Guten Morgen {{vorname}}
Das Schöne am Sport ist, dass er so herrlich unkompliziert ist (ausser American Football, Judo und Schach): Das Runde muss ins Eckige. Wie beim Zubereiten eines Spiegeleis. Nur dass man da die Köchin hinterher nicht fragt, wie sies angestellt hat. «Nun, ich habe ein Ei in die Pfanne getan.» Das will nun wirklich niemand lesen.
Anders beim Sport: Dort müssen die Helden und Geschlagenen regelmässig Plattitüden von sich geben. «Immer nach vorne schauen und die Scheibe nach vorne bringen», sagte ein Hockeyaner nach dem Sieg gegen Schweden. «Jeder ist für jeden gegangen», ein anderer. So darfs natürlich gerne weitergehen. Schliesslich sind wir nicht im Philosophie-Proseminar.
Schweiz · Messerattacke
Sicherheitsdirektor Fehr will dem Täter die Staatsbürgerschaft entziehen

Terror in Winterthur. (Screenshot: NZZ/Claudio Thoma)
Ein 31-jähriger schweizerisch-türkischer Doppelbürger, der der Islamistenszene angehört, verletzte gestern Morgen beim Winterthurer Bahnhof drei Passanten mit einem Messer.
Erst am Vorabend war der Mann aus der Psychiatrie entlassen worden, schreibt die NZZ. Das sorgt beim Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr für Kritik: «Das war offensichtlich eine Fehleinschätzung.» Die Klinik leitete eine Untersuchung ein.
Fehr sprach von einem Terrorakt und forderte, dem Täter das Schweizer Bürgerrecht abzuerkennen: «Wir wollen nicht, dass solche Leute in unserem Land bleiben können. Dafür hätte die Bevölkerung kein Verständnis.»
«Mich überrascht nur, dass so lange nichts passiert ist.»
Auch andere Politiker:innen forderten nach der Messerattacke scharfe Konsequenzen. Die SVP sieht ein Versagen der Zuwanderungspolitik. «Unsere Leute sind die Leidtragenden der importierten Gewalt», sagte Kantonalpräsident Domenik Ledergerber. Die SP warf der Gegenseite rassistische Hetze vor.
Der Tages-Anzeiger lässt derweil Kriegsreporter Kurt Pelda zu Wort kommen, der seit Jahren über die Winterthurer Jihadistenszene recherchiert und berichtet. Im Interview sagt er: «Mich überrascht nur, dass so lange nichts passiert ist.» Der Täter gehörte zur ersten lokalen Jihadistengeneration, die radikal und gefährlich sei. Zu den Hintergründen sagt Pelda: «Eine Verbindung zum IS ist möglich.»
Schweiz · Partei-Zoff
SP bricht mit Jositsch – schon wieder

Sitzt ziemlich allein da: SP-Ständerat Daniel Jositsch. (Screenshot: Tsüri/Yves De Prà)
Als Bundesratskandidaten wollte man ihn nicht – und nun soll er auch noch das Stöckli verlassen: An der SP-Delegiertenversammlung gestern Abend verweigerten rund 200 Delegierte ihrem Ständerat Daniel Jositsch die Nominierung für die Wahlen 2027.
Damit endet eine lange, aber je länger je toxischer gewordene Beziehung, schreibt Tsüri-Chefredaktor Simon Jacoby. Jositsch stimmte in Bern in jeder fünften Abstimmung anders als seine Fraktion, weshalb das Vertrauen endgültig weg war.
Mit diesem Schritt geht die Partei ein hohes Risiko ein, denn die Verteidigung des Zürcher Sitzes ohne den populären Bisherigen ist keineswegs sicher. «Die SP mischt damit den Wahlkampf auf, noch lange, bevor dieser überhaupt angefangen hat», heisst es im Artikel.
«Take it or leave it. Aber lasst mich danach in Ruhe.»
Als mögliche Nachfolgerin steht Nationalrätin Jacqueline Badran bereit, die gegenüber Tsüri.ch bestätigte, dass sie zur Verfügung steht. Wie Jositsch geniesst auch sie Sympathien in bürgerlichen Kreisen, was der SP beim Kampf um den Verbleib im Ständerat helfen könnte.
Im Tages-Anzeiger gibt sich Jositsch derweil kämpferisch: «Ich weiss schon lange, dass Jacqueline Badran den Ständeratssitz will. Die Frage ist, ob ich ihn ihr überlasse.» Wo Jositsch draufstehe, sei Jositsch drin, sagt Jositsch. «Take it or leave it. Aber lasst mich danach in Ruhe.»
Schweiz · Munitionslager
Mitholz-Räumung dauert neu voraussichtlich bis 2047

