Guten Morgen {{vorname}}

Als ich die Schlagzeile zum Gymilehrer las, der mutmasslich einer 14-jährigen Schülerin Tausende Nachrichten schickte, musste ich an meine alte Schule denken. In meiner Schulzeit ist mir – niemals in diesem krassen Ausmass – etwas Ähnliches passiert.

Ein Lehrer versuchte immer wieder mit persönlichen Nachrichten Kontakt zu knüpfen. Passiert ist zum Glück nichts weiter Schlimmes, aber an das unangenehme Gefühl erinnere ich mich genau. Wie armselig und peino Lehrer sind, die das Vertrauen ihrer jungen Schüler:innen auf so eine perfide Art ausnutzen!

Mehr zum Fall aus Zürich liest du unten. Ausserdem: KI-Stellen boomen und nach einem Cyberangriff ist die Sorge um sensible Daten gross.

Schweiz · Sicherheit

Pensionskasse des Bundes: Angst um sensible Daten nach Cyberangriff

Die Bundesanwaltschaft ermittelt nach einem Cyberangriff: Betroffen ist eine Softwarefirma der Pensionskasse des Bundes Publica.
(Screenshot: SRF / Keystone / Peter Klaunzer)

Beim Hackerangriff auf eine externe Softwarefirma der Pensionskasse des Bundes Publica sind möglicherweise auch vertrauliche Personendaten betroffen. Wie Watson berichtet, könnten dazu sensible Daten wie Angaben zu Löhnen, Vorsorgeguthaben und Rentenhöhen sowie Kontaktdaten gehören. «Für uns ist es das Schlimmste, was passieren kann», sagte Beatrice Rychen, Kommunikationsleiterin der Pensionskasse des Bundes Publica, gestern laut SRF über die Cyberattacke.

Noch ist unklar, wie viele Personen von den 66'000 aktiven Versicherten und rund 40'000 Rentenbeziehenden betroffen sind. Die Vorsorgegelder an sich seien nicht betroffen und sicher, heisst es seitens Publica. Publica spricht von einem «gewissen Risiko» für Einzelpersonen.

«Es ist nicht auszuschliessen, dass die Personendaten missbraucht werden, um sich einen Vorteil zu verschaffen», schreibt Publica an die Versicherten und ruft zu Vorsicht bei ungewöhnlichen Anrufen oder Nachrichten auf.

Der Hackerangriff richtete sich gegen den Softwarelieferanten der Pensionskasse, PK Softech AG. Darüber konnte sich der Angreifer offenbar Zugang zu Publica-Daten verschaffen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt und Expert:innen des Bundes analysieren die abgeflossenen Daten.

Schweiz · Arbeitsmarkt

Steigende Nachfrage auf dem Stellenmarkt: KI-Fachkräfte sind gefragt

KI-Stellen boomen in der Schweiz. (Screenshot: Nau / Keystone)

«KI nimmt uns allen die Jobs weg!», heisst es im Volksmund oft. Gemäss einer gestern veröffentlichten Studie der Hochschule Luzern schafft künstliche Intelligenz auf dem Schweizer Arbeitsmarkt aber neue Chancen – naja, zumindest für manche. Wie Nau schreibt, wurden zwischen Juli 2025 und Juni 2026 knapp 5000 KI-Stellen ausgeschrieben. Das waren 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinter dem Boom stecken besonders kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), die für 76 Prozent des Stellenzuwachses verantwortlich waren.

«KI ist nicht mehr nur Sache grosser Technologieunternehmen, sondern fliesst zunehmend auch in die Prozesse und Angebote etablierter KMU ein», so Studienautor Curdin Derungs. Die meisten Stellen bot die IT-Branche an, aber auch von Banken wie Julius Bär oder Versicherungen wie Axa wurden KI-Fachkräfte gesucht. Genauso wie von Pharmakonzernen und Firmen im Ingenieurwesen.

Spannend: Den stärksten Zuwachs verzeichnete der öffentliche Sektor mit 67 Prozent – mit Arbeitgebern wie dem Kanton und der Stadt Zürich und dem Bundesamt für Gesundheit. «Insbesondere das Wachstum der KI-Stellen im öffentlichen Sektor deutet darauf hin, dass Politik und Verwaltung ihr Vertrauen in KI als Zukunftstechnologie festigen», so Derungs.

Aber: Gefragt waren vor allem erfahrene Fachkräfte, die KI-Systeme entwickeln und im Betrieb einsetzen können. Der Markt für Berufseinsteiger:innen blieb schwierig.

