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Kennst du das? Du gehst morgens frisch gestriegelt (Kaffee to-go in der Hand, Sonnenbrille auf der Nase) deiner Wege, da erweckt etwas deine Aufmerksamkeit. Es ist die Zeitung, die beim Kiosk ausgelegt ist. Dein Blick hat die Schlagzeile nur gestreift, doch sie ist so einschlägig, dass du nicht umhinkommst, stehenzubleiben und weiterzulesen.

«Machten reiche Schweizer im Bosnienkrieg Jagd auf Zivilisten?» stand da gestern im Sonntagsblick. Das Szenario mit dem Kiosk ist dabei fiktiv, die Geschichte hat es nicht auf die Titelseite der Zeitung geschafft.

Dennoch will ich dir davon berichten.

Bosnienkrieg · Sarajevo Snipers

Mutmassliche Schweizer Kriegstourist:innen

Über die mutmassliche Sarajevo Safari berichteten früher schon italienische Zeitungen und ein Dokumentarfilm. (Foto: Wikimedia Commons/Quasimodogeniti)

Sarajevo Anfang bis Mitte der 90er Jahre. Über 10'000 Menschen wurden während der Belagerung der Stadt getötet. Auch durch reiche Kriegstourist:innen anderer Länder, die in Sarajevo auf die Zivilbevölkerung schossen – so der Vorwurf.

Medienwirksam erhoben hat ihn vor rund einem Jahr der italienische Publizist und Investigativ-Journalist Ezio Gavazzeni. Reiche Ausländer:innen hätten dafür bezahlt, mit Feuerwaffen auf Zivilist:innen zu schiessen.

«Wir prüfen die Anzeigen nach dem üblichen Vorgehen.»

Maximilian Tikhomirov, Sprecher der Bundesanwaltschaft

Bereits seit einer Weile laufen in Italien, Österreich und Belgien deshalb Verfahren gegen mutmassliche Sniper-Tourist:innen. Und nun also auch in der Schweiz, wie der Sonntagsblick berichtet. Maximilian Tikhomirov, Sprecher der Bundesanwaltschaft, bestätigt die Strafanzeigen mit Informationen zu möglichen Täter:innen und Mitwissenden aus der Schweiz.

Es sei nicht klar, ob ein hinreichender Tatverdacht bestehe und wenn ja, ob die Bundesanwaltschaft dafür zuständig sei. Entsprechend wurde auch kein Strafverfahren eröffnet. «Wir prüfen die Anzeigen nach dem üblichen Vorgehen», sagt Tikhomirov.

Während die Aufarbeitung der Vorwürfe durch die nationalen sowie internationalen Behörden noch zu keinem endgültigen Urteil gelangt ist, verweist der Sonntagsblick auf Unstimmigkeiten in den Recherchen und zweifelnde Fachleute, die allerdings nicht namentlich genannt werden.

VBS-Versagen · F-35-Flop

Wer hat den Fixpreis erfunden?

Schlechte Presse für die damaligen VBS-Verantwortlichen. (Screenshot: Tages-Anzeiger)

Zeit für ein Déjà-vu: Die Kampfjets dominieren die Medien. Neue Details haben der Geschichte übers Wochenende erneut Aufwind verliehen.

Was ist passiert: Vergangene Woche veröffentlichte die Geschäftsprüfungskommission GPK einen Bericht, der das Vorgehen der zuständigen Behörde beim F-35-Deal stark kritisiert (Vanja berichtete). Über die letzten Tage sind darüber weitere Details ans Licht gekommen.

Bis heute habe sich das Verteidigungsdepartement (VBS) nicht von der Fixpreis-Erzählung distanziert, schreiben die Tamedia-Zeitungen. Dabei wussten sie schon lange von dessen Scheitern.

Kurz vor Weihnachten 2024 erhielt das Departement ein Schreiben der Amerikaner, das bestätigte, dass es beim F-35-Deal «zu Mehrkosten kommen könnte». Kurz darauf gaben mehrere Verantwortliche, darunter die Bundesrätin, ihren Rücktritt bekannt. Die Öffentlichkeit erfuhr dennoch erst im Sommer vom falschen Fixpreis.

«Von der Armasuisse breitete sich die Erzählung im ganzen VBS aus: Armee, Luftwaffe, Generalsekretariat, Bundesrätin. Alle sprachen vom Fixpreis»

Tamedia-Zeitungen

Auf wessen Kappe die falschen Angaben gehen, ist noch nicht ganz eruiert. Eine wichtige Rolle habe wohl der damalige Leiter von Armasuisse, Darko Savic, gespielt. Die USA habe ihm bereits während der Verhandlungen «unmissverständlich» klargemacht, dass die Schweiz keinen garantierten Preis erhalte. Dennoch sprach er als Erstes vom Fixpreis.

