Guten Morgen {{vorname}}
Mit Spannung wurde die Medienkonferenz der Aargauer Kantonspolizei gestern Nachmittag erwartet. Vor rund sechzig Journalist:innen gab die Polizei in Schafisheim AG Auskunft zum mutmasslichen Schützen von Aarau. Man geht von einem Amoklauf aus, in vielen Punkten herrscht Klarheit – doch noch immer ist die Frage nach dem Motiv offen.
Was du heute ausserdem wissen musst: Ab Oktober gibt es eine neue Anlaufstelle für Angriffe im Netz. Und im Kanton Solothurn sorgte ein Biber für einen Gerichtsfall.
Schweiz · Amoklauf
Schüsse in Aarau: Was bekannt ist – und welche Fragen offen bleiben

Die Polizei informierte gestern zum Fall Aarau.
(Screenshot: NZZ / Michael Buholzer / Keystone)
Es handelte sich um einen Amoklauf: Im Fall Aarau informierte die Aargauer Kantonspolizei gestern Nachmittag in Schafisheim AG über den mutmasslichen Schützen. Beim Verdächtigen, der nach einem Rave eine 22-jährige Frau getötet und sechs Menschen verletzt haben soll, handelt es sich um einen 43-Jährigen, der im Kanton Jura lebte und wohl unter psychischen Problemen litt, schreibt die NZZ. (SRF hat dazu die Einordnung des forensischen Psychologen Jérôme Endrass.)
Der Mann hat sich laut dem kantonalen Polizeikommandanten Michael Leupold bei der Polizeistation in Delsberg selbst gestellt. Er habe die Tat gestanden, seine Aussage aber verweigert. Der Mann berichtete, «dass es ihm bereits seit einiger Zeit gesundheitlich schlecht gehe».
In seinem Kofferraum fanden die Polizisten drei legal erworbene Waffen, zwei Pistolen und ein Sturmgewehr, eine Kalaschnikow. Letztere Waffe besass der Verdächtige seit 2005 – seit 2019 braucht es für solche Sturmgewehre eine Ausnahmebewilligung, schreibt Blick. Der Mann schoss über vierzig Mal wahllos auf die Personen auf dem Areal, es gebe keine Hinweise auf Mittäter.
RTS berichtet, dass der tatverdächtige Mann «sehr zurückgezogen» im 500-Seelendorf Montsevelier JU lebte, mehr ist nicht bekannt. Fakt ist: Er hatte keine Vorstrafen. Offen bleibt die Frage nach dem Motiv. «Wir gehen davon aus, dass es ein Zufall war, dass er auf diesen Event gestossen ist», erklärte Leupold. Auch weil es «keine Hinweise auf ideologische Hintergründe» gebe.
Schweiz · Digitale Gewalt
Neue Anlaufstelle für Angriffe im Netz auf Politiker:innen

Die Kantonsrätin im Kanton Solothurn Marlene Fischer erlebt digitale Gewalt. (Screenshot: Tages-Anzeiger / Raphael Moser)
Mit «Hatehelp» gibt es ab Oktober eine neue Beratungsstelle für Betroffene von digitaler Gewalt. Krass: Das Fedpol verzeichnete im vergangenen Jahr so viele Angriffe im Netz gegen Politiker:innen, wie noch nie, berichtet der Tages-Anzeiger. Insgesamt gingen 645 Meldungen von Drohungen gegen Parlamentarier:innen, Bundesratsmitglieder sowie Angestellte des Bundes ein.
Die Solothurner Kantonsrätin für die Grünen Marlene Fischer berichtet etwa von Hass-Kommentaren unter ihren Instagram-Beiträgen zum Frauenstreik 2026, die von «Nutte» oder «linke Tussi» bis hin zu drohenden Kommentaren reichten. Auch der St. Galler Nationalrat Arbër Bullakaj, der für die SP im Parlament sitzt, erlebt täglich Angriffe und Rassismus im Netz.
FDP-Co-Präsidentin und Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher erhält ebenfalls Hassnachrichten. «Nur weil ich Politikerin bin und in der Öffentlichkeit stehe, ist das kein Freibrief für übelste Beschimpfungen», sagt sie.
Das hat Folgen: Besonders junge Frauen wollen sich gemäss einer Studie der Universität Basel häufiger wegen Anfeindungen aus der Politik zurückziehen. Mit «Hatehelp» des Vereins Fairmedia soll nun eine Anlaufstelle für Hass im Netz geschaffen werden. Zentrale Zielgruppe sind öffentlich exponierte Personen, etwa Politiker:innen, Lehrpersonen oder Leistungssportler:innen. «Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass sich alle Menschen öffentlich äussern können, ohne befürchten zu müssen, Beleidigungen oder Diskriminierung ausgesetzt zu sein», sagt Fairmedia-Geschäftsführer Jeremias Schulthess.
Schweiz · Politik
Strafverfahren: Tessiner Regierungsrat entzieht Claudio Zali das Departement