Schweiz · Aufsichtsanzeige

Zürcher Lehrer soll einer Schülerin Tausende WhatsApp-Nachrichten geschickt haben

Der Lehrer eines Zürcher Gymnasiums soll einen unangebracht engen Kontakt zu einer Schülerin gepflegt haben. (Screenshot: Tages-Anzeiger / Silas Zindel)

Pardon, aber: Wtf. Monatelang pflegte ein Lehrer eines Zürcher Gymnasiums «engen Kontakt» zu einer minderjährigen Schülerin, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Der Mann hat von Mai 2024 bis Weihnachten 2025 über 3000 WhatsApp-Nachrichten an seine damals 14-jährige Schülerin geschickt, inklusive Fotos. Hinzu kamen 18 Telefonate, auch spätabends und teilweise mitten in der Nacht, sowie Treffen ausserhalb des Unterrichts. Als sie 15 Jahre war, war er Mitte 40.

Den Tagi-Journalistinnen lagen insgesamt 188 A4-Seiten mit WhatsApp-Verläufen vor. Explizite sexuelle Inhalte finden sich darin nicht. Im Artikel werden der Tonfall und der Inhalt der Chats als persönlich beschrieben, «fast schon intim». Oft beginnt der Lehrer die Konversation, erzählt Privates und fasst nach.

Sina, 16, antwortete fast immer und sagt heute: «Ich fand einige Konversationen bereits komisch. Irgendwie unangenehm. Aber ich habe mich immer verpflichtet gefühlt, ihm zu schreiben.» Und: «Ich wusste nicht, wie ich erklären sollte, dass ich den Austausch nicht will.»

Die Eltern des Mädchens meldeten den Fall umgehend der Schulleitung und erstatteten Strafanzeige. Der Lehrer unterrichte «bis auf Weiteres» nicht, sei aber gelegentlich im Schulhaus anwesend. Er selbst sagt, die Darstellung des Tagis entspreche aus seiner Sicht «nicht dem Gesamtbild der damaligen Situation». Eine Strafverfolgungsbehörde prüft derzeit, ob ein Straftatbestand vorliegt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Falls du Unterstützung brauchst, findest du diese bei der Opferberatung.

Zahl des Tages

Ein Drittel

In der Schweiz ist ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten bedroht. Aber es gibt Hoffnung. (Screenshot: 20 Minuten / Imago / Steinsiek)

Es ist eine grosse Woche für Tier-News. Erst wurde bekannt, dass der Zoo Zürich seinen Tierbestand neu ausrichtet und sich bis 2030 von nicht bedrohten Arten trennt: Neben Trampeltieren und Seehunden steht nun fest, dass auch – bestimmt bitter für viele Besucher:innen – die Königspinguine den Zoo verlassen müssen.

Aber eigentlich wollte ich dir etwas anderes erzählen. Also, die schlechte Nachricht zuerst: Jede dritte Tier- und Pflanzenart in der Schweiz ist gemäss des WWF-«Living Planet Report» vom Aussterben bedroht, schreibt 20 Min. «In der Schweizer Öffentlichkeit hat man immer das Gefühl: Die Schweiz sei Musterschülerin. Aber wir haben Aufholbedarf im Vergleich zu anderen Ländern», sagt WWF-Schweiz-Chef Thomas Vellacott zu SRF. Er sagt, um Arten zu schützen, müssten auch ihre Lebensräume geschützt werden.

Weltweit sind untersuchte Wirbeltierpopulationen seit 1970 im Schnitt um 73 Prozent geschrumpft. Jetzt die gute Nachricht: Es gibt Hoffnung! An Beispielen wie der Seeforelle in der Hasliaare im Kanton Bern ist zu sehen, dass gezielter Artenschutz Bestände wieder wachsen lassen kann. Ein weiteres schönes Beispiel ist die Rückkehr des Fischotters, die Vellacott unter anderem auf renaturierte Flüsse und eine bessere Gewässerqualität zurückführt. 🦦

Und guck mal, gerade macht noch so ein tierisches Comeback Schlagzeilen: Auf den Seychellen entdeckten Wissenschaftler:innen 180’000 Riesenschildkröten auf einer Insel. 180’000! Dieser einst vom Aussterben bedrohten Art geht es nach einem jahrzehntelangen Schutzprogramm gemäss The Guardian wieder hervorragend.