«Von der Armasuisse breitete sich die Erzählung im ganzen VBS aus: Armee, Luftwaffe, Generalsekretariat, Bundesrätin. Alle sprachen vom Fixpreis», schreiben die Tamedia-Zeitungen.

Und nicht nur das. Wie die NZZ berichtet, haben die VBS-Verantwortlichen auch bei den Betriebskosten falsche Angaben gemacht. Anders als lange behauptet, wurden diese nie garantiert. Es gibt keinen Mehrjahresvertrag mit den USA.

Alles in allem dürfte uns die damalige Pfuscherei im VBS also teuer zu stehen kommen. Bereits heute hat die Schweiz 1,7 Milliarden Franken für die F-35 in die USA überwiesen, wie der Blick schreibt. Dabei ist immer noch unklar, wie viele Kampfjets die Schweiz denn überhaupt erhalten wird.

Löhne in der Landwirtschaft · Neue Studie

Mit Raps verdient man besser als mit Milch

Rapsbäuer:innen verdienen besser. (Foto: Unsplash/Nick Fewings)

4.30 Franken pro Stunde verdienen Landwirt:innen mit Mutterkuhhaltung. Als Milchbäuer:in verdient man 8.30 Franken pro Stunde und mit Schweinemast 13.80 Franken.

Das zeigt eine neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), wie die Sonntagszeitung berichtet.

Die Studie zeigt: Landwirt:innen in der Milch- und Rinderwirtschaft verdienen schlechter als angenommen. Und das, obwohl die Milchwirtschaft der wichtigste Sektor der Landwirtschaft ist, wie die Zeitung schreibt. Bei 35 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe handle es sich um Milchproduzent:innen.

Aber Achtung, nicht alle Landwirt:innen verdienen so schlecht. Mit dem Anbau von Zuckerrüben verdient man fast 56 Franken im Stundenlohn und mit Raps sogar 74 Franken.

«Wenn die Landwirte von den Abnehmern entsprechend faire Produzentenpreise erhalten, können sie auch schwierige Jahre besser abfedern.»

Mathias Binswanger, Studienautor

Studienautor Mathias Binswanger erklärt die Preisunterschiede zwischen der pflanzlichen und der tierischen Produktion mit den längeren Produktionszyklen und damit, dass die Landwirt:innen nicht saisonal flexibel planen können. Extreme Wetterjahre würden den Futteranbau und damit Menge und Qualität von Milch und Fleisch beeinflussen. Ein Umstieg auf pflanzliche Produktion sei in den Bergregionen aufgrund der Topografie meist keine Option, sagt er ausserdem.

Deshalb fordert Binswanger bessere Löhne für die betroffenen Landwirt:innen und bessere Preistransparenz von den Detailhändlern. «Wenn die Landwirte von den Abnehmern entsprechend faire Produzentenpreise erhalten, können sie auch schwierige Jahre besser abfedern», sagt er.

Zitat des Tages

«Das ganze System ist überlastet.»

Maria Mondaca, Geschäftsführerin Mädchenhaus Zürich
Home House GIF by Marie Boiseau

Zwei Mädchenhäuser mit je sieben Plätzen gibt es in der Schweiz. (GIF:Giphy)

«Letztes Jahr mussten wir 108 Mädchen abweisen», sagt Geschäftsführerin Maria Mondaca, Geschäftsführerin des Mädchenhauses Zürich. Bereits seit Schulbeginn diesen August seien auf einen freien Platz im Mädchenhaus 25 Anfragen gekommen.

Da die geheime Schutzunterkunft insgesamt nur sieben Plätze für von Gewalt betroffene Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und 20 Jahren bietet, muss Mondaca die meisten Anfragen abweisen. Doch auch andere Lösungen wie betreute Wohnheime seien häufig voll belegt. «Das ganze System ist überlastet.»

Das Problem zeigt sich nicht nur in Zürich. In Biel, wo im Juni ein zweites Mädchenhaus öffnete, sind fünf von sieben Plätzen innert kurzer Zeit belegt. Und obwohl das Angebot kaum bekannt sei, wie die Leiterin gegenüber dem Blick sagt.

Gleichzeitig dürfte der Bedarf an Schutzinstitutionen wohl weit grösser sein. «Was wir bei der häuslichen Gewalt gegen Minderjährige erfassen, ist nur die Spitze des Eisbergs», sagt Mondaca. Sie geht davon aus, dass die Schweiz mindestens 42 Schutzplätze für Mädchen und junge Frauen bräuchte, die Datenlage sei jedoch ungenügend.

Kurz-News

Parmelin, wohin des Weges? · Heute beginnt die Session in Bundesbern. Ob der derzeitige Bundespräsident, Guy Parmelin, bei diesem Auftakt seinen Abschied aus der Politik ankündigt? Darüber spekulierten die Zeitungen, allen voran die NZZ, gestern. Bekanntlich plagt ihn der Rücken. Bislang hat sich Parmelin noch nicht selbst zu einem potenziellen Rücktritt geäussert, bleiben die Spekulationen.

SP will F-35-Debakel untersuchen · Nachdem diese Woche weitere Teile der Kampfjet-Geschichte publik wurden, fordert die SP Konsequenzen. Sie will eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK), wie die Tamedia-Zeitungen schreiben. Viele Fragen seien weiterhin ungeklärt. SP-Ständerätin und treibende Federführerin der Forderung, Franziska Roth, sagt: Damit die Aufrüstung der Armee ermöglicht werden könne, brauche es eine lückenlose Aufklärung.

Hilfe Velo! · Mit dem Göppel unterwegs zu sein, birgt in der Schweiz doppelt so viele Risiken, wie in Holland. Dies zeigt eine Analyse der niederländischen Universität Twente und der ETH Zürich, die gemäss Watson mehr als 86'000 polizeilich erfasste Velounfälle aus den Jahren 2019 bis 2022 in beiden Ländern ausgewertet hat. Ergebnis: Pro 100'000 gefahrene Kilometer wurden in der Schweiz gut doppelt so viele Velounfälle registriert.

Wirtschaftsstudium ≠ sichere Zukunft · Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS) zeichnen kein gutes Bild vom Wirtschaftsstudium. 8.5 Prozent der Personen mit Wirtschaftsabschluss hatten nach dem Master keine Anstellung. Wie die NZZ am Sonntag berichtet, zeigen sich aber frappante Unterschiede zwischen den Universitäten. So sind es bei ehemaligen Studis der HSG in St. Gallen nur 2.7 Prozent, die ohne Job dastehen. Am schlechtesten steht die Uni Genf da, wo jede:r Sechste ein Jahr nach Abschluss ohne Stelle ist.

International

Wahlen in Schweden · Im Norden zeichnet sich ein Regierungswechsel ab. Laut den Prognosen liegen die Sozialdemokraten der Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson mit rund 28 Prozent der Stimmen in Führung. Welches Lager am Ende die Mehrheit im Parlament bilden kann, ist derweil noch offen, wie die deutsche Tagesschau berichtet.

📖 Heute zum Lesen

NZZ-Recherche: «Während sie schlief»

Platzhalter. (Foto: David Becker/Unsplash)

Triggerwarnung: Sexualisierte Gewalt!

Am Freitag hat dir meine Kollegin Vanja Kadic Lust auf Kürbisse gemacht, mit denen man sich den Bauch vollschlagen kann.

Ich bin nicht so nett. Gleich kehrt sich dir der Magen um.

Es ist die Geschichte von Urs, 58, Sportartikelvertreter. Urs interessiert sich für Filmchen von schlafenden Frauen und Mädchen. Für Filmchen von betäubten Frauen und Mädchen, die meist gegen ihren Willen vergewaltigt werden. Und Urs wird fündig.

Innert kürzester Zeit erhält er über Telegram-Gruppen insgesamt 15 000 solcher Videos. Manche sind technisch hochwertig und wohl für ein kommerzielles, pornointeressiertes Publikum produziert. Aber viele der betäubten Frauen und Mädchen liegen in Hotelzimmern, ihren eigenen Wohnungen und sogar in Spitalbetten. Gefilmt werden sie von Nachbarn, Ehemännern, Pflegepersonal oder Fremden, die sich an ihnen vergehen. Es muss davon ausgegangen werden, dass dies in einem guten Teil der Fälle ohne ihre Zustimmung oder gar ihr Wissen geschieht.

Urs gibt es nicht. Hinter dem Namen verbergen sich NZZ-Journalist:innen, die das Ausmass unserer Rape-Culture mit der Recherche ein kleines Stückchen sichtbarer gemacht haben.

«Es sind Abgründe, wie man sie nie für möglich hielt», schreiben sie im Artikel, den ich dir (trotz der graphischen Schilderungen) wirklich sehr empfehle. Den ersten Teil der Recherche findest du übrigens hier.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Bis morgen

Sofie

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