Der Schauerberg: Munitionslager in Mitholz. (Screenshot: SRF/Anthony Anex)
Die Räumung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz verzögert sich um zwei Jahre bis 2047. Grund dafür sind Schadstoffbelastungen im Boden, wie der Bund gestern mitteilte.
Besonders im Schuttkegel vor der Anlage lagern rund 350'000 Kubikmeter stark verschmutztes Material. Projektleiter Adrian Götschi sagt auf SRF: «Wir haben riesige Schadstoffmengen in Mitholz und damit müssen wir sorgfältig umgehen.»
Trotz der Verzögerung gibt es für die betroffene Bevölkerung keine Änderungen beim Zeitplan für die Evakuierung. Projektleiter Götschi: «Uns war wichtig, dass wir den Termin beibehalten konnten, auf den die Bevölkerung wegziehen muss. Der ist nach wie vor per Ende 2032.» Landwirtschaftliche Weideflächen sind nicht gefährdet und dürfen weiter genutzt werden.
Positive Nachrichten gibt es bei den Kosten für das 2,5 Milliarden Franken teure Projekt: Weil die Explosionsgefahr inzwischen geringer eingeschätzt wird, kann die geplante Schutzgalerie für die Eisenbahnlinie kleiner ausfallen. Das VBS spart dadurch rund acht Millionen Franken.
🏒 Zitat des Tages
«Die bessere Mannschaft hat heute gewonnen.»