Kurz-News

Ohne Porto: Abstimmen soll überall gratis sein · Nur in zehn Kantonen sind die Couverts bereits vorfrankiert: Schweizer Stimmberechtigte zahlen das Porto für die Rücksendung ihrer Wahl- und Abstimmungscouverts vielerorts selbst. Dies soll nun eine im Nationalrat eingereichte Motion ändern, schreibt 20 Minuten. Wie Studien der Universität Bern zeigen, erhöhen vorfrankierte Couverts die Stimmbeteiligung um bis zu drei Prozent.

Kantonsbudgets 2027: Gesundheitskosten belasten Kantonskassen · Von den 23 Kantonen, die ihr Budget für 2027 bereits vorgelegt haben, rechnen elf mit roten Zahlen. Die anderen zwölf budgetieren einen Überschuss, schreibt SRF. Am tiefsten im Minus ist Genf mit 546 Millionen Franken. Steigende Gesundheitskosten belasten die Kantonskassen – seit diesem Jahr müssen die Kantone mehr an die Prämienverbilligung zahlen.

Jede zweite Vergiftung betrifft ein Kind · Der Schweizer Giftnotruf 145 verzeichnete im vergangenen Jahr 44’700 Beratungen, schreibt der Tages-Anzeiger. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von 4,6 Prozent, wie die Stiftung Tox Info Suisse gestern mitteilte. 72 Prozent der Anfragen stammten aus der Bevölkerung und rund ein Viertel von medizinischen Fachpersonen. Und jede zweite gemeldete Vergiftung betrifft ein Kind. Kinder unter fünf Jahren machten mit fast 41 Prozent den grössten Anteil der Fälle aus.

International

Russische Angriffe: 50 Todesopfer in der Ukraine · Bei russischen Angriffen auf Autobusse und einen Wohnblock in der Ukraine sind 52 Personen gestorben, schreibt die NZZ: Gestern brannten bei einem russischen Bombenangriff in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk zwei Linienbusse aus, gemäss BBC starben mindestens 30 Personen. Es gebe laut Tagi zudem 18 Verletzte. Am Tag zuvor forderte ein Luftangriff in der zentralukrainischen Kleinstadt Priluki 22 Todesopfer. In Kiew sind bei einem Angriff laut Nau mindestens vier Menschen getötet worden.

Pentagon will Hinrichtung live übertragen · Am 3. Dezember soll der Attentäter von Fort Hood, Nidal Hasan, von einem Militärkommando auf dem Militärstützpunkt Fort Hood im Bundesstaat Texas erschossen werden. Gemäss dem Pentagon soll die Hinrichtung per Livestream übertragen werden, schreibt der Spiegel. Dies erklärte der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in einem gestern veröffentlichten Videointerview. Laut Hegseth müssten «die Menschen sehen», dass «solche Taten Konsequenzen» haben.

🔧 Nützliches des Tages

Was machsch am wuchenend?

Im Aargauer Kunsthaus gehts um KI in der Kunst.
(Foto: Mathilda Olmi / © Centre d’Art Contemporain Genève / Alfatih (*1995) , A Way Out of Time , 2024)

Heute mal wieder ein paar Kultur-Tipps, vielleicht für dein Wochenende:

Die Baslerin Sabine Hertig zeigt im Kunstmuseum Thun ihre Collagen. Hertigs interessante Werke sind eigene Welten und teils riesengross – «Schnittstellen der Sicht. Hans Gerber und Sabine Hertig» kannst du dir noch bis am 29. November ansehen.

Quasi als Gegenstück zur traditionellen Technik der Collage habe ich im Aargauer Kunsthaus die spannende Ausstellung «Künstliche Kreativität» entdeckt. Die widmet sich der Frage, ob KI auch Kunst kann – und was geschieht, wenn Menschen und Maschine gemeinsam arbeiten. Die Ausstellung ist noch bis 10. Januar 2027 zu sehen.

Letzter Tipp: Zuhause auf dem Sofa den Spielfilm «Calle Málaga» streamen. Wer mich kennt und das liest, wird die Augen verdrehen – ich konnte wochenlang nicht aufhören, über den im März erschienenen Film von Maryam Touzani zu sprechen und nervte alle endlos damit. Aber bei den gestrigen News über Maricarmen Abascal in Madrid musste ich wieder an den Film denken, in dem eine spanische Seniorin im marokkanischen Tanger aus ihrer Wohnung geschmissen wird. Grosse Empfehlung.

🔧 Witziges zum Schluss

Witziges der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Bis Montag 👋🙃

Vanja

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