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Wie intensiv war die längste Sitzung, an der du je teilnehmen musstest? Wohl kaum intensiver als die Monsterdebatte zum EU-Vertragspaket: Drei Tage sind dafür laut NZZ eingeplant, inklusive einer Nachtsitzung. Nach langer Debatte hat sich der Ständerat gestern Abend dann grundsätzlich für das EU-Vertragspaket ausgesprochen.
In der heutigen 6iBrief-Ausgabe beschäftigen wir uns ausserdem (einmal mehr) mit dem nächsten Prämienanstieg, Teilzeit-Pensen – und dem erschreckenden Fall der «Cornell 7».
Schweiz · Politik
Neue bilaterale Verträge mit der EU: Der Ständerat sagt grundsätzlich Ja

Nach der fünfstündigen Eintretensdebatte im Ständerat hielten Guy Parmelin, Ignazio Cassis und Beat Jans (v.l.n.r.) ihre Plädoyers.
(Screenshot: Keystone / Alessandro Della Valle)
Der Ständerat hat sich nach stundenlanger Debatte grundsätzlich für das EU-Vertragspaket ausgesprochen, berichtet SRF. Und zwar deutlich – mit 29 zu 15 Stimmen.
Die geschlossene siebenköpfige Gruppe der SP, die drei Grünen, die GLP-Vertreterin sowie zehn Mitglieder der Mitte- und acht Mitglieder der FDP-Gruppe stimmten im Grundsatz für das Paket. Nur die geschlossene siebenköpfige SVP-Gruppe, je vier Deutschschweizer Mitglieder der Mitte- und der FDP‑Gruppe, stimmten gegen Eintreten auf die Vorlage. Die Details der neuen bilateralen Verträge mit der EU können nun im Rat besprochen werden.
Überraschend kam das Ergebnis nicht: Bereits vor der parlamentarischen Debatte waren die Fronten gemäss SRF klar. Die SVP ist grundsätzlich gegen das gesamte Paket (Auf dem Bundesplatz versammelten sich Nationalrät:innen der SVP-Fraktion zur rotleuchtenden Protestaktion). Die anderen Parteien sowie die Sozialpartner und die Wirtschaftsverbände unterstützen den bilateralen Weg – allerdings unter bestimmten Bedingungen.
In der über fünfstündigen Eintretensdebatte (Watson berichtet von satten sechs Stunden 👀) meldeten sich über die Hälfte der 46 Ratsmitglieder zu Wort, im Anschluss hielten Bundespräsident Guy Parmelin, Aussenminister Ignazio Cassis und Justizminister Beat Jans ihre insgesamt einstündigen Plädoyers für die EU-Verträge.
Das vorgelegte Paket sei das Ergebnis eines langen und intensiven Prozesses, sagte Cassis. Dabei handle es sich um die Fortsetzung des bekannten und bewährten bilateralen Wegs. Er betonte, dass die EU die wichtigste Handelspartnerin der Schweiz sei.
Bis voraussichtlich morgen Abend können nun die Details der Vorlage beraten werden.
Schweiz · Erwerbsarmut
Working Poor: Vor dem Prämienanstieg fordert Caritas Massnahmen

Der nächste Prämienanstieg dürfte für viele von Einkommensarmut Betroffene ein weiterer finanzieller Schock sein.
(Screenshot: SWI swissinfo.ch / Keystone / Gaetan Bally)
Kurz vor der heutigen Bekanntgabe des Anstiegs der Krankenkassenprämien fürs nächste Jahr, der bei 4,5 bis 5 Prozent liegen dürfte, schlägt die Caritas in einer Mitteilung Alarm. Denn das Problem der arbeitenden Armen sei in der Schweiz «chronisch» unterschätzt.
360’000 Menschen – also 8,8 Prozent aller Erwerbstätigen – in der Schweiz sind laut Caritas von Einkommensarmut betroffen, schreibt SWI swissinfo.ch. So viele waren es seit der Einführung der neuen Messmethode 2014 noch nie. Heisst: Obwohl sie (oft in einem hohen Pensum) arbeiten, verdienen sie nicht genug, um den Lebensunterhalt ihres Haushalts zu sichern.
Angesichts des neuerlichen Anstiegs der Krankenkassenprämien kritisiert die Caritas, dass die Schweiz zu wenig unternimmt, um die Situation der Working Poor zu verbessern – denn der Prämienhammer dürfte für Betroffene ein weiterer Schock sein.
«Ärmere Haushalte geben praktisch ihr ganzes Bruttoeinkommen für Fixkosten und Grundbedürfnisse aus. Sie haben null Reserven, um solche zusätzlichen Belastungen zu verkraften», sagte Aline Masé, Leiterin Grundlagen und Politik bei Caritas Schweiz gestern. Die Caritas schlägt konkrete Massnahmen vor: Etwa Familien-Ergänzungsleistungen, gesetzlich festgelegte Mindestlöhne und genügend hohe und planbare Arbeitspensen.
Ebenfalls kurz vor Bekanntgabe des nächsten Prämienanstiegs gab die SP laut Tagesschau den Text für ihre Initiative «Für tiefere Krankenkassenprämien» bekannt.
Schweiz · Studie
Schweizer Männer würden gern Teilzeit arbeiten, aber machen es nicht

