Elio Donauer Vanja Kadic Simon Jacoby
ELIO DONAUER VANJA KADIC SIMON JACOBY

Guten Morgen {{vorname}}

Man würde Mutter und Tochter endlich mehr Ruhe wünschen. Und Ende August schien es mit dem Entscheid des Aargauer Verwaltungsgerichts tatsächlich so, als würden Iwona L. und Paula L. vorläufig etwas aufatmen können. Doch jetzt gibt es eine neue Entwicklung im Fall Untersiggenthal AG – mehr dazu liest du weiter unten.

Heute ausserdem wichtig: Neues zur Nachfolge von Guy Parmelin (eine 6iBrief-Ausgabe ohne wäre möglich, aber sinnlos) und Sorgen um die Cybersicherheit in der Finanzbranche.

Schweiz | Wilde Wahl

Bundesratswahl: Drohender Machtkampf in der SVP zwischen Zürich und der Romandie

Céline Amaudruz würde eine wilde Wahl nicht annehmen, sagt sie. © 20 Minuten / dra

Bundesratswahl, but make it extra spannend: In der SVP bahnt sich laut der SonntagsZeitung und 20 Minuten im Rennen um die Nachfolge von Guy Parmelin ein Machtkampf zwischen Zürich und der Romandie an. Die Westschweizer Parteivertreter wollen die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz als Nachfolgerin von Parmelin durchsetzen, während die Zürcher SVP Druck gegen Amaudruz als Bundesratskandidatin macht und andere Kandidaten bevorzugt.

Die SVP will verhindern, dass bei der Bundesratswahl am 9. Dezember eine wilde Kandidatur gewählt wird. Wer eine Wahl gegen den Willen der Fraktion annimmt, wird laut Statuten automatisch aus der Partei ausgeschlossen – alle Kandidierenden müssen schriftlich versprechen, eine Wahl ausserhalb des Tickets nicht anzunehmen. Ein anonymer Nationalrat hatte am Donnerstag bei 20 Min explizit vor einem «zweiten Fall Widmer-Schlumpf» gewarnt.

Céline Amaudruz, die bisher einzige Kandidatin, hält ein Ticket ohne Romands für ausgeschlossen, sagt sie zu 20 Minuten: «Ich halte es nicht für denkbar, dass die Romandie auf dem Ticket nicht vertreten sein könnte, dieses Szenario erachte ich daher als ausgeschlossen.» Amaudruz ergänzt: «Sollte dieser Fall dennoch eintreten, kann ich Ihnen bestätigen, dass ich die Wahl nicht annehmen werde.» Wenn sie dies trotzdem täte, würde Amaudruz sofort und automatisch aus der SVP ausgeschlossen.

Bis zum 23. Oktober können die SVP-Sektionen Kandidaturen einreichen. Über das offizielle Ticket entscheidet schliesslich die SVP-Bundeshausfraktion.

Schweiz | Gewalt

Fall Untersiggenthal AG: Neue Datenträger gefunden

Die Staatsanwaltschaft Aargau hat neue Datenträger im Fall Untersiggenthal AG gefunden.
© Tages-Anzeiger / Clara Neugebauer

Ende Juli machten Iwona L. und Paula L. ihre Geschichte erstmals öffentlich – und im August habe ich dir berichtet, dass das Aargauer Verwaltungsgericht entschieden hat, dass Mutter und Tochter in der Schweiz bleiben dürfen. Du erinnerst dich: Das Migrationsamt wollte die Polinnen aus der Schweiz schaffen.

Es war ein vorläufiger Erfolg gegen die Behörden. Doch wie der Tages-Anzeiger berichtet (Artikel noch nicht online), kämpfen die beiden mit neuen Hürden. Die Staatsanwaltschaft Aargau hat im September neue «umfangreiche Datenbestände» gefunden und ein weiteres Strafverfahren eröffnet; Datenträger, die möglicherweise wieder Videos enthalten, auf denen die heute 19-jährige Paula L. missbraucht wird, heisst es im Artikel. Wegen des neuen Materials seien weitere Ermittlungen nötig.