Alles gesagt: Nino Niederreiter. (Screenshot: Blue News)
Gestern habe ich im 6iBrief einen Penalty vergeben. Ich empfahl als «Nützliches des Tages» den Song «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner, die inoffizielle Siegeshymne der Schweizer Eishockey-Nati. Dabei gäbe es im Repertoire der Berner ein Lied namens «Fischer».
Item. Vor dem Viertelfinalspiel gegen Schweden stand kein Barde in der Kabine der Hockeyaner, sondern ein Maestro: Roger Federer heizte der Nati ein, und das zeigte offenbar abermals Wirkung: Die Schweiz besiegte den «Angstgegner» Schweden mit 3:1.
Nach dem Spiel sagte Nino Niederreiter, protokolliert von Blue News: «Wir wollten von Anfang an die Intensität hochhalten, haben jeden Check fertiggemacht und wollten ihre Skills aus dem Spiel nehmen. Sie sind dann 1:0 in Führung gegangen, was wir sicher nicht so vorgehabt haben. Aber die bessere Mannschaft hat heute gewonnen.»
Morgen Samstag (15.20 Uhr) gehts bereits um die Medaillen. Im Halbfinal wartet Norwegen. 🤞
Kurz-News
Emotionale Feier in Blatten · Ein Jahr nach dem verheerenden Bergsturz in Blatten VS haben gestern rund 500 Personen auf dem Schuttkegel der Katastrophe gedacht. Mitten im zerstörten Dorfkern blickten die Einwohner:innen gemeinsam auf die «fast apokalyptische» Kulisse zurück, schworen sich aber auch auf die Zukunft ein, berichtet die NZZ. Neben Gemeindepräsident Matthias Bellwald sprach FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter den Betroffenen Mut zu.
«Tierversuche» mit KI-Maus · Eine virtuelle Maus soll Tierversuche in der Medikamentenentwicklung überflüssig machen. Das von Schweizer Forschenden der Empa entwickelte Modell testet Wirkstoffe direkt am Computer, schreibt Nau. Es berechnet, wie sich Nanopartikel im Organismus verteilen, was besonders für die Therapie von Hirntumoren relevant ist. Langfristig soll die KI-Maus den Weg bis zur Anwendung am Menschen verkürzen.
«Jöööh» im Dählhölzli · Der Tierpark Bern verzeichnet gemäss Bund im Frühling 2026 aussergewöhnlich viel Nachwuchs. Im Dählhölzli entdecken derzeit Wolfswelpen, Elch- und Wisent-Kälber sowie Steinbock-Zwillinge die Welt. Die am 21. April geborenen Wölfe stehen dabei im Fokus der Wissenschaft: Die Universität Neuchâtel erforscht die Geburt und das Sozialverhalten des Rudels mittels Kameras und Mikrofonen in den Höhlen.
International
EU bestraft Temu · Die Europäische Union belegt Onlinehändler Temu mit einer Busse von 200 Millionen Euro. Grund ist der Verkauf illegaler und gefährlicher Produkte wie fehlerhafter Ladegeräte und giftigen Babyspielzeugs auf der Plattform. Laut EU-Kommission versäumte es das chinesische Unternehmen, die Risiken für Konsument:innen zu prüfen. Temu bezeichnete die Strafe gemäss BBC als unverhältnismässig und prüft rechtliche Schritte.
Islamist zu 15 Jahren Haft verurteilt · Wegen geplanter Terroranschläge auf die Wiener Taylor-Swift-Konzerte 2024 ist ein 21-jähriger Islamist zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Das Landesgericht Wiener Neustadt sah auch die Bildung einer Terrorzelle und Beihilfe zum versuchten Mord als erwiesen an, schreibt das SRF. Ein Mitangeklagter erhielt zwölf Jahre Gefängnis. Der Haupttäter gestand die Pläne und gab Ruhm beim IS als Motiv an. Die Konzerte mit 200’000 Fans waren damals abgesagt worden.
🚮 Nützliches des Tages
Ghüdersack

«Meine Güte. Manche Leute gehen mit ihrem Sauerstoffvorrat völlig rücksichtslos um.» (Screenshot: Bluesky/The New Yorker)
Ghüdersäcke oder auch Güselsäcke sind eine gute Sache. Es sei denn, man ist in Neapel oder Bern, wo sie allzu oft allzu lange herumstehen. Und dann kommt der Fuchs. Aber das ist eine andere Geschichte (nachzulesen im Bund).
Heute, am Tag der Erstbesteigung des Everests, wollen wir über ein anderes Ärgernis reden: Littering auf allerhöchstem Niveau. Weil die Zahl der Bergsteiger steigt und steigt, bleibt auf dem Mount Everest immer mehr Unrat zurück. Pro Kopf fallen acht bis zwölf Kilogramm Müll an – darunter Zelte, Seile und Fäkalien.
Nun greift man aber durch, berichtet Watson. Neu müssen alle Alpinist:innen zwei Kilogramm ihres Abfalls zwingend in den extremen Höhen oberhalb von Camp zwei einsammeln. Zudem sind spezielle Kotbeutel obligatorisch, die beim Abstieg registriert und kontrolliert werden (🤢).
«Diese neue Regelung zielt speziell auf die Säuberung der höher gelegenen Lager wie Camp drei und vier ab», sagt SPCC-Geschäftsführer Tshering Sherpa. Für Rishi Bhandari vom Verband der Expeditionsveranstalter ist die Verschärfung ein «kleiner, aber positiver Schritt, um den Mount Everest sauber zu halten».
🌭 Witziges zum Schluss
Bild der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke
Abonniere den unsinnigsten Newsletter der Schweiz von der Petarde.
🎲 Rätsel
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis nächste Woche, wenn du magst.
Peter
|