Der Tessiner Regierungsrat Claudio Zali weist jede Schuld von sich.
(Screenshot: SRF / Keystone / Ti-Press / Francesca Agosta)
Der Tessiner Regierungsrat entzieht Claudio Zali nach Bekanntwerden eines zweiten Strafverfahrens per sofort die Leitung des Departements für Raumplanung. Entgegen Forderungen seiner Regierungskolleg:innen und mehrerer Parteien tritt Zali nicht per sofort zurück, schreibt SRF. Er bleibt laut 20 Minuten bis zum 30. September Staatsrat.
Die Regierung habe am Dienstag aus den Medien von der Strafuntersuchung wegen einer mutmasslichen Verletzung der sexuellen Integrität gegen Regierungsrat Claudio Zali erfahren. Diese Situation nehme man «sehr ernst», erklärte Regierungspräsidentin Marina Carobbio in Bellinzona. In einem Statement dementiert der Politiker jegliche Schuld.
Der Fall sorgte in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen: In einer Ende Juli durch RSI veröffentlichten Audioaufnahme rief Claudio Zali zur Gewalt gegen eine Frau auf. Ende Juli gab Zali, der zu diesem Zeitpunkt den Tessiner Staatsrat präsidierte, seinen Rücktritt bekannt. Mitte August wurde die Frau, die die Tonaufnahmen des Lega-Politikers veröffentlicht hat, tot bei Melide im Luganersee gefunden – zehn Tage zuvor war sie attackiert worden.
Gegen Zali läuft bereits ein anderes Strafverfahren: Ende Juni eröffnete die Tessiner Staatsanwaltschaft ein Untersuchungsverfahren gegen Zali, bei dem es um Amtsmissbrauch und versuchte Nötigung geht. Zali gab als Reaktion darauf die politische Verantwortung für den Bereich Justiz und Polizei ab.
Meinung der Community
Weil Lernende zunehmend Mühe mit Schreiben und mathematischen Fähigkeiten haben, wollen Firmen künftig weniger Lehrlinge rekrutieren. Gestern wollte ich von dir wissen, was du dazu meinst – und einmal mehr hat die 6iBrief-Community fleissig abgestimmt. 🫶
Insgesamt haben 1071 Personen ihre Stimme abgegeben, die meisten von euch (571 Stimmen) finden: Man sollte die Lernenden einstellen und sie bei ihren Schwächen unterstützen. 394 Personen finden die Entscheidung der Firmen verständlich, 101 Leser:innen können die Entscheidung hingegen nicht nachvollziehen.
Einige Meinungen dazu liest du hier:

«Die Erlangung der Grundkompetenzen ist Sache der Grundschule und nicht der Lehrbetriebe!»
«Weder Schulen noch Betriebe können die aktuellen Bildungsdefizite im Alleingang lösen – gefragt ist ein abgestimmtes Zusammenspiel. Einerseits muss die Schule den Fokus wieder konsequenter auf die Kernkompetenzen richten. (…) Andererseits müssen Berufsfachschulen und Betriebe mit angepassten, praxisnahen Lehrformaten gezielt Hand in Hand arbeiten, um theoretische Rückstände direkt im Arbeitsalltag aufzuholen.»
«Es sind evtl. Lernende mit vielleicht schwierigem Elternhaus, die keine Unterstützung hatten. Viele entwickeln sich bei Unterstützung in der Lehre recht gut.»
Kurioses
Gemeinde hat Ärger mit einem Biber: Fall endet vor Gericht