«Sie haben neue Datenträger und neue Gegenstände gefunden. Viel mehr weiss ich bis jetzt nicht», sagt Paula L. «Ich habe manchmal das Gefühl: Immer, wenn ich mich hochziehe, immer, wenn ich grad wackelig auf die Beine komme, dann holen mich diese Filme wieder ein», sagt sie. Die Ermittler konfiszierten schon vor Monaten Videos von über 40 Vorfällen. Paula L. beschäftige vor allem die Frage, ob er «meine Filme auch verkauft hat»: «Ob sich nicht irgendwer gerade das Material anschaut, welches die Polizei gefunden hat.»

Die Frauen werfen einem Ex-SVP-Politiker vor, sie in seinem Haus in Untersiggenthal AG betäubt, missbraucht und die Taten gefilmt zu haben. Die Aargauer Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfache Vergewaltigung, Schändung, versuchten Mord und sexuelle Handlungen mit Kindern vor. Der Beschuldigte bestreitet wesentliche Teile der Vorwürfe, für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Falls du Unterstützung brauchst, findest du diese hier bei der Opferhilfe.

Schweiz | Sicherheit

Finanzbranche: Sorge vor Cyberangriffen wächst

In den vergangenen Wochen häuften sich in der Schweiz die Meldungen zu Hackerangriffen.
© NZZ am Sonntag / David Criado für NZZaS

Nach zahlreichen Cyberattacken in den vergangenen Wochen auf Unternehmen wie Ricardo, die Softwarefirma PK Softech bzw. die Pensionskasse des Bundes Publica oder das digitale Magazin Republik, wachsen nun auch in der Finanzbranche die Sorgen. Dies berichtet die NZZ am Sonntag.

Besonders beunruhigend: Die Hacker scheinen es zunehmend auch auf heiklere Daten wie Patientendossiers oder Bankkonten abgesehen zu haben. In der Finanzwelt macht man sich Sorgen wegen grossangelegter Cyberangriffe. So bezeichnete der JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Cyberangriffe jüngst als die «grösste Bedrohung» für sein Unternehmen. Die Gefahr betreffe aber das gesamte Bankensystem und werde durch künstliche Intelligenz weiter verschärft.

Auch in der Schweiz haben es die Hacker auf die Banken abgesehen: Laut der Finanzmarktaufsicht (Finma) entdecken sie auch dort Drittanbieter als Einfallstor. «2025 betrafen beinahe die Hälfte der von Finanzinstituten gemeldeten Vorfälle solche Drittparteien, mit direkten Auswirkungen auf die beaufsichtigten Institute», so die Finma.

Der Cyberangriff auf die Firma PK Softech (PKS) von Ende September zieht offenbar grössere Kreise: Fast ein Dutzend weitere betroffene Pensionskassen sind nun bekannt, darunter jene der Migros, der Post, der Stadt Zürich und von Syngenta. Am Freitag bestätigte die Libera AG, dass sie ebenfalls mit der PKS zusammenarbeite und betroffen sei. Die Daten von über 100’000 Versicherten könnten nun bei Cyberkriminellen sein, schreibt die NZZ.

Wegen des Angriffs auf Publica könnten ausserdem Mitarbeitende des Schweizer Nachrichtendienstes im Ausland gefährdet sein, schreibt 20 Minuten. Konkret wird befürchtet, dass Unbekannte mithilfe gestohlener Daten die Identität von Mitarbeitenden aufdecken könnten. Laut SonntagsBlick stuft der Bund den Vorfall intern als «gravierend» ein.

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Zürich abseits vom Paradeplatz

Die schönsten Flecken liegen oft nah. Wer demnächst mal wieder Zürich besuchen (oder als Local neu entdecken) möchte, dem sei dieses Büechli wärmstens ans Herz gelegt.

