern. Das Ziel ist es, öffentlich Haltung gegen die Männer-Gewalt an Frauen zu zeigen.

Die Kampagne hat es sich zur Aufgabe gemacht, Männer über die strukturelle Gewalt an Frauen aufzuklären. Aktuell läuft ein Crowdfunding, um Mittel für die Demo zu sammeln: Das Geld deckt die Kosten für Flyer, Fahnen, Banner, Werbung, Transport, Verpflegung und vieles mehr.

Organisiert wird die Kundgebung von «Männer gegen Gewalt an Frauen» ehrenamtlich, unterstützt wird die Aktion etwa von männer.ch und den Feministen, sie ist Teil der Kampagne «nie-ok». Hier erfährst du mehr darüber und kannst, wenn du magst und kannst, spenden.

Love’n’Peace!
Merci fürs Lesen.
VANJA KADIC

Vanja Kadic

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

Du gibst ein Wort ein.

Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

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