Teilzeitarbeitender Symbolvater: Nur jeder zehnte Mann in der Schweiz, der sein Pensum reduzieren möchte, macht es auch wirklich. (Foto: Unsplash)
Spannende Zahlen zu Teilzeitarbeit bringt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte neue Studie zutage: Die Zahl teilzeitarbeitender Männer in der Schweiz hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt und ist im internationalen Vergleich hoch, schreibt Nau. 2025 arbeiteten 20 Prozent der Schweizer Männer in einem Teilzeitpensum. Bei einer Teilzeitquote von 40 Prozent weist die Schweiz unter allen Erwerbstätigen den zweithöchsten Wert innerhalb der OECD-Länder auf.
Doch gleichzeitig setzt nur jeder zehnte Mann, der gerne sein Arbeitspensum reduzieren möchte, das Vorhaben auch in die Tat um, erklärte Studienleiter und Soziologe Jan Müller von der Universität Zürich. Untersucht wurden dafür Daten aus den Jahren 2004 bis 2020.
Man fragt sich nun natürlich: Was steckt dahinter?
Berufliche Normen seien entscheidende Faktoren: In jenen Berufen, die von einem Leitbild des «männlichen Familienernährers» und der hohen Erwartung an berufliche Hingabe geprägt sind, ist der Wunsch von Männern nach einem Teilzeitpensum eher gering.
Anders sieht es in Berufen aus, in denen die Vereinbarkeit von Job und Privatleben gefördert werde. Ein spannendes Beispiel für sich wandelnde Normen ist zum Beispiel der Arztberuf: Dort wechsle eine steigende Anzahl Männer in eine Teilzeitbeschäftigung und die Work-Life-Balance werde heute höher gewichtet.
Zitat des Tages
«Jane Doe hat ihre Ausbildung verloren und diese Männer wurden von einer Institution geschützt und bekamen ein Diplom als Belohnung. Nie wieder.»