Die Redaktion von Tsüri.ch, zu der auch dieser 6iBrief gehört, hat einen Stadtführer der etwas anderen Art zusammengestellt. Anstatt starrer Routen liefert das Buch 78 Erlebnisse und 26 Aktivitäten, die sich ganz nach Lust und Laune kombinieren lassen. Von den schönsten Spaziergängen abseits des Trubels über versteckte Parks bis hin zu den tollsten Flohmärkten lässt sich die Stadt so völlig neu erleben.

Das macht das Büechli nicht nur zur idealen Inspiration für den eigenen Städtetrip, sondern auch zum perfekten Geschenk – egal, ob für waschechte Zürcher:innen, die Tante aus dem Aargau oder den Onkel aus dem Oberland.

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Zitat des Tages

«Wir alle empfinden heute Abend Wut und Scham. Es ist unerträglich, die Strassen unserer Städte derart verwüstet zu sehen.»

Macron äusserte sich gestern zu den Ausschreitungen in Frankreich.
© Spiegel / Ludovic Marin / AFP

Du hast die krassen Bilder am Wochenende von den Plünderungen und der Zerstörung in Frankreich bestimmt gesehen: Hunderte von Geschäften wurden in Brand gesteckt, zerstört und ausgeräumt. In Limoges wurde das 143 Jahre alte Rathaus in Brand gesetzt und weitgehend zerstört. Laut NZZ wurden 1000 Polizist:innen und Feuerwehrleute verletzt. Es kam zu gewaltsamen Zusammenstössen von Polizei und Demonstrierenden – in verschiedenen Städten wurden laut Guardian mindestens 2400 Personen verhaftet.

Emmanuel Macron äusserte sich gestern zu den Gewaltexzessen und den landesweiten Massenprotesten vom Samstag. Der französische Präsident verurteilte die Ausschreitungen und die «ungezügelte» Gewalt scharf, wie der Spiegel berichtet. «Wir alle empfinden heute Abend Wut und Scham», so Macron. «Es ist unerträglich, die Strassen unserer Städte derart verwüstet zu sehen.»

Macron verkündete, dass die Verantwortlichen mit der vollen Härte des Gesetzes verfolgt würden. Ausserdem versprach er «Transparenz» – das als zu hart angesehene Vorgehen von Polizei und Sicherheitskräften solle genau untersucht werden. Macron drohte auch mit einem Verbot von weiteren Demonstrationen.

Anlass war ein Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem, landesweit nahmen nach Regierungsangaben rund 550’000 Personen teil. Die Organisatoren sprachen von rund 800’000 Demonstrant:innen im ganzen Land. Macron rief dazu auf, Demonstrant:innen mit «legitimen Forderungen» nicht mit denjenigen zu verwechseln, «die zerstört, zertrümmert und geplündert haben».

Du fragst dich, warum die Demos stattfinden? Die Anliegen der Demonstrierenden sind vielfältig, im Fokus stehen aber die hohen Lebenshaltungskosten (mehr dazu liest du bei SRF). Macron versprach ein Eingehen der Regierung auf die Nöte der Bevölkerung, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Die Regierung wolle die von den Demonstrant:innen beklagten Probleme angehen und das Gespräch suchen, sagte er.

Kurz-News

Schweiz

Elisabeth Baume-Schneider will mehr Jugendschutz auf Social Media
Nachdem vergangene Woche bekannt wurde, dass der Bundesrat nun Social-Media-Plattformen wie TikTok oder Instagram doch Vorgaben zum Jugendschutz machen möchte, geht Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider noch weiter: Wie SRF berichtet, plädiert sie für Zugangsbeschränkungen für Kinder und Jugendliche. Baume-Schneider könne sich konkret ein nächtliches Scroll-Verbot auf Social Media für Jugendliche vorstellen. Als mögliches Vorbild für Jugendschutzregeln sieht sie China, den Herkunftsstaat von TikTok.