Symbolbiber: In einer Solothurner Gemeinde gab es Puff wegen dem Nagetier. (Screenshot: 20 Minuten / PA Images via Getty Images)
Diese Rubrik des 6iBrief mag ich ganz besonders, vor allem, wenn es sich um weirde Nachrichten wie diese handelt: Eine Solothurner Gemeinde hat seit Jahren Ärger mit einem Biber. Weil ein Mitarbeiter die Biberdämme im Auftrag des Gemeindepräsidenten während fünf Jahren rund 300- bis 400-mal öffnete, landete der Fall vor Gericht.
Das Tier staute immer wieder den Dorfbach, weshalb ein Gemeindemitarbeiter regelmässig Teile der Dämme entfernte. Dass die Entfernung der Dämme und Bauten nicht erlaubt ist, sei dem Mitarbeiter nicht bewusst gewesen, schreibt 20 Minuten. Er habe zwar gewusst, dass der Biber geschützt ist, habe aber gleichzeitig von der Gemeinde den Auftrag erhalten, den Bach zu entstauen.
Das illegale Entfernen der Biberdämme kam ans Licht, nachdem eine Mitarbeiterin des zuständigen Solothurner Amts für Wald, Jagd und Fischerei am Ufer zahlreiche Asthaufen entdeckte, die von abgetragenen Biberdämmen stammten.
Das Ende der Geschichte: Das Gericht verurteilte den Mitarbeiter und den Gemeindepräsidenten wegen einer Gesetzesübertretung zu Geldstrafen. Der Gemeindemitarbeiter muss eine Busse von 3500 Franken bezahlen, der Präsident 2500 Franken.
Und der Biber? Der macht weiterhin sein Ding – der Gemeindepräsident erklärte vor Gericht, dass der Konflikt mit dem Biber die Gemeinde schon seit Jahren beschäftige und es bis heute keine zufriedenstellende Lösung gebe. 🦫
Kurz-News
Novartis streicht in Basel bis zu 130 Jobs · Bis Ende 2027 streicht der Pharmakonzern Novartis in Basel bis zu 130 Stellen. Dies, weil die kleinvolumige Produktion von Biologika im Stadtteil Kleinbasel aufgegeben werde, teilte das Unternehmen laut Blue News am Mittwoch mit. Künftig sollen andere Biologika-Standorte weltweit die Aufgaben der Basler Fabrik übernehmen.
Untersuchung zu Notlandung im Vierwaldstättersee eingestellt · Nach der Notlandung eines österreichischen Piloten im Vierwaldstättersee im vergangenen Juli hat die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle die Untersuchung eingestellt. Demnach führte ein Problem mit dem Fahrwerk zum Abbruch des Flugs. Der Pilot blieb beim Unfall mit dem einmotorigen Turboprop-Flugzeug unverletzt, eine Passagierin zog sich leichte Verletzungen zu, schreibt Watson.
US-Sender adaptiert Schweizer Hit «Der Bestatter» · Der US-Sender ABC hat eine Neuauflage der Schweizer Krimiserie «Der Bestatter» in den USA geplant. Die Serie mit Mike Müller in der Hauptrolle lief bis Anfang 2019 sieben Staffeln lang bei SRF. Die Besetzung der Adaption ist nicht bekannt, wie Nau berichtet.
International
22 Tote bei Busunglück in Ägypten · Bei einem Busunglück in der ägyptischen Ferienregion Südsinai an der Küste des Roten Meeres starben gestern 22 Personen. 28 Menschen wurden verletzt, wie Blick schreibt. Medienberichten zufolge überschlug sich der Bus bei dem Unfall. Die genaue Unfallursache ist bislang unklar.
Freispruch in Mordfall von Journalistin · Nach dem Autobomben-Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia in Malta vor neun Jahren ist der Geschäftsmann Yorgen Fenech von dem Vorwurf freigesprochen worden, hinter der Tat zu stecken. Ihm wurde vorgeworfen, der Drahtzieher des Mordes gewesen zu sein. Eine Jury sprach Fenech, einen der wohlhabendsten Männer Maltas, in Valletta laut Nau sowohl vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord als auch der kriminellen Verschwörung frei.
🔧 Nützliches des Tages
Heute mal ein Crime Podcast

Hinter der perfekten Fassade brodelte es – bis es zu einem Todesfall kam: Der Podcast «Tod einer Millionärin» widmet sich dem Fall von Andrea K.
(Screenshot: Tages-Anzeiger)
Eigentlich höre ich kaum mehr Podcasts, die sich mit Verbrechen befassen. Doch die fünfteilige Serie des Tages-Anzeigers «Tod einer Millionärin» machte mich neugierig.
Erzählt wird die umfangreiche Recherche zum Fall von Andrea K. (Name geändert): In einem Umfeld, das von Luxus, Geld und edlen Dressurpferden geprägt ist, kommt es im Kanton Luzern zu einem Mord. Andrea K. ist im goldenen Käfig aufgewachsen und scheint das perfekte Leben zu führen – doch die Beziehung zu ihrer Mutter, einer Millionärin aus dem Luzerner Hinterland, ist schwierig. Nachdem sich ein Konflikt zuspitzt, steigt Andrea K. durchs Fenster ins Elternhaus. Kurz darauf ist ihre Mutter tot.
Hat Andrea K. ihre eigene Mutter getötet? War es eine Verzweiflungstat? Oder ein geplantes Verbrechen, um an ein Millionenvermögen zu gelangen? Wie kann das passieren? Ein interessanter Fall, spannend erzählt – ich werde «Tod einer Millionärin» weiterhören.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Hab einen schönen Tag! Bis morn ✨
Vanja
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