Bekannt als «Cornell 7»: Sieben Mitglieder einer Studentenverbindung der Cornell University sollen 2024 eine Studentin unter Drogen gesetzt und vergewaltigt haben. (Screenshot: 20 Minuten)
Weltweit berichten Medien über diesen unfassbaren Fall sexualisierter Gewalt, der sich im Oktober 2024 in New York zutrug: Die Staatsanwaltschaft nimmt jetzt die Ermittlungen zu einer Gruppenvergewaltigung wieder auf, die sich vor zwei Jahren an der Cornell University ereignete. Dies, nachdem die vom Opfer in diesem Monat eingereichte Zivilklage für Aufmerksamkeit sorgte, wie Reuters schreibt.
Die junge Frau, die unter dem Pseudonym Jane Doe aufgeführt wird, wirft laut Klage sieben Mitgliedern der Studentenverbindung «Chi Phi» vor, sie als 20‑jährige Studentin in einem Verbindungshaus laut NPR mit Alkohol und Drogen bis zur Bewusstlosigkeit abgefüllt und vier Stunden lang vergewaltigt zu haben.
Besonders krank: Die Mitglieder der Studentenverbindung sollen laut der Klage per Snapchat-Gruppenchat andere Männer zur Vergewaltigung animiert haben, schreibt CBS. Ein Foto des Chats kursiert im Netz.
Die Universität verteidigt das Vorgehen der Leitung vor zwei Jahren – man habe «eine gründliche Untersuchung» durchgeführt. Nur: Anklage wurde damals nie erhoben. Nur zwei der sieben mutmasslichen Täter wurden von der Uni ausgeschlossen, schreibt 20 Minuten. Andere hätten milde «Strafen» erhalten wie eine Suspendierung. Oder mussten Aufsätze schreiben.
Doe war es, die die Uni 2024 verliess. Die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez verurteilte am Sonntag in einer Rede die «Vergewaltigungskultur» an Universitäten wie Cornell: «Jane Doe hat ihre Ausbildung verloren und diese Männer wurden von einer Institution geschützt und bekamen ein Diplom als Belohnung.»
Der Fall wird in den sozialen Medien oft mit dem Spielfilm «Promising Young Woman» von 2020 verglichen, in dem es ebenfalls um sexualisierte Gewalt an einer US-Uni geht.
Falls du reden möchtest, findest du bei der Opferhilfe Support.
Kurz-News
340 SRF-Mitarbeiter:innen von Cyberangriff betroffen · Die Daten von 340 aktuellen und ehemaligen SRF-Mitarbeitenden sind bei einem Cyberangriff entwendet worden, wie die SRG gestern mitteilte. Die Daten stammen aus dem Jahr 2020, darunter seien auch persönliche Informationen wie Kontaktangaben. Derzeit habe die SRG, die Anzeige erstattete, keine Hinweise darauf, dass die Daten veröffentlicht oder missbräuchlich verwendet worden seien, schreibt die NZZ.
Greta Thunberg überrascht am ZFF · Klimaaktivistin Greta Thunberg besucht heute das Zurich Film Festival, wie das ZFF laut Watson kurzfristig ankündigte. Thunberg wird an einer Podiumsdiskussion über die Westsahara teilnehmen, die nach der Premiere des Dokumentarfilms «My Home of Wind and Sand» stattfindet. Sie werde auch Fragen des Publikums beantworten.
Porsche-Fahrer raste mit 312 km/h · Die Polizei stoppte in Frankreich südöstlich von Genf einen Schweizer Porsche-Fahrer, der mit 312 km/h statt erlaubten 130 km/h über die Autobahn raste. Der Mann musste den Führerschein abgeben, das Auto wurde abgeschleppt. Ihm drohen nun laut Nau bis zu drei Monate Haft und 3546 Franken Geldstrafe. Es handle sich laut französischen Medien um einen der schlimmsten jemals in Frankreich gemessenen Tempoverstösse.
International
«Starship»-Rakete von SpaceX erreicht Orbit · Beim 14. Testflug von Starship hat es geklappt: Die Riesenrakete von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX hat laut Spiegel zum ersten Mal die Erdumlaufbahn erreicht. Während des rund dreistündigen Flugs setzte die Rakete 26 Starlink-Satelliten aus – diese ergänzen die mehr als 11’000 Internetsatelliten, die SpaceX bereits im All stationiert hat. Sie sollen deutlich schnelleres Internet zur Verfügung stellen.
Hungersnot im ukrainischen Oleschky · Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha warnte laut Nau vor dem Start der UN-Generalversammlung vor einer humanitären Katastrophe in der südukrainischen Stadt Oleschky. Aktuell leben laut SRF noch rund 2000 Personen in der Stadt. Wegen verminten Zugangsstrassen kommen keine Lebensmittel mehr nach Oleschky, eine Flucht ist unmöglich. Bewohner:innen müssen Unkraut essen, um zu überleben. Ukrainer:innen bezeichnen den Ort laut «Guardian» als «Hölle auf Erden».
🔧 Nützliches des Tages
100 Serien zum Abspeichern

«I look like a pencil!»: «Fleabag» hat es auf Platz 5 der Beste-Serien-Liste geschafft. (Foto: Amazon Studios)
Fertig Summer, in Bälde gibts wieder mehr cozy Abende auf dem Sofa. Nicht nur im Herbst und Winter, aber besonders dann halte ich meine Augen ständig für Empfehlungen für Bücher, Filme und Serien offen. Für Letzteres hat die New York Times gerade eine sehr gäbige Liste der hundert besten Serien veröffentlicht.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Lass uns diesen 6iBrief mit einer richtig schönen News beenden: Die 87-jährige Spanierin Maricarmen Abascal, die nach 70 Jahren aus ihrer Wohnung in Madrid geschmissen wurde und von der ich dir gestern erzählt habe, kann laut Spiegel wohl in ihre Wohnung zurückkehren. Ein Happy End, nachdem ihre Zwangsräumung Proteste im ganzen Land gegen die steigenden Mietpreise ausgelöst hatte. ❤️
Bis bald!
Vanja
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