 

Positive Bilanz der diesjährigen Olma
In St. Gallen ist gestern nach elf Tagen die Olma zu Ende gegangen. Die diesjährige 83. Ausgabe besuchten laut Nau über 335’000 Menschen – eine positive Bilanz für die Ostschweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung. Insgesamt waren 650 Aussteller:innen präsent. Besonders grossen Anklang hätten der Auftritt des Gastkantons Schwyz, die Sonderschau der Schweizer Armee sowie die neue Olma Action Area gefunden. Erstmals besuchten mit Bundespräsident Guy Parmelin an der Eröffnung und Bundesrätin Karin Keller-Sutter am Tag des Gastkantons zwei Mitglieder des Bundesrats dieselbe Olma.

 

Braindrain in der Schweiz: Abwanderung von IT-Fachkräften
Die Schweiz kämpft laut der NZZ am Sonntag mit Braindrain: An der ETH ausgebildete IT-Talente werden von US-Techkonzernen abgeworben. Laut Andreas Krause, Leiter des ETH AI Center, sei dies ein Problem für die «digitale Souveränität der Schweiz», schreibt 20 Minuten. Tech-Firmen aus den USA investieren Millionen, um IT-Talente für sich zu gewinnen: So soll etwa hinter einem Studentenverein, der an der ETH Treffen mit IT-Konzernen organisiert, Google stecken.

International

Kanada: Vier Tote bei Brand auf Militärstützpunkt
Bei einem Grossbrand auf einem kanadischen Militärstützpunkt sind am Samstag vier Soldaten gestorben. Wie BBC berichtet, wurden laut Behördenangaben 39 verletzte Personen ins Spital gebracht. Mindestens 19 davon befinden sich in kritischem Zustand. Der Brand ereignete sich auf der Canadian Forces Base Wainwright in Alberta. Auf einem Übungsgelände sei ein Grasbrand ausgebrochen, und «ungewöhnlich starke Winde» hätten dazu geführt, dass sich das Feuer rasch in Richtung der an Übungen teilnehmenden Soldaten ausbreitete. Die Ursache wird laut Tagesschau weiterhin untersucht.

 

Angriffe israelischer Siedler auf US-Journalistin und Diplomaten
Radikale israelische Siedler attackierten eine US-Journalistin und europäische Diplomaten im Westjordanland, wie die NZZ und The Guardian berichten. Die US-Fotojournalistin Heidi Levine berichtete für die Washington Post über die Olivenernte palästinensischer Bauern im Dorf Abu Falah, ehe vermummte israelische Siedler auftauchten und zunächst die Bauern und später die Journalistin angriffen. Sie erlitt Knochenbrüche und musste im Spital behandelt werden. Am Samstag wurde eine Gruppe europäischer Diplomaten aus Frankreich, Belgien und Polen im Dorf Taybeh ebenfalls von einer Gruppe israelischer Siedler angegriffen. Die Europäische Union verurteilte die Angriffe scharf.

Das Nützliche zum Schluss

Öpis fürs Aug 👀

Heute schicke ich dich ins Archiv: Auf archives.design findest du auch gute alte Banger wie das Windows-95-Design. © archives.design

Alte Verpackungen, Retro-Vinylcover, Bücher aus früheren Zeiten und Vintage-Magazine schaue ich mir so gerne an. Richtige Perlen sind da teilweise darunter und viele Designs sind echt inspirierend. Neulich stolperte ich über das digitale Archiv archives.design.

Auf der Webseite kannst du dir allerhand spannendes Material angucken, von Büchern und Postern bis zu Info-Broschüren und Bedienungsanleitungen. Ein kleiner Tipp für alle, die interessantes Grafikdesign, Typografie und visuelle Gestaltung mögen. Und alle, die in der Brocki auch gerne die alten Platten und Magazine durchstöbern, um sich die Bilder und alten Logos anzuglotzen.

Love’n’Peace!
Merci fürs Lesen.
VANJA KADIC

Vanja Kadic

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

Du gibst ein Wort ein.

